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Der Israelit · 1921-07-21 · Heft 29 (21.7.1921) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
62 (1921)
Issue
Heft 29 (21.7.1921)
Date
1921-07-21
Page
– (sequence 5)
Language
German
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No. 29 Seite 5 21. Juli 1921 __ Individuum fertig gesponneneWolle aus beliebigen Quellen eingekauft und als Zizis an Händler weiterverkauft hat. Man sollte daher nur von solchen Personen Zizis beziehen, deren Gewissenhaftigkeit und deren Kenntnis von den grundlegenden Bestimmungen man sicher sein kann. Die öffjudenfraoe im Landtag- Aertt«, 15. Juli. In der heutigen Sitzung des preußischen Landtages hielt der Minister des Innern,. Dominicus, eine Rede, in der er sich unter Berufung auf. eine Eingabe des deutschen Städtetages gegen die Einwanderung der Oftjuden äußerte. Die Eingabe betrachte diese Elemente als eine soziale und politische Gefahr, eine politische insofern, als die Kolonien von Ausländern nicht innerlich mit dem deutschen Volke verwachsen seien und möglicherweise deutschfeindlichen Bestrebungen huldigten. Das Internierungslager in Stargard sei unentbehrlich. Mißstände, die sich dort in der Tat gezeigt hätten, seien sofort abgeftellt und die verantwortlichen Beamten rücksichtslos entlassen worden. Durch einen Erlaß vom 4. Juni habe der Minister verfügt, daß lästige Ausländer nicht sofort nach dem Internierungslager abzuführen sind, sondern daß behufs Abschiebung mit den Oberpräsidenten der östlichen Provinzen in Verbindung getreten werden sollte. Unfreiwillige Abschiebung set nicht möglich, wenn es sich um polnische Deserteure handelt. Jede ünöttge Härte sei nach Möglichkeit vermieden worden. Aber schon das Bestehen des Internierungslagers wirke wohltätig, indem die Furcht davor viele Ausländer zur Auswanderung veranlasse. Es sollte nicht schwer halten, dem Minister klarzulegen, daß die Idee, den ostjüdischen Einwanderern „deutsch-feindliche Bestrebungen" anzudichten, nur in einem überreizten antisemitischen Gehirn entstanden sein kann. Was man auch über die wirtschaftliche Betätigung eines Teiles der ostjüdischen Einwanderer sagen möge, daß ihnen jede politische Animosität gegen Deutschland von Hause aus vollkommen fern liegt, dürfte jedem halbwegs unterrichteten Kenner der einschlägigen Verhältnisse klar sein. Böhmen. Sitzung 965?ioniRif(fien LMionshomifees- I>rag, 14. Juli. An der Sitzung des Aktionskomitees nehmen etwa 40 Personen aus den meisten Ländern der Erde teil. So ko low und Wetzm ann berichten eingehend über die politische Lage, wobei der rrstere namentlich vor allzuscharfer Kritik an der de^Oberkommissars warnte^ Weizmann betonte, daß er an der Entschlosienheit Englands) die Balfour-Deklaration ehrlich durchzuführen, nicht zweifle. Doch laste der Wortlaut dieser Deklaration den Auslegungskünsten allzuviel Spielraum und es sei dringend nötig, eine authentische Interpretation herbeizuführen. Auf Grund eines Beschlusses des Aktionskomitees ist Weizmann am Dienstag nach London abgereist, um mit der englischen Regierung erneut Verhandlungen zwecks Erzielung einer eindeutigen Auslegung der Balsour-Dekiaration zu pflegen. * * -» Brag, 15. Juli. Ueber die Palästinaarbett berichteten in der Sitzung des zionistischen Aktionskomitees, C o w e n, Ussi schkin und Dr. Ruppin. Im März bis Juni dieses Jahres sind monatlich 22000 Pfund nach Palästina überwiesen worden. Für das Schulwerk sollen im kommenden Schuljahre nicht Mehr als 50000 Pfund bereitgestellt werden. In Emek-Jtsreel sind 50000 Dunam gekauft worden, wobei die arabischen Pächter durch Zuweisung anderen Bodens durch die Käufer entschädigt worden find. An städtischem Boden seien 12000 baureife Parzellen verfügbar. Der Keren hajesod hat bisher 154000 Pfund eingenommen, von denen ungefähr 100000 Pfund aus Amerika stammen/ 11000 Pfund aus Deutschland, ebenso Der YSraeM.__ viel aus Polen. Von den 154000 Pfund sind 72000 Pfund bereits ausgegeben worden. Dr. Ruppin erklärte, man könne nach seiner Ansicht mit 1,5 Millionen Pfund Sterling die Zahl der jetzt in Palästina lebenden Juden innerhalb drei Jahren verdoppeln. Jabottnski trat in temperamentvollen Ausführungen für die Schaffung einer jüdischen Legion in Palästina zum Schutze gegen die Araber em. Volon. Neue lleberfälle auf Juden Warschau, 14. Juli. Die Zahl der Ueberfälle auf jüdische Reisende nimmt in und an den polnischen Bahnen in beängstigender Weise zu, ohne daß behördlicherseits dagegen mit genügender Energie eingeschritten wird. Wenn in einer großen Stadt wie L o dz eine organisierte Bande sich am hellichten Tage am Bahnhof postieren und alle jüdischen Reisenden mißhandeln darf, wenn die Pastagiere bis in die Eisenbahnwagen verfolgt und mit Stöcken verprügelt werden, so erhält man eine Vorstellung davon, wie es auf kleineren Stationen und während der Fahrt aussieht. Die1 Vorgänge in Lodz haben sich unter den Augen der passiv zuschauenden Polizei abgespielt. Haarsträubendes ereignete sich diese Woche auf der Fahrt eines Etsenbahnzuges zwischen Graniza und Warschau, wo zu den tätlichen Angriffen schließlich regelrechte Räuberet trat. Mehr als hundert jüdische Passagiere mußten die Fahrt vorzeitig unterbrechen, um den Gewalttaten der mitfahrenden Banditen zu entgehen. , Wann endlich wird die polnische Regierung diesen schmachvollen Zuständen ein Ende machen? gtMmrwie«. lagen und Chafaren- M««, 14. Juli. Aus Klausenburg in Neu-Rumänien wird über etnedort stattgehabte Gründungsversammlung des Bundes der magyarischen Minderheit in Neu-Rumänien berichtet. Nach berühmten Mustern machen die Magyaren in Rumänien selbstverständlich die größten Anstrengungen, um die jüdische Bevölkerung als Bestandteil der magyarischen Nationalität auszugeben und dadurch die Minderheitsziffern zu Gunsten des Ungartums zu erhöhen. Die rumänische Statistik will die in Siebenbürgen wohnenden 180000 Juden natürlich nicht zu den Magyaren zählen. Es ist nun außerordentlich pikant und dürfte namentlich für die Leser dieses Blattes nach der eingehenden Beschäftigung mit der Geschichte der Chasaren einen besonderen Reiz haben, zu erfahren, daß sich die Magyaren in Neu-Rumänien auf ihre tausendjährige Bruderschaft und Blutsverwandschaft mit den alten Chasaren berufen, um die Juden für sich reklamieren zu kö nn en. Es stehe garnicht fest, daß die heutigen Juden von Abraham, Jizchak und Jacob und nicht von den Chasaren abstammten, es sei also möglich, daß sie nur der Konfession, nicht aber der Nationalität nach Juden seien. Schade ist nur, daß man in Ungarn selbst, wo die Magyaren die Macht in Händen haben, von dieser kühnen historischen Argumentation nicht das Geringste wissen will. @«0lanfc. Londoner Brief- London, 15. Juli. Der langjährige Präsident der Anglo Jewish Astociation, Claude Montefiore, hat sein Amt niedergelegt. An seiner Stelle ist Herr Osmond Avigdor-Goldsmid zum Vorsitzenden gewählt worden. In der diese Woche stattgehabten Jahreskonferenz der englischen Zionisten-Federation, wnrde die politische Lage des Zionismus, insbesondere die arabische Frage in sehr ernster Stimmung erörtert. Während der Berichterstatter im Sinne der Pläne Jabotinskis laut nach der Anwendung der „starken Hand" gegenüber den Arabern rief, wurde diese Politik, wie die Anwendung jeder Gewalt zur Lösung des arabischjüdischen Problems von der Mehrheit entschieden verworfen. Für die zionistische Organisation sei Freundschaft mit den Arabern unbedingte Grundlage aller Politik. Ein Redner verglich die angekündigte arabische Delegation mit dem Auftreten Bileams und sprach die Hoffnung aus, daß auch das Ergebnis das gleiche sein werde. Die finanzielle Lage des englischenZiontsmus wurde als äußerst kritisch bezeichnet. Auch die Eingänge für den Keren Hajesod seien in England, weil es an Mitteln zur regen Propaganda fehle, durchaus unbefriedigend. Zangwill gibt bekannt, daß die von ihm begründete I t o angesichts der Balfour-Deklaration, die die Aussicht auf eine jüdische Autonomie in Palästina eröffnete, beschlossen hatte, vorläufig ihre Arbeit zurückzustellen, um das jüdische Interesse nicht von Palästina abzulenken. Sie nehme, auch jetzt noch die abwartende Haltung ein, bis man aus dem Wortlaute des vom Völkerbund festzusetzenden Palästtnamandates endgültig werde ersehen könne, inwieweit die Forderung einer autonomen jüdischen Siedlung in Palästina Aussicht auf Verwirklichung habe. _Das Moskauer ttilfsroerft für die Ukraine- 5f London, 6.?Juli. Der Präsident der kanadischen Hilfsgesellschaft für die Ukraine, M. Belkin, ist nach siebenmonatlichem Aufenthalt in der Ukraine nach London zurückgekehrt und berichtet, daß das in Moskau eingerichtete zentrale Hilfskomitee Zweig-Komitees in Charkow, Kiew, Odessa und Minsk eingerichtet und Unteragenten an einer größeren Zahl kleinerer Plätze bestellt hat. Das Komitee hat vom Dezember 1920 bis Mai 1921 26 Waggons Lebensmittel und Kleider, sowie Medikamente nach der Ukraine gesandt, während weitere 100 Waggons unterwegs sind. In der Ukraine bestanden im ganzen Anfang April 340 jüdische Institutionen von denen 220 Kinderheime waren. Alle diese find von dem Zentral-Komitee unterstützt worden und auch die Sowjet-Regierung hat eine gewisse Hilfe an Nahrungsmitteln und Kleidung gewährt. In der Stadt Kiew waren 'im Januar 1921 1098 Kinder in Heimen untergebracht, 2015 wurden teilweise unterstützt und 1500 waren obdachlos. Nach den Angaben Belkins sind an eigentlichen Waisenkindern in der Ukraine 150000 vorhanden, von denen nur etwa 15000 von den Institutionen des Moskauer Komitees versorgt werden. Von größter Bedeutung sei die Sendung von Werkzeugen sür Handwerker nach der Ukraine. Der Mangel an Werkzeugen bewirkt völlige Arbeitslosigkeit und Htnetnpreffung von tausenden von Handwerkern in den aussichtslosen Kleinhandel. Belkin besitzt 150 authentische Photographien, die ein Bild von den Ruinen, den baulichen und den menschlichen Ruinen d?r Ukraine geben. Italien. Friest, 6. Juli. Die Meldungen über den Ausschiffungs-Boykott der Araber gegen die Juden in Jaffa haben leider in den für die Reise nach Erez Jtsroel hauptsächlich in Betracht kommenden Häfen eine überaus kritische Lage geschaffen. Em ehemaliger Palästinenser, der 20 Jahre in Erez Jisroel gewohnt hat und Ende Juni in Triest ankam, um nach Jaffa weiterzufahren, mußte im Bureau das Lloyd erleben, daß ihm bei Vorlage seines englischen Paffes rundweg erklärt wurde: „Juden können keine Fahrkarten nach Palästina bekommen!" Der Lloyd hatte vom 15. Juni eine Mitteilung seines palästinensischen Agenten erhalten, wonach die arabischen Bootsleute sich kategorisch weigerten, jüdische Reisenden auszuschiffen. Der Gouverneur begann Verhandlungen mit den Bootsleuten, lediglich mit dem Ergebnis, daß die Behörden in

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