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Der Israelit · 1921-07-21 · Heft 29 (21.7.1921) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
62 (1921)
Issue
Heft 29 (21.7.1921)
Date
1921-07-21
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Sette 2 Nr. 29 31. Juli 1921. Der Israelit. als Mittel für die Errichtung und den Fortbestand der Religion. Und dementsprechend ist auch im nationalen Sinne das religiöse Judentum allein das Judentum. Der Monotheismus ist nun auch das Leitmotiv für die ganze Entwicklung des Judentums, denn diese Entwicklung ist eine vollkommen einheitliche. In der Betonung dieser Einheit liegt ein bedeutsames Moment der ganzen Cohen'schen Konstruktion. Er kennt keine Trennung zwischen prophetischem und rabbtnischem Judentum. Talmud und Midrasch sind ebenso gilttge Quellen des Judentums wie die Bibel in ihren verschiedenen Bestandteilen. Und er würdigt die Tätigkeit des Rabbinismus, die Durchdringung des ganzen Lebens mit der Religion als eine notwendige „Zurüstung zum Messianismus." Diese Würdigung wird auch nicht dadurch beeinträchtigt, daß die Auffassung Cohen's von der mündlichen Lehre sich nicht mit der unsrigen deckt. Der Monotheismus gründet sich vor allem auf den Geist der Erkenntnis,' durch die Erkenntnis und in der Erkenntnis tritt Gott in Korrelation zum Menschen. Das Ziel des Menschen aber ist die Heiligkeit- und Heiligkeit als Sittlichkeit vereinigt Gott und den Menschen. Allerdings ist diese Vereinigung nicht im Sinne der Mystik zu verstehen. Gottist unerreichbar, und die Sehnsucht der Psalmen richtet sich immer nur auf die Nähe Gottes. Und diese Nähe Gottes wird durch seine Vergebung erlangt. Die Sünde entfernt den Menschen von Gottdie Vergebung, läßt ihn wieder der Nähe Gottes teilhaftig werden. Gott ist das Urbild der Heiligkeit, das niemals erreicht werden kann, das für die Handlung die Bedeutung des Ideals hat. Und diese idealistische Bedeutung ist der Sinn der Liebe zü Gott, die in der Sehnsucht der Psalmen ihren Ausdruck findet. Im praktischen Leben aber beginnt die religiöse Liebe mit der Menschenliebe. Und diese hinwiederum hat ihre Wurzel in dem sozialen Mitleid mit der Armut. Die Menschenliebe des Judentums ist eine allumfassende. Mit feinem Verständnis definiert Cohen die Begriffe: N2 v, und D und er sieht eine literarische Tatsache für den sittlichen Vernunftanteil des Monotheismus, darin, daß er d.en Ausländer auch ohne den Anschluß an die Religion zum Mitmenschen erkoren hat. Er betont auch besonders den unerreicht hohen Standpunkt unserer Weisen, den sie in der Schaffung des Begriffes den filttlK 'Ton bekundet haben, der auch den sittlich hochstehenden Menschen unter den anderen Völkern Frömmigkeit zuerkennt. Von der höchsten Bedeutung für die Gleichstellung der Menschen trotz der Verschiedenheit der sozialen Lage ist,der Sabbat. Er ist ein „unübertreffliches Dokument für die fundamentale Sittlichkeit des Monotheismus und für seine sittliche Originalität." In ihm ist der Inbegriff der Gottesliebe zu erkennen, ja, das Gesetz vom Sabbat ist die Quintessenz der monotheistischen Sittenlehre, und so ist es zu verstehen, daß für die Propheten der Sabbat zum Ausdruck für die Sittlichkeit schlechthin wird. Das Ziel dieser Sittenlehre ist der Messianismus. Es ist aber ein grober Irrtum, wenn das messianische Zeitalter als das „goldene" bezeichnet wirddenn das goldene Zeitalter verlegen alle Völker in die Vergangenheit, das jüdische Volk allein erhofft die Entwicklung der Menschheit von der Zukunft. Während den Griechen die Geschichte lediglich auf die Vergangenheit gerichtet war, sind die Propheten die Idealisten der Geschichteihr Sehertum hat den Begriff der Geschichte erzeugt als des Seins der Zukunft. Nur auf dem Grunde des Monotheismus ist eine Geschichte der Menschheit möglich. „Denn die Menschheit hat in keiner Vergangenheit gelebt, und auch in keiner Gegenwart ist sie lebendig gewordennur die Zukunft kann ihre Lichtgestalt heraufbrtngen. (S. 294)." Die Erlösung der Menschheit aber wird herbeigeführt durch das Leiden Israels, das nicht eine Bestrafung bedeutet. „Die Erwählung zur Lehre des einzigen Gottes ist zugleich die Erwählung zu dem stellvertretenden Leide für die Götzendiener wie für alle Völker, die noch nicht zur Erkenntnis des einzigen Gottes ausgereift sind." (S. 511.) Es ist unmöglich, im Rahmen dieser Betrachtung auf die ganze Gedankenfülle des Cohenschen Werkes etnzugehen. Es sei noch htngewiesen auf die Würdigung des Gesetzes, das nicht Isolierung, sondern „die Idealisierung alles irdischen Tuns mit dem Göttlichen" bezweckt, auf die Verherrlichung des Thorastudiums, das ein eigentliches Proletariat nicht aufkommen ließ und das „den vornehmen Charakter der Volksseele nicht hat untergehen lassen unter den Bedrückungen der Jahrtausende"- ferner auch auf die tiefgründigen Betrachtungm über das Gebet und die feinsinnige und tieft Erfassung des Gedankeninhalts unserer Gebete. Im Zusammenhang damit würdigt Cohen auch die Gründe, die für die Notwendigkeit der Beibehaltung der hebräischen Gebetssprache anzuführen sind. Wir haben bereits bemerkt, daß die Anschauungen Cohens in vieler Hinsicht von dem Standpunkt des überlieferten Judentums abwetchen, o z. B. auch in seiner ablehnenden Stellungnahme gegenüber den Opfern, die er als mit der strengen Wahrhaftigkeit unvereinbar bezeichnet. Insbesondere ist es die Intervention des Priesters^ durch die nach seiner Auffassung die Unmittel' barkeit mit Gott in Frage gestellt wird. Dabei unterscheidet er aber selbst treffend zwischen der Sühne, die das Werk des Priesters ist, und der Versöhnung, die auf Gott zurückgeführt wird, und die bedingt ist durch die Selbstläuterung, die der Mensch durch das Sündenbekenntnis anzustreben hat. (S. 233). Er entkräftet damit selbst zum Teil die Einwände, die er gegen das Opfer erhebt. — Ein Mangel ist auch die durchaus rationalistische Betrachtungsweise, die trotz aller Begeisterung die Darstellung beherrscht, die z. B. auch zur entschiedenen Verwerfung der Mystik führt und dadurch eine wesentliche Sette des Judentums vollkommen vernachlässigt. Und wenn er sagt (S 354): „Die Unsterblichkeit gewinnt die Bedeutung des geschichtlichen Fortlebens des Individuums im geschichtlichen Fortbestände seines Volkes", so ist dies auch nicht die Unsterblichkeit, wie sie von den maßgebenden Autoritäten des Judentums ausgefaßt wurde. Aber trotz alledem enthält das Buch eine Fülle geistvoller und erleuchtender Gedanken, die auch den Kenner des Judentums zu einer Vertiefung seiner Auffassung führen können, und seine Verbreitung wird deshalb nicht nur nach außen hin ein besseres Verständnis des Judentums anbahnen, es wird auch im Innern bei urteilsfähigen Lesern zu einer höheren Würdigung und Wertschätzung des Vätererbes bettragen. U. Wochennmdschau. Me bayerische Semeinbeorganisation. Wir haben bereits über den Verlauf des ersten Verbandstages der bayerischen Gemeinden ausführlich berichtet, möchten aber auf zwei Punkte nach den uns inzwischen zugegangenen offiziellen Referaten zurückkommen. Interessant waren vor allem die Mitteilungen, die Landgertchtsrat Dr. Neumeyer über den Entwurf eines reltgionsges ellschaftlichen Steuergesetzes machte, das inzwischen dem bayerischen Landtage zugegangen ist. Danach steht die bayerische Regierung merkwürdigerweise auf dem Standpunkt, daß in Artikel 137 der Reichsverfaffung unter dem Begriffe „Religionsgesellschaften" nicht die Einzelgemeinden zu verstehen seien, sondern nur das was der Sprachgebrauch als Religionsgesellschaft ansieht, nämlich die G e s a m t h e i t der Konfession. Der bayerische Verband erlange also seine Rechtsfähigkeit als öffentliche Körperschaft gar nicht auf Grund des angezogenen Artikels der Reichsverfassung, sondern Einige Bemerkungen zum Wvch'nabschnitt pbn- Von Dr. Felix Kanter in Zwittau (Mähren.) I. Liebe und Hast. Der Engel Gottes stellte sich dem Bileam in den Weg, um ihn an seinem Gäng nach Moab zu verhindern. Die Absicht des Engels ist scheinbar nicht klar, da doch Gott selbst kurz vorher dem Bileam die Erlaubnis erteilte, nach Moab zu gehen (onx Dip). Allein, Gott erteilte ihm die Erlaubnis zu gehen. Bileam aber stand schon früh morgens auf, sattelte — wie unsere Weisen bemerken — selbst seinen Esel und machte sich auf den Weg nach Moab. Aus diesem seinem Eifer und aus dem Umstande, daß er es gar so eilig hatte, zu Balak, dem König von Moab, zu gelangen, ist die verwerfliche Gesinnung Bileams zu ersehen, dem es ein Bedürfnis war, nicht dem Be- 1 fehl Gottes zu gehorchen, sondern möglichst schnell nach t Moab zu Balak zu gelangen. Dies deutet auch die heilige Schrift kurz an: „Der Engel Goltes stellte sich ihm in den Weg" deshalb ms bv 221 »sim „weil er auf seiner Eselin ritt". Vom Reiten war ja überhaupt nicht die Rede? Gott erteilte ihm bloß di? Erlaubnis zu gehen (dj\s *]*? mp). Bileam hatte es aber besonders eilig, er ritt, anstatt zu gehen. Das machte ihn sehr verdächtig. Zur Ausübung einer mSD, zur Verrichtung eines guten, gottgefälligen Werkes pflegen die Menschen es sonst nicht gar so eilig zu haben und sich in der Regel Zeit zu lassen. Einen besonderen Eifer entfalten sie nur d^nn, wenn es gilt, etwas zu vollbringen, was der Vollbringung nicht wert ist. Es gibt selbstredend auch Ausnahmen, auf dte schon unsere Weisen htndeuten. Auch zu Abraham sprach Gott, er soll mit seinem Sohne Jsak in das Land Moria gehen. Und auch Abraham stand früh morgens auf und sattelte selbst seinen Esel und beeilte sich, dem Befehle Gottes nachzukommen. Das war eben die N2N.S die höchste und reinste Liebe zu Gott, die ihn aneiferte. Bei Bileam war es aber die die grenzenlose, durch nichts begründete Feindschaft gegen Israel, die ihn zu diesem außergewöhnlichen Eifer anspomie. Deshalb stellte sich ihm der Engel in den Weg. II. Dissimilation. Bileam sprach zum Abschied zu Balak: „Ich will dir raten, was dieses Volk (Israel) deinem Volke machen wird am Ende der Tage". Unseren Weisen siel die Ausdrucksweise auf. Es sollte doch richtiger und logischerweise heißen „was dein Volk diesem Volke (Israel) tun wird". Bedenkt man, worin der Rat Bileams bestand, Hann versiebt man auch seine schei bar sonderbare AusdruckSweise. DerRar Bileams bestand nach dem Talmud (Sanhedrin 110) darin, Israel zu? I Unzucht zu ver elten. Durch Unzucht sollte Israel dann umso leichter zum Götzendienste verleitet werden und seinen wahren Glauben verleugnen. Dieser leufliche Plan war auch eines Bileam vollständig würdig. Denn in der Tat ließ fich das Volk bald von den Töchtern Moabs verleiten „und es bückte sich vor ihren Göttern". Dadurch hörte Israel bald auf, das Volk Gottes zu sein und es wurde ein Teil des Volkes Moab, mit bem es sich vermischte. Dies bezweckte auch Bileam mit seinem Ratschlage. „Ich will dir raten, was dieses Volk (Israel) zudeinemVolkemachen. das heißt in dein Volk verwandeln wird" (NVp' ib>k “jö^ ntn oyn). Und dies war die Verleitung zur Unzucht und zum religiösen Abfall. Dieser Plan ist ihm leider gelungen. - III. Frauenrecht. Bileam verstand es auch wie selten jemand, Israel zu loben. „Wie schön sind deine Zelte, Jakob, deine Wohnungen, Israel"! Dieses Lob mußte jeder Israel zollen, jeder, der Gelegenheit fand, Einolick in Israels Wohnstätten, in sein musterhaftes, inniges und sonniges Familienleben zu gewinnen. Dieses Lobes sollen wir uns aber auch bemühen, uns würdig zu zeigen und es auch in unserer Zeit voll und ganz zu verdienen. Denn dieses Lob enthält auch eine Mahnung, eine Mahnung namentlich an Israel der Gegenwart. Man beachte genau den Wortlaut dieses von Bileam gespendeten Lobes: Es ist darin von Jakob und Israel, von bns und |2ii>D bie Siebe. Unter Jakob, so meinen unsere Weisen, sind die Frauen, unter Israel die Männer zu verstehen, bna wird in der heiligen Schrift

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