Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 62 (1921)
- Issue
- Heft 29 (21.7.1921)
- Date
- 1921-07-21
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Ein Centralorgan für das orthodoxe Judentum i Begründet oon Or. Lehmann in (Kainz Ifthrnftna ^rmihfiirf M Ron 21- 2uli 1921 SS9 M 29 D4 janrgana. sranmurt a. in., den 15 2ammus 5681 Abonnement pro Vierteljahr: Deutschland M den Postämtern sowie bei direkt. Bestellung u. Rechnungserteil, durch d. Verlag M. 7.20 Viertels, s. Lehrer u. Kultusbeamte (n. direkt) M. 3.60 vierteljährlich. Deutsch Oesterreich Kr. 90.— vierteljährlich: Tschecho-Slr aket Kr. 12.— Ungarn Kr. 40.—vierteljährlich, Polen (nur in de "cher Reichsmk.) Mk. 12 vtertelsährl., Rumänien 10 Lei, ßollant ' Skandiuad. Kr.2, Schweiz fs. 1.50, Frankreichu.BelgienF England 1 sd. 6 p., Amerika 0.50 Doll, Vierteljahr!. Cuizeltnummer 60 Pfg. Durch den Buchhandel wie beim Verlag. Der Israelit erscheint jeden Donnerstag Inserate : Mk.2.— für die sechsgespaltene Colonel-Zeile elnfchl. Tenerungsznschl.; Ausland-Jns.Mk.4.—pro Zeile Rav. nach Tarif. Bei laufenden Jnseratauftr tarifm. Preiserhöhung jederz. vorbeh. Jnseratenannahme durch den Verlag des Israelit G. m. b. £>., Frankfurta-M., Gr. Eschenheimerstr. 83 Tel. 5842, AmtHansa, sowie sämtl. Annoneen-Exped. des In- und Auslands. Platzvorschriften ohne Verbindlichkeit. Zah lungen außer direkt an den Verlag — Postscheckkonto Frankfurt a. M. No. 19802 - erfolgen an: Postsparkasse Wien No. 79 005 Pottsparkassenamt Budapest No. 18 424 Postscheckamt Zürich X»-. VIII 7254 Postscheckamt Amsterdam No. 84 869 Böhmische Unionvank in Prag Banca Barmarosch Blank & Co. in Bucarent Filiale des Wiener Bankvereins in Agram. Der nadtörucfe 9er flrtihel un9 eorrespmi9en?en 5es «Israelit“ UI nur unter genauer Quellenangabe, un5, soweit es fleh um größere Dustöbe hanöelf, nur nach vorheriger Genehmigung gestattet. Inhaltsübersicht. 1. Leitartikel: Hermann Cohen's Darstellung des Judentums. — 2. Homiletik: Dr. Felix Kanter: Einige Bemerkungen zum Wochenabschnttt p^>2. — 3. Kleines. Feuilleton: (Die zehn - Stämme.) — 4. Wochenrundschau: Die bayerische Gemeindeorgninsatlon. — Die neuen Bestimmungen über die Einwanderung nach Palästina. — 5. Aufsätze: Die neue Kirchenverfassung für die Israelitische Religionsgemeinschaft in Württemberg. — 6. Korrespondenzen und Nachrichten: Berlin. (Die Kindererziehung in Mischehen). — Frankfurt a. M. (Vorsicht beim Einkauf von Zizis). — Berlin, (Die Ostjudenfrage im Landtag). — Prag, (Sitzung des zionistischen Akt onskomitees.) — Warschau, (Neue Uebersälle auf Juden.) — London, (Londoner Brief) — Wien, (Fuden und Chasaren). — London, (Das Moskauer Hilfswerk für die Ukraine). — Triest. — New-Aork. (Polen und die amerikanischen Juden). — Jerusalem, (Die Notlage!nr Thoralehranstalten). — 7. Personalien. — 8. Vermischtes. — 9. Sprechsaal. - 10. Frankfurter Berichte. -Vereintkalender. —Gebetzeiten. — 11. Feuilleton-Beilage: Die Revolution im Brisker Bikur Chaulim. — (Bolschewismus im alten Aegypten.) — 12. Kinderecke: Waffenmacht und Gottvenrauen. — Heinrich Einstädter: Ein Flieger. — 'Wie man Wohltätigkeit übt. — . Hermann Lohen's Darstellung des Judentums. Die Würdigung, die das Judentum bisher nicht nur bet den christlichen Theologen, sondern auch bei den Philosophen gefunden hat, ist durchaus beeinflußt von ihrer christlich-germanischen Weltanschauung. Den elfteren ist das Christentum die Religion schlechthin, und auch die letzteren kommen selten über die durch ihre Erziehung und durch das allgemeine Vorurteil gewonnene Meinung hinaus, daß das Judentum nur eine Vorstufe des Christentums sei. Um so bedeutsamer ist es, wenn ein Philosoph von europäischer Berühmtheit von seinem jüdischen Standpunkt aus es unternimmt, im Zusammenhang mit seinem ganzen philosophischen System das Judmtum als die Religion der Vernunft darzustellen und dabet, mit tiefem Verständnis auf die Quellen und den Ideengehalt des Judentums eingeht.*) Deshalb muß von vornherein gesagt werden: Trotz aller Einwände, die gegen *) Hermann Cohen, Die Religion der Vernunft aus den Quellen des Judentums. Gustav Fock, Leipzig ISIS. 629 u. VI. S. Cohens Auffassung zu erheben sind, trotz aller Verwahrungen, die man vom Standpunkt des überlieferten Judentums gegen sein Urteil manchmal auch in prinzipiellen Fragen etnlegen muß, ist das Erscheinen seines Buches doch als Ereignis von ungewöhnlicher Bedeutung zu bewerten, und man darf cs ohne Uebertreibung als einen Kiddusch haschem bezeichnen. Denn Cohen zeigt, — und das ist vor allem nach außen hin das Entscheidende —, daß vom Standpunkt der Vernunft -as Judentum die Religion ist. Gewiß hat er dabei seine persönliche Auffassung, die mit der Grundlage des Judentums, mit der unbedingten Göttlichkeit der Thora, in Widerspruch steht, nicht aufgegeben, und als eine Religionsphilosophie des übe: lieferten Judentums kann und darf sein Merk nicht angesehen werden, aber eine solche will es nach der ganzen Art seiner Problemstellung auch gar nicht sein. Denn der Titel seines Buches lautet ja: „Die Religion der Vernunft aus den Quellen des Judentums", die Offenbarung am Sinai aber ist für uns nicht eine logische Gegebenheit, sondern eine auf Ueberlieferunq beruhende historische Tatsache. Cohens Buch über das Judentum ist das letzte, das seiner Feder entflossen ist. Es ist hier nicht der Ort, über den Zusammenhang seiner Religionsauffaffung mit seinem ganzen System zu sprechen. Aber das Verhältnis der Religion zur Ethik muß mit einigen Worten gestreift werden. Die Ethik will dm Begriff vom Menschen geben. Um aber diesen Begriff in seiner Reinheit darzustellen, muß sie zuerst alles Sinnliche und Empirische von ihm abstreifen: „das Ich des Menschen wird in ihr zum Ich der Menschheit." Der Gott der Ethik aber ist noch nicht der Gott der Relig'on) denn der Schwerpunkt des Monotheismus liegt in dem Verhältnis zwischen Gott und dem Individuum, und dieses Verhältnis hat nach Cohens Auffassung der Prophet Jecheskel am reinsten dargestellt. Es ist, nebenbei bemerkt, interessant, welch hohe Stellung Cohen dem Propheten Jecheskel zuweist, der nach der Ansicht der Btbelkritiker doch die Stufe des Verfalls im Prophetismus bezeichnet. Was nun Cohen als die Grundform der jüdischen Religion betrachtet, was ihn als Denker aufs höchste begeistert und ihn in her Religion des Judentums die Religion der Vernunft erblicken läßt, das ist die Idee des Monotheismus im G-'genfatz zu Polytheismus und Pantheismus. In diesem Monotheismus liegt der schärfste Protest gegen alle Vermischung des Geistigen und Sinnlichen. Deshalb ist ebenso wichtig wie die Einheit (im Gegensatz zur Vielheit) auch die Einzigkeit Gottes, die in dem Sch'rna durch das Wort „echad" bezeichnet wird, und die auch in dem GotteSnamen bei der Offenbarung im Dornbusch zum Ausdruck kommt. Und im Hinblick' auf diesen größten Gedanken der Menschheit, der allein „als fester Mittelpunkt der Kultur ein stabiles Gle chgewicht für die Vielheit ihrer Interessen zu bieten vermag", wird Cohen die Geschichte Israels, wird ihm auch das Gesetz Israels verständlich. Die überragende Bedeutung dieses Gedankens macht es auch begreiflich, daß bei seiner Durchführung keine Toleranz geübt werden konnte. „Die Toleranz, sagr Cohen (S. 274), ist ein Prinzip, welches nicht für den Ursprung, für die Errichtung und Ausrichtung des Monotheismus in Geltung kommen kann. In dieser Frage gibt es kein Schwanken und keilte gegenseitig sich bedingende und einschränkende Anerkennung der Gegensätze, sondern Sein oder Nichtsein der sittlichen Weit ist die große Frage." Deshalb mußten bet der Bekämpfung und Ausrottung des Götzendienstes auch Menschen geopfert werden, und zwar nicht minder im eigenen Volke wie bei den Völkern. Im Begriffe des göttlichen Seins und seiner Einzigkeit ist auch der Widerspruch gegen die bildende Kunst begründet. Von Gott kann es kein Abbild geben, die Wurzel des Polytheismus liegt aber nicht in der unmittelbaren Vergöttlichung der Naturerscheinungen, erst durch die Kunst wird „was im Himmel oben und was auf der Erde unten und was im Wasser unterhalb der Erde ist" zu einem verführerischen Urbilde. Die Einseitigkeit Israels gegenüber der Kunst wie gegenüber der Wissenschaft war notwendig für die erste Schöpfung des Gedankens des Monotheismus, der „überall Aehnlichkeiten, nirgends aber Identität aufweist." Deshalb war auch die Isolierung Israels notwendig, weil ohne dieses Prinzip der Isolierung der Monotheismus gegen die vielfachen Anstürme seiner Gegenmotive lischt lebens- und widerstandsfähig hätte erhalten werden können. Auch die Nationalität diente