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Der Israelit · 1921-07-14 · Heft 28 (14.7.1921) · page 17

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Journal
Der Israelit
Volume
62 (1921)
Issue
Heft 28 (14.7.1921)
Date
1921-07-14
Page
– (sequence 17)
Language
German
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.Blätter? Nr. 20. Sette S. 14. Juli 121. dernswerten Heldenmut der jungen Kolonisten und erzählt, in welch wunderbarer Weife die vornehme Kolonie Petach Tikwa vom Blutvergießen und Plündern verschont wurde. Mit tiefster Erschütterung lauschte man den Schilderungen des Redners, wie die entmenschten Angreifer in ein Zelt Neuangekommener Waluzim drangen und in wenigen Minuten „dort ein Blutbao errichteten. An diese Ereignisse knüpft; Redner die Betrachtung der Weisen: „Wenn der Mensch sieht, das Leiden über ihn kommen, so untersuche er seinen Lebenswandel .Hat er gesucht und nicht gefunden, so muß man an Bitul Thauro senken." Wie sollte erst die Gesamtheit ihre Wege prüfen, wenn das ganze jüdische Volk von solch unsäglichen Leiden im verjüngten Erez Jisroel heimgesucht wird! Mit Hinweis auf die biblische Deklaration des König Cyrus zog Redner interessante Gegenwartsparalelle. Auch damals gab es Sanbalats, die den Aufbau Jerusalems störten. Es gab aber auch Führer wie Esra und Nechemja, die iu schwerster Zeit die Hcimkehronden getröstet, das Gotteshaus baueteu und das Gottesrecht sirr Laude der Heiligkeit heimisch machten. Mit einem flammenden Appell für produktive Erez Jisroel-Arbeit schloß Redner seine hinreißenden Ausführungeir, die einen schönen Erfolg für Keren-Erez--Jisroel erzielten. Eine temperamentvolle Ansprache des Herrn Wolf Pappenheim, worin er — wegen der bereits sehr vorgerückten Zeit — nur kurz über seine Erez Jisroel-Reife berichtete, schloß in würdiger Weise den wohlgelungenen Abend. Thora-Vons. In einer unserer letzten Nummer berichteten svir über die Thorabons. Wir haben führende Persönlichkeiten der Agudas Jisroel um ihre Meinung über diese neueste Institution der Agudahjugend gebeten. Wir beginnen nachstehend mit.dem Abdruck oer eingegangenen Aeußerungen. Tie Thora-Commissiou der A. I. I. £). hat mich ausgefordert, einige Zeilen zur Befürwortung ihres Planes, Gutscheine zur Unterhaltung von Jeschiwaus-Bachurim herauszugeben, niedorzuschreiben. Es will mir fast scheinen, sisie Äusiorderurrg beruht aus einer etwas pessimistischen Verkennung der Lage. Ter ersehnte Zweck steht so hoch, oie Idee ist so köstlich und die Ausführung ,v leicht, daß ich mir gurilicht denken kann, es bedürfe vieler Worte, um den Plan in die Wirklichkeit mit aller,chönstem Erfolge umzusetzen. Ich denke garnicht an die Begüterten, nicht an die Selbständigen. Außer dieser großen Reihe — wie viele Jünglinge und Jungfrauen, Schüler und Schülerinnen, werden glücklich sein, ihrer kleinen Habe einen Zehnmarkschein zu entnehmen, um ihn in einen Bon zur Tagesversorgung eines Jeschiwoh- Bochurs umzuwandeln! Wie mancher Quintaner wird bereit sein, anläßlich der Versetzung die sehnsuchtsvoll erhoffte Quartanerwürde durch Erwerb eines Gutscheines zu feiern! Wie manches kleine Mädel wird zur Feier .des eigenen Geburtstages mit freudigem Stolz einen ,,Bon" erstehen! So ist mir denn um den Erfolg nicht bange, zumal die Gereisteren und Kundigen die Bedeutung gerade dieses Hilsswerks in seiner ganzen Tiefe zu .würdigen verstehen werden. Nur zwei Seiten dieser Bedeutung seien hier mit kurzem Strich gekennzeichnet; Eine stattliche Anzahl von hochbegabten Jüngern, hemngereift auf den weltberühmten Jeschiwaus, jetzt zerstreut über eine ganze Anzahl von Kehillaus des thorabedürftigen Teutschlands, ist das nicht ein Lichtstrahl, der einzige vielleicht, im Progromjammer und Auswanderungselend? Tic Hunderttausende aber, die nicht einmal das Schisssbillett erschwingen können und sich an den heimatlichen, ungastlichen Boden geschmiedet wissen, kämpfen unter der Wucht der übergeivaltigen .geistigen und politischen Bewegungen der Zeitg»- schichte den unendlich schweren Kampf um die Synthese für allgemeine Bildung und unvergängliche Gotteslehre. Nicht zu lehren nur, sondern auch p lernen um dieser Synthese willen, sind die Jefchiwohjünger zu uns gekommen, von der Absicht beseelt, zu den ringenden Massen der Ihrigen zurückzukehren als Pfadfinder für die treue Hochhaltung der altüberlieferten Lehre auch unter veränderten Zeiten. Tas große Werk gilt uns selbst, — es gilt zugleich den Millionen Brüdern und Schwestern im Osten! Ein solches Liebeswerk bleibt nicht ohne Erfolg! Dir Thora - Gommissi o nbrauchtnicht fis bangen! Rabbiner Tr. E. Munk-Berlin. farw' nm nna ‘fnx r6xn D'-nnn ’u Nach beirr Midrasch sind Himmel und Erde nur geschaffen, damit Thora gelernt werde. Würde einen Augenblick lang die Beschäftigung mit der Thora aussetzen, das Universum wäre in seinem Bestanderschüttert. Wer die Ertüchtigung in Gottes Lehre ermöglicht, ist Miterhalter des Weltalls: Tos Schöpfungswerk ist ihm verpslichtet für jeoen Tag. an dem Durch sein Verdienst Thora gelernt wird. Darum haben unsere Alten die Lehrstätten Jerusalems Jahve lang sorglich unterstützt. Unaufhörlich, Tag und Nacht, wurde in Jerusalem gelernt. Und bevor durch beit materiellen und gsistigeii^ Notstand unserer Tage im heiligen Lande das Thorastudium in Gefahr geriet, setzte es jenseits des Ozeans ein. Wenn es bei uns Nacht ist, tagt es auf Der anderen Seite des Meeres. Wenn drüben d>'s Abends die Talmud-Folianten geschlossen werden, ist es bei uns Morgen und höchste Zeit, sie wieder zu öffnen. Jir Deutschland sind viele Jünger Much,er Wissenschaft. Not hindert sie, ihre Geistesarbeit mit freudiger Hingabe svrtzusetzeu.' Für zehn Mark können sie einen Tag lang erhalten werden. Mit zehn Mark trägt man die Welt sirr viernndzwanzia Stunden. Wer wollte diese KraftmögüchkeU nicht ausnutzen, wollte nicht Mitarbeiten an Maassei b^- rejschis für io viele Tage im Jahre, als er >es Mit Ausbietung seines äußersten Könnens vermag! Tie Zeit ist dunkel und schwer, die Aussichten sind noch trüber. Nichts bleibt uns als _ diese Thora. Laßt uns lernen und auch diejenigen stützen, die so gerne lernen möchten und aus unsere Hilfe angewiesen sind. Tie Grundlagen von Himmel und Erve ruieit, sie hallen Gottes Ausspruch wider: ViEttf xtJ pxi O'VV mpn htpi döv ’nn: xp dx Gottfried Goldschmidt-H a tb er st ad t. (Thorabous find bei allen Jugeudgruppcu zu haben.) Glimmen der Zeit. vi. Das „Jfr. Wochenblatt für die Schweiz" schreibt in Nr. 23: Mögen die Zionisten im Anfänge auch etwas mehr Eifer für Erez Jisroel gezeigt haben als die Aguda, so stellt diese heute, nachdem auch sie das Pal ästin aprvblem in ihr Arbeitsfeld aufgenommen har, all ihre Kräfte in den Dienst dieser heiligste Sache. Mit toelchem Recht kann ihr das Mitspracherecht abgefprochen werden? Doch wohl kaum deswegen, weil sie etwas später nachgekommen ist! So wenig wie ein Arzt, weil er einen Patienten kurierte, diesen samt seinem Vermögen als sein ihm gebührendes Honorar beanspruchen kann, so wenig haben die Zionisten durch Den Zionismus das Alleinmitfpracherecht im Namen des ganzen Volkes erlangt, >o daß außer ihnen niemand mehr das Recht haben sollte, in jüdischen Fragen mitzureden. Ebensowenig kann ich zugeben, daß sich die Aguda niemals um Erez Jisroel gekümmert habe! Was die rein materiellen Opfer für Erez Jisroel anbelängt. so hat die Orthodoxie bedeutend mehr Geld seit Jahrzehnten für Erez Jisroel aufgebracht, als die Zionisten; auch hat sie nicht nur ein Ghmnasium unterhalten, sondern viele Lehrstätten mit Tausenden von Schülern. Viele Kolonien wurden auch von orthodoxen Rabbinern und orthodoxen Kapitalisten gegründet. Auch will ich nicht unerwähnt lassen, daß fast 80 Prozent des alten Jifchuws in Palästina der Orthodoxie angehören. Selbst unter der Herrschaft eines Abdul Hamids sind die frommen Juden nach Palästina gewandert, nicht als freie, oder gar als jüdische Bürger, sondern als schutzlose Fremde. Der Zionismus dev Orthodoxie hat nicht nur eine Geschichte von 25 Jahren, er reicht Tausende von Jahren zurück. Nicht nur Schekolim hat die Orthodoxie für Erez Jisroel gegeben, sondern ihr ganzes Vermögen und ihren letzten Blutstropfen. Turch Feuer und Schwert ist sie auf ihrem langen Galuthmarsche durch die Verbannrmgsländer gegangen. Unzählige Menschenopfer hat sie seit den Ehurban bis zur Herzlichen Epoche dargebracht. Und heute will man ihr das Recht auf Palästina absprechen! Soll heute die Orthodoxie außerhalb dastehen, wenn sie sich nicht auf Gnade und Ungnade den Zionisten übergeben will? Tie Orthodoxie will absolut nicht die erste Geige spielen, will aber auch nicht glatte Zuschauerin des zionistischen Konzertes sein. Wenn die Zionisten dies wirklich verlangen wollen, können sie sicher sein, daß sie die Sympathie jedes rechtlich denkenden Juden verlieren werden. Eine solche Politik der Gewaltherrschaft muß wie jede Tiktatur Kampf und Auflösung nach sich ziehen. Aus der Vewegung. _ KranlnirL a M, 3. Juli. Am vergangenen Sabbat richtete Sr. Ehrw. Herr Rabbiner Tr. Breuer in seiner Predigt einen flammenden Appell an die Mitglieder der Israelitischen Religwnsgesellschafr zum Anschluß an Agudas Jisroel und betonte, daß der Gedanke der Selbständigkeit der Orthodoxie es jedem t h o r a t r enen I e hu d i zur Pflichtmache s eineide ellen und materiellen Kräfte in den Dienst der Agndah zu stellen. Wir luerbeu noch Gelegenheit nehmen, die hochbedeutsamen Ausführungen des verehrten Mitgliedes des Rabbinifcheu Rates der Agudas Jisroel in extenso wiederzngeben. Halberstadt, 10. Juni. In der hies. Ortsgruppe wurde in der vorwöchentlichen Mitglieder-Versammluu:g der Geschäftsbericht über das Jahr 1020 erstattet. Am Anfang der Sitzung hielt der Herr Rabbiner Tr. Auerbach einen Vortrag über „Erziehung zur Agudoh" Der Redner richtete in ernsten, eindringlichen Worten der Ermahnung einen Appell, sowohl an die jugendlichen Mitglieder wie an die älteren der Ortsgruppe, Bestrebungen dev Agndoh nicht nur in üer Theorie und im Geiste gerecht zu werden, sondern vielmehr durch die ausführende Tat z. B. des Besuches des Gotteshauses auch an Wochentagen, durch intensive Hebung von Limud Tauroh. Nicht nur mit den obligatorischen Psiicht-Schiurim solle man sich genügen lassen, sondern jede freie Stunde müsse zum Lernen li schm oh benutzt und auch im Geiste der Agndoh gelebt werden. Das sei das Erziehungsproblem für die Aguüoh-Jünger. Nachdem der Redner sich in etwa dreivielftündiger Rede in diesem Sinne über sein Thema verbreitet hatte, erstattete der Ortsgvuppctt'Vovsrtzende, Herr Rabbiner Tr. M. Schlesinger einen ausführlichen Bericht über die im Laufe des vergangenen Jahres gehaltenen Vorträge und Referate, die sich in zwei Gruppen deutlich unterscheiden ließen: eine Gruppe berichtenden Inhalts über die Vorgänge innerhalb der Gesamt-Agudoh und eine zweite Gruppe mehr belehrenden Inhalts. erwähnte dabei folgende Referate und Vorträge: 14. Dezember 1910: Herr Wolf S. Jaeobsohn, Hamburg über die Tätigkeit des Züricher Zentralbüros. 8. Januar 1920: Besprechung über die Ostjudensrage. 29. Januar 1920: Besprechung über die Vorgänge in der Agudoh. 22. April: Herr Rabb. Dr. Schlesinger: „Jüdische Schul- und Unterrichtsfragen". 13. Mai 1921: Herr Lehrer N. Stern: „lieber dr» ziehungsfragen". 1. Juli 1920: Herr Albert Jaeobsohn: „Ter Wiederaufbau des jüdischen Volkstums". 22. Juli 1920: Herr Herm. Schwab: „ThoratreueS Judentum und Misrachi". 12. August 1920: Herr G. Goldschmidt: „Bericht über die Frankfurter Sitzung vom 6. und 7. Juli". 15. September 1920: Herr Tr. Moses 'Auerbach: „Erlebnisse in Erez Jisroel". 16. November 1920; Herr Rabbiner Tr. I. Auerbach: „Golusleben". 22. Dezember 1920: Herr Rabbiner Dr. Neuwirty: „Ter Ostjude in der'Heimat und in der Fremde". Außerdem fanden im Jahre 1921 bereits einige Vorträge von Herrn Saul Mmk-Lemberg, von Herrn Rabb. Tr. Esra Munk-Berlin, von Herrn Rabb. T-r. P. Kohn, von Herrn Max Hirsch und von Herrn Rabbiner Tr. Klein (gemeinsam mit der Jugendgruppe) statt, die der Vorsitzende ebenfalls erwähn to. — Aus der Darauf erfolgenden Neuwahl und Ergänzungswahl des 7 köpfigen Vorstandes gingen außer dem Vorsitzenden, Herrn Rabbiner Tr. Schlesinger vier weitere Herren des alten Vorstandes und zwei neue Mitglieder hervor, die mit neuem Eifer an Erfüllung der Aufgaben der Agudoh herantreten.

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