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Der Israelit · 1921-07-07 · Heft 27 (7.7.1921) · page 8

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
62 (1921)
Issue
Heft 27 (7.7.1921)
Date
1921-07-07
Page
– (sequence 8)
Language
German
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wf. o: .'•. Jemlleton-Veilage zu Ar. 27 des „Israelit". Von Lordowa nach Chasarien. Historischer Roman aus dem 10. Jahrhundert. (Fortsetzung.) Ein Jubel der Begeisterung erhob sich nach Verlesen des Briefes und Chasdai ben Schaprut umarmte Jzchak ben Nathan vor allem Volke, was Anlaß zu neuen Ehrenkundgebungen für den tapferen Boten der jüdischen Gemeinschaft gab. Rabbi Moscheh ben Chanoch und andere Lehrer zogen die beiden Chasaren ins Gespräch, um aus ‘ ihrem Munde Einzelheiten über das Leben und die religiösen Zustände in Chasarien zu erfahren. War schon aus dem königlichen' Briefe mit Gewißheit zu ersehen, daß die Chasaren ganz dem Judentum angehörten, so wollte man dies doch noch durch Zeugenmund bestätigt haben, um der Mär von der Bckehrung der Chasaren zur Bibellehre der Karäer einmal für allemal den Boden zu entziehen. Darüber konnte Jzchak ben Nathan auch genau Auskunft geben. ‘ „Karäer" berichtete er, „trifft man vereinzelt auch in kleinen Gruppen in Chasarien hie und da. Es sind meistens Sendboten aus der Krim, die mit der Lehre Anans wenig Glück hatten bei dem tapferen Volke, das von jeher gewöhnt ist, alles was es tut, ganz zu tun. Mit Ausnahme einiger Weniger, die in Balagar in einer kleinen Gemeinde vereinigt sind und wie alle anderen Glaubensbekenntnisse geduldet werden, bekennt sich das Chasarenvolk in seiner Ganzheit und Geschlossenheit zur jüdischen, r a b b in isch en Volllehre, und eine kaum zweihundertjährtge Tradition hat genügt, daß wir in jedem Chasaren auf den ersten Blick ohne Weiteres unseren Bruder erkennen. Jzchak berichtete noch von den Kriegsplänen des Königs Joseph, wie dieser am letzten Versöhnungstage im Tempel in Gegenwart seiner Generäle mit Psalmenworten feierlich gelobte, mit allen Mächten der Erde abzurechnen, die die Juden knechten und drangsalieren und sich nicht eher Ruhe zu gönnen, als bis er Israels befreit und ins wiedereroberte heilige Land geführt hätte. „Ein Gleiches hatte bereits Eldad der Danite von den letzten Hoffnungen der Chasaren berichtet", ließ sich Jemand hören. „Eldad", bestätigte Jzchak, „hatte im Ganzen nichts Unrichtiges über die Chasaren berichtet, nur alles in seiner phantastischen Art ausgeschmückt und übertrieben. Zu diesen freien Zutaten gehört auch die Fabel von der Zugehörigkeit der Chasaren zu den „zehn Stämmen." Karäische Zwecke hat Eldad, wie man in Chasarien weiß, damit nicht verfolgt." „Und wessen beschuldigt man somit Menachem ben Saruk?" hörte man plötzlich von verschiedenen Seiten rufen. Der Name wirkte wie eine Losung. Ein Dutzend Stimmen schrie im Chore: „Menachem ben Saruk ist unschuldig. Man hole ihn wieder!" Und eine Anzahl beherzter Jünglinge traten an den Nafsi heran, eine Schrift, überschrieben: „Rechtfertigungsschreiben für Menachem ben Saruk" in der Hand und baten: „Menachem ist unschuldig, der erlauchte Nassi möge diese Schrift entgegennehmen. Wir bitten um Menachem!-" „Menachem! Menachem!" schrie es im Chore von allen Seiten. Der Nassi wehrte ab: „Vom Verdachte des Karäertums steht er längst gereinigt in meinen Augen. Aber andere schwere Schuld haftet an ihm." „Auch ich bitte für meinen Lehrer Menachem ben Saruk", schloß sich Jzchak an. „Auch du Jzchak? So wisse es! — Chasdai senkte seine Stimme — „Menachem betörte meines Kindes Herz und trat hindernd in den Weg zum Glück, den ich Hadaffa führen wollte.." „Auf diesem Wege stand ich", stieß Jzchak hervor, „nicht er, ich war es." „Du, Jzchak?" „Ja, ich hatte Hadaffa in der Myrtenlaube Treue geschworen und auch sie mir. Und das heilige Feuer dieses Schwures führte mich durch alle Gefahren bis zum Ziele. Menachem hütete den Garten nur für mich, bis daß ihn die Strafe unverdient traf.-Ich komme nun um meinen Lohn, um Hadaffa, edler Nassi, und der treue Hüter, Menachem ben Saruk möge kommen und Zeuge meines Glückes sein." Wie verblüfft stand der Nassi eine Weile da und sah starr in die Menge. „Und sie hat auch dir Treue geschworen, sagtest du?" erwachte er mählich. „Ja, sie hat auch mir Treue geschworen." „Und das Feuer dieses Schwures geleitete dich über die Berge zu Chasariens Hauptstadt?" „Nichts anderes als das Feuer dieses Schwures, edler Nassi!" Und nun umarmte der Nassi Jzchak ben Nathan nochmals und küßte ihn vor allem Volke. „Sei gesegnet, mein Sohn und Auserwählter meines Kindes. Gehe und hole dir den Lohn, und Menachem ben Saruk soll euch an meiner Seite unter das Trauzelt führen." XVII. Die Vermählungsfeierlichkeiten im Haufe des Nassi durften am Tage nach dem Wochenfefte nicht in voller Prachtentfaltung vor sich gehen. Neben der jüdischen Gemeinde die noch mit dem Bräutigam um Rabbi Nathan trauerte, weinten auch Land und Volk in Andalusien um den edlen Kalifen AbdulRhaman,der unter seinen gelehrten Büchern für immer die Augen schloß. Dessen Sohn Alhakem bestieg aber den Thron Andalusiens mit dem feierlichen Eide, in gleicher Weise wie der Vater ein Schützer, Wahrer und Förderer des Rechtes, der Wissenschaft und der Poesie zu sein. Er hielt sein Wort. Noch weniger kriegerisch und politisch gestimmt, als es sein Vater war, überließ er alle Staatsgeschäfte Chasdai, dessen Macht und Stellung noch gewaltig stieg. In aller Einfachheit war im Garten, nur mit den Myrten der Laubwand geschmückt, der Baldachin aufgestellt, unter dem sich Jzchak ben Nathan Hadaffa als Weib antraute. Rabbi Moscheh ben Chanoch sprach den Segen, und der heimgekehrte Menachem ben Saruk stand mir einem der ersten Gelehrten aus dem Kreise Rabbi Moschehs als Zeuge dabei. Das Volk jubelte im Chore und sang Lieder zum Preise Chasdais und des jungen Paares. Eine Huldigungsadresse Alhakems in arabischer Sprache wurde von Herolden des Kalifats in goldstrotzenden Gewändern ausgerufen. Sie rühmte von Chasdai: „Mit Gottes Beistand siegte er wie ein Held Und eroberte durch der Rede Gabe Länder und Srädte. Ohne Schwertstreich und Lanzenwmf, Demütigte erden Feind vermöge seiner Klugheit." Ein Jünger aus Nordspanien, dem nun völlig versöhnten engeren Kreise Menachems angehörend, trat vor und sang ein Lied mit dem Wechselreim: „In Hispania Mit und breit Blühet zu Chasdais Zeit Das Wissen und die Weisheit, Und fein Lob wird besungen Von beredten Zungen." Und wieder sang man unter den Klängen von Harfe und Zimbel Hochzeitslteder zu Ehren der Braut und des Bräutigams, deren Vereinigung nach langem Harren und heimlichen Sehnen Geulahhoffnungen auch im Herzen Israels, der Gottesbraut, weckten. „Nun wohl, die Zeit ist da, Von Liebeswonne erfüllt, Die Herzen sind geeint, Das Sehnen ist gestillt. Ach naht auch unsrem Volk Erlösungszeit so mild!-" Menachem ben Saruk zog etwas gealtert und abgehärmt im Hochzeitszuge an der Seite der Neuvermählten daher. Aber er sah ruhig und abgeklärt auf die Reihen seiner Verehrer, die ihm begeistert zujubelten. Das unverdiente Leid hatte ihm noch mehr Jünger und Anhänger zugeführt und er fand sich bei seiner Wiederkehr von einem Kreise umgeben, der bereit war, für den Meister der Poesie und Sprachwissenschaft alle Opfer auf sich zu nehmen. Der Nassi hatte Menacdem gleich bei seiner Ankunft ein angenehmes Domizil in seinem Palaste angeboten. Doch als der Festzug am neuerrichteten Gartenhause Jzchaks angelangl war und sich die Gäste mählich verabschiedeten, reichte Jzchak Menachem die Hand und ließ sie nicht los. „Dies nicht zum Abschied, edler, treuer Hüter meines Glückes", sagte er, „sondern als Einladung, in unser Haus zu treten und teilzuhaöerr an unserem Heime." Hadassas Augen ruhten flehend auf Menachem und verliehen der Einladung vollen Nachdruck. Und Menachem folgte der Aufforderung und zog ins neue Haus, wo er in einem sinnig ausgestatteten Gelehrtengemach mit dem Ausblicke auf Bäume und Blumen geruhig und beschaulich seinen Forschungen leben konnte. Der Kampf zwischen den beiden Rivalen hatte aufgehört. Auch Dunasch ben Labrat war alter und stiller geworden, und fein Sinn stand nicht mehr so wie früher nach Ehren und Aemtern. Er nahm an dem Streite der Jünger von beiden Setten, die sich noch zuweilen mit spitzen Worten und scharfen Schriften bewarfen, keinerlei Anteil. Zu einer persönlichen Aussprache und Aussöhnung zwischen den beiden Gelehrten kam es aber nicht. Zuviel des Trennenden hatten die Jahre zwischen diese beiden Männer aufgetürmt. (Fortsetzung folgt.) Ser jüdische Selbstschutz in der Maine. (Aus dem Berichte eines amerikanischen Blattes). Zuweilen hört man die Frage, warum sich die Juden in der Ukraine nicht nach Kräften zur Wehr setzten, warum sie sich von den herumstreichenden Banden so einfach abschlachten lassen? So steht die Sache nicht. In Wahrheit gibt es in der Ukraine jüdische Selbstschutz-Organisation en, die mit Genehmigung der Behörden über Waffen verfügen. In manchen Städten hat der Selbstschutz alle wehrfähigen Männer und Frauen ohne Ausnahme mobilisiert. In einem Städtchen, das 102 Seelen zählt und sieben Gassen hat, wurde nicht einmal der Stadtrabbiner vom „Dienste" befreit. Sowohl die Räuberbanden, wie die herumstreifenden Militärgruppen wissen die Gegenschläge des jüdischen Selbstschutzes zu schätzen und geben ihnen gern aus dem Wege. Es ereignete sich, daß nur 100 jüdische Setbstschutzleme eine große Uebermacht, die nach / k\

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