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Der Israelit · 1921-07-07 · Heft 27 (7.7.1921) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
62 (1921)
Issue
Heft 27 (7.7.1921)
Date
1921-07-07
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seite 0 -»r 27 Der ASraem 7 Jult 1931 hat. Zwei Juden, namens Holländer, Vater und Sohn, sind lot, vier sind lebensgefährlich und fünf leichter verwundet. Der Zwischenfall begann damit, daß ein Araber mit gezücktem Messer über die Straße lies, wodurch ein Auflauf entstand, lieber die Einzelheiten schweigt sich der offizielle Bericht aus und dürfen auch die Zeitungen nichts verlauten lassen. Auf alle Fälle ist dieses Mal die Polizei rechtzeitig eingeschritten, sodaß die Ordnung bald wieder hergestellt war. Arner-ilra. Die jjöniffifdien Streitigheiferi in flmeriha- Wew-Tsork, 27. Juni. Ninimelu' l.ai Oie ^ioiiiftinlK Organisation in Anirrita ihre enda.iiiligeri Besclllnifi' gefaßt. Tie anirriianischrn Fülirer treten ans der Orgasation nicht an«, dagegen luill die aineritanische Grunge eine nnabaängigr Diktion in Palästina einieiten. insoesondt're ans OjcDictru, die ai:f;eri atd des! rbeirskrei 1 es der' Pani frjsche>I Organisation liegen. Oie ivill in erster Peilte eine (\> v o v lt a n d e l -o g e n o s s c n s eh a s t für Palästina griiitden. Gegen die nengeivählte Peilung soll nichts nnternoniinen rverden, aber keilte Pli gliedergrnvpe darf ein Piandat snr den gionistisehen Vlnogrest annestinen. In den riäclisteu Tagen ,nird in Buffalo oder Pittobnrg eine Pouierenz der Oppositionellen tagen. Personalien. Dr. David Straus; n"S? Zürich, t. Juli. Im Alter von 50 Jahren verstarb in Frankfurt a. M., wo er fiel) auf dem Wege zu den Heilaaellen in Nauheim befand, Dr. David Strauß, der langjährige Religionslehrer und Borbeler der israelitischen Kultusgemeinde in Zürich Eine Persönlichkeit war Dr. David Strauß, die weit über die Grenzen der Schweiz hinaus allgeachtet war. Einem frommen Haufe in Hessen emstamirnnd und Zögling des Würzburger Lehrerseminars, blieb er im Ganzen den Traditionen der Schule treu und galt als Vertreter des konservnliben Juden-.ums innerhalb der links gerichteten Züricher Kultusgemeinde. Bon diesem Geiste war sein Religionsunterricht geleitet, und als Vorbeter des konservativen Gotte»dicnstes übte er fein Amt mit Weihe und Würde und inniger Andacht aus. So stand er fast ein Vierteljahrhundert seinem Anne bevor. Aber sein reger Sinn strebte über den engeren Amtskreis hingus und iuck'e Betätigung in der jüdischen Welt, in der jüdischen Osfstntlicbkcil. Bor 2t Jahren gründete er zusammen mit Herrn Rabbiner Dr. Littmann das „Israelitische Wochenblatt für die Schweiz", das er 18 Jahre lang leitete und redigierte. In der Armenpfleg', wie in anderen Institutionen der Genreinde nahm er eine hervorragende Stellung ein. In aufrichtiger Liebe und Kollegialität war er den Amtsgenossen zugetan. Sein Lieblingsgedanke war von jeher, alle jüdischen Lehrer und Kantoren in der Schweiz in einem Verbände zusammensassen und er war auch sonst immer bemüht, die Jnicreyen seiner Kollegen kräftig wahrzunehmen. Ein guter Mensch, ein goldreiner Charakter und ein erfolgreicher Arbeiter, der keine Ruhe noch Ran kannte bei der Erfüllung der ihm gestellten und selbstgemählten Ausgaben, ist' von uns gegangen. Die Entwicklung des jüdischen Lebens in der Schweiz hat ihm manches zu verdanken und die schweizerische Judenheit wird ihm wie seine Genieinde ein ehrendes Gedenken bewahren. Die Beerdigung fand ani Monrag nachmittag auf dem Züricher Friedhof unter großer Beteiligung statt. Herr Rabbiner Dr. Ltttmann feierte in seiner Abschiedsrede die Verdienste des Verstorbenen und schilderte seinen Werdegang und sein Wirken. Darauf widmete der Präsident der Gemeinde, Dr. Ch.Bollag dem treuen Gemeindebeamien Worte der Anerkennung und des Dankes. Herr Gabriel Orr lieb sprach im Flamen der Besucher des Reisaales Worte herzlichsten Dankes. Zuletzt sprach Herr Prediger und Kantor Messtnger aus Bern als Freund und Kollege sehr warm empfundene Worte, rvm»:r. Seminarlehrcr Kat; Cassel, 4. Juli. Unsere Gemeinde und mit ihr viele Lehrer in der alten und neuen Welt, trauern um den plötzlichen Heimgang von Hermann Katz, hier, „Lehrer Katz" genannt. Mit ihm ist ein seltener Mensch uns entrissen. Noch können wir es nicht fassen, daß ihn nun schon die kühle Erde bedeckt, daß er nicht mehr Lehrer der Kleinen und Freund der Großen sein kann. Mehr wie drei Jahrzehnte lebte er unter uns als der getreueste, pflichteifrigste Jugendbildner. Wer kann es schildern, was der Heimgegangene seinen Seminaristen in dieser langen Zeit gewesen. Man vertiefe sich in den Inhalt der beiden Worte „Lehrer und Freund" - damit ist der ganze Inhalt seines Wesens gegeben. Den Menschen mp zu sein, war sein Lebensgrundsatz. Mit Recht muß man um einen solchen Menschen trauern, solche werden so leicht nicht geboren. Im Herzen aller, die ihn kannten und die ihm im Leben begegneten, wird er unvergessen bleiben. Bevor Katz 1888 nach Cassel kam, wirkte er als Lehrer in Hannover. und hier in Cassel konnte er als Seminarlegrer, Lehrer und Leiter der Religionsschule sich entfalten. mxai. Altona, 5. Juli. Einer der Führer unserer Gemeinde, Herr Sannätsrat Dr. L. Franck ist durch das jähe Hinscheicen seiner allverehiren Gattin, Frau Fanny Franck, in tiefe Trauer versetzt würden. Die Heimgegangene, eine würdige Tochter des unvergeßlichen Samnel StrauS ch^7 in Karlsruhe, halte im Kreise der Altonaer Gemeinde dn-ch die Macht ihrer Perjvnlichkcir wie durch ein von reichen Erfolgen gekröntes soziales Wirken in den kaum zwei Jahrzehnten ihrer Ebe ein" Beliebtheit errungen, die — lvie es mit Recht an ihrer Bahre auSgespcochd-n wurde — an die Rolle der weiltukanmen, greisen Meisterin jüdischen Liebeswi. kens. der seligen Frau Munk erinnert. Mit der Gabe herzgewinnender, aus der Tiefe eines goldnen Gemüies quill,nden Liebenswürdigkeit ausgestatret. von nimmer erlahmendem riSo:‘rai” und echter, selbüveruändlrchcr Frömmigkeit beseelt, hat sie 'hr Haus zu einer Sinne der Beglückung und Aufrichtung für gedrückte Menschengemüler zu gestalten - gewußt, durch ihr tiefes menschliches Verstehen, ihr j reifes, scharfblickendes Urteil, Hunderten den Lebensj kamps erleichtert, trotzdem ihr selbst die schwersten Aufgaben gestellt waren. Bon Krankheit und Leid nicht verschont. selbstvergessen der Mitarbeit an dem Lebensrvirken ihres Gat.en und der Erziehung ihrer sechs Kinder hingegeben, b.ltzelr sie trotz alledem die Kraft und die Zeit übrig, um der Gesamtheit in der stillsten, anspruchslosesten Bescheidenheit zu dienen. Die Teilnahme der ganzen Gemeinde kam bet der Bestattung zu erschütterndem Ausdruck. Herr Oberrabbiner Dr. Lern er verstand es, in einem groß angelegten nsen den alle Gemüter beherrschenden Empfindungen ergreifende Worte zu leihen. Namens der Gemeindeverwaltung schilderte Herr Rechtsanwalt Dr. Levy die Bei dienste, die sich die Hetmgegangene während der Kriegsjahre um die Organisation der Altonaer jüdischen Wohlfahrt?pflege erworben hat; für die Familie sprach Herr Jacob Rosen heim aus Frankfurt, als Freund des trauernden Galten Herr Rabbiner Dr. EZra Munk auS Berlin. Möchten die reichen r,V27 der so frühe Vollendeten ihrem Gatten, ihren Kindern und unserer ganzen Gemeinde zur Seite stehen. Breslau, 2. Juli. Die Trauerkunde, daß Herr Direktor Schege heute verschiedeti in, durcheilte unsere Gemeinde. Schege leitete noch an seinem Lebensabend die jüdisch" Fürsorgeans-.a-t für sittlich gefährdete; Kinder mit so sichibarem Erfolg, daß man in allen Kreisen sich bemühte, ihm reichliche Mittel zur Erhaltung und zun- Ausbau seines Hauses zur Verfügung zu stellen, j Vorher wirkte der Verstorbene in Cassel als Jn-! spekior des israelitischen Waisenhauses, nachdem er I die Rcichslande als ehemaliger Hauptlehrer verlassen.! ' ' 7I"2&77. 1 Lauge» (CKfU’ii), 4. Ju i. Herrn Max Fuchs, Sohn des Lehrers Fuchs, Oberalteriheim bei Würzburg, der sich an dee Universitär Frankfurt den Titel Dipl. Han'oclslehrer erworben hat, wrnde an der Simultanslmie der Stadt Langen eine Lehrerstelle durch das Hessische Landesamt für das Bildungswesen enlgültig übertragen Stuttgart, 8. Juli. Obcrkirchenrat Dr. Krön er ist infolge seines hohen Alte''s seinem Ansuchen entsprechend nach »-.ehr als 20 jähriger Tätigkeit i-, den Ruhestand versetzt worden, wird aber als Mitglied der Israelitischen Oberktrchenbehörde weiterhin im Amt verbleiben Die Stelle des ersten Stadtrabbiners in Stuttgart soll nunmehr neu besetzt werden. Strasiburg, 28. Juni. Herr Rabbiner I. A. Buttenrvieser verläßt nach -itz jährrger segensvoller Täti.küt als Rabbiner der Straßburger orthodoxen Gemeinde und Führer der Orthodoxie im Elsaß, Straßburg, um in Frankfurt a M. seinen Wohnsitz zu nehmen. Liebe und Dankbarkeit seiner Gemeinde und seiner Freunde begleitet ihn und seine Gattin ins neue Domizil und in den Lebensabend.' n;w nxs “i>*. Schmalnau, 80. Juni. Am pkö feierte die israelitische Geineinde Schmalnau mit einem schlichten, erbebenden Gottesdienste das goldene Hochzeitsjubiläum der Katzen stein ichen Eheleure daselbst. Die gemütsvolle, ländliche Snre, daß am Wohl und Wehe einer Familie die ganze Gemeinde regen Anteil nimmt, kam auch bei der Ehrung des Jubelpaares zum beredten Ausdruck. Ein Lorbeerbaum schmückte den Eingang zum Gotteshause. Festlich war das Innere erleuchtet, vor dem Vorbeterpult waren ebenfalls Lorbeerbäume postiert und beiderseits des prangten großblättrige Blumensträuße in leuchtenden Farben. In einer zu Herzen gehenden Ansprache würdigte Herr Markus Tannenwald die Verdienste des Jubilars um unsere Gemeinde, in der er zirka 40 Jahre wohnt. Darauf wurde nnia gebetet. Herr Katzenstein gehört noch zu den wenigen Gesetzestreuen, die unser jüdisches Gemeindeleben aufrecht erhalten haben. Im Thorageiste hat er auch seine beiden Söhne von denen er leider einen durch eine tückische Krankheit verloren hat, erzogen. Sein Sohn, ein treues Mit glied der israelitischen Religionsgesellschaft zu Frankfurt a. M-, war mit seiner zahlreichen Familie anwesend, um die Eltern zu ihrem Jubiläumstage zu erfreuen, und erhebend war es, wie auch andere Verwandte des Jubilars aus der Ferne herbeigeeilt waren. Ein Festmahl bildete den Abschluß des Tages. Möge es dem Ehepaar Katzenstein vergönnt sein, in gleicher Rüstigkeit und Frische die diamantene Hochzeit zu feiern. n:& nxs nx. Planig, 28. Juni. Im patriarchalischen Alter von 9i Jahren wurde Frau Wolf hier zur ewigen Ruhe bestatter. Unentwegt und mit hingebendem Eifer an den jüdischen Pflichten fefthaltend, mit tätiger Liebe den Armen helfend, in vorbildlicher Einfachheit und ruhiger Heiterkeit ihrer zahlreichen Familie das Beispiel einer echt jüdischen Frau gebend, geachtet und geehrt bei Juden und Nichtjuden, ist sie nach einem arbeitsamen und gesegneten Leben dahingeschieden. In würdiger Weise zeichnete der Rabbiner des rhemhessi'chm Kreises an ihrer Bahre das Bild der Heimgegangen und zahlreiches Trauergefolge gab ihr die letzte Ehre. rr//“Xirs Vermischtes. Berlin, 11. Juni. Ei-r sehr häßliches Abenteuer, das der Kanstna-n Joachim Sachs nächtlicherweile mir einer Anzahl Studenten auf dem Knrfürstendamm erlebt hat, lag der Anklage wegen öffentlicher Beleidigung und schwerer Körperverletzung gegen den Studenten der Maschinenbaukunde Friedrich Z i l l limti.n und den Regierungsbauführer Gerhard Streit zugrunde. In zweiter Instanz hatte sich gestern die St-afkammer des Landgerichts 111 mit dieser wenig erbaulichen Sache zu beschäftigen Sachs ging in der Nacht zum 28. November gegen 3lla Uhr morgens den Kurfürstendamm, in der Richtung Halensee entlang. Kurz vor ihm waren an einer Stelle der Straße etwa zehn Personen aus einem Nachtomnibus gestiegen, die den ganzen Bürgersteig sperrten. Es wurde die Parole ausgegeben: „Wir hal'en jetzt jeden an, und der erste Jude wird vermöbelt"! Bald wurde Sachs umringt und durch Schiwpfworte beiästigr. Ec wurde ausgesordert, den Hut abzunehmen, um zu kontrollieren, ob er ein Jude sei, woraus er erklärte, daß er gar kein Hehl daraus mache, Jude zu sein, aber bitte, ihn in Ruhe zu lassen. Daun wurde er beschimpft und mit Fußtritten, Faustschlägen ins Gesicht bedach!, sodaß er starken Blutverlust hatte. Der Nebenkläger schrie um Hilfe und lockie dadurch zwei Sicherheitsbeamte herbei, die Zillmann und später den zweiten Angeklagten festnehmen konnten. AlS die Angeklngten durch d e Vorladung vor das Gericht sahen, daß die Sache eine ernste Wend'mg nahm, s oicklcn sie dem dlebenkläger eine Entschuldigung zu, die dessen Vertreter, Justizrat Dr. Wertha'uer, aber uuunter der Bedingung annehmen wollte, daß die Angeklagten die E^lärung abgäben, daß ihr Vorgehen' nichr anriseutilischen Tendenzen entsprungen sei. Da dies nicht geschah, kam es zur > aup'verhandlung vor dem Schöffengericht. Die Angeklagten entschuldigten sich damit, daß sie in sehr animierter Stimmung aus ihrer Kneipe gekommen seien, wo ein Kommilitone seinen Abschied begossen habe. Das ^chvffengeiicht verurteilte beide Angeklagte zu je 200 Mk. Geldstrafe, Zillmann außerdem wegen Widerstandes zu 50 Mk. Geldstrafe. Wegen des Strafmaßes hatte Dr. Werthauer Berufung 'eingele.n. Er hielt die Strafe für viel zu gering, weil cs sich hier doch um eine große Roheit bandele, da zehn Menschen der sogenannten gebildeten Klassen über einen einzelnen, der sich duichaus korrekt benommen habe, hergefallen seien. Der Verteidiger Rechtsanwalt Arens'gub ^u. daß sich bedauerlicherweise die Angettagten als Studenten sehr unwürdig und unmanierlich benommen hätten, bat aber, aus einer offenbar betrunkenen Mücke ni it einen antifev!irischen Elrsauten zu machen. Das Gericht verurteilte die Angeklagten zu je 1000 Mk. Geldstrafe, da es sich doch um einen sehr üblen Exzeß handele. Halberstadt, 20. Juni. Herr Hosbankier Isaak Nußbaum, der Begründer der bekannten Nußbaum-Stistuog für rni" "iBV? hat anläßlich der Jahrzeit seines Vaters eine neue Stiftung zu demselben Zweck errichter. Dies vorbildliche Unternehmen trägt mit viel dazu bei, daß hier von einer großen Anzahl von jungen Leuten rmn gelernt wird. GroB-Frankfurt am Eschenheimer Turm Spezialitäten- Theater Neu eröffnet: KAFFEE ersten Ranges W e inklause Eingang nur SfiftsfraBe

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