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Der Israelit · 1921-07-07 · Heft 27 (7.7.1921) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
62 (1921)
Issue
Heft 27 (7.7.1921)
Date
1921-07-07
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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*>« JSrarttt. No. 27 Sette 5 7. Jult 1921 _ die Zustimmung verfagr. Der von Mltgtledern der Repräsentanten-Versammlung wieder aufgenommene Antrag, der in der Sitzung der Repräsentanten-Versammlung vom 19. Juli erneut zur Verhandlung kam, ist merkwürdigerweise mit neun gegen sieben Stimmen bei drei Stimmenthaltungen abgelehnt worden. Hiermit hat die Repräsentanten-Versammlung kundgetan, daß sie nicht willens ist, ihr am 29. August 1920 gegebenes Versprechen zu halten. Die Beamtenschaft der jüdischen Gemeinde hat daraufhin in einer überaus stark besuchten vom Beamtenausschuß einberusenen Versammlung am Mittwoch/ den 29. Juni, nach scharfer Geißelung des Verhaltens nachstehende Entschließung einstimmig gefaßt: „Die am 29. Juni in der Aula der Mädchenschule zahlreich erschienene Beamtenschaft der jüdischen Gemeinde legt Verwahrung ein gegen die Besoldungspolitik der Gemeindebehörden im allgemeinen, sowie im besonderen gegen die Zurücksetzung der Unverheirateten. Die Beamtenschaft erblickt hierin einen Bruch der seitens der Gemeindevertretung gegebenen Zusicherung, nach der die Besoldung der Beamten der jüdischen Gemeinde auf der Grundlage der Magistratsbesoldung erfolgen soll. Die Beamtenschaft wird mit allen Kräften jeder Verschlechterung ihrer Lebenslage begegnen." Krhnrer?. Serienfoölonien in 3er Sdiroei?. Luzern, 3. Juli. Durch die Schlveizerisch-deutsche Hilsskommission für notleidende deutsche Kinder (Dr. S chw y zer-Kastanie n b an m -L uz e r n) wu rd e u d ent Israelitischen Hilfsfonds in der Schweiz, Sitz in Luzern, bisher Frs. 125.000 zur Unterbringung jüdischer, unterernährter Kinder aus Deutschland, zur Verfügung gestellt. Weitere Finanzierung wurde bereits zugesagt. Im Jahre 1921 Hab eil bereits 200 Kinder iit verschiedenen Heimelt Unterkunft gesunden. Die 'Ferienheimkommission des I. H. F. S. sorgt sowohl für das körperliche, als auch für das geistige Wohl der ihr anvertrauten Kinder. Die Anmeldungen für Freiplätze fittb so zahlreich eingegangen, daß die Kominission gezlvmlgen war, auch in Deutschland (bei gesetzestreueu Gemeilldebeanlten ans dem Laude) Freiplätze zu vergeben. Fürs komntende Jahr ist die Errichtung eines eigenen Ferienheims in Deutschland (an: Taunus) vorgesehen. Derzeit befindet sich ein ca. 100 Kinder bergendes Ferienheim tu Stansstad am Vierwaldstättersee bei Luzern. Die rituelle Aussicht hat in dankenslverter Weise Herr Rabbiner Brom-Luzern übernommen. Durch Entgegenkommen des bewührttn Leiters der deutschen Kinderhilfszcntralstelle in Halle-Saale (Herrn Geh. Med.-Rat Prof. Dr. Emil Abderhalden) wurden die sämtlichen Kinder-- züge derart gelegt, daß die Bestimmungsorte jeweilen vor Sabbat erreicht lverden. Auch findet unterwegs für jüdische Kinder rituelle Verköstigung statt. In Deutschland wurde eine Subkolnmissiou des I. H. F. S. ernannt, welche Anmeldungen entgegemtintmt und Anfragen erledigt; die Leitung dieser Kommission wurde der Indischen Fra-uenvereinigung in Frankstirt übertragen. Durch Entgegenkommen der erstgenannten Schweizerisch-deutschen Hilfskommission ist der Israelitische Hilfsfonds in der Schweiz nunnrehr in der Lage, auch für jüdische Stüde n t e u tt it b T h o r a h> o ch s ch n l e v ans Deutschland zu sorgen, indem eilte jüdische am Bienvaldstättersee besonders dazu geschaffene S t u d e n t e ti h e i m k o m ui i s s i o n Frciplätze an unterernährte Bewerber vergeben kann. — Als Zentralstelle für Anmeldungen und Anfragen wurde der Bund jüdischer Akademiker, in dessen Auftrag die Bereinigung jüdischer Akademiker (V. I. A.) in Frankfurt a. M. (Adresse Bondi, Friedberger Anlage 10) ernannt. Oesteweiry. 088 ttguga-lvaifenkaus in Oefierreich Wie«, 1. Juli. Mit großenFeicrl ichteiten wurde in Baden b. Wien das W a i s e n h a u s d e r A g u d a s Jisroel crcffnet. Herr Oberrabbiner F ü r st ans Wien hielt eim groß angelegte Rede über die Wichtigkeit der Waisrnerzi.hnng und die Bedculsamkeit dieses Institutes äls Tcilzahlnng der großen Schuld, die das jüdische Volk an beit Pogromopsern in der Ukraine zu begleichen hat. Sehr eindringlich sprach auch HerrI. T hu mim. lieber Geschichte, Organisation und künftige Ausgestaltung des Hauses berichtete Herr Dozent Max Eisler. gvanhvziü). Unstimmigkeiten bei gen Sinnigen inSranhreidi. Varis, 27. Juni. Nach Amerika kommt nun Frankreich. Auch hier ist der Rlß innerhalb des Zionismus nicht mehr zu verdecken. Die Schekelgelder gehen in Frankreich — auch relativ — noch weit spärlicher ein als in Amerika, sodaß es fraglich ist, ob die französische Federation überhaupt auch nur einen Delegierten zum Kongreß schicken wird. Für den „Keren hajesod" der in Frankreich 25 Millionen Francs verlangte, brachte man noch nicht einmal 5°/o der genannten Summe auf. Aber von größerer Tragweite als die finanzielle ist die moralische Krisis. Eine eigentliche Leitung hat die Pariser Organisation überhaupt nicht mehr, nachdem nach den anderen Vorstandsmitgliedern nun auch Dr. Marmorek aus der Leitung ausgetreten ist. Der Grund des Streites liegt in Amerika. Auch hier heißt es: Hie Mack, hte Weizmann!" Der größte Teil der hiesigen Zionisten wollte sich mit Amerika solidarisch erklären und eine Depesche dahin entsenden, die einen Protest gegen die Politik Weizmanns enthält. Die Anhänger der Londoner Richtung wußten es aber zu verhindern, und ihre Kompromtßanträge führten dazu, daß die ersten Antragsteller aus der Leitung austraten. Man sieht hier in Weizmann das Symbol und das Programm des heutigen Zionismus mit all seinen Fehlern und Enttäuschungen und fordert seine Abdankung. Krrftland. Sibirlftfte ITiorStafen. London, 21. Juni. Nach einer Reutermeldung aus Shanghai haben antibolschewistische Soldaten in Ugra drei Juden, die im Automobil reisten, nach Prüfung ihrer Pässe erschossen. Der Führer zeigte einen Befehl vor, worin es hieß, daß alle Juden, Bolschewisten und chinesische Soldaten zu erschießen seien. Der gleiche Berichterstatter meldet, daß in Ugra Kosaken in die jüdischen Wohnungen ein gedrungen seien und niedermachten, wen sie vorfanden. BoUchetDlffifcfie Religionsnerfolgungen. London, 21. Juni. Nach einer hterhergelangten Meldung der Petersburger Zeitung „Prawda" sind in Smolensk die Rabbiner Ginsberg und Friedland zu zwei Jahren Gefängnis verurteilt worden, weil sie durch Förderung einer „Gesellschaft zur Unterstützung armer Juden" sich angeblich gegenrevolutionär betätigt hätten. Die Synagogen des Ortes seien von den jüdischen Bolschewisten beschlagnahmt worden. Kettlcrnd. Jüöifche Konferenz in Kettlang. Uiga, 1. Jult. Au der hier seit dem 29. Juli tagenden Konferenz der jüdischen Gemeinden in Lettland nehmen 40 Vertreter von 57 Gemeinden teil. Es geht hauptsächlich um die Bildung einer Gemetndeorganisation und eines Jüdischen Nationalrates. Außerdem stehen auf der Tagesordnung folgende Punkte: 1. Der Wiederaufbau der jüdischen Siedlungen und die Reorganisierung der Gemeinden, 2. Kulturelle Arbeit unter der jüdischen Bevölkerung, 3. das Budget der jüdischen Gemeinden. Türkei. Pogrom in Jsmiö- Waris, Z. Jult. Der „Temps" meldet nach Havas, daß vom 24. bis zum 27. Juri vor der Räumung Jsmids griechische Hiifstruppen und sogar griechische Marinesoldaten das mohamedantsche und das jüdische Viertel plünderten. Glaubwürdige Zeugen erklären, sie hätten ungefähr 100 brennende Häuser und sechzig Leichen gesehen, die letzteren zum größten Terl nnt auf den Rücken gebundenen Händen. Das griechische Kommando und die griechischen Offiziere lehnten es ab, einzugreifen. Seesoldaten vom französischen Torpedoboot „Bambara" unternahmen es, den Brand zu löschen. NeUirstina. Regierungs-Subventionen Mr jllgiscke Schulen in Paläfiina- Jerusalem, 15. Juni. Die Regierung hat den Schulen des zionistisch'« WaadHachtnnuch, die von ungefähr 13000 Schülern besucht werden, eine Regierungs-Subvention von £ 2 700 bewilligt. Die Doresch Zion-Schule, eine von den Pekidim in Amsterdam und der deutschen Palästina-Zentrale der Agadas Jisroel betriebenen Schule, empfängt £ 125. Brief aus Jerufalem. Jerusalem, 20. Juni. Am ersten Tage des Schwuausfeftes erlebte die große Synagoge der Churba eines der in letzterer Zeit schon gewöhnten erhebenden Bilder. Auf seinem Ehrenplatz saß der Oberkommissar, umringt von vielen Rabbinern, Vertretern der großen Institute und Ehrengästen. Die Synagoge war bis auf den letzten Platz aller Vorräume dicht angefüllt. Es galt auch außerdem noch, den weltberühmten Prediger Rabbi Masltanski, der aus Amerika hierhergekommen ist, zu hören. Nach Etnheben der Thora betrat Rabbiner Kuk die Kanzel und hielt eine kurze Predigt, worauf Mas lianski das Wort ergriff. An die Worte in Halle!: „Ich werde nicht sterben, denn leben" anknüpfend, sprach er von der Deklaration des jüdischen Volkes in seiner Zerstreuung und in seiner Gesamtheit, das mit den Hallel-Worten nach Leben und Recht schreit und an die Pforten seiner Heimat mit den Worten klopft: „Oeffnet mir die Tore der Gerechtigkeit." Die Begeisterung war so gewaltig, daß die Menge in Ovationen ausbrach. In direkter Anrede wandte er sich dann an den Oberkommissar und drückte ihm die Verehrung des gesamten jüdischen Volkes aus. Als darauf der Vorbeter das Seelengebet für die Pogromopfer in Jaffa und den Kolonien anftimmte, erhob sich die ganze Gemeinde, und lautes Schluchzen wurde hörbar. Im Hotel Amdorski war nach dem Gottesdienst eine Tafel für den Oberkommiffar und 25 geladene Gäste gedeckt. Hier sprachen noch Rabbi Jacob Meir und Herr David I elin. Der Oberkommissar dankte in herzlicher Ansprache für all die Ehrung und verabschiedete sich mit warmem Händedruck von den Versammelten. Die lebten Ereignine ln Jaffa. Jaffa, 27. Juni. lieber die Vorgänge in Jaffa am 13. Juni führen leere Stellen in den Jerusalemer Blättern eine ziemlich beredte Sprache. Allein alle Striche des Zensurstiftes können es nicht verdecken, daß es wiederum eine Reihe von Opfern gekostet

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