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Der Israelit · 1921-07-07 · Heft 27 (7.7.1921) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
62 (1921)
Issue
Heft 27 (7.7.1921)
Date
1921-07-07
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. 27. Seite 3 7. Juli 1831. Der JSraelit. Juvtzntüm besaß und sie war nichts weniger, als jüdisch. Es kamen andere Zeiten, andere Vögel und andere Lieder. Krieg und Revolution. In Deutschland spaltete sich die Sozialdemokratie in verschiedene Lager, einen rechten, einen linken und noch linkere Flügel. In Rußland kämpften innerhalb der Sozialdemokratie Menschiwiki (Minimalisten) gegen Bolschiwiki (Maximalisten). Der „Bund" blieb bei dem rasenden Lauf der Dinge bei den Minimalisten „zurück". Seitdem würde er vom Bolschewismus, auf den die zaristische Despotie übergegangen ist, aufs bitterste verfolgt, bis daß er unter dem schweren Druck seine Seele aushauchte. Der jüdische Arbeiterbund ist nicht mehr. Wir würden ihm keine Tränen nachweinen, wenn die Wucht der Umstände, die ihn erdrückte nicht noch trauriger und trostloser wäre, als die Tatsache seiner Existenz. Seine radikalen Mitglieder finden ihr Unterkommen im Bolschewismus. Die Gemäßigteren werden i! n anderswo finden. Wir und, das jüdische Rußland, werden wenig von der Erbschaft profitieren. Wie die Bolschewisten sich gegen Juden und Judentum benehmen, ist aus dem Nachrichtenteil zur Genüge ersichtlich. Bolschewisten waren es, die einen Antrag auf Abschaffung der Beschneidung etnbrachten, Bolschewisten jüdischer Abstammung sind es, die dieser Tage zwei Rabbiner zu Gefängnisstrafen verurteilten, weil sie es gewagt hatten, eine jüdische Armenhtlfe zu organisieren, und Bolschewisten jüdischer Eltern sind es, die „verdächtige" Synagogen beschlagnahmen und schließen So viel Haß und blindwütigen Verfolgungswahn hatte doch schließlich der „Bund" im ganzen Vterteljahrhundert seines Bestehens nicht produziert, wie die Herren Bolschewisten in der Schreckensherrschaft von wenigen Jahren. Und zu dem Schaden kommt noch die Schande, daß all' diese Elemente uns zur Last gelegt werden, und daß man in der Welt, wo die Bosheit nicht aufhört, aus den paar Bolschewisten jüdischer Abstammung einen „jüdischen Bolschewismus" macht. Nie Verständigung in Polen. Einem in Warschau weilenden jüdisch-amerikanischen Journalisten gegenüber äußerte sich der Vizeminister des Aeüßeren Dombski über die Judensroge in Polen wie folgt: „Ueber die polnisch-jüdischen Beziehungen, welche eine der wichtigsten Fragen unseres inneren Lebens bilden, möchte ich mit Zufriedenheit bemerken, diß die bedauernswerten seinerzeitigen Geschehnisse alle bereits der Vergangenheit angehören und die gegenseitigen Beziehungen immer drsser werden. See UMffiii, vutz unser Hauptgrurtdsatz die volle Gleichheit aller Bürger. ohne Unterschied der Konfession und Abstammung ist. In dem Bemühen, die Judenfrage zu regeln, hat die Regierung viele Konferenzen mit den Vertretern der jüdischen Bevölkerung etuberufen, um die Forderungen beider Teile festzustellen. Die Konferenzen haben großen Nutzen gebracht trotz der Meinungsverschiedenheiten, die nicht nur zwischen Polen und Juden, sondern auch zwischen den jüdischen Gruppen selbst bestehen. Jetzt sind die Konferenzen unterbrochen. Ich bin sicher, daß wir getreu den Prinzipien der sozialen Gerechtigkeit und im Bewußtsein des gegenseitigen Interesses, imstande sein werden, alle Ursachen zur Unzufriedenheit auf beiden Seiten zu beseitigen. Ich rechne daraus, daß die jüdische Bevölkerung Verständnis für die nationalen Aufgaben Polens beweisen wird." So rosig, wie der Herr Vizemtnister sie hier ausmalt, stehen leider die Dinge nicht. Die Verständigungsverhandlungen wurden abgebrochen, weil man bet den Polen keine Gegenliebe in genügendem Maße zu finden glaubte. Ob sie abgebrochen werden mußten, ist freilich eine Frage, die, wie wir neulich an dieser Stelle ausführten, an die orthodoxen Mitglieder der Kommission gar nicht gestellt wurde und wir nicht mit glattem Ja beantworten möchten; nach diesen immerhin versöhnlichen Worten des Ministers schön ganz und gar nicht. die neue Kirchenversaffung für die Israelitische Religion-gemein- Mast in Württemberg. * I. Infolge der durch Reichsuud Landesverfassung angeordneten Trennung von Staat und Kirche ist auch für die Israelitische Religionsgeinein schafl in Württemberg die Lösung der sie mit dem Staate noch verbindenden Beziehnngen nötig geworden, und man verbindet mit den diesbezüglichen Aenderungen auch noch einige auf innerkirchliche Verhältnisse Bezug habende Bestimmungen, sodafi die Schaffung einer neuen Kirchenversassnng jetzt aus der Tagesordnung steht. Die Israel. Oberkirchenbehörde in ihrer vollen Besetzung, „Weiterer Rat" genannt, hat den Entwurf einer solchen ansgearbeitet und - A r m r f >i n fl. Unter diesem Titel werdn, wir aus ser Feder eines sachverständig >it Herren aus Württemberg, der auch zu der Gestaltung der Verfassung vom Jahre 1912 für unser Blatt geschrieben har, eine Reihe von Allsführungen bringen. Diese rühmt sich während der 'Nacht unaufhörlich: „Ich bin stattlicher als du und auch mehr geehrt und geliebt". Jene verzweifelt aber nicht und sagt voller Hoffnung und Zuversicht: „Latz nur den Morgen kommen, dann wird es sich zeigen, wen der König in Wahrheit liebt". Auch Israel harrt und hofft auf den Morgen, der es in seinem alten Glanze, in seiner Würde und Pflichttreue, reich an Erfolgen und Anerkennung zeigen wird. die Luchaus (Luachs) erhalten hat, wie wüßten wir es sonst, wo und wann Jahrmarkt ist! . . . . * * * Er m Zeit. Berltl: Komm' bitte herein, ich habeJahrz eit". Schmerl: „Glücklicher, der du ein Jahr Zeit hast, ich habe nicht einmal eine Minute Zeit". Kleines Jevilleton. Amerikanisch-jüdischer Humor. Warum man am Schotvuaus Milchspeisen itzt. Als die Metzger von der Thora und von den taufend Ritualvorschristen erfuhren, fürchteten sie, es könnte ihnen dies das Geschäft verderben und streikten. Da muhte man sich mit Milchkost begnügen. Und wieso gab es später wieder Fletsch? Die Metzger erfuhren, wie leicht man sich in Amerika einen Koscherschein verschaffen kann, um dann allerlei Fleisch ungestört zu verkaufen, da öffneten sie wieder. * Nützlich. Ein unwissender „Jischuwnik" (Pächter vom Lande), sagte einst in der Exiase: „Was ein Glück, daß Moses Verrückt. In ein Hvtel, das vor kurzem von jüdischer in nichtjüdische Hand übergegangen ist, kommt ein frommer Jude, der vom oorgegangenen Wechsel keine Ahnung hat und rempelt hastig den Kellner an: „Wo kann man sich wüschen"? „Hier in der Toilette finden Sie Waschzelegenhelt", gibt der Kellner Auskunft. Schon nach wenigen Sekunden springt der Gast aus dem Waschraum und schreit: „Ei, et"! . . . . Da der Kellner darauf nicht reagiert, reißt er ihm ein Stück Brot vom Tablett und setzt sich auf seinen Platz. „Was gefällig?", fragte jetzt der Kellner schon sehr befremdet. „Kein Fleisch", sagte der Gast, „sondern Mtlchding, etwa Fische, denn wir haben doch diese Woche neun Tage" . . . . Da eilt der Kellner ängstlich in die Küche und schreit:„Da drinnen sitzt ein Verrückter, es bediene ihn wer wolle, ich nicht". „Wieso verrückt?", fragte der * Chef. „Ich wies ihn in den Waschraum, wo er sich waschen wollte, aber in einer halben Minute war er schon wieder ba und gab unverständliche Laute von ihn der „Israel. Landeskirchenversantmlung" zur Beratung und Beschlußfassung vorgelcgt. Tie Landeskirchenvcrsammluug besteht aus den 16 Abgeordneten der Israeliten des Landes, gewählt in allgemeinen, direkten Wahlen aus einem Abgeordneten der Rabbiner nnd einem Abgeordneten der Lehrer des Landes, also insgesamt ans 16 Abgeordneten. Tie Landeskirchenversammlung ist erstmals zilsantlnengetretcu am 23. Mai d. I. irr Stuttgart. Sie hat den Entwurf in einer Generaldebatte best", vchen und ihn dann einem Ausschuß, von 7 Abgeordneten zur Behandlung .überwiesell. Im Folgenden soll nun der Entwurf besprochen werden. Nachdem der Entwurf in § 1 festgestellt hat, daß die Israel. Religionsgemeinschaft Württembergs eine Körperschaft des öffentlichen Rechtes ist, welche ihre Angelegenheiten selbständig ordnet nnd verwaltet; daß sie sich irr Gemeinden gliedert, die. in Rabbinatsbezirken vereinigt sind, behandelt er in 6 Abschnitten: 1. Tie Kirchengemcinden, 2. die Organe der Kirchengemeinden und ihren Wirkungskreis; 3. Rabbiner, Vorsänger und sonstige Kirchendiener; 4. die Landeskirchenversammlnng; 5. die Oberkirchenbehörde; 6. die Zenttalkirchenkasse. (Um für nicht ivürttembergische Leser unsere Abhandlung etwas schmackhafter zu nlachen, wollen wir bemerken, daß auf Wünsche in der Landeskirche nversanunlung hin, der Ausdruck „Kirche" einem anderen weichen toird. Wir in unserer Besprechung müssen uns allerdings noch an den Wortlaut des Entwurfes halten.) Wir beginnen unsere Besprechung mit den Abschnitten, welche von Laudeskirchenversammlung und Oberkirchenbehörde handeln. Die Israelitische Religionsgemeinschaft in Württemberg ist bis daher durch ziemlich enge Beziehungen mit dem Staate verbunden gewesen. Die Oberleitung wurde ausgeführt burcl) ein Kollegium, ,/Oberkirchenbehörde" genannt, von deren 14 Mitgliedern 3 durch beit König, 4 durch das Ministerium des Kirchen- und Schulwesens ernannt wurden; nur 7 Mitglieder wurden auf dem Wege allgemeiner, direkter Wahlen durch die Israeliten des Landes gewählt. Tie Israelitische Religionsgemeinschaft ordnete und verwaltete ihre kirchlichen Angelegenheiten vorbehaltlich der von dem Kultusministerium auszuübenden Staatsaufsicht selbständig nach Maßgabe einer von der Jsr. Oberkirchenbehörde ausznstellenden Kirchenverfassung. Tie Erlassung und Aendernng der letzteren bedurfte der königlichen Genehmigung. Tie Oberkirchenbehörde hatte die rechtliche Stellung und Befugnisse eines Landeskollegiums sich. Dann ritz er mir das Brot vom Brette. Ich fragte ihn, was gefällig. Er sagte, Milch wäre Fisch und die Woche hätte neun Tage" .... SaNwfrWufeiifl und Ausgang. n^ro». Ort: Anfang Datum Ausgang UhrjRtn. li>21| 5681 Uhr Min. Frankfurt a. M. 7 45 8. 2. 9 35 Berlin .... 7 30 Juli TammuS 9 27 München . . . 7 15 9 04 Stratzbirrg - - — — — — Stnttgart. . . 7 — 9 24 Pose« .... — — — — Nürnberg. . . 7 15 9 14 Hamburg. . . 8 — 9 55 Aamiliennachrichien. BavmizwoHfeier. Moses, Sohn des Herrn Präparandenlehrers E. Eldod in Höchberg.

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