Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 62 (1921)
- Issue
- Heft 26 (30.6.1921)
- Date
- 1921-06-30
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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Seite 6 Rr. 26 Der Personalien. Wächtersbach, 23. Juni. Am 15. Juni ist Frau Hänchen Rosenberg, geb. Stein, im 81. Lebensjahre nach segensreichem Wirken im Hause und in der Gemeinde nach kaum zweitägigem Krankenlager heimgegangen. Schmerzlich empfinden wir die Lücke, denn die Verblichene war ein leuchtendes Vorbild für alle jüdischen Frauen. Ihre Kinder erzog sie in mustergültiger Weise. Wo es galt, eine mxe auszuüben, war sie die erste am Platz?. Wie man ihr Gottvertrauen würdigte, erhellt die Tatsache, daß viele jüdische Krieger sich bevor sie ins Feld zogen, ihren Segen erbaten. Die Verehrung die man ihr zollte, bewies die zahlreiche Beteiligung bei ihrem Leichenbegängnisse. n"3XJn. Tachau (Böhmen), 27. Juni. Am Sabbat den 26. Jiar starb ganz plötzlich im Alter von kaum 56 Jahren un er allverehrter Rabbiner und Reltgtonslehrer Dr. Moses Wohl. Bon seiner frühesten Jugend an widmete sich der Verstorbene dem Thorastudium und gehörte in Papa (Ungarn) zu den beliebtesten Schülern des Herrn Rabbiner Dr. Breuer. Später ging er nach Prag, und in Berlin beendete er seine Studien im Hildesheimerschen Rabbinerseminar. Was wir an Dr. Wohl verloren haben, weiß nur derjenige, der persönlichen Verkehr mit ihm pflegte. Wirkliche Frömmigkeit, rührende Bescheidenheit und Anspruchslosigkeit, Friedensliebe und Hilfsbereitschaft waren die Grundzüge seines Wesens. Wie ein p’lSt vergangener Geschlechter lebte er dahin. An der Beerdigung nahmen auch alle nichtjüdischen Kreise, wie alle staatlichen und städtischen Behörden, die gesamte katholische Geistlichkeit der Stadt und die Schüler und Schülerinnen der Volks- und Bürgerschulen Tachaus mit den Lehrkörpern re. teil. Im Tempel sprach Herr Dr. Diamant, Rabbiner in Marienbad und würdigte den Verstorbenen als Mensch und Seelsorger. Dann dankte der Vorstand der israelitischen Kultusgemeinde Herr Dr. Lurje, dem Verstorbenen iür sein segensreiches Wirken durch 22 Jahre. Am Grabe sprach Herr Prof. Dr. Goltnski, Rabbiner in Pilsen, den Trauernden Trost zu und schilderte die seltenen Charaktereigenschaften des Verblichenen. Herr Prof. Lieber, Prag, sprach als ältester Schüler des Verstorbenen und Herr Isidor Wotfner namens der Chewra Kadischa, Tachau, Worte des Abschiedes. Während der Beerdigung waren alle jüdischen Geschäftstäden geschloffen. n'SitJn. Vermischtes. Berlin, 23. Juni. In der „Germania" gibt Reichstagsabg. Dr. Herrschet folgende Episode aus Oberschlesien wieder: „Beim Angriff auf Löslau war dem polnischen Jnsurgentenführe: Mtchalskt das Pferd unter dem Leibe erschossen worden. Er befahl, daß fein Streitroß auf dem jüdischen Leichenwagen feierlich bestallet werde und daß die jüdischen Bürger es zu begleiten hätten, als die Stadt von den Aufrührern genommen war. Das ist keine erfundene Geschichte, sondern eine von Zeugen eidlich erhärtete wahre Begebenheit". Charlottenburg, 26. Juni. Am 5. Juni hat sich die „Synagogenvereinigung Pestalozzistraße" Charlottenburg konstituiert mit dem Zwecke, die konservativjüdischen Interessen zu pflegen und eine engere Fühlung zwischen den Besuchern der Synagoge herzustellen, sodaß sich ein Kehillahleben entwickelt, das der Großstadt fehlt. Der Verein hat seine Gründung mit einer Geldsammlung für die jüdische Kinderhilfe und die ukrainischen Waisen eingeleitet, die einen namhaften Betrag ergab. Die erste öffentliche Veranstaltung findet am Montag, den 4. Juli 7'/z Uhr abends, im Saale des Deutschen Opernhauses statt. Es spricht Herr Rechtsanwalt Dr. A. Lo e b, anschließend folgt geselliges Beisammensein mit musikalischen Darbietungen des Herrn Oberkantors Bär. Vorsttzender ist Herr Herm. Aron, Rankestr. 9, Schriftführer Herr Rechtsanwalt Dr. Grotzmann, Wetmarerstr. 26, bei denen stch neue Mitglieder melden wollen. Dem Vorstande gehören ferner an die Herren Api, Behr, Fritz Cohn, Rabbiner Dr. Emil Leoy, Liebes, Dr. Lipowski und Arthur Marcus. Gelsenkirchen, ~• Juni. Der „Verein zur Wahrung der religiösen Interessen des Judentums in Westfalen", hat ein zweites Rabbinat mit dem Sitz in Recklinghausen eingerichtet und es dem derzeitigen zweiten Rabbiner der Synagogengemeinde Posen, Herrn Dr. Silberberg, übertragen, der im Laufe dieses Monats sein Amt antreten wird. Breslau, 15. Juni. Wiederholte Beschwerden über Kränkungen jüdischer Schüler und Schülerinnen durch ihre Altersgenossen haben der städtischen Schuldeputaiion Veranlaffung gegeben, die Rektoren und Hanptlehrer der Mittet-, Volks- und Hilfsschulen in einem Rundschreiben auf das Ungehörige, Ungerechte und Unedle eines solchen Verhaltens der Schüler hinzuweisen. Karlsruhe, 19. April. Der Bund Jsr. Wohlfahrts- Vereinigungen in Baden, Geschäftsstelle Karlsruhe Kronenstraße 15, die Vereinigung aller in Baden bestehenden israelitischer Wohlfahrtsoereine, hat sein drittes Geschäftsjahr vollendet Der Zweck des Bundes, die jüdische Wohlfartspflege in Baden zusammenzufaffen und auszubauen, ist in erfreulicher Weise gefördert worden: auf einzelnen Gebieten, wie bei der Entsendung von Kindern aufs Land, in Erholungsheime und in die Schweiz, in der Armenfürsorge, Kinderfürsorge, Berufsberatung und Stellenvermittlung, in Erziehungs- und Ausbtldungsfragen hat der Bund erfolgreiche Arbeit geleistet. In 26 Fällen wurden Mk. 20615.— an Beihilfen ausbezahlt. Die Mittel hierzu entstammen teilweise aus dem von dem Bund gegründeten Wohlsahrtsfonds, zum Teil wurden sie durch Gesuche an die in Baden bestehenden Logen und Handwerkeroereine erlangt. Der Bund hat nicht nur in jüdischen Kreisen Beachtung gefunden, sondern er ist auch als Zentralstelle von einer großen Anzahl Behörden zur Mitarbeit herangezogen worden, so bei der „Kciegsbeschädlgten- und Kciegshinterbliebenenfürsolge", der „Jugendhilfe", det „Gesangenenfürsorge" u. a. m. Die Zahl der Mitglieder des Bundes beträgt 162, die der Verlrauenspersonen 60 Es wäre zu wünschen, daß der Bund durch Mitarbeit aller jüdischer und allgemeinen Wohlfahrtseinrichtungen in seinen Bestrebungen unterstützt wird. Stuttgart, 12. Juni. In der Nacht zum 12. Juni ist in der Synagoge zu Stuttgart eingebruchen woroen. Es wurden die silbernen Garnituren zu den Thorarollen gestohlen, bestehend auS Schild, Zeiger und Aufsatzstücke. Vor Ankauf der genanuten Gegenstände werden alle in Betracht kommenden K eistgewarnt. Stuttgart, 23. Juni. Ein Dr. Kurt Grunsky in Stuttgart hatte in einer Artikel-Serie in der „Süddeutschen Zeitung", betitelt „Die Judenfrage im Spiegel von Schrifttum und Wissen", üte auch von Otto Arnim (Alfred Roth), in seiner Schrift „Die Juden im Heer" aufgestellte Behauptung ausgesprochen, „Rabotner begünstigten jüdische Heerespfltchtige, daß sie sich drücken konnten und zwar ließen sie sich dafür auch noch bezahlen". Hieraufhin hat der Württembergische Rabbiner-Verein an die Zeitung die Anfrage gerichtet, ob in dem Artikel württembergifche Rabbiner gemeint seien und falls dies nicht zutreffe, unter Berufung auf die Loyalität der Zeitung eine ausdrückliche Erklärung hierüber abzugeben gefordert. Da eine Antwork ausvlieb, wurde Strafantrag gestellt. Erst als dem Beschuldigten der Eröffnungsbeschluß zugestellt mar, beguemte er sich zu folgender Erklärung: Der Beschuldigte erklärt, daß die den Gegenstand des Strafantrags bildende Stelle des inkriminierten Artikels der „Südd. Ztg.", „Rabbiner begünstigten jüdische Heerespflichtige, daß sie sich drücken konnten", sich weder auf württembergifche noch auf deutsche Rabbiner überhaupt bezieht und daß dieser Vorwurf diesen gegenüber nicht erhoben werden wollte und nicht erhoven werden kann. Der Beschuldigte übernimmt sämtliche Kosten des Verfahrens einschließlich der dem Antragster erwachsenen notwendigen Ausgaben nebst Vergleichsgebühr und Teuerungszuschiag. Der Beschuldigte verpflichtet sich, gegenwärtige Erklärung in der „Südd. Ztg." vor dem 30. Mat 1921 mit denselben Typen, tn welchen der inkrtminierte Artikel erschienen ist, ohne jeden Zusatz zu veröffentlichen. Der gegen Dr. Karl Grunsky wegen öffentlicher Beleidigung gestellte Antrag wurde hierauf seitens des Antragstellers zurückgenommen. -» Nürnberg, 24. Juni. Von amtlicher Stelle wird mitgetetlt: Nachdem die freie Vutterbewirtschaftung eingetreten ist, wird es nicht ausbleiben, daß gewiffenlose Händler und Erzeuger von Butter diese mit billiger Margarine oder sonstigen Bestandteilen vermengen, um sich hierdurch einen Vermögensvorteil zu verschaffen. Das Publikum wird aufgefordert, wahrgenommene Fälschungen zur Anzeige zu bringen. — Für uns bedeutet diese amtliche Warnung eine erneute Mahnung, uns vor der Uebertretung eines ms T2X zu hüten. München. 23. Juni. Das Erscheinen des „Volk. Beobachters", des bekannten antisemitisch-nationalistischen Hetzblattes in München, wurde, wie uns von dort gedrahtet wird, auf einen Monat verboten. Darmftadt, 10 Juni. Dem Landtage des Volks- 'taaies Hessen ist unter Bezugnahme auf die antisemitischen Exzesse an der Universität Gießen, folgende Anfrage der Abgeordneten Bauer und Genoffen zugegangen: „Das rüpelhafte Verhalten gewtffer Studeatenkretse in Gießen und das unerhörte Verhalten der Senatsbehörde in Gießen, bet der im Anschluß an den Fall des jüdischen Studenten Falkenstein in Gießen getroffenen disziplinären Entscheidung ist geeignet, das Ansehen der Gießener Hochschule zu schädigen. Was gedenkt die Regierung zu tun, um diese Mißstände zu beseitigen und damit eine wettere Schädigung des Aachens der Gießener Hochschule zu verhindern"? Fulda, 23. Juni. In der letzten Stadtv erordneten Versammlung in Fulda wurde vei der Etatsberatung der dortigen israelischen Volksschule für das laufende Jahr ein Zuschuß von 32.513 Mk. bewilligt. Die erwähnte Schule wird zurzeit von 102 Kindern besucht. Hamburg, 22. Juni. Seinen achtzigsten Geburtstag feierte gestern Arnold Aron, der seit vielen Jahren als Sachverwalter des Kredtioren-Verbandes tätig ist, in körperlicher und geistiger Rüstigkeit. Dem Jubilar, der seit Jahrzehnten auch in der Deutsch-Israelitischen Gemeinde ehrenamtlich tätig ist, wurden aus weiten Kreisen viele Ehrungen zuteil. Oldenburg 26. Mai. Zu einer schlichten, aber außerordentlich eindrucksvollen Feier hatten sich jüngst die Mitglieder der jüdischen Gemeinde Oldenburg, 30 Juni ISA sowie ein Teil des LandesgemeinderaieS auf dem hiesigen jüdischen-Friedhofe versammelt. Galt es doch, die neue Frtedhofshalle einzuweihen und das Grabdenkmal zu enthüllen, das dem verewigten Landräbbtner Dr. Mannheimer von den jüdischen Landesgemeinden gesetzt worden ist. Die Errichtung einer Leichenhalle war ein Herzenswunsch des Dr. Mannheimer und dem nunmehr Verklä ren war es noch vergönnt, das Werk entstehen zu sehen, für dessen Zustandekommen er unermüdlich tälig gewesen und das ganz nach seinen verständnisvollen Angaben hergestellt ist. Die Feier begann mit einem Gesang der Schulkinder unter Leitung ihres Lehrers, Herrn M. Merzberg. Die darauffolgende Weiherede des Herrn Landrabbiners Dr. de Haas hinterließ nachhaltigen Eindruck. Das ganze verdienstvolle Wirken Dr. Mannheimers zog noch einmal an unserm Auge vorüber, wir sahen ihn noch einmal als Geistlichen, als Mann der Wissenschaft und als Menschen. Herr Dr. de Haas schilderte seine großen Verdienste um die Gemeinden, Synagogen und Schulen in unserem Lande und hob hervor, daß alle Institutionen Spuren Dr. Mannheimerschen Geistes zeigen. Es sprachen darauf die Söhne des verewigten Dr. Mannheimer das Kaddischgebet Dann verließe» wir den F.iedhof mit der Ueberzeugung, daß daS verdienstvolle Wirken und Schaffen Dr. Mannheimers durch seinen'"Nachfolger erfolgreich fortgesetzt werden wird. Zü ich, 29. Mat. Der vierte Jahresbericht des Htlfsvereins für jüdische Lungenkranke tn der Schwei; für das Jahr 1929 gibt einen Ueberblick über die Tätigkeit der verflossenen vier Jahre, seit Gründung des Hilfsvercins. Der am 6. Januar 1917 mit 11 Mitgliedern gegründete Hiifsverein hat schon lange den lokalen Rahmen verlassen und ist für die Geiamtluoenheit von größter Bdeutung geworden. Im Schoße dieses Vereines entstand die große Idee, eine eigene jüdische Heilstätte in Daoos zu schaffen und diese Idee wurde in einer verhältnismäßig kurzen Zeit in die Tat umgesetzt. Im Jahre 1920 betrug die Mngliederzahl 850, 256 Anfnahmegesuche wurden eingereicht, 14 Personen wtn d n äugehalb der Anstalt unicrstützt und 1l9 Patienten wurden in die Anstalt ausgenommen. Ende Dezember 1919 wurde die Heilstätte infolge eines Naturereignisses beschädigt. Am 18. Mai 1929 konnte die „Etania" wieder bezogen werden. Das Hilfswerk bat eine weitere Ausdehnung erhalten, inoem die Dependance Billa Winierbeim zu einer Kinderheilstätte ausgebaut wurde, in welcher bereits in diesem Jahre mehr als 30 tuberkulöse jüdische Auslandskinder Aufnahme g'sundeu haben. Diese angeführten Resultate konnten nur durch energisch - und zielbewußte Arbeit der leiienden Männer erreicht werden, die einem Hilfswerk galt, welches sich der Sympathie aller südlichen Kreise erfreut. D.e große Genugtuung für die geleistete Arbeit bestchi tu dem Urteil des Chefarztes der „Etania", des Herrn Dr. Oeri, der in seinem ärztlichen Bericht für 1929 die herrlichsten Resultate ver;e!chnet. London, 11. Juni. Bet dem gestern abend veranstalteten Essen zu Ehren Prof Einsteins begrüßte ihn Ernest Barke r vom Kings-College. Er sei als Gast aus einem Lande ausgenommen, das bis vor kurzem der Feind Englands gewesen sei. Ec helfe die zerschnittenen Fäsen der internationalen Bande wieder zummmenzufügen. Barker erklärte in deutscherSprache, daß die wieder aufgenommenen Beziehungen eine gerade Linie zeigen, die stets bleiben würde, nämlich die gerade Linie des Rechts und der Gerechtigkeit. Er sei überzeugt, daß die parallele Vinte des englischen und deutschen Gedankens trotz Euklid die beiden Nationen in Freundschaft miteinander und mit den anderen Nationen der Welt zusammenbrinzen werde. Prof. Einstein erwiderte, er sei außerordentlich erfreut zu wissen, daß sein Besuch unmittelbar eine gute Wirkung auf die internationalen Beziehungen auszuüven verspreche. Nein Ä)ork, 7. Juni. Zum Präsidenten des amerikanischen Sh'vping Bords ist Albert Lasker ernannt worden. Er nahm die Ernennung an. „New-- N^irk Herald" erklärt, daß er d:r erste Jude sei, wrlcher einen bedeutenden Posten unter der Regierung Hardlngs erlangte. Sprechsaal. Einheitsfront. Berehrliche Redaktion des „Israelit"!^ Ich habe die Worte Jakob Hakohens aus der Rundschau zitiert: darnach wird der Peffak eines Rabbiners von Frankfurt oder sonstwo, unter Berufung ans das Thoragesetz, als sei es aus ehrlicher Ueberz"ugung oder ans physischem Machlgeiüste, als ei"e eventuelle Schädigung wichtiger Interessen der jüdischen Gesamtheit bezeichnet. Herr Jakob Hakohen will einen P-isak Bethdin anerkennen, er darf aber nicht wichtige Interessen der jüdischen Gesamtheit schädigen. Anders kann ich seine Worte nicht auffassen) denn dies ist doch ganz gleich, ob ein einzelner nxnn byi oder e'n pn rrs einen Peffak erteilt,* .beide können und dürfen nur so paskenen, wie v"V D by a-pD',2) zu paskenen ihre Pflicht ist, gleichviel ob ihr Peffak der Gesamtheit nützt oder schadet, [na pnn np' Tin. Kompromisse gibt es hier nicht! Habe ich nun wirklich Herrn Jakob Hakohen falsch verstanden, wenn