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Der Israelit · 1921-06-30 · Heft 26 (30.6.1921) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
62 (1921)
Issue
Heft 26 (30.6.1921)
Date
1921-06-30
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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30 Junt mal__ Dr. Carlebach als Dozent der Jeschiwah über die Bedeutung des Talmudstudiums, wie es in der Jeschiwah betrieben wird. Unter lebhaftem Beifall der Zuhörer forderte er die Anwesenden auf, für regen Besuch der Jeschiwah Sorge tragen zu wollen. Der Hauptdozent -er Jeschiwah, Herr Rabbiner Rabinow aus Rußland, gab dann noch in einem kurzen halachischen Vortrag eine Probe seines tiefen Wisst ns. Damit war dann die Jeschiwah eröffnet. Erhebliche Schwierigkeiten haben die Eröffnung einige Wochen verzögert, und augenblicklich ist die Schülerzahl noch sehr klein. Es wird aber mit Sicherheit mit einer größeren Beteiligung, sowohl von Hamburg als auch von außerhalb gerechnet. Alle Vorbedingungen für intensives Taurohlernen unter vorzüglicher Leitung sind vorhanden. Pogrome in öromberg. Arornöerg, 22. Junt. Es bestätigt sich, daß die Ausschreitungen gegen die Deutschen in Bromberg den Charakter einer bolschewistischen und zugleich stark antisemiti schen Bewegung hatten. Am Sonntag abend zog die Menge nach einer Versammlung durch die Stadt und verübte neue Ausschreitungen und Plünderungen. Deutsche und jüdische Bürger wurden mißhandelt. Vollständig demoliert sind bisher u. a. das jüdische Geschäftshaus von Frtedländer in der Brückenstraße und das Schneidergeschäst Simon. Die Demonstranten wandten sich endlich auch gegen die Polen. Das Cafe Bristol wurde gestürmt. Der Stadtpräsident wurde schwer mißhandelt. Nachdem die Offiziere und Schüler der Offiziersschule um 12 Uhr nachts von der Waffe Gebrauch gemacht hatten, flüchteten die Aufrührer auseinander. Noten. eine onstoSoxe Kolonie- Warschau, 21. Junt. Eine Gruppe gesetzestreuer Kaufleute in Warschau geht an die Gründung einer Lehrkolonie, die die Aufgabe, hat, junge orthodoxe Juden für die Landarbeit in Palästina heranzubilden. Das religiöse Moment, besonders die Belehrung über alle mit der Landwirtschaft in Verbindung stehenden Vorschriften, soll weitgehendste Beachtung auf dem Lehrgute finden. Große Summen sind bereits für diesen Zweck aufgebracht, weitere Beteiligung ist erwünscht. Meldungen nimmt die Palästina-Zentrale der Agudas Jisroel entgegen. Warschau, 21. Juni. In Baranowitsch traf auf seiner Rückreise aus Rußland der bekannte Radiner Raw RabbiJ.M. Friedmann, Verfasser des „Chofez Chajirn" mit seiner Familie ein. Zum Empfange des weltberühmten Rabbi versammelten sich alle Rabbiner der Umgegend in Baranowitsch. Auch die polnischen Behörden zeigten das größte Entgegenkommen bei der Einreise des Rabbi. Er reist von hier nach seiner Gemeinde Radin, wo er das berühmte Lehrhaus wieder herzurichten hofft. In Ser Republik ßrufinien. Warschau, 22. Juni. Hier weilende Vertreter der grusinischen Regierung machen über die Juden in dieser neuen Republik folgende Angaben: In Grusinien leben z. Zt. 40000 Juden, die Schulter an Schulter mit den Grusiniern für^die Freiheit des Landes gekämpft haben. Eine Nationalitätenfrage gibt es in Grusinien nicht. Judenverfolgungen sind dort völlig unbekannt. Im Ministerium sitzt ein Jude als Vizefinanzminister. Die grusinischen Juden sind streng religiös. Sie sprechen grusienisch und etwas hebräisch. Der jüdische Jargon ist ihnen fremd. Sie wohnen zumeist in den Großstädten. Tiflis hat sogar ein jüdisches Gymnasium. Unter den neu eingewanderten Juden befinden sich leider auch sehr viele radtrale Elemente. Der JAraettr Srauenroahlrecht. Rotterdam, 16. Juni. Seit etwa zehn Jahren bestand in der jüdischen Gemeinde Hierselbst das FrauevWahlrecht. Oberrabbiner Dr. Ritter hat seinerseits manchmal dagegen protestiert, jedoch anfänglich ohne Resultat. Er veröffentlichte in dieser Angelegenheit auch eine niawn, deren vornehmltcher Inhalt auch in der deutschen jüdischen Presse ausgenommen worden ist. Gelegentlich der Endabstimmung über das neue Gemeindestatut ist die Frage wieder auf die Tagesordnung gestellt worden und nach einer längeren Diskussion wurde mit 10 gegen 4 Stimmen das Frauen Wahlrecht abgeschafft. Neben dem Herrn Oberrabbiner ist auch Herr S. Hausdorff im Vorstände mit allen Kräften für die Abschaffung der Bestimmung eingetreten. Im übrigen darf die erfreuliche Tatsache konstatiert werden, daß die niederländischen jüdischen Gemeinden schließlich doch auf dem streng orthodoxen Standpunkt beharren. (Bngiantf, Die Sinantferung des Paläftinaaufbaues. London, 24. Juni. Im Unterhaus fragte am Montag ein Abgeordneter die Regierung, ob angesichts der schweren finanziellen Verpflichtungen, die dem Lande durch den Krieg auferlegt seien, die englische Regierung sich nicht schon an begüterte Zionisten in der ganzen Welt gewendet habe, mit dem Vorschläge, daß sie die volle finanzielle Verantwortlichkeit für Palästina übernehmen möchten. Sei dies bis jetzt nicht geschehen, so frage der Abgeordnete, ob es nicht für die Zukunft beabsichtigt sei. Namens der Regierung antwortete Major Wood: Die Antwort auf beide Teile der Frage muß verneinend lauten. Solange England Mandatarmacht für Palästina bleibt, glaubt die Regierung, daß ihr allein es obliegt, die Verantwortlichkeiten, die eine solche Aufgabe in sich birgt, seien sie finanzieller oder anderer Natur, selber zu tragen. Die daran sich knüpfenden Anfragen anderer Abgeordneter, die Auskünfte darüber verlangten, ob man nicht wenigstens die Finanzierung der palästinensichen Militärbcsatzung den Zionisten überlassen wolle, fanden keine Beantwortung. Aus Sen knMkki-jliSisclien Verbänden. London, 24. Juni. In der letzten Sitzung des Board of Deputi es wurde ein interessanter Bericht über die Tätigkeit der Kommission für auswärtige Angelegenheiten (Joint Foreign Committee) zu Gunsten der jüdischen Flüchtlinge aus der Ukraine erstattet. Das Komitee steht mit der englischen Negierung in vertraulichen Unterhandlungen, um in den britischen Kolonien Unter kuuftsstätten für die unglücklichen Opfer der östlichen Pogrome zu finden. Es handelt sich dabet hauptsächlich um die vielen Taufende von Flüchtlinge, die die ukrainische Grenze überschritten haben und sich in bedauernswerter Lage auf polnischem Gebiete befinden. Die polnische Regierung hat zugesagt, daß sie während der Dauer dieser Verhandlung keinerlei Maßregeln gegen die Flüchtlinge ergreifen wird. Das Komitee hat auch Mittel und Wege gefunden, um wenigstens einen Versuch zur Befferung der bedrohlichen Lage in der Ukraine selbst zu unternehmen. Was die Lage der polnischen Juden betrifft, so glaubt man sich in deren Interesse selbst große Zurückhaltung mit auswärtigen Interventionen auferlegen zu sollen. Doch habe die Alliance Jsraelite wiederholt Vorstellungen bei der französischen Regierung erhoben. Die Verhandlungen, die einen Ausgleich der bestehenden Schwierigkeiten zwischen dem Joint Foreign Comittee und dem Pariser Komitee der Delegationen herbeiführen sollten, find aus äußeren Gründen bisher nicht weiter gediehen. »to. 26 Seile 8 Die Anglo-Jewish Association, bekanntlich die englische Schwester-Organisation der Alltavce Jsraelite, hat einen Aufruf ergehen lassen, um zum Wetterbetrieb ihres orientalischen Schulwerkes 50000 Lst. zu erlangen. Das zum Zwecke der Aufbringung dieser Summe nach englischem Brauche abgehaltene große Festessen, erbrachte jedoch nur 9000 Lst., ein Zeichen für die ungeheueren Schwierigkeiten, mit denen alle Gesamtheitsarbett auch in England z. Zt. kämpfen muß. Svankv&lüj. Poincarö über Palästina. Saris, 22. Juni. Expräsident Potn car « veröffentlicht im „Mattn" einen Aufsatz über die gegenwärtige Lage Palästinas, in dem der Gegensatz und die Widerstände der französischen Orientpolitik gegen die Interessen Englands scharf zum Ausdruck kommen. Potrcar« sucht es so darzustellen, als ob titie ganze Invasion von Bolschewisten Palästina bedroht habe, gegen die sich sogar die ansässige friedliche Bevölkerung wende. Ein neuer Landungsversuch sei „durch eine vereinigte Aktion aller Einwohner" verhindert worden! Der Artikel schließt: „Churchill hat uns gesagt, daß die Ehre Englands in diese Palästina-Politik verwickelt sei. Wir haben eine zu hohe Vorstellung von dieser Ehre um zu glaubtn, daß England fortfahren werde, diese Politik zu unterstützen". Daß es sich nach den amtlichen Erklärungen lediglich um eine Hank voll Bolschewisten gehandelt hat, deren Existenz mit dem Ausbruch der Unruhen in keinerlei ursächlichem Zusammenhänge steht, will Herr Potn car« offenbar nicht wissen. Amerika. Neue cinwsnSemngserlckiwerungen. Zlew'Wrk, 27. Mai. Der New Aorker „Vorwärts" weiß über eine Reihe von Ausführungsbestimmungen zum Etnwanderungsgesetz zu berichten, die der Veröffentlichung harren und den Zweck haben, das Einwanderungsgesetz noch möglichst zu verschärfen. Die Emigranten werden langwierigen Untersuchungen unterzogen werden, ehe ihnen die Landung freigegeben wird. Besonders beunruhigt das Gerücht, wonach jeder Emigrant für die erste Zeit unter eine Art Polizeiaufsicht gestellt wird. Frauen, die sich mit Amerikanern verheiraten, sollen nicht mehr ohne weiteres dadurch die Naturalisation erreichen, sondern unter Einhaltung oller Formalitäten ihre Aufnahme in den amerikanischen Staatsverband erst bewirken. Auch werden die Gebühren für die Einbürgerung wesentlich erhöht. Es ist zu erwarten, daß die eine oder andere Bestimmung den Protest der liberalen Parteien im Kongreß Hervorrufen wird. Das neue kmigralionsgesetz. Wew-Sorü, 10. Juni. Aus dem jüngst veröffentlichten Wort laut des Einwan der un gsgesetzes ist hervorzuheben, daß gewisse Kategorien über die Prozentnorm hinaus ohne Hindernis ins Land eingelassen werden. Zu diesen' Bevorzugten gehören: Regieruugsbeamte mit ihren Familien, Durchwanderer, Touristen oder Kaufleute, die das Land zu Handelszwecken bereisen, Emigranten, die bereits mindestens ein Jahr auf amerikanischem Boden, einschließlich Kanadas gewohnt haben, Kinder amerikanischer Bürger unter 18 Jahren. Außerdem dürfen unter besonderen Umständen ins Land: Berussschauspteler, Wärterinnen und Krankenschwestern, Kultusbeamte, Professoren und Lehrer aller Art, Dienstboten. Auch sonst ist eine ganze Reihe von Begünstigungen, in erster Linie für Frauen und Kinder vorgesehen. Man sieht, das Gesetz an sich hat eine gewisse demokratische Note beibehalten. Es wird aber noch auf die einzelnen Ausführungsbestimmungen ankommen und auf die Handhabung derselben. , 7 '.'.B

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