Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 62 (1921)
- Issue
- Heft 26 (30.6.1921)
- Date
- 1921-06-30
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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■V.K" v:' ' tzette 4. No. 26. Der JSraeltt. 30. Juni ISA Jisroet Kolonien aus der Bans des Agrarsystems der Thora zu gründen? Gewiß kann und darf im Zeitalter des großstiligen industriellen und kommerziellen internationalen Betriebes der Aufbau Palästinas sich nicht blos auf der 'Gründung von Kolonien beschränken. Sicherlich kommen die Beschaffung einer zweckentsprechenden Wegekommunikation und Sch'ffahrr und industrielle Unternehmungen aller Art nicht weniger in Betracht. Allein für die gesetzestreue Judenheit speziell entspricht mehr die Kolonisation auf der Basis der Thora, wobei sie ihren religiösen Standpunkt in erster Linie betätigen können und sollen. Die p» 2W' matö bekommt dann eine wett höhere Bedeutung als bisher. Sie ist nicht blos eine von rosa jrm Sie soll zugleich die göttliche Wahrheit der Thora und die heilbringende Macht ihrer Prinzipien in lebendiger Tat ad majoris dei gloriam verwirklichen. Sollte nicht die Beteiligung von seiten der gesetzestreuen Juden, vl-ickwiel ob Misrackisten oder Agudisten, an pn"« 21D' sich zur Aufgabe stellen, Kolonien im nnnnnn selbstäritz ig zu gründen und wäre nicht diese Aufgabe der geeigneteste Punkt, in welchem die Mtsrachisten und Agudisten zu gemeinsamer Handlung in p» 21V' sich vereinigen könnten? Es wäre dann Sache der mifn ’bnj mit dem Betrat kompetenter Oekonomisten zu untersuchen und zu erfahren, wie gegenwärtig die dem Agrarsystem den ,tyiji zu Grunde liegenden Prinzipien bet dem Bau von Kolonien in 7K-UP' p» zu verwirklichen seien und wir sind voller Zuversicht, daß der glänzendste Erfolg nicht ausbletben und auch nicht zumal lange auf sich wird warten lassen. M. F. ■tum Korrespondenzen u. Nachrichten. Deutsches Reich. Vereinslag 9er dreien Vereinigung für 9ie Zntereffen 9es orfhoäoxen Juöentums, 6. V- Irankfurt a. M., 27. Juni. Auf dem gestern stattgehabten ordentlichen Beretnstag der „Freien Bereinigung für die Interessen des orthodoxen Judentums, E. B." wurde die Vorgeschlagene Satzungsänderung, wonach der Mindestbeitrag Vou Mk. 3.— auf Mk. 10.— erhöht wird, einstimmig angenommen. Die alsdann staitgehabten Wahlen ergaben im Großen und Ganzen die Wiederwahl der bisherigen Mitglieder des Ausschusses und Vorstandes, sowie die Neuwahl folgender Herren: Für den Ausschuß die Herren Martin Bondi, Berlin, Dr. Isaak Breuer, Frankfurt a. M., Prov. Rabb. Dr. Leo Cahn, Fulda, Rabb. Dr. Carlebach, Cöln, Herm. Engel, Würzburg, Proo. Rabb. Dr. Gradenwitz, Hanau, Laudrabbmer Dr. de Haas, Oldenburg, Moses Herz, Schwäb.-Hall, Dr. Emil Hirsch, Halberstadt, Rabb. Dr. Klein, Nürnberg, Rabb. Dr. Wolf, Cöln. Für den Vorstand die Herren: Rechtsanwalt Dr. I. Breuer, Frankfurt a. M., Dr. Emil Hirsch, Halberftadt. Die erde tagung 9es Verbundes Bayerifcher Jsraelitiitfier 6emeia9en in Nürnberg. Würnöerg, 24. Juni. Die erste Tagung des bayrischen Gemeindeverbands zeitigte für das bayrische Judentum lebenswichtige Ergebnisse. Wenn auch in manchen Augenblicken die verschiedenen Anschauungen hart aneinander gerieten , und in otesem Hochwogen der Debatte Gtschtspritzer hinüber und herüberflatterten, besann man sich immer wieder zurück auf die ferttgzuftellende Arbeit. Alle Beschlüsse wurden einstimmig gefaßt bis auf jenen, bet dem es sich um Hinzuziehung der Frauen zu den Ausschüssen für Kultus, Ritus und Unterricht handelte. Gegen eine sehr geringe Minderzahl wurde zu § 18 (über Bildung der Ausschüsse) ein Zusatz angefügt': „Frauen sind hiebet nicht wählbar." Die Referate befanden sich in guten Händen. Das erste, durch Lehrer Ding sei der-München gehalten, zeigte deutltchst die heute noch erschreckende Notlage der Lehrer und Beamten Anhand einer mit vollstem Fleiße erarbeiteten, durch Zeit und Verhältnisse zwar schon etwas überholten Statistik forderte er eine sofortige durchgreifende Aktion. Es ist zu hoffen, daß die vom 1. Schatzmeister Herrn Rosenzwetg- Nürnberg zu diesem Zwecke in sein — wie er selbst sagte — ohne alle nötigen Grundlagen ausgestelltes, aber doch alle Möglichkeiten berücksichtigendes. Budget eingestellten 250000 Mk. die Eineruppieruug nach der staatlichen Beamtenbesoldungsordnung möglich machen, und damit ein Wunsch der Lehrerschaft erfüllt wird, der als ein Antrag Dingselders mit noch weiteren (aktives und passives Wahlrecht der Beamten, lebenslängliche Anstellung nach Bewährungsfrist) dcm Ausschuß für Rechts- und Verwaltungsfragen zur Bearbeitung und zur Aufnahme in die zu erstellenden Mustersatzungen der Gemeinden zugeleitet worden ist. In den Haushaltungsplan wurden ferner eingesetzt: 20000 Mk. für die Reliktenkasse der Rabbiner, 20000 Mk. für das Seminar und die Präparandenschulen, 30000 Mk. für soziale Wohlfahrtspflege, 50 000 Mk. für rituale, gemeindliche Anschaffungen und 10000 Mk. als Zuschuß zum D. I. G. B. Mit noch wetteren, hier weniger interessierenden Posten ist eine Summe von ca. 560000 Mk. notwendig, die — bis zur Einziehung der etwa 1—2°/° der Staatssteuer betragenden Umlagen — auf dem Wege einer Anleihe ausgenommen werden soll. Aus den Darlegungen Dr. Neumeyers über das religionsgesellschaftliche Steuergesetz wäre ein Problem besonders zu erwähnen, das sich mit den Möglichkeiten besaßt, wie das Gemeinde- Mitglied, nach dem bereits erfolgten Wegfall des staatlichen Zwanges einer Reltgionsgesellschaft anzugehören, zur Entrichtung der Kirchensteuer herangezogen werden kann. Gerade die Begütertsten sind es, die sich dieser Abgabe entziehen wollen. „Mit der Kapitalsvergrötzerung", sagt Neumeyer treffend, „ist keinesfalls das Interesse an jüdischen Angelegenheiten gewachsen." Die Gleichgültigkeit bei den Stammesangehörigen ist des Judentums größter Feind. Es besteht die Befürchtung, daß wegen der zu erwartenden Erhöhung der Umlagen gerade die leistungsfähigsten Zahler ihren Austritt, wenn nicht aus dem Judentum, so doch aus der bisherigen Gemeinde erklären würden. Für dieses verächtliche Verhalten gibt es kaum eine Bezeichnung! Sind es doch zumeist solche, die aus Ruhmsucht und anderen menschlichen Schwächen hohe Summen für öffentliche Bauten, ja selbst für K i r ch en stiften und wegen eines Mehr von einigen Hunderten ihr Judentum an den Nagel hängen. Das Mittel, cen Gemeindezwang in die gemeindlichen Statuten aufzunehmen, dürfte gegen ein solches Verhalten kaum kräftig genug sein. Die Frage des Anschluffes unseres V rbandes an den D. I. G. B. wurde nach den Ausführungen Dr. Freunds, der mit dem greisen Prof. Kaltscher als Gast anwesend war, dem Ständigen Ausschuß zur weiteren Prüfung überwiesen. Gegen den Anschluß sprach sich vor allem der konservative Block aus. Als Patengeschenk wurden von ungenannter Seite aus dem Verbände 5000 Mk. in die Wiege gelegt. Es dürfte bei der Bedeutung und dem Einfluß der führenden Männer nicht allzuschwer sein, weitere Menschenfreunde für den Verband zu gewinnen, damit ein Grundstock geschaffen werden kann, der diesem neuen Gebilde eine unerschütterliche Basis geben wird. öun9 iiiöifcher vkaöermker. Merlin, 22. Juni. In Erkenntnis der unsäglichen Not unserer Brüder in der Ukraine und der alles überragenden Wichtigkeit des für sie unternommenen Hilfswerkes hat der „Bund jüdischer Akademiker" (B. I. A.) beschlossen, sich in den Dienst der heiligen Sache zu stellen. Zur Vermeidung von Kräftezersplitterung hat der B. I. A. dem Kriegswaisenfond der Agudas Jtsroel, der das Hiifswerk in die Hand genommen hat, mttgeteilt, daß sowohl seine Organisation, wie auch die Zeit und Kraft seiner einzelnen Mitglieder nach Möglichkeit zur Verfügung des Kriegswaisenfonds für die Ukraine-Hilfe stehen. Merlin, 28. Juni. Das Zentralbüro für jüdische Auswauderungsangelegenhetten, Hilfsveretn der deutschen Juden teilt uns mit: Die gegenwärtige Lage im oberschlesischen Abstimmungsgebiet bleibt nicht ohne Einfluß auf den Durchwanderungsverkehr. Passanten aus dem Osten, die über Kattowttz nach Deutschland fahren wollten, find von den polnischen Grenzbehörden zurückgewiesen worden. Es ist daher anzuraten, bis auf weiteres eine andere Grenzstelle als Kattowitz zum Uebergang nach Deutschland zu wählen. vuswsnöeruna. Merlin, 14. Juni. Die Jewish Colonization Association (Jca) hat eine Konferenz der jüdischen Aus- und Durchwanderer-Komitees in Europa am 7. und 8. Juni in Brüssel einberufen, um das Arswandererprolem zu verhandeln. Es wurde nach einem Austausch der Meinungen und Erfahrungen beschlossen, unter der Aegide der Jca die Tätigkeit der verschiedenen Komitees und Organisationen zu gemeinsamer Arbeit aufzurufen. Unter anderem wurde die Notwendigkeit anerkannt, eine durchgreifende Beaufsichtigung aller Emigranten in sanitärer Beziehung, sowohl bet der Abreise, Einschiffung, am Bestimmungsort wie an bestimmten Durchgangsstationen vorzunehmen. Uebereinftimmend wurde anerkannt, daß die hauptsächlichste Aufgabe der Komitees darin bestehen soll, sich nur mit dringenden Fällen zu beschäftigen, und daß keinerlei Maßnahme getroffen werden darf, die geeignet wäre, zu unnötiger Auswanderung anzureizen. Die Iesckiwoti in Hamburg. Kamöurg, 19. Juni. Am Mittwoch, 15. Juni, fand die Eröffnung der Jeschiwoh unter großer Beteiligung der Gemeindebehörden und der Vereine, sowie zahlreicher Gemeindemttglieder statt. Nach einer kurzen Eröffnungsrede des Kuratortummtigliedes, Herrn Jacob Goldschmidt, legte Herr Oberrabbiner Dr. Spitzer als!-i2'V'' Vrr"idie Zwecke und Ziele einer Jeschiwah dar. Er betonte, daß in Hamburg auch jetzt an zahlreichen Stellen noch Thauro gelernt und gelehrt wird, daß aber die Jeschiwah als Zusammenfassung des Thaurolernens in der Hauptsache denen dienen soll, die sich in altjüdischer Weise, wie es zu Zeiten unserer Vorfahren in Hamburg geschah, und wie es jetzt noch bei unseren ostjüdischen Brüdern geschieht, intensiv mit dem Thaurolernen beschäftigen wollen, um sich die eingehende Kenntnis des jüdischen Lernens unserer Thauro anzueignen. Er wies darauf hin, daß die Jeschiwah offen stände sowohl für Akademiker, als für Angehörige anderer Berufszwetge und den Eltern der jungen Leute, die sich akademischen, kaufmännischen und sonstigen Berufen widmen wollen, sei zu empfehlen, ihre Kinder vorher einige Jahre der Jeschiwah zuzuführen. Dann sprach Herr Direktor l t i ( c r