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Der Israelit · 1921-06-23 · Heft 25 (23.6.1921) · page 14

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Journal
Der Israelit
Volume
62 (1921)
Issue
Heft 25 (23.6.1921)
Date
1921-06-23
Page
– (sequence 14)
Language
German
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Geile s. Nr. 19. men mich, ich möchte Sorge tragen, daß sich dort jüdische gesetzestreue Brüder niederlassen; nach ihren Worten ist die Stadt geeignet, nach den verschiedensten Seiten hin Erwervsmöglichkeiren zu bieten. So wiederhole ich denn meine Mahnung an die Gesamtheit der überzeugungstreuen Israels, alle Frommen anzueisern für die Mehrung der Siedlung des heiligen Landes Sorge zu tragen.- Sei es durch große Geldsainmlungeu für den Palästinafonds der Agndo, oder durch eine allgemeine Aufforderung an die Gesetzes treuen, einen Teil ihres Vermögens im heiligen Laude anzulegen, durch Einzelunlernehmungen, durch Verbände, auf die verschiedenste Art und Weise. Aber es ist dringend notwendig, daß sich alles an einer Stelle konzentriere, daher wende sich ein jeder, einzelne und Verbünde, an die Zentralstelle der Agudah, damit die Arbeit und Leistung der Gesetzestreuen zu einer Einheit zusarmnerigcsaßt werde; hierdurch wird die Leistungsfähigkeit des gesetzestreuen Judentums wachsen, und die Besiedelung des Heiligerl Landes wird wurzeln im Geiste der heiligen Thora, wie sie schriftlich und mündlich überliefert ist. Abgesehen hiervon wird sich noch ein großer Vorteil hieraus ergeben: denn wenn alles in einem Mittelpunkt zentralisiert ist, und nicht jeder auf eigene Rechnung und nach eigenem Gutdünken arbeitet, wird nichts von der Gesamtheit der geistigen und materiellen Kräfte verloren gehen, und das wird in jeder Hinficht ein großer Vorteil fein. Und wie ich so für die Stärkung der Agudah arbeiten wollte, kam mir die Ueberzengung, daß das .Hindernis für die Zentralisierung und Ausbreitung der 'Agudah in Jerusalem darin liegt, daß die Mehrzahl der Führer der dortigen Agudah in den Streit der Rabbiner hineingezo'gen pnd, wodurch selbstredend Leute, die sich am Streite nicht beteiligen wollen, nicht für die Agudah gewonnen werden können. Oblvohl nun von diesen letzteren mir einige den Plan vorlegten, eine besondere Agudah zu . schaffen, so konnte Ich doch hierzu meine ,Instimmung rricht geben, daß unter den Gesetzestreuen Jerusalems verschiedene Agndahs sein sollten, denn es ist notwendig und möglich, daß in der Stadt des Friedens der Frieden herrsche. Ich bemühte mich nun auf eine Weise, die ich dort für angebracht fand, wenigstens vorerst einen noch unvollständigen Frieden herzustellen. Run ist das Bild und die Vorstellung, die man außerhalb Palästinas har, nicht der Wahrheit entsprechend. Man kam durch die Rachridjieu 5u. der Vorstellung, daß R. A. Knk ein verwerflicher und Bestechung zugänglicher Charakter sei, sodaß man mit Bannfluch und Schmähung gegen ihn vorging. Auch die Zeitschriften ,Ind" und „Haderech" brachten zuweilen derartige einseitig orientierte Nachrichten; aber das ist keine Art und .Weise, nur eine Seite zu hören, wer immer es auch sei. In Wirklichkeit ist aber R. Awroham Knk ein Mann von ganz universeller Thorabildung und von hervorragenden Charaktereigenschaften, und viele versichern, daß er jedem materiellen Vorteil feind sei. Jedoch seine Liebe zu Zion ist so grenzenlos, daß er das Unreine für rein eiklärt' und die Richtigkeit hiervon beweist, ähnlich wie der, von dem die Weisen “?"T (Ernbin 13 b) erzählen, der zu seiner Zeit nicht seinesgleichen hatte, und bei dem doch aus diesem Gnurde die Entscheidung nicht nach seiner Ansicht festgesetzt wurde. — So sind die fremdartigen Anftchten in seine Schriften gekommen. Ich habe nun viel mit ihm darüber gestritten, daß, wenn auch seine Absicht eine reine sei, seine Taten doch eine andere Wirkung erzielten, wenn er den Frevlern am Gesetz die Bruderhand hinstreckt, solange sie noch im Abfall verharren und bas Heiligste entweihen, und während er behauptet, daß er damit Seine Eigenschaften nachahme, da doch steht „Tn streckst den Frevlern die „Jad" entgegen" — behaupte ich dagegen, „S l S r i e r." daß dies gerade ein Bekenntnis der Sünde sei, wenn wirsagen "-p-ipan nrDDttW "*77 ^LQ„d. h. wenn wir als eine Ursache unserer Verbannung hinstelleu gerade diese „Jad", die wider Tein Heiligtum cmsgestreckt ist); denn ein derartiges 'Bauen kommt, und rväre es der Bau des a''«T2, dem Ern reißen gleich, wie v'bH schreibt. 'Nun wurde allerdings in Wien beschlossen, ,die Zusicherung der Rechte, die uns in Erez Iisroel gegeberr wurden, nicht zu beeinträchtigen oder auch nur sie l"n zu verzögern; denn Gutes darf von überall Herkommen. Aber wenn man nun die eifrigen Bemühungen der Frevler noch vermehrt, ihnen in einer beängstigenden Art und Weise schmeichelt, indem man ihnen Frieden bietet durch die, die ganz im Dienste des Höchsten stehen, so erzürrrt das die Gesetzestreuen in einer Weise, die nick)t zu schildern ist. Auch wie er feine Ansicht von''W1X2N in diesem Falle anwendet, ist eine Erklärnngsart, die große Gefahren in sich birgt. *) Die ausführliche Unterredung ist schwer schriftlich niederzulegen, ich will daher kurz erzählen, dast ich die Grundlage des Friedens gelegt habe und bei R. A. Kuk erreichte, daß er mir ein eigenhändig unterschriebenes Schriftstück gab des Inhalts: daß er, wenn auch seine Absicht rein gewesen war, doch gehört habe daß ein '7)bn und eine Beeinträchtigung der Verehrung gegenüber durch einige Wendungen in seinen Schriften entstehen könne, und daß er deshalb der Ehre willen diese Wendungen und Worte annulliere. Nachher besprach ich mit den ergrauten Führern ovn :'.nn und pwj'Vnn VD'I# daß sie den entstandenen Lärm beschwichtigen und Bann und Schmähung unterdrücken möchten; sie waren auch bereit, dies zu unterzeichnen, da ja auch R. Awrohom Kuk in oben berichteter Weise geschrieben hätte. Sie fügen jedoch hinzu, sie hatten bloß den Rabbinen geschrieben, sie sollten beurteilen, ob derartige Worte in der Gemeinde Israels geduldet werden dürfen, ihre Umgebung ober sei in furchtbare Aufregung geraten und ohne ihr Wissen sei ihr Sendschreiben von Protesten und Bann umrahmt worden. Tiefen nun auch Einhalt gebieten wollten fLv nicht, solange die unjüdischen bitteren Worte nicht widerrufen feien. Auch unter diesen Eiferern sind nun viele, bereu Absicht rein ist; mit vielen habe ich ein Freundschaftsbündnis geschlossen, denn ihre Genossenschaft war mir teuer. Es steht nun aber im pW mpU zu orw'ö 'ö in Der Erklärung zum Vers "'*» VSH2 *6,,, dch dies nicht der rechte Weg ist; und wären sie ruhig zu R. A. Kuk gleich am Anfang gekommen, so hätten sie auf gütliche Weise erreicht, daß er diese Ausdrücke aus der Welt schasse und es hätte nicht dieser Bloßstellung von Thoragelehrten und des verzehrenden Feuers eines Zwistes bedurft. Und in jeder Hinsicht haben wir jetzt nötig, daß sich Gesetzestreue dort ansiedeln, und es versteht sich, daß Einigkeit aller Gottesfürchtigen dort nottut, daß die dorthin Kommenden sich richtig zusammenscharen können, und imstande sind, die Jüdischkeit vor Vermischung mit Fremdgeistigen zu schützen. Daher ist rasche Herbeiführung des Friedens dringend notwendig; und wenn ich ihn auch noch nicht zum Mschluß brachte, so habe ich doch den Anfang gemacht, und wenn im Laufe der Zeit Rabbiner und andere Fromme hinkommen werden, wie auf der Zusammenkunft in Warschau versichert wurde, so können sie die Einzelheiten vollenden, denn ich hörte von R. Aw-- rohom Kuk '"V, daß er weder Zionist noch Misrachist ist, doch in seiner Eigenschaft als gemeinschaftlicher Oberrabbiner muß er die Leute an sich zu ziehen suchen und er weiß recht wohl, *) Der nun folgende Passus des hebräischen. Schreibens ist im Deutschen kaum verständlich wie-- dcrzugeben, wir fahren daher mit dem nächst'« Mschnitt des Briefes fort. D. Red.) 3g. Hunt löA. daß ein einzelner frommer Mann, der sich dort niederläßt, mehr wert ist als eine ganze Siedlung von 1000 „Freigesinnten". Solange auch der Friede noch nicht vollkommen hergestellt istwill doch R. Awrohom Kuk, wenn von beiden Seiten die Gehässigkeiten aufhören, das pl /VQ der Rabbiner R. Cha jim Sonnenfeld und R. Jeruch am Diskin anerkennen, und er glaubt, daß hierbei sogar etwas Vorteilhaftes herauskomme. 'Da er nämlich als allgemeiner Rabbiner auch mit den Freigesinnten Berührungspunkte und Verkehr habe, fei es gut, wenn jemand da ist, der ihn in mancher Hinsicht aneifert und auf Irrtum aufmerksam macht, natürlich ohne Schmähung und Beschimpfung, sondern in friedlicher Weise. Oberrabbiner Sr. M. Jung y in Aus London kommt die Schreckenskunde, daß der Oberrabbiner der FederationofSynagogues, der allgemein bekannte Rabbiner Dr. Jung, Mitglied der obersten Exekutive der „ A g u d a s Iisroel", am Freitag, den 4. Siwan unter tragischen Umständen aus dem Leben geschieden ist. Man fand Rabbiner Jung, der im ^Begriffe war, sich auf den Sabbath vorzübereiten, tot in seinem Badezimmer. Da der Gashahn der Badeheizung geöffnet war und das Gas ausströmte, scheint Dr. Jung gegen den Hahn gestoßen zu sein und so das Opfer eines Unglücksfalles geworden zu sein. Rabbiner Dr. Jung war in Ungarn 1863 und zwar in dem später berühmt gewordenen kleinen Orte Tisza-Eszlar geboren und saß als eifriger und hochbegabter Talmudjünger zu den Füßen des Maharam Schick, des Rabbi Salomon Ehrenseld in Mattersdorf und des Preßburger Raws. Seine nimn mnn hatte er u.a. von Rabbi Salomon Spitzer in Wien. Nach Vollendung seiner wissenschaftlichen Studien in Marburg und Leipzig, die ihn auch längere Zeit nach Frankfurt führten, wurde der Zwanzigjährige als Klausrabbiner nach Mannheim berufen. Von dort ging Dr. Jung nach zweijähriger Amtstätigkeit nach Ungarn zurück, indem er das Rabbinat von Ungarisch-Brod übernahm. Tief durchdrungen von der Notwendigkeit, zur Aufrechterhaltung der jüdischen Ueberzeugungstreue innerhalb des modernen Kulturlebens, ein Erziehungssystem im Geiste Samson Raphael Hirschs, wenn auch ohne sklavische Nachahmung, auch in Ungarn einzusühren, gründete er ein Gymnasium neben einer Jeschiwah und gab sich der Leitung beider Anstalten mit glühendem Eifer hin. Eine zweite ähnliche Anstalt hat Dr. Jung später auch in der Bukowina ins Leben gerufen, was ihm selbstverständlich die schärfste Gegnerschaft der ungeheueren Mehrheit der rabbinifchen Kreise Galiziens und Ungarns eintrug. Sicherlich waren es die hieraus sich ergebenden Kämpfe, die Dr. Jung den Aufenthalt im Osten verleideten und ihn bestimmten, im Jahre 1912 einem Ruse des Heimgegangenen Lord Swaythling au die Federation of Synagogues in London zu folgen. Es war ein schwerer Schlag für die idealen Pläne vr. Jungs, die er im jüdischen London zu verwirklichen gedachte, daß schon 2 Jahre nach seinem Amtsantritt, kaum daß er recht Fuß gefaßt hatte, der Krieg ausbrach, der im, dem geborenen Ungarn, die Arbeit naturgemäß sehr erschwerte. Trotzdem ließ sich vr. Jung nicht beirren. Neben einer Gewerbeschule, von der er sich namentlich die Lösung des in London immer schwieriger werdenden Sabbath-Problems versprach, rief vr. Jung die heute bereits allgemein bekannte und anerkannte Sinai-Liga ins Leben, um die Jugend für die alten Ideale zu begeistern und junge Kämpen für die Ideen des Thorajudentums herarrzubilöett. Seine ganze Liebe und Tatkraft aber hat Dr. Jung der Agud as Jis ro elb ewegung gewidmet. Je ungünstiger die Zeitumstände in England wurden, je weitere Kreise der Ortho-

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