Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1921-06-23 · Heft 25 (23.6.1921) · page 13

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
62 (1921)
Issue
Heft 25 (23.6.1921)
Date
1921-06-23
Page
– (sequence 13)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
90% known words query
IRI
…/2446951-2450138-2450162--69033-2526192
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Blätter herausgegeben u o 'm Gruppenverband, der Palästina-Zentrale und der Zugend-Grganisation der Agudas Jisroet für Deutschland. Kummer 19 23. Z u « i 1921 VH.. Zayrgaug 17. § i u> u u 5081 Sa» Hilstwerk des KriegswaisenfondS für die Maine. Vor Gottes Thron stand der Engel des Todes. Er hatte das Haupt gesenkt und weinte. „Herr der Welt", begann er, „in meine Hände gabst Du die Seelen der Menschen, sie zu Dir zu geleiten. Wenn immer Du mich riesest - ich beugte mich Deinem Wort: wen Du erwähltest — ich führte ihn vor Dein Angesicht. Doch nun", die Stimme des Engels zitterte, „ich bin müde geworden, Herr; die brechenden Angen oer Zehntausende, die von Mörderhano dahingerasst, das Todesröcheln Deiner Kinder, die Aufschreie der Gemarterten Deines Volkes — sie lähmen meine Fittiche". „Neige Dich erbarmungsvoll den Kindern Deines Blindes; reiche ihnen Deine Hand, die heilige, die liebevolle, die schützende und rette den Nest Deiner schutzlosen Herde." Bon dem Thron der Ewigkeit kam ein Le chte ■: s\“r m?j, tönte Gottes Stimme, iYD2p! aber der Menschen Herzen will ich mir großem Mitleid erfüllen, daß sie die Wunden ihrer Brüder verbinden, ihre Schmerzen lindern, ihre Herzen erquicken, daß sie der Kinder gedenken mögen, der verlassenen, heimatlosen, elternlose Kinder: pjn 'D Yierm Und der Engel sank demntsvoll, sein Haupt verhüllend, zur Erde nieder. — Aufruf! Von 5em Sogen 0er ühraine fchreit 9as Blut unserer Brüder?u uns auf J nach einem Jahr quälender Ungewißheit dringt Oie Srhrechenshunde eines graulenoollen EtJürgens unö Vernichfens?u uns. Blutstropfen, die langsam un0 schauerlich 0urch Oie Lande sichern, hängen von einem Morgen, vor 9em alle Helmfudiunaen Oes Mittelalters verblassen müssen. Vas ganze hang ein heichenkelg — gurchheult von 9em loben entmenschter Kriegerhorden, deren Weg über zerstörte Städte und verbrannte Dörfer führt. Weif über hunderffaufenö Menschen sind in Siesem Siuibage zugrunde gegangen Bunderttausende ihrer ganzen Babe beraubt ung aus ihrer ßeimat vertrieben: alles Leid aber wlrö von meinenden ttinderttirnrnen übertönt. Senn ttunöerttausenge von Waisen fristen heimatlos ung ohne Bnnehmer in vernichteten Dörfern ung ööen Wäldern ein unglückseliges Dafein, das sie unfehlbar dem Untergang entgegenführt. wer möchte es wagen noch länger tatenlos zu meinen ob eines Unglücks, wie es nur je Prophetenmunö roehhlagend vorausgesagt. Mitschulöig würgen wir an 9em völligen Untergang eines einst blühenden Volkes, ermannten wie uns nicht in letzter Stunde zu machtDoller Cat. So helfet, rettet, Brüder, Schwestern! Spendet den Opfern der Ukraine! Neiget Euch liebevoll zu den verlassenen, hungernden, welkenden Hindern — den Boffnungen gemorderter Eltern 1 Erhebt Euch zu einem Werk der Hilfe, würdig der Größe dieses furchtbarsten Menschenleides! Die Bruderliebe, diese heilige Slamme, die in der leidvollen Befchichte des Judentums noch nimmer erloschen, lasset sie auch den Juden der Ukraine leuchten! Balberstadt. im Juni 1921. Kriegsroaifenfonds der Raudas 3isioeL öefl. Spenden beliebe man der Direktion der Otskonto-öesellsdiatt, Berlin, für Kriegsroaifenfond (Uhraine-ßilfe) Postscheckkonto 1250 zu überfragen. Mit diesen Worten hat der Kriegswaisenfonds der Agudas Jisroet die jüdische Welt zu einem Hilfswerk für die Opfer der Ukraine und besonders für die Waisen der Ukraine aufgerufen. Er harret des Widerhalls. Nicht nützet die Klage ohne Tat,^ nicht die Träne, ohne daß aus ihr die Blüte edelster Menschenliebe und Hilfsbereitschaft emporsprießt; zu lange schon währt das Unglück und verbietet jede weitere Stunde müßigen Harrens. Wie aber das Leid unserer Brüder ein unbeschreibliches, ein tausendfaches ist, so muß auch unsere Hilfe eine vielfach gesteigerte fein. Nicht nur Geldspenden müssen wir guf dem Altar unseres Volkes niederlegen — unsere Häuser müssen wir den unglücklichen Kindern öffnen, müssen versuchen, ihnen ein Stückchen Heimat wiederzugeben> müssen die kleinen, erstarrten Herzen mit Leben und Liebe erfüllen. Und wer diese höchste Liebestat nicht zu erfüllen im Stande — oder wessen Hand vielleicht nicht ausreicht, sein Opfer allein zu bringen — er vereinige sich mit Gleichgesinnten und spende mit ihnen um ein kostbares, an Leib und Seele aufs schwerste gefährdeten Menschenleben dein drvhenden Verderben zu entreißen. Freunde, Brüder! Durch Agudas Jisroet ruft die Judenheit der Ukraine Euch um Hilfe. Hört ihre Stimme? Zur Lage. Pforte auf Pforte verschließt sich dem Golnswandervolk. Hoffnung auf Hoffnung zerschellt jäh. Aus immer neuen Wunden blutet unser Volk. Herr H a r d i n g, Amerikas neuer Präsident, hat seinen Namen unter die Einwan de ru n gsbi ll gesetzt und laut ächzend schlossen sich die Türen Amerikas.... Am Geburtstage seines Königs, am 3. Juni, hat Herbert Samuel, jener Mann, zu dem seit Jahresfrist das jüdische Volk in seltener Verehrung aufschaut, aus Anordnung feiner Re- 'giernng in London die Pforten E rez I i s r o e l s seinem Volke g e s ch l o s s e n. Durch die Nächte, tönt der Schrei jener Verzweifelten in Warschau und Wilna, in der Ukraine und Galizien ob dieser beiden neuen, das Blut in Stockung bringender Nachrichten. Wißt ihr Juden, insbesondere ihr, die ihr euch um das Banner der Thora schart, was diese Kunden bedeuten, was diese für euch bedeuten? Sie bedeuten: Aufforderung zum Klallbewnßtfein und zu dementsprechendem Handeln. Handeln an euch selber, handeln für eure Brüder Ihr, die ihr organisiert seid in Agudas Jisroei, rafft euch ans, lastet die stumpfe Gleichgültigkeit, handelt, denn euer Volk liegt im Verbluten. Handelt zunächst alt euch! Ortsgruppen! Jetzt ist es Pflicht jedes einzelnen, eurer Mitglieder anfznklären über die grauenerregende Lage unseres Volkes, jedes Mitglied innerlich bereit zu machen, damit es ivillig sich mir dem Ausmaß seiner materiellen und ideellen Kräfte in derk Dienst des Volkes stellt. Denn nur dann, wenn jetzt jeder Einzelne sich seiner Pflicht bewußt wird, dann kamt es mir □'p.i ilfe gelingen, das drohend? Unheil abznwenden. Im Lause oieses sommers werden wohl die deutschen Ortsgruppen zu einem Delegiertentage zusantmentrctcn. Vornehmste Aufgabe des Delegtertentages wird es fein'. Wege zu weisen, um jedes Mitglied zum Agndistell zit erziehen, Mittel zu finden, itm die Not unseres Volkes, insbesondere im Osten, zu lindern. Diese beiden Aufgaben föntteit aber nur dann gelöst werden, wenn die Leitung des Gruppenverbandes die einzelnen Gruppen in die Lage versetzt, sich bereits jetzt auf die kommende Tagung eiuzustellen, um zunächst im engen Kreise die Probleme und Lösungsvcrsuche zu besprechen, denn nicht erst auf der Zusammenkunft, sondern bereits vorher, muß darüber Klarheit herrschen, damit die Tagung die würdige Antwort auf die Wiener Umgestaltung der Organisation und die übrigen dort gefaßten Beschlüsse darstelle. Es gilt jeder Ortsgruppe das Berantlvortlichkeitsbeivnßtsein dafür zu geben, daß sie mit Teil habe att dem Schicksal von Klal Jsroel. I. S. Der Brief des Germ Rebbe über feine Gcez Zlsroei Reife. II. Meine Jrende wurde durch die betrübenden Nachrichten ans Jaffa gestört; möge '"tfH ihres Blntesgedenken,wiees Ijcijjt doi ■’fipJi; ferne durch d i e U u g l ü ck s b o t s ch a f r v o m Hinscheiderl des Rabbiners Moschet) Eliah Halpern n"i’, ncher wird man sich nur die Versorgung seiner Witive und seiner Nachkommen bemühen. - Außer in Ehebron bin ich in dell übrigen Städten und Niederlassungen nicht gewesen.' denn das erste Mal, da ich int heiligen Lande war, wollte ich nicht länger wie -l Wochen bleiben, damit dies nicht den Charakter der Ständig feit aunehine, wie die *v'7n jagen, daß alles, tvas mehr als 30 Tage dauert, als etwas Ständiges bezeichnet wiw. Von Ehebron kehrte ich schmerzerfüllt zurück, renn mein Herz brach vor Scham, als ich sah, wiejuir am Ort ber fcöfjle Machpelah mir einige Musen der Treppe gehen können, weiter lasten die arabischen Ansscher uns Inden lticht hineingehen. In Ehebron et suchten der Rabbiner und die lvenigen nach bni Kriegsjahrcn noch dortgebliebenen Jrom Ab 24. Juni find alle Zuschriften betreffend Redaktion und Expedition der „Blätter" an Herrn Dr. T. Ehrmann, Frankfurt a. M., Hananerlandftraste 15, zu richten.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.