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Der Israelit · 1921-06-23 · Heft 25 (23.6.1921) · page 15

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Journal
Der Israelit
Volume
62 (1921)
Issue
Heft 25 (23.6.1921)
Date
1921-06-23
Page
– (sequence 15)
Language
German
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23 Juni 1m> JSlätte r." Kr. IS. Kette 3. doxie sich von den politischen Scheinerfolgen h'es Zionismus blenden und betäuben ließen, desto tiefer erschloß sich seinem Herzen die Ueberzeugung, daß das Heil für die jüdische Gesamtheitt nur in dem Aufbau einer vorbehaltlos im Boden der Thora wurzelnden großen Weltorganisation aller Gesetzestreuen gefunden werden könne. Ihm ist es zu danken, daß Agudas Jisroel in England auf steinigem Boden doch wieder Saatkörner ausstreuen konnte und daß heute wiederum eine immerhin achtunggebietende englische Landesorganisation den Rahmen für die Weiterarbeit abgibt. Innerhalb des Exekutivbüros interessierte sich De. Jung für jede Einzelheit der Organisationsführung und stand zu jeder Tages- und Nachtzeit bereit, um den Interessen des Klal Jisroel zu dienen. So wird man in den Kreisen der Aguda, in allen Ländern der Erde den Namen Dr. Jungs für alle Zeiten mit segnender Anerkennung nennen, ihm als einem der Pioniere der Agudabewegung unauslöschlichen Dank zollen und ihm ein dauerndes liebevolles Andenken bewahren. Die Bestattung konnte erst am Dienstag letzter Woche vor sich gehen. Viele Tausende hatten sich eingefunden, um dem Heimgegangenen die letzte Ehre zu erweisen. In der Wohnung sprach Dr. G aster einige Worte namens der Sinai-Liga, Hespedim hielten für die Agudas Jisroel Rabbiner Bloch, in der orthodoxen Synagoge Stepney, wohin der Zug sich bewegte, Dajan Hillmann und in der Synagoge der Machsike Hadaß Dajan Feldl mann. l Möchte der schwergeprüften ^antitte des Heimgegangenen Trost aus dem Gedanken erblühen, daß Dr. Jung nicht umsonst gelebt und daß er die Freude gehabt hat, im Kreise seiner Kinder Fortträger seiner Prinzipien und Fortsetzer seines Wirkens erstehen zu sehen. n":>2urv DieAsuda-Velegalion inAew-Nork. sEigen-Bericht). New-Aork, im Mai 1921. Als vor einigen Monaten die Entsendung einer Aguda-Delegation nach Amerika hier bekannt wurde, rauschte das glaubenstreue Judentum vor Freude auf. Vielleicht nirgends ln der Welt steht die Orthodoxie lo ,ehr unter dem Truck der anderen Parteien, wie in Amerika, wo die anderen Gruppen gewöhnlich mit Hochdruck arbeiten unter Anwendung aller bekannter amerikanischer Reklamemittct. Bei jeder Gelegenheit wird die Straße mobilisiert: „Kinder und Fahnen heraus", das ist die Parole. Ta ist es ungemein schwer, Stand zu halten und nicht im allgemeinen Strom mitzuschwimmen. Ter Glaubenstreue empfindet die Peinlichkeit und die Groteske dieser Situation — aber er ist in der Regel zum Schw-igen verurteilt, weil er nicht organisiert ist und den organisierten Gruppen gegenüber nicht aufkommen kann. Die Nachricht von der Entsendung der Aguda-Delegation ist daher als eine Erlösung, als eine Befreiung begrüßt worden. Man wählte »in Empfangskomitee, ebenso ein Empfangsprogramm und war bereit und gerüstet, den anderen Parteien und der Oeffentlichkeit zu zeigen, daß auch die Orthodoxie die Straße, die Talmud-Thora-Kinder usw. mobilisieren kann, wo dies als tunlichst ernchrec wird. TO Hinausschiebung des Datums, an dem die Negation hätte pintreffen sollen, hat deswegen etwas entmutigend gewirkt. Die aufgeflammte Begeisterung ließ nach und der Glaubenstrcue sah sich wieder einmal verlassen, sich selbst überlassen. Man kann sich daher die Freude vorstellen, mit der die nun definitiv angekündigte Ankunft der Delegation ausgenommen wurde. Tiefe Freude ist umso aufrichtiger, als die Juden Amerikas in den letzten Wochen tatsächlich unter dem Druck des Weizmann- Rummels leben und Zusehen müssen, wie Unberufene tu ihrem Namen Aufrufe für Dinge erlassen, über welche sie sich noch nicht geäußert haben. Sie waren aber gezwungen zu schweigen, denn der Mangel einer festen' Organisation, das Fehlen in der Arbeit erprobter Führer, ließ keine ausgreifende Aktion anfkommen. Nun aber, da die Delegation doch kommt, atmet der fromme Jude frei auf; nun wird er die Möglichkeit erhalten, frei und offen anfzutreten, nun lvird er ein Teil jenes großen Weltverbandes sein, der die Orthodoxie aller Länder umfaßt, nun wird auch öffentlich sein eigenes Leben leben dürfen. .. Tie letzten Tage habe,: bereits großangelegte Kundgebungen für die Aguda gebracht. Am Jsru- Ahag, abends fand in den Räumen der Aguda in der 'tzenry-Sckreet ein orthodoxes Massenmeerig statt, rmber dem Vorsitz des Rabbi von Stvetin und unter Beteiligung vieler Rabbiner und prominenter Persönlichkeiten. Mit großer Begeisterung wurde der Gedanke begrüßt, die Aguda in Amerika zu neuem Leben zu erwecken. Der Rabbi von Stvetin, dessen Rede von zündender Wirkung war, wurde zum Präsidenten der Aguda ili Newhork gewählt, ein 25-glied-- rigcs Komitee wurde bestimmt, dre ersten Arbeiten in die Wege zu leiten. Für den Empfang der Delegation gibt sich das regste Interesse kund und man kann sicher sein, daß dieser Empfang eine großartige Kundgebung für den Gedanken der Aguda sein wird, ein Beweis für die Kraft des Ihvratreuen Judentums auch in dein amerikanischen Schmelztopf. Bei einem zwei Tage später abgehalteneu stark besuchten Meeting wurde die Konstituierung des leitenden Komitees vorgenommeu. Ein leitender Rat. bestehend aus den Rabbinern Chodorow (früher Ezerno- Witz), Th. Horowitz (Polen) und Leiter (Galizien), wurde mit der Leitung und Beaufsichtigung der Arbeit der einzelnen Kommissionen betraut. Kommissionen wurden gewählt für: Propaganda, Presse, Erziehungswesen, Jischuh Erez-Jisroel» Sck.emirat Schabbos, Finanzwesen. Tie Kommissionen haben sofort ihre Arbeit ausgenommen und es ist Zu erwarten, daß die Delegation die hiesige Aguda in voller Tätigkeit antrefsen werde. Tie Gegner der Aguda, die deren Bedeutung bei jeder Gelegenheit Zu bagatellisieren suchen, wissen am besten, wie es mit derselben steht und sie haben in den letzten Wochen mit einer Hetzkampagne eingesetzt, die ebenso häßlich, wie lächerlich ist. Das berüchtigte Jüdische „Korrefhondenzbüro" in London überschüttet die hiesige jüdische Presse täglich mrt einer Flut von Verleumdungen und Begeiferungen der Aguda, die dem wildesten Antisemiten alle Ehre machen müßten. Es ist kaum zu glauben, was diese Herren der jüdischen Presse zumuten und was diese kritiklos konsumiert. Ein Beispiel nur: mehrere Tage nacheinander wurde die Presse mit der Tartarennachricht gespeist, der Zentralrat der Aguda habe bei seiner Konferenz in Men beschlossen, von England zu verlangen, anstelle der Zionisten die Aguda zur Trägerin des Mandats für Palästina zu erwählen und daß die Reise des Rabbi von Gür nach Palästina den Zweck habe, die Bildung des Rabbinerrates zu stören, sowie daß die Rabbis von Husiathn und Kopeezynce mit einem öffentlichen Protest gegen die Aguda aufgetreten sind. Diese Musterkolle ktionen zeigten hinreichend, mit welchen verworfenen Mitteln da gekämpft wird. Für die Glaubenstreuen ist dies aber nur noch ein neuer Beweis dafür, daß die Gegner die Kraft der Aguda richtig einzuschätzen wissen, ihr Wüten beweist, daß die Aguda vorwärts schreitet und sie wird es auch tun trotz all dieser schöner Kampfmittelchen. * * I. K. Retv-Aork. Das Empsangskomitee zu Ehren der erwarteten Agudas Jisroel-Delegation hielt am 12. Mai eine Sitzung in der Wohnung des Herrn Rabbiners Tr. Klein ab. Herr Rabbiner Dr. Klein, der vor kurzem zum Präsidenten der hiesigen Ortsgruppe gewühlt wurde, wurde auch zum Präsidenten des Empfangskomitees ernannt. Ein Arbeitskomitee von 5 Mitgliedern wurde gebildet, bestehend aus Herren Dr. Herbert G o l d st e i n, R. Lunzer, H. Weil, New nt a n n und Purpur. Das Or> ganisations-Bnreau wurde provisorisch in dem Broadwnv-Eentral-Hotel installiert. In der East-Side wurde ein besonderes Arbeitskomitee gebildet unter der Propaganda-Leitung des Herrn Rabbiners T. Horowicz. Rabbiner Leiter wurde zum Sekretär dieses Arbeitskomitees ernannt. * * * Das „M orning Jo urn a l" in Newhork veröffentlicht einen Brief des Herrn M. Jung jr., in welchem er die falschen Berichte über die Wiener Zentralrats-Sitzung zurückweist. Das „Morning Journal" bemerkt hierzu: Gegen die Palästina-Resolution läßt sich wenig sagen. Wenn die Resolution gleich nach der Sitzung in ihrem Wortlaute nach Amerika gekabelt worden wäre, hätte man sich viel Herzeleid ersparen können. In gewissen. Kreisen hatte man auf Grnud der fatschen Berichte geglaubt, baß die Agudas gisroel eine viel schärfere Stellung gegen die Zionrganisaiton eingenommen habe. (Tie Zion. Blätter behaupteten nämlich, daß die A. I. die Ällein-Vertretung in Palästina forderte). Herr Tr. Leo Jung, Präsident der Agudas Jisroel in West-Amerika, hat sich zu kurzem Aufenthalte nach Europa begeben, wo er bis Mitte Juli zu verbleiben gedenkt. Bor sei,rer Abreise veröffentlichte Tr. L. Jung 'ein Dementi der agud «feindlichen Berichte. Tie führenden amerikanischen Zeitungen bringen warme Begrüßungsartikel für die Aguda-Delegation. London. Zu einer imposanten Agudakundgebung gestaltete sich die Abschiedsfeier derjenigen Delegierten der amerikanischen Delegation, welche von hur ans abreisten. Tie Herren Rabbiner Don Plotzk und Löw hielten in der Synagoge der Machsike hadas Anfvrachen über Wert und Bedeutung des Zusanttnettfchrusfes der Gleichgesinnten unter die Fahne der Agava, als der einzigen Organisation, welche Selbständigkeit des Gottesgesetzes in ihr Programm ausgenommen. Bis tief in die Nacht hinein waren die Wohnungen der Scheidenden gefüllt mit denjenigen, welche noch ein Wort Thora von ihnen Höven wollten. Und beim Abschied am Bahnhof ertönte der einstimmige Wunsch, die Delegierten wiederum in London sehen zu können. Eine größere Anzahl hiesiger Agudisten begleiteten die verehrten Gäste auf der Bahn bis zum Bord der „Adriatik", welche am Mittwoch, den 25. Mai die Delegation nach Amerika führte. Rew-York. Am 26. Mai traf unsere Delegation in Newhork ein; bereits in Hoboken von den Führern der Newhorker Gefetzestveuen, dem Vorstand der Agudas Harabonim aufs wärmste begrüßt. — Mit welchen Erwartungen man der Tätigkeit der Aguda hier entgegensieht, bewiesen am besten die Begrüßungsartikel in den jüdischen hiesigen Zeitungen, so schreibt z. B. die „Hebrew Standard" vom 28. Mai 21: Tie Ankunft der Telegation der Aguda Jisroel, der Weltorganisation von glaubenstreuen Juden, ist das beste Zeugnis, daß dieser Verein die höchsten und ioealsteu Ideen für das Heil des Judentums der yanzen Welt besitzt. Tie Agudas Jisroel versucht in diesen schrecklichen polittschen Zeiten für unser Volk die wahre nattonale Bewegung herbeizuführen, denn sie will die Seelen der Judenheit und nicht bloß die Menschen. Sie versucht alle jüdischen Probleme im Geiste der Thora zu lösen, und die „Jiidischkeit" allein ermöglicht die Lösung der jüdischen Ausgabe." „Die Persönlichkeiten dieser Delegation erwecken große Hoffnungen in den Herzen aller Juden, die treu den Traditionen unsrer Religionen sind. Ti: Herren T-r. Meier Hildesheimer, ein Leiter der deutschen orthodoxen Juden, Rabbi Meir Dan, einer der größten Talmudisten unsrer Zeit, und Tr. Nathan Birnbaum, aus Wien, dessen Schriften unter dem Pjeudonhrn „Mathias Acher" ihn in der ganzen jüdischen Welt berühmt gemacht haben. Eine solche Delegation wird vielss für das Wiederaufleben der aufrichtigen, treuen Orthodoxie in Europa tun und für ♦ifSib/4%0'%« fiin.T rtvt* rtvt- (iaJi Stunde, und zu ihrer Lösung sollten sich alle jüdischen Herzen der Welt mit Freud: und Enthugasmus vereinigen." . „Tie Aussicht einer wirklichen jüdischen Bewegung ist nun im höchsten Grade von der Agudas Jisroel versprochen, die Bereinigung nll:r Juden für die Dienste unsrer unsterblichen Traditionen, auf der festen und befriedigenden Basis unsireS allgemeinsamen Glaubens. Tie Agudas Jisroel b:sitzt als Führer Männer, die vor allem, über allem und außer allem Juden sind. Sie wissen, was dem Judentum jetzt fehlt. Sie sind nicht Juden bloß theoretisch oder politisch; sie sind Juden in allen Dingen. Sie reichen die brüderlich» Hand allen Juden, wo immer sie seien. Ihr einziges Zi:l ist dem Judentum Dienste zu leisten, in welchen Ländern, welchen Lebensbedingungen tuiDr Volk sich auch befinde. Solche Männer, eine solche Bewegung, derartige Ideale, derartige Ziele müssen den Beifall und die praktische Unterstützung unsres Volkes überall finden." — Auch die Begrüßungsarttkel der übrigen jüdischen Zeitungen widmen zum großen Teile, besonders Herrn Tr. Birnbaum, besonders warme Empfangsworte. Wir hoffen, bald weiteres über di: Tätigkeit der Delegation berichten zu können. *n* tzer Sewezunr. Wien. In ergreifender und imposanter Weis: ist Dienstag, den 7. Juni, unser Kriegswaisenhaus in Baden eröffnet worden. Zu dem im Garten versammelten Pnblikume, in dessen erst»» Reihen die ehrwürdigen Gestalten der hier weilenden Gedolim Platz genommen hatten, sprachen von der Terass: des Hauses Rabbiner Reich (Baden), Rabbiner I. Fürst (Wien), Herr Jsak Thumim und Tozent Dr. Max Eisler tiefbewegende Worte. Hieralls fand die Besicht tigung des Hauses statt. Bei dev weißen Taf:l sprachen Kultuspräsident Generalstabsarzt Prof. Pick. Wolf Pappenheim, der Vertreter der Regierung, Ministerialrat Suchaneck, Rabbiner. Horowitz-Jerusalem. Gemeinderat Tr. Schwarz-Hiller, zum Schlüsse die ehrwürdigen Rabbiner Steinberg (Brodh), Katz (Borszczow), Arak (Buczacz). In Vertretung^ des Joint waren Cpt. Jacques Rieur und Dir. Wechsler erschienen. Wien. Herr Lndw. Adler, eines der tüchtigsten Mitglieder der hiesigen Aguda, hat, um die ourch di: Sperre in Palästina in Wien ansgehalterten orthodox»» Palästina-Immigranten sowohl zu verpflegen als auch auf ihre Tätigkeit vorzubereitcn, zwanzig ssunge Leute auf der Gutsverwaltung des Herrn Löw in Markgraf-Neusiedl untergebracht, wo sie praktische Landwirtschaft erlernen werden und dabei nicht am Unrerstützung augewiesen sind, sondern sich ihr Brot im Schweiße, ihres Angesichtes verdienen werden. Tie jungen Leute rekrutieren sich aus dem Verbände „Poalim charedim" (glaubenstreue Arbeiter). Falls ' sich dieser erste Versuch bewährt, wird er in größerem Matzstabs fortgesetzt. Tie Landarbeiter erhalten streng koschere Kost, sabbatfvei und sogar ein Lokal für ein Beshaknesses. Frohes Treiben herrschte da im Aguda- Lokale. Die Poalrm nahmerr blitzblankes neues Geschirr und Besteck mit sich, für Mich und Fleisch separat, und sind froh, aus der dumpfen Leopoldstadt

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