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Der Israelit · 1921-06-16 · Heft 24 (16.6.1921) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
62 (1921)
Issue
Heft 24 (16.6.1921)
Date
1921-06-16
Page
– (sequence 6)
Language
German
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9*xatUt 16. Juni 1931 Seite 6 Nr. 24_ niirffmii erachte: werden kann, ist ganz allge- „.mein .und namentlich auch für Ausländer ohne Rücksicht ans irgend ein religiöses Bekenntnis zu verneinen. Bon einer rechtsgültig vollzogenen Auslösung der Ehe durch Scheidung könnte hier sonach selbst dann nicht gesprochen werden, wenn die Scheidung dem in Betracht kommenden ausländ. Recht vollkommen entsprechen wurde und ihre Rechtsgültigkeit von der hierzu be mit'nn; ausländische)! Regierung auerkennit wäre. Rabbiner verein in Württemberg. Stuttgart» 2. Juni. Am 30. und 31. Mai tagte die ordentliche Mitgliederversammlung des Vereins Württemberg isch er Rabbiner, die fast von allen Rabbinen des Landes besucht war, und von der alle Gemüter zur Zeit bewegenden Frage der Neuregelung der israelitischen Kircben Verfassung beherrscht wurde. Die seit 1912 neu eingeführte Kirchenverfassung der israelitischen Religionsgemeinschaft in Würtemberg mußte durch die Trennung von Staat und Kirche in manchen Punkten abgeändert werden. Zu diesem Zwecke war auf den 23. Mai die israelitische Landeskirchenversammlung von der Oberkirchenbehörde einberufen worden. Die Aenderung, die infolge der Staatsumwälzung notwendig geworden ist, geht aber viel zu weit, dem Rabbiner gehen manche Rechte, die er mit großem Verständnis und voller Hingebung Jahrzehnte lang vertreten hat, verlustig. Wie die Staatsregierung die bisherige Stellirng und Wirksamkeit des Rabbiners zu würdigen weiß, geht aus einem amtlichen Dankschreiben hervor, das der Kultmtntsterial- Präsident Dr. v. Bälz anläßlich seiner Beglückwünschung zum 60. Geburtstag, an den Rabbiner- Verein gerichtet hat, in welchem er die Rabbiner als „leuchtende Vorbilder ihrer Gemeinden" bezeichnet und hervorhebt, daß die hochangesehene Stellung, welche die israelitische Religionsgemetnschast in Württemberg genießt, vor allem den Rabbinern zu verdanken ist. Der Rabbinerverein, der durch seinen Abgeordneten Rabbiner Dr. Berlingen-Hall in der Landeski rchenversammlung vertreten ist, bedauert lebhaft die Aendrrung der ganzen Stellung des württembergischen Rabbiners. Bisher von der Staatsregterung angeftellt und besoldet, kraft seiner Stellung zum Borst enden des Gemeindevorstands berufen, sinkt der Rabbiner in die Stellung eines Gemeindebeamten herab, besoldet von den Mitteln der Gemeinde und der Zentralkasse, und kann nur durch Wahl zum Gemeinde-Vorsitzenden berufen werden. Die Forderungen und Wünsche der Rabbiner sollen darum in einer Denkschrift der Landesversammlung zur Berücksichtigung übergeben werden. Bei der Besprechung des Religionsunterrichts an der Grund- und Volksschule, über welche Frage Rabbiner Dr. Beermann Hellbronn referierte, entwickelte sich eine eingehende Debatte. Auch die von Rabbiner Dr. Schlesinge r-Buchau besprochene Frage über die Aufsicht des Re ligio nsunterichts war von allgemeinem Interesse. Ein von Rabbiner Dr. Schweizer-Horb gehaltener halachischer Vortrag über die Qualität der Zeugen bei p&lTP und ns^n und das Recht des T7DB IWVT’p/ die cny zu bestimmen, beleuchtete etnen aktuellen Kasual-Fall unter Anführung der verschiedenen Schwierigkeiten auf diesem Gebiete. Damit wurde dann die hochinteressante diesjährige Rabbiner-Versammlung geschlossen. Geste Die Auflösung des wiener 3oinf. Wien, 1. Juni. Die Direktoren des amerikanischen Joint haben das Wiener Hülfswerk, dessen Liquidation bekanntlich schon seit längerer Zeit beschlossen worden war, bereits für Ende Juni einzustellen beschlossen. Ein guter Teil der Verantwortung für dieses katastrophale Ende trifft die zionistischnationalen Matadore, die das Hülfswerk sowohl in Wien wie insbesondere in der Tscheche Slovaket an sich gerissen hatten und es mittelbar und unmittelbar zur Förderung ihrer parteipolitischen Zwecke und zur Unterdrückung der Orthodoxie ausnutzten. Die jüdische Oeffentlichkett hat ein Recht, darüber Näheres zu hören, und die Herren Dr. Bogen und Dr. Kahn sollten nicht zögern, ihre Eindrücke und Erfahrungen zu publizieren. Molen. Watte (iDerforguna- Warschau, 9. Juni.!v>hi' Zeit weilt in Warschau der Vorsitzende der „Gesellschaft für Versorgung jüdischer Waisen in Süd-Afrika", Herr Z. Öchsberg. Herr Ochsberg will 300 ukrainische Waisenkinder nach Südafrika mit hinübernehmen. Tie englische Regierung versicherte ihn des grössten Entgegenkommens bei der Ueberfnhrnng der Waisenkinder. Tie Auswahl de) Waisen bat bereits mit Hilfe der zuständigen Stelle begonnen. Der Pinsher Ilford m Sem polnifchen Segm- Warschau, 29. Mai. Der politische Seym hat die Feststellungen der Untersuchungskommission über die Erschießung von 34 Juden in Pinsk im April 1919 genehmigt. .Die Regierung ist infolge dessen beauftragt worden, nachträglich eine gerichtliche Untersuchung über die verabscheuungswürdigen Morde einzuleiten, die den Ptnsker Juden abgenommene Kaution von 100000 Rubel zurückzuerstatten und die Hinterbliebenen der 34 Erschossenen aus Staatsmitteln zu entschädigen. Ws UJarfchauer Wessiwts. Warschau, 5. Juni. Erfreuliche Fortschritte macht die hiesige Thorabtldungsanstalt, die sogenannte Messiwta' der „Schlome Emune Jisroel". Das Sommer- Semester setzte mit einer gesteigerten Lehrtätigkeit ein. Die Zahl der Schüler hat sich verdoppelt und eine Reihe von bewährten Talmudlehrern ist für die Jeschtwah gewonnen. Leider mußten viele Jünger aus Mangel an Platz und Mitteln zurückgewtesen werden, da für die Minderbemittelten aus der Provinz Stipendien ausgesetzt sind. Die profanen Fächer sind im Programm berücksichtigt und zwar so, daß sie mit dem Hauptstudium nicht kollidieren, und sie liegen in Händen von erprobten Lehrern, die auch eine Gewähr für die religiöse Charakterbildung der Schüler bieten. Polen Mr Sie uhrainifchen Juden. Warschau, 6. Juni. Wie bekannt wird, hat sich die polnische Regierung an den amerikanischen Botschafter mit der Bitte gewendet, bei seiner Regierung in Washington eine Erleichterung der Einwanderung für jüdische Flüchtlinge aus der Ukraine zu bewirken. Daß die polnische Regierung in erster Reihe damit eine Entlastung der polnischen Städte von dem Zustrom der Durchwanderer bezweckt, ist klar. Immerhin müßte man hoffen, daß der Schritt von Erfolg gekrönt ist. Lodz. 10. Juni. Eine große FenerSbrnnst uuirctc hier und richtete einen Schaden von etwa 10 Milliarden Mark an. Tie jüdische Großindustrie ist stark in Mitleidenschaft gezogen. Rumänien* öemeindeorganiiafion in Rumänien. Bukarest, 20. Mai. Die Autarkster Kultusgemeinde bemüht sich, einen Zusammenschluß der jüdischen Gemeinden in Alt-Rumänien herbeizuführen und hat der Regierung ein Organisations-Statut vorgelegt, dessen Genehmigung erwartet wird. In einer feierlichen Versammlung ist soeben Dr. Niemi» rower zum Oberrabbiner gewählt worden. Auf Ende dieses Monats sind sämtliche Rabbiner zu einem Kongresse nach Bukarest berufen, auf dem das Ministerium vertreten sein wird. Unglaublich. Bukarest, 9. Juni. Tie rumänische Zeitung „Teminijaka" bringt die unglaubliche Nachricht, daß 400 jüdische Flüchtlinge aus der Ukraine im Moment, als sie den Tnjester überschreiten, wollten, voit rumänischen Soldaten mittels Salven bis ans den lebten Mann erschossen ivurden. Ein Pogrom in Hornel. Baris, 1. Juni. lieber Finnland wird gemeldet, daß bolschewistische Truppen auch in Homel einen Juden- Pogrom veranstaltet hätten, dem hunderte von Menschenleben zum Opfer gefallen seien. Ebenso hätten furchtbare Schlächtereien in mehreren wolhhnischen Städten stattgesunden, die von den Banden des Generals Budzeny ausgegangen sind. Amsvitra. DJefomanns Sieg in Rmerifta. Aerv-Work, 7. Juni. Auf der Konvention der amerikanischen Zionisten in Cleveland hat Weizmann den vollen Sieg errungen. Richter Mack unterlag bereits bei der Wahl des Vorsitzenden mit 75 Stimmen gegen 139 seinem Gegner. Nach lebhafter Diskussion wurde mit 173 gegen 71 Stimmen das Vertrauensvotum für die gegenwärtige Leitung der amerikanischen Landesorganisation verworfen, worauf die gesamte Leitung, darunter Brand eis, Mack, Stephen Wise und De Haas zurücktraten. Damit ist die Einheit in der zionistischen Weltorganisation wieder hergestellt, wogegen der amerikanische Zionismus in eine ostjüdlsch-orientierte parteitreue Mehrheit und eine national-amerikanisch fühlende Minderauseinanderfällt. Die Sabbaf-öefebgebung in Rmerifta. Werv-Hork, 1. Mai. Der gesetzgebenden Versammlung des Staates New-Uork liegt zum dritten Male ein Antrag des Abgeordneten Dick ft ein vor, der zum Zwecke hat, die Beschäftigung von Angestellten an Sonntagen denjenigen zu ermöglichen, die den Sabbat oder einen anderen Tag der Woche als Ruhetag gewissenhaft beobachten. Zwar sind bereits durch einen Paragraphen des Strafg-setzbuches gewisse Gruppen von Arbeiten straffrei, doch ist jener Paragraph so mangelhaft formuliert, daß der weiteste Kreis der Angestellten keinen Nutzen davon hat. Bereits im Jahre 1919 war der Antrag Dickftein in der gesetzgebenden Versammlung durchgegangen, vom Senat aber mit einer Mehrheit von zwei Stimmen abgelehnt worden. Dtckftein wiederholte seinen Versuch im folgenden Jahre, scheiterte aber damit ebenfalls im Senat. Der Urheber des Antrages ist überzeugt, daß die Annahme diesmal gesichert ist. Die ungarischen Juden in Rmerifta- Wew-Hork» 1. Juni. Tic ungarisch jüdische Kolonie in Amerika hat nicht iveniger als 75 Organisationen, die alle in einen) „Verband der Jüdisch-ungarischen Organisationen in Amerika" vereinigt sind. Tie Za ist der Mitglieder des Verbandes beträgt etwa Td.noo. Ans einer Konferenz, die der Verband in den letzten Maitagen abhielt, wurde beschlossen, alle Kräsie zu einer Hilfsaktion für die notleidenden Brüder in Europa zu vereinigen. jjfaläflina. 3ur Lage in PaMina- Aaffa, 3. Juni. Im unteren Galiläa herrscht Panik infolge Düit Angriffsplänen der Araber. Tie beiden Kolonien „Menachamjcch" und „Zemach" sind bedroht, wenn nicht schleunigst Militär ankommt. Ter „Taor Hajamn" vom 16. Mai berichtet über Diebes- und Räuberbanden in der Nähe von Tiberias. Die Polizei, aus der die

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