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Der Israelit · 1921-06-16 · Heft 24 (16.6.1921) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
62 (1921)
Issue
Heft 24 (16.6.1921)
Date
1921-06-16
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 4. No. 24. Der Israelit. 16. Juni 1921 Wenn .VHTbm Samuels Rede nunmehr 'venigstens den einen Erfolg hätte, daß sie zur Berntzigung der ganzen arabischen Welt beitrüge. damit die jüdische Siedlung in Erez Iisroel, ivie klein oder mie groß, sie auch immer sei, wenigstens diejenige Rechtssicherheit sä ade, "deren sie zu ihrer nackten Existenz bedarf, so innßte man die sür den Augenblick tief schmcrzliche os-ier?alogische Wirkung sowohl, als auch die katastrophal wirkende Einwanderungsbeschrünkung hinnchrnen zu all dem anderen Leid, an dem das jüdische Volk in diesen Tagen des herrlichen Vöikerfrühlings ,ui tragen har. O b dieser E r s o l g e i n t r i 11, i st nun d i e?< r a g e, Di e ü bei' alle-? w eiter e e n t - scheidet. Gelingt es den maßvoll denkenden arabischen Elementen trou dem Erfolge, den die nationalistischen Fanatiker jent über die englische Regierung errungen haben, wieder Oberwasser zu erlangen, und in ehrlicher Verständigung mit England und den Inden den Ausbau einer wenigstens nach Zehntanfenden zählenden jüdischen Siedlung zu vereinbaren, so ist alles g e w o n n e n und ein Grundstein geschaffen, ans bem sich der jüdische Iischuw über alle wechselnden oolicischer: chonstellatstoueu hinweg friedlich entwickeln kann. Was das jüdische Volk braucht, ist die Möglichkeit großzügiger Verwirklich n i! g d e r Vl i z w a s I i s ch u rv E r e z I i s - rve l a ti s seinem al t geh e il i g ten Boden. An diese Aufgabe hat es seine ganze .straft, sein geistiges und wirtschaftliches Köniieit ohne politischen Seitenblick zu setzen. Tie W e l r p o l i t i k wird Ter gestalten, in dessen Händen die „Gänge der Zeiten" ruhen. Die Gephirazeit und vie Maine. Bon Dr. Joseph Wohlgemuth itt Berlin. „Israel, die Taube, trägst du aus Adlersfit tigen, sie nistete an deinem Busen im heimlichsten Winkel. Warum verließest du dein Volk, daß. es nun in beit Wäldern .Hausen in Hausen nmherirrt, umstellt von alten Seiten, die Netze gelegt? Daß die Fremden es zu anderen Göttern locken und die Verstoßene im Verborgenen weint nach dem Gatten ihrer Jugend?" So klagt der Dichter in den Iozeroth vor dem Schowuothsest. Nur einen Teil der Leiden hat er überblickt, die über Israel gekommen. Seitdem wurde ferner Blatt ans Blatt unserer Geschichte mit unserem Blute geschrieben und der blutigsten eine Anzahl in unserer Zeit. Unsere Vorfahren fragten „warum"? Ihr unerschütterlicher Glaube an eine göttliche Vorsehung, die im Kleinsten und Größten waltet, die ebenso dem unscheinbarsten Lebewesen die tägliche Nahrung zumißt wie sie Throne stürzt und Völker entwurzelt, die dem Einzelnen imb der 'Gesamtheit zu wägt nach ihrem Tun, dieses Vertrauen aus Gott und Sicheinsfühlen mit Gott, das gab ihnen das Recht zu ihren Fragen. Sie folgten nur den Worten unserer Propheten: „Tn bist gerecht, o Gott, wie könnte ich mit Dir hadern? Und doch will ich Dir die Rechtsf'nge vorlegen: Warum ist der Weg der Frevler em glücklicher, warum dürfen sorglos leben alle, die an Dir Verrat geübt?" Jeremias-. Und Habakuk: „Wie lange noch soll ich flehen, ohne daß Du hörst, soll ich zu Dir ob der Vergewaltigung schreien, ohne daß Du hilfst? . . . Dein Auge ist rein, Du kannst das Böse nicht sehen, vermagst nicht ruhig das Unglück zu schauen. Warum schaust Du ruhig aus die Verräter, schweigst, wenn der Frevler den verschlingt, der gerechter ist als er?'" Sie dursten fragen: Denn die Propheten und unsere Vorfahren waren die Gerechten. Und der Gerechte darf sein Recht fordern auch von Gott! Unsere Vorfahren waren die Gerechten. Inwiefern dies für alle Forderungen der göttlichen Gesetzgebung gilt, das festzustellen ist uns unmöglich. 'Aber sicher in einer und der für den, der die göttliche .Hilfe erfleht, wichtigsten: Sie haben selber dem Unterdrückten, Verfolgten, Verjagten, geholfen, waren den Witwen und Waisen ein Beistand. Mit Ausnahme weniger Fälle, die die Geschichte eben darum als unbegreifliche Ausnahmen verzeichnet hat, war das Leid eines Teils immer das Leid des gesamten Volkes; entfaltete sich stets unter den Armen mid Gedrückten selbst ein Wetteifer ohne Gleichen, die von größerer Not Heimgesnchten aufzunehmen, gaben sie ihr letztes dahin, um jene zu retten. Auch in der heutigen Zeit hat sich dieser einzigartige Zug des jüdischen Volkes bewährt. Im Osten und in Amerika, dessen Judenheit sich ja fast ausschließlich aus den Kreisen des Ostjudentums zusammensetzt, ist unvergleichlich Großes geschehen. Die Hingabe und Äufopscrung der kleinsten und ärmlichsten Gemeinden für die Flüchtlinge aus der Ukraine, die übermenschliche Arbeit einzelner im Dienste des Hilfswerkes ist ein Ruhmesblatt in der Geschichte der Werke jüdischer Barmherzigkeit. Aber washaben wir getan, seitdem der Hilferuf der Gemarterter! au unser Ohr drang, da mir von den Folterqualen hörten, wie sie kaum die Zeiten der Inquisition gesehen, da wir vernahmen, daß allein durch den Anblick des Erlebten Zahllose dem Wahnsinn verfallen? Wir, die rvir im Dünkel der Selbstgerechtigkeit uns zur Blüte der Judenheit zählen und doch nichts, rein gar nichts getan, um in die Reihe Der Letchenzug: Wieder Kürassiere . . . wieder Joch und Poineare . . . Nrrrrrrrr. Der mit Blumen überladene Sarg-und dahinter-? Was war das'? Die zwei Priester mit den sonderbaren Sammeimützen-? Man rieb sich die Augen, lautes Stöhnen wurde hörbar-. Es nützt nichts: Zwei Rabbiner! Der Mann, dem die Tschechoslowakei zum guten Teil ihren Bestand verdankt — ein Jude. Der Film wird wohl nicht verbreitet werden. Er „eignet" sich nicht sür's Volk. Er ist vielleicht ein sogen. Lehrfilm. Allzusehr ein — Lehrfilm-—. Aber es gibt etwas noch Lehrreicheres: Dieselben Blätter, die eben noch den Tod des Gelehrten mit feierlichen Artikeln begleiteten, blasen Rückzug: Er sei doch nicht gar so groß gewesen, Denis. Man habe sich unnötig echauffiert. Ihm sei doch nicht allzuviel zu verdanken. Ueberhaupt - Das ist noch lehrreicher als der Film. (Ein Fund allägyptischer Wäsche). Ein merkwürdiger Fund ist bei den jüngsten Ausgrabungen der Expedition des New-Iorker Metropolitan Art Museum gemacht worden, die auf der Stätte des altägyptischen Theben stattfanden. Man brachte eine Mumie ans Licht, die augenscheinlich mit der ganzen Wäsche ihresHaus Haltes begraben worden war. Wie eins der Mitglieder der Expedition, der Archäologe Walter Hauser, berichtet, befanden sich darunter etwa 40 prachtvolle leinene Tischtücher, die sehr groß und alle mit Fransen geziert sind. Das Leinen hat einen schönen goldbraunen Ton angenommen und befindet sich in vorzüglichem Erhaltungszustand. Bei einigen der Tücher wurden Spuren sorgfältiger Ausbesserung festgestellt. Familiennachrichlen. Geburten. Eine Tochter: Simon Ansbacher und Frau Selma, geb. Obermeyer, Würzburg. Barmizwohfeier Julius, Sohn des Herrn Benjamin Oberndorfer, Creglingen a. T. (Wttbg.), am 12. Sivan. Druikfehlerberichtigung. Auf Seite 9 (Literarische Warte) der letzten Nummer muß es am Schluffe der Besprechung des Neubauerichen Werkes richtig heißen: „Zum Verwundern ist es jedoch, daß der Verfasser die Lesart festhält und die richtige Lesart □’qjp verwirft". Sabbat-Anfang tutd Ausgang. Ktw mir. Ort: Anfang Datum Ausgang Wjt| «vin. 19811 5681 Uhr Mn. Frankfurt a. M. 7 50 17. 11. 9 40 Berlin .... 7 30 Juni Siwan 9 35 München . . . 7 15 9 08 Straßburg . . — — — — Stuttgart. . . 7 — 9 60 Posen .... — — — — Nürnberg. . . 7 15 9 19 Hamburg. . . 8 — 10 05 jener Gerechten ausgenommen zu werden. Haben wir nicht Schätze gehäuft wie früher, dem Geschäft uns gewidmet, gegessen und getrunken und Feste gefeiert wie vordem? Da der Wehruf der Gefolterten, das Wähnsinnslachen der durch die Wälder Irrendender letzte Schrei der zu Tode Gequälten in unser Ohr dringen, die Verzweiflung der ihrer Kinder beraubten Mütter, der in Hunger Und Durst verschmachtenden Säuglinge vor unserem Auge aussteigen sollten, da das ganze Register der Verkündigungen und Berichte aus den Strafreden und den Klageliedern unserer Bibel wieder zur schrecklichen Wirklichkeit geworden, was, was haben wir getan?! Ter Ruf an das jüdische Gewissen, der vor einem halben Jahr in diesen Blättern erging, hat dazu beigetragen, daß die Leiden unserer Brüder in der Ukraine wenigstens mehr in den Blickpunkt des Interesses getreten. Noch immer aber bemerken wir keine innere Umwälzung, noch immer nicht das Bewußtsein dessen, was es bedeutet, das Thoragebot zu erfüllen: “löi? *• x*? D*7 bv du sollst nicht stille halten, wenn das Blut deines Nächsten vergossen wird. In den Tagen der Sesira, deren aufwühlende und erschütternde Bedeutung den Zeitgenossen in Westeuropa so völlig verloren gegangen zu sein scheint, daß sie auch in dieser Zeit des neu aufgelebten Jammers nicht das vergossene Blut ihrer Brüder sehen wollen — es ist noch ein Glück, daß das für so viele völlig erstarrte Symbol des wild wachsenden Haares durch seine Unbequemlichkeit sie wider ihren Willen daran erinnert — in dieser Zeit sei ein Vorschlag gemacht, dessen Verwirklichung unsere Gerechtigkeit wieder herzustellen vermag, Gebiert auch hier wiederum das Wort nicht die Tat, dann haben wir uns unwürdig erwiesen jedweder Führung im Judentum. Sechsmalhunderttansend Waisen, heißt es, haben die Ereignisse in der Ukraine geschaffen. Tie Zahl ist bei dem Kinderreichtum der russischen Juden nicht unmöglich, da die Zahl allein der Erschlagenen im offiziellen Bericht auf der Karlsbader Hilfskonferenz mit 138 000 angegeben war. Wieviel sind noch durch die Folgeerscheinungen des Erlebten verdorben und gestorben. Es scheint mir, daß nur die großen Zahlen Eindruck machen. Das erinnert mich an die Frage, die einmal Max Nordau an A. Klausner richtete, als dieser in einer Diskussion die Notwendigkeit, dem jüdischen Volke im Großen zu Helsen, bestritt, — an die Frage: „Wieviel Leichen soll ich Herrn Klausner auf den Tisch legen, um ihn für meine Ueberzeugung zu gewinnen?" Ich will von den 600 000 Massen, es sollen nur 500 000, 400 000, L00 OOU, 200000, 100 000 sein. Hunderttausend Waisenkinder! Hunderttausend Waisenkinder! Ihr, die ihr Eure Kinder in Samt und Seide hüllet, die ihr sie in zartes Linnen lagert, denen das Beste nicht gut genug ist für ihre Nahrung, die ihr dafür sorgt, daß ihnen Luft und Licht in Fülle zu strömt, die ihr ein Kindermädchen nehmt, um sie auszufahren und eine Bonne um ihnen alle Schwierigkeiten aus dem Wege zu räumen, denen der erste Schultag des Kindes eine Freude und jeder neue Fortschritt ein Entzücken ist, die ihr den Arzt bestellt bei jeder Urrpäßlichkeit und zum Professor eilt bei jedem Verdacht einer ernsten Krankheit, die ihr nicht Ruhe und Rast kennt, um ihm für alle Zukunft ein sorgenfreies Dasein zu gestalten, wollt ihr nicht an jene ungeheure Zahl von Kindern denken, die auch in Schmerzen geboren, die das Leben ihrer Mütter waren, von Müttern, die mit ihrem Herzblut alles für ihre Kinder dahingegeben? Wollt ihr nicht des Augenblicks gedenken, da diese den Tod vor Augen ähen, und als das Furchtbarste das Schicksal ihrer Kinder ihnen vor Augen stand? Meint ihr, weil es russische Juden waren, weil sie nicht auf Teppichen dahinschritten und, seidenumrauscht in den weichen Sesseln gelehnt, das neueste Buch von der Seele des Kindes lasen, sie hätten nicht das gleiche bis in die tiefste

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