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Der Israelit · 1921-06-16 · Heft 24 (16.6.1921) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
62 (1921)
Issue
Heft 24 (16.6.1921)
Date
1921-06-16
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Seite 2 Nr. 24 Der Israelit. der Sinn der Balfour-Deklaration. Es mag sein, daß die Uebersetzung der englischen Worte ins Arabische ihren wahren Sinn nicht wiederqtbt. Sie bedeutet, daß die Juden, ein Volk, das durch die Welt zerstreut ist, aber dessen Herzen immer nach Palästina gewendet sind, in den Stand gesetzt werden sollten, hier ihr Heim zu finden und daß einige unter ihnen (s«me among them) — innerhalb der Grenzen, die durch die Zahl uub die Interessen der gegenwärtigen Bevölkerung bestimmt sind — nach Palästina fontmen sollten, um durch ihre Hilfsmittel und Anstrengungen die Entwicklung des Landes zum Vorteil aller seiner Einwohner zu unterstützen. Wenn irgend welche Maßregeln notwendig sind, um die moslemische und christliche Bevölkerung zu überzeugen, daß diese Grundsätze in der Praxis beobachtet werden, und daß ihre Rechte wirklich gesichert sind, so werden solche Maßregeln ergriffen werden. Denn die britische Regierung — die unter dem Mandat für das Glück des palästinensischen Volkes verantwortlich ist — würde diesem niemals eine Politik auferlegen, von der dieses Volk G rund hätte zu glauben, daß sie seinen religiösen, politischen oder wirtschaftlichen Interessen zuwiderlaufe. Was die Einwanderung betrifft, so ist es in der Tat notwendig, daß ihre Ausdehnung strikt der inr Lande erlangbaren Beschäftigung angepaßt wird, und ferner, daß diese Beschäftigung neue Unternehmungen darstellt und Unternehmungen von dauerndem Charakter. Unter den neuen Ankömmlingen hat sich eine Anzahl gefunden, die von der verderblichen Lehre des Bolschewismus vergiftet war. Diejenigen, die als Bolschewisten bekannt waren, sind festgenommen worden und werden verbannt werden mit Ausnahme derjenigen, die in Verbitidung nstt den Jaffaer Unruhen noch der Bestraft!^ unterliegen. DieEin wan derung ist eingestellt worden, bis zu einer Prüfung der Lage/ es sind Bestimmungen erlassen worden, wonach Personen, die zu folgenden Klassen gehören, nach Palästina zugelassen werden: Reisende, Personen, die durch ihre Geldmittel unabhängig sind, Fachleute (professional pers.) Familienangehörige, die von ihren in Palästina wohnenden Verwandten abhängig sind und solche Personen, die feste Aussicht auf Anstellung bei bestimmten Arbeitgebern oder Unternehmungen haben. Außerdem wird man einer begrenzten Zahl von Personen die Einwanderung gestatten, die in dem Augenblick, in dem die Suspension der Einwanderung angekündigt wurde, in europäischen Häfen ange- Bon Rabbiner Dr. M. Letvin in Hamburg. Vorüber ist das Fest der Gesetzgebung und verklungen sind die Dankeslieder und Jubelhymnen, die wir Ihm, dem göttlichen Gesetzgeber, zu Ehren in den alten bekannten Weisen und Melodien angestimmt. Die ganze volle Bedeutung des Tages vom Sinai ist uns wieder zum Bewußtsein gekommen, der Segen, den er der Well gebracht hat, das Licht, das er entzündet, um die Geister zu erleuchten und die Herzen zu erwärmen, aber auch die Beipflichtung, die auf Israel ruht, das da zum Träger und Verkünder der Thora geweiht und als Priester im Tempel der Menschheit eingesetzt worden ist, als der Herr zu ihm gesprochen: „Und ihr sollt mir ein Reich von Priestern und ein heiliges Volk sein". Sie hören es nicht gerne die Völker, in deren Mitte unsere Bekennerschar ausgestreut ist — wie das Samenkorn in die Erde eingepflanzt, aus dem Frucht und Segen hervorkeimt — das Wort von der Erwählung Israels. Sie vergessen es aber, datz wir in unserer Aufgabe und Bestimmung niemals einen Anspruch auf Sonderrechte gefordert kommen waren, oder sich bereits eingeschifft hatten. Allein es muß endgültig anerkannt werden, daß die Lage Palästinas derart ist, daß nichts, was den Charakter ein er Massenein Wanderung trägt, erlaubt werden kann. Es liegt mir sehr viel daran, daß die Bevölkerung Palästinas enger mit der unter dem' Mandat errichteten Verwaltung in Beziehung trete, und die Frage der Sicherung eines freien und autoritativen Meinungsausdrucks findet gegenwärtig die aufmerksamste Erwägung bei Sr. Majestät Regierung in London. Inzwischen beabsichtige ich, unmittelbare Maßregeln zu treffen, in der Absicht engere Beratung über wichtige Verwaltungsangelegenheiten zwischen der Regierung und verantwortlichen Personen, die im Namen aller Teile der Bevölkerung sprechen, zu sichern. Sobald das Mandat in Kraft tritt, wird von Sr. Majestät Regierung beabsichtigt, Vorsorge für die Errichtung einer palästinensischen Negierung zu treffen und zwar in einem Instrument, das beim Völkerbund eingetragen werden wird. Die Interessen der nichtsüdtschen Bevölkerung werden nicht nur durch das Mandat selbst vollkommen gesichert werden, sondern es wird durch sie auch in dem eben erwähnten Instrument gesorgt, in dem die künftige Verfassung des Landes festgestellt werden wird. Wie kürzlich angekündigt, werden gleichzeitig Schritte geschehen, um das Wahlsystem in den Stadtgemeinden zu reformieren. In Bezug auf die ernsten Ruhestörungen, die kürzlich in Jaffa und in der Nachbarschaft stattfanden, erwarte ich den Bericht des unparteiischen Komitees, das jetzt diese Ereignisse und ihre Ursachen untersucht, bevor ich eine Meinung äußere/ aber es ist gewiß, daß nichts flagrante Verbrechen, wie die Mordtaten, die Ueberfälle und Plünderungen rechtfertigen kann, die sich ereignet haben. Eine große Zahl von Fällen, die aus den Ruhestörungen herrühren, sind noch in gerichtlicher Behandlung, und diejenigen, die der Verbrechen schuldig gefunden werden, die verübt wurden, werden ihre verdienten Strafen empfangen. Den Familien der Getöteten und den Verwundeten drücke ich mein herzlichstes Mitgefühl aus. Ich wünsche ernstlich, dieses Land, den Mittelpunkt geheiligter Erinnerungen für Hunderte von Millionen, von einem friedlichen und gütigen Volke bewohnt zu sehen, wünsche, daß es fortschreiten möge in Ruhe und Harmonie einer gedeihlichen und glücklichen Zukunft entgegen. Möchten Regierung und Bevölkerung ihre An- * haben — sondern immer nur den Ansporn zu besonderer Bewährung, zu vermehrten Aufgaben und gesteigerten Pflichten, die uns allerdings nicht eine Last, sondern eine Lust, ein Quell steter innerer Beglückung und Beseligung werden sollen und eine Mahnung zur Selbstläuterung und Selbstveredelung. WaS von dem Priester im heiligen Tempel auf Morias Höhen gilt, das ist auch eine Weisung für das Priestervolk. Der Mittler zwischen dem Allerheiltgsten und Israel, lenkt immer aller Blicke auf sich und darum ist sein ganzes Leben, all sein Sinnen und Handeln, dem Heiligsten zugewandt. Er darf keinen eh!er haben — und darf nur im Zustande der einheit den heiligen Dienst versehen. All das gilt im übertragenen Sinn auch für Israel. Priestern gleich sollen wir allen anderen in Selbstzucht und weiser Beschränkung, in Treue und Hingabe, in Opfermut und Selbstverleugnung voranleuchten und so das Wort beherzigen, das sich dem Priestersegen anschltetzt nx wen ttt „Und sie sollen meinen Namen auf Israels Kinder legen, Ich aber will sie segnen". Den Segen des Herrn zu vermitteln den Menschen, diesen der himmlischen Gnade und Erleuchtung würdig zu machen, das ist unsere priesterliche Aufgabe, der Weg, für den Israel am Sinai bestimmt worden ist. „Der Segen", sagen unsere Lehrer, „geht nur von dem aus, der mit seinem Werderuf die Welt ins Dasein gerufen". Nur Er in der Höhe öffnet die Schleusen seines Segens, verleiht die Güter, nach denen sich das Herz sehnt, gibt Kraft und Nahrung, weckt das Sehnen nach Licht und den Drang nach Wissen und Forschung, verleiht der Segnungen höchste: Ruhe und Frieden. Datz diese Güter auch wirklich ein Segen werden, datz sie mit reinen Händen und lauterer Seele empfangen werden und im Dienste des Guten und Edlen ihre Verwendung finden, daß der Reiche 16. Juni 1921. strengungen vereinigen und streben nach diesem Ideal". * * * „Jewish Chronicle" widmet der Rede Herbert Samuels einen scharfen Leitartikel mit der Ueblrsckrift: „Ist datz Ende da?", der in solgend-n Worten gipfelt: „Es ist viid.ukbar, daß das jüdische Volk, Tet es tun: uiiror Rührung der Zionistischen Organisation oder >n an derer Weise die Last des Wiederaufbaues Palästinas ans sich nimmt, wenn ihm eine solche Aussicht aus die jüdische Zukunft des Landes geboten wird, wie sst Sir Herbert Samuel in seiner Aeburtstagsr/de gezeichnet hat. Es mag sein, daß die Rede des Oberkommissars, wie wir bereits sagten, eine bloße Anpassung an die Stimmungen der Araber bedeutet. Aber wenn dies nicht der Fäll sein sollte, so fürchten wir, daß die sorgenvollsten Zweifel, die wir in "erg-iuge.'-rr Zeit hinsichtlich der ganzen Politik der Balwur-Erklärung ausgesprochen haben und unser tiefster Argwohn hinsichtlich der wahren Bedeutung der Negierungspolitik sich als gerechtfertigt erweisen werde. Es wird eine grausame Lage für das jüdische Voll sein, und ihre Wirkungen sind unberechenbar. Aber dieses wollen wir aussprechen: Wenn es sich iprausstelle!! sollte, daß das jüdische Volk geprellt und beschwindelt worden ist, wenn die Balfour-Deklaration sich als ein bloßer Blender erweist, die San Remo-Proklamatiou als eine Täuschung, und Sir Herbert Samuels Ernennung zum Oberkommissar als Teil eines Spieles, dazu'bestimmt, die Juden in den Glauben hineinzutäuschen, daß England tatsächlich ihre politische Emanzipation als Volk beabsichtigt, t a t s ä ch l i ch die nationale Wiedecsammlung der zerstreuten Reste Israels beabsichtigt habe, w e n n nichts derart gemeint war, wem: der Betrug nur ausgedacht wurde, um für die Zeit dienlich zu sein, da dies zu den Notwendigkeiten der britischen Politik gehörte, dann — wenn es eine Gerechtigkeit auf Erden und einen Gott im Himmel gibt, dann wird diese Tat nicht ungestraft geschehen sein. Es widerstrebt uns, so Schlechtes von einer britischen Regierung zu glauben, oder anzunehmen, daß das britische Volk einer solchen: Politik der Heuchelei zustimmen werde, Aber wenn es sich doch so Herausstellen sollte, dann — ob auch für das jüdische Volk ein neuer Trauerlag feinem Kalender zugefügt werde". wird, und ob auch das .Judenproblem leider ungelöst bleibt — so haben wir doch einen Gedanken des Trostes. Bleiben wird glücklicherweise auch das jüdische Streben, die jüdische Hoffnung und der jüdische Glaube au die jüdische Zukunft uuserös alten Landes, Aber für die Regierung, die Mächte, bleibt das jüdische Problem bestehen. Dies ist die Antwort, die sie sich vor Augen zu halten haben werden, wenn cs sich erweisen sollte, daß Sir Herbert Samuels Erklärung in der Tat ein Anzeichen für das ist, was eines der schwärzesten Beispiele politischen Verrates in der ganzen "Weltgeschichte bilden wird." Auch aus Jerusalem lassen sich die zionistischen Blätter melden, daß Sir Herbert Samuels Rede einen niederschmetternden Eindruck auf die Juden gemacht habe, dem die einheimischen Zeitungen infolge der strengen Zensur keinen Ausdruck verleihen können. Die jüdischen Vertreter hätten nach der Rede Herbert Samuels in tiefster Erregung den Versammlungssaal verlassen. Eine objektive Würdigung der Lage versuchen wir in der Wochenrundschau. nicht stolz und dünkelhaft werde und der Weise nicht selbstvergessen die dem schwachen Menschenverstände gezogenen Grenzen gewaltsam vernichte und nicht den Himmel zu stürmen wage, er nicht sich selber als sein Gott dünke und den Herrn entthrone, das ist wohl des Menschen Anteil. Da soll nun Israel mit seiner priefterlicken Aufgabe einfetzen, soll durch sein Leben höchster Sitte und Moral, durch sein von reinster Selbstverleugnung getragenes Tun und Lassen, auch die anderen zum Nachwandel spornen und allen zeigen: Der Herr segnet mit Hab und Gut und schützt das gewonnene, dem der die Leidenschaft dämmt und dieTriebe bändigt. Er erleuchtet und begnadet mit Verstand und Wiffen den, der sein Licht im Lichte Gottes sieht und der Herr wendet sein Antlitz zu in Liebe und Güte und verleiht Frieden, wenn wir diesen andern gewähren. Das ist's, was Israel am Altar der Menschheit zu leisten hat, damit es ein Segen der Menschheit werde und die Verheißung des Herrn an Abraham zur Wahrheit mache, 'ns-Q 'vn „Werde ein Segen": Durch ein Leben des Geistes und der reinsten Hingabe an das Ewige und Unendliche, wie im steten Ringen und Streben nach den höchsten Idealen, weiß es den heiligen Namen Gottes überall zur Anerkennung und Verherrlichung zu bringen. Diese Heiligung des göttlichen Namens im Handel und Wandel, die die höchste Anforderung an unser sittliches Verhallen bedingt und immer von neuem den kategorischen Imperativ der Pflicht uns ein schärft, weckt und fördert die lautersten Gesinnungen in uns, heiligt die Triebe in unserer Brust, edelt unsere Gesinnung und befähigt uns zu den größten und schwersten Opfern. Unsere Aufgabe und Bestimmung, die richtig erfaßt und betätigt, den Segen des Himmels der Welt vermittelt, wird uns selber zum Segen, D3“DN ’m Ich will sie segnen — dieser Schluß, sagen unsere

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