Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 62 (1921)
- Issue
- Heft 23 (9.6.1921)
- Date
- 1921-06-09
- Page
- – (sequence 21)
- Language
- German
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s. Juni 1921. ,V l ä t t e r." ba, bie auch, hiervon.viel profitieren, bas sind aber diejenigen, bie gemeinsame Agudoh- Schiurim am wenigsten nötig haben. Mit Rücksicht auf bie anderen aber, bie wohl in den meisten Gruppen die Mehrheit : bilden, ich nteute hiermit nicht diejenigen, .die nicht nur um zu lernen in den Schiur kommen, nein ich benke an die, die Zu wenig Vorbildung haben, die oen Inhalt der Sidroh zu wenig beherrschen, um von den -Erklärungen viel haben zu können, mit Rücksicht auf diese Mädels ist auch ein T'nach-Kursns, der so gehandhabt wird, wie ich es für den Tesillohkurjus verlangte, selbst für die Gruppen, die sich nicht allzuviel Schiurim leisten können, unbedingt erforderlich. Wenn nebenher noch jede Woche rin Vortrag über die laufende Sibroh gehalten wirdso ist dies sehr zu begrüßen, denn in einem Chumisch-Schiur ist es nicht möglich, die laufende Sibroh durchzunehmen. Das Lernprogramm schreibt nicht vor, welcher der drei Teile des Danach behandelt werden, das bleibt den Gruppen überlassen. Sehr empfehlenswert ist es selbstverständlich, uub j'eoe Gruppe, die nur irgend die Möglichkeit hat, sollte es versuchen, Schiur in: in Tauroh, Rewiim und Ksnwim einzurichten. Tie Tauroh-Eommission hat es ,uns auch gestattet, daß, wir Chumisch mit Raschi lernen, das kommt allerdings nur für Mädels in Betracht, die eine gute jüdische Vorbildung haben. Bei diesem Schiur schlägt .mau zwei Fliegen mit einer Klappe, man übt sich im Uebersetzen und die Erklärungen, die man mit Ueberwindung solch großer Schwierigkeitctt, der Maschrschrift und des Unpnnktiertlesens lernt, werden sich sicher sehr tief ins Gedächtnis einprägen. Und nun komme ich zum .4. und letzten 'Punkt des Lernprogramms, Lesen von Agudohlektüre. Es ist dies ein Punkt, der bei der Mädchensitznng zu sehr lebhaften Diskussionen Anlaß, gab. Daß beim Ausstellen dieses- Punktes .in dem Lern- Programm sicher nicht daran.gedacht war, daß nun wöchentlich ein Agudohlektüre-„Schiur" stattsinden soll, ist Wohl selbstverständlich. Die Tauroh-Eommission hatte Wohl im Auge, daß es auch notwendig ist, daß wir Mädels wissen, was die Agudoh will, was ihre Aufgabe ist, Warum sie überhaupt notwendig .ist und um das mitzuteilen, dazu genügen auch Vorträge, Ausspracheabende, die von Zeit zu Zeit, wohl auch mit der Jugendgruppe zusammen stattfinben können. Und dann muß es eben jeder Agudistin selbstverständlich sein, daß sie die „Blätter" liest, nicht nur die Spendenliste, und hierzu muß sie eben in der Gruppe .angeregt werden. Dieser vierte Punkt des Lernprogramms, der bei manchen einen so starken .Widerstand auslöste, weil sie glaubten, es sei unrichtig, auch in die Mädels die 'Politik hineinzutragen, ist doch garnicht unwichtig. Im Gegenteil, es ist durchaus notwendig, daß jedes Mädel weiß, warum es in der Agudoh und nicht im Misrachi oder Zionismus ist. Im Misrachi gibts ebensogute Jehudim wie bei uns, im Misrachi sind Schiurim, vielleicht in manchen Gruppen ebensogute wie bei uns und da ist es doch notwendig, daß auch das Mädel weiß, warum es Agudistin und nicht Misrachiftin oder Zionistin sein soll, hört, sieht und weiß es .darüber nichts, so wird es bei der ersten sich bietenden Gelegenheit, wird ihm drüben ein Ideal gezeigt, für das es sich begeistern kann, hinübergehen und ist für .uns verloren. Warum sollte es auch nicht; das, was es bei uns findet, findet es bei den anderen auch und was uns- .trennt, warum wir nicht mit den anderen zusammen gehen, das weiß es nicht, darüber hörte es nichts, weil sich Mädels nicht mit „Politik" abgeben sollen. Existiert irgendwo eine Gruppe, die noch soviel Zeit aufbringen kann, daß sie gemeinsam Agudohschriften lesen und sich darüber aussprechen kann, so fielen diese Stunden wohl unter den zweiten Teil der Aufgaben der Mädchengruppen, die soziale Tätigkeit, denn das könnte dann die geselligen Abende, von ] denen ich später noch jzn sprechen habe, ausfüllen. Und nun komme ich. Kn dem zweiten Teil unserer Arbeit, die soziale Tätigkeit. Ich möchte da zuerst einen Punkt herausgreifen, den ich vielleicht für den wichtigsten halte und der außerdem den Vorteil hat, daß jede Agudistin die Möglichkeit hat, hierfür,etwas zu tun, denn hierbei hilft noch nicht «einmal die berühmte Entschuldigung des Zeitmangels. Ich henke hierbei an die Pflege.der Geselligkeit, und zwar an die unbedingte Pflicht jeder einheimischen Agudistinauswärtige Agudistinnen, deren Eltern nicht am Orte wohnen, die also kein richtiges Heim haben, in ihr Haus zu ziehen. Ich denke da nicht an großartige Einladungen, ich verstehe darunter, daß solch ein Mädel in ihren freien Stunden, an den Abenden hinübergeht, zu einer in der Nähe wohnenden agudistischeN Familie, dort mit den Gleichgesinnten plaudert und sich ausspricht, dabei ihre Handarbeiten macht, näht, flickt und -stopft oder was sie sonst zu tun hat. Kommt sonst, solch ein Mädel, das ganz allein am Orte «steht, m andere Kreise, weil es sich gar zu einsam fühlt, so tragen wir die Verantwortung, weil wir ihr ein Stückchen Familienleben fjätteu mitgeben können, weil sie, hätte sie mit uns leben foulten, auch weiter mit uns gefühlt -hätte, und was tue ich mit aller schönen Theorie, > daß wir alle Schwestern sind, eine für die andere mitzusorgen hat, wenn wir im wirklichen Leben nichts davon merken. Ich halte diesen Punkt für wichtiger, aU die geselligen Veranstaltungen, die gemütlichen Abende, die ja doch wohl, besonders, wenn sie zu häufig sind, sich durch ziemliche Ungemüt- Rausch Chaudesch-Spende fürSiwan ist fällig! lichkeit auszeichnen. Ich will hiermit durchaus nicht sagen, daß nun ,gar keine Feiern oder gemütliche Abende stattsinden sollten. .Wir sind doch junge Menschen und wollen und sollen auch manchmal fröhlich zusammen sein. Nur wäre es wohl ratsam, micht regelmäßig, also zu häufig, solche Veranstaltungen zu machen, weit die meisten Gruppen ,doch wohl nicht so viel Chen aufbringen können, daß sie dann auch I wirklich gemütlich sind. Dagegen halte ich es für wichtig, daß besonders jetzt, bei dem schönen Wetter, sehr häufig gewandert .wird. Gerade jetzt bei diesem anhaltend schönen Wetter, wirds die meisten, die die Woche durch gearbeitet haben, Sonntags hinausziehen und da» muß jeder die Möglichkeit haben, mit Gleichgesinnten wandern zn können. Gerade beim Mandern konrmt man einander näher und das haben sogar nicht einmal nur die Einheimischen -und Fremden nötig, in vielen Orten wohl -auch die Einheimischen untereinander, die sich doch' oft noch gar zu schwer daran gewöhnen können, daß die sozialen Unterschiede innerhalb der Agudohjugend doch wohl eigentlich nicht bestehen sollten. . Als zweiten Punkt möchte.ich die Famrlienfürsorge nehmen. Dies ist nun ein Gebiet, das die Mädchengruppe nicht allein bearbeiten kann, sie muß da .Hand in Hand mit der Frauengruppe, oder wo eine solche nicht besteht, mit einem ihr nahestehenden Frauenverein arbeiten. Unter Familienfürsorge.verstehe ich das Einspringen in all den Fällen, wo es einer Hausfrau plötzlich nicht möglich ist, ihren Haushalt zu versehen und ihre Kinder zu versorgen. Und zwar denke ich mir die Sache so: es muß in der Kehilloh eine Stelle, also eine bestimmte Dame des Frauenvereins, bekanntgegeben werden, an die sich die Frauen bei plötzlicher Erkrankung, Schiwoh oder .dergl. Nr. 18. Sette L. Wenden können, diese Dame hat nun Listen der Mädels der Jugenogruppe, die sich zur Hülfe zur Verfügung stellen und teilt diese so zum Dienst ein, daß sie nach einigen Stunden, das käme ja auf die .Anzahl der Helferinnen an, abgelöst werden, so iuie .dies auch in den Orlen, wo ein solcher eigerichtet ist, beim Hilfsdienst für die Durchwanberer gehaubhabt juirö. Tiefe Familienfürsorge kommt nicht nur für Arure in Frage, auch bei besser Gestellten wird es unter den heutigen Verhältnissen oft nicht sofort möglich sein, zuverlüsfige §ü,e zn finden. Daß bie Agudoh überall, wo ein solcher besteht, beim Hilfsdienst für die Durchwauderer mitzuhelfen hat, ist ja selbstverständlich, und ist dies ja auch soviel ich weiß, überall geschehen und v-elfach wie z. B. in Eöln, liegt die Leitung irr Händen guter Agudisten, und wird von ihnen die Hauptarbeit geleistet. Eng mit der Familienfürsorge hängt die Frage der Nachhilfezirkel zusainmen. Dieser käme Wohl hanptjüchlich für die ostjüdistßen Kinder in Frage, deren Eltern manchmal n.cht so gut in der .Lage sindihnen bei den Sch ilarbelten behilflich zu sein, Md denen wir, esouders, wenn sie erst kürzlich eingewandert sir), in vielen Dingen behilflich sein müßten, damit sie sich schneller undleichter in die neuen Verhältnisse einfinden können und ihnen hier ein Fortkommen besser möglich ist. Für diese Nachhilfezirkel müßten einige Nachm.i.aasstundc: festaelegt werden, bie von einigen Mädchen cbwechjemd gt feitet werden. Selbstverständlich gehört es auch zu den Aufgaben der 'Mädchmgruppe, da es ja zn den Mrzwaus gehcrt, daß Krankenbesuche gemacht werden. Wenn es von den Leimngeit der Anstalten erlaubt wird, und das kann wohl überall erreicht werden, sollten auch Be>uche in Waisenhäusern, Siecheuheimen und Kinderheimen gemacht Weihen, vieüeicht auch, wie bas z. B. kürzlich im Kinderheim in Eöln eittgerichtet wurde, daß dort gesellige Abende abgehalten werden, zu denen immer einige Agnbistinuen kommen, die mit den Mädels irgend ein jüdisches Thema besprecheit oder etwas oo riefen, damit die Kinder sich nicht einsam fühlen, damit sie wissen, daß die anderen, die ein besseres Geschick hatten, sie auch zu sieh gehörig betrachten, .'und die Kinder werben .auch vielleicht mehr Interesse und Freude am Kennenlernen jüdischer Dinge haben, lvenn sie sehen, daß die änderest, denen es so viel besser geht, sich auch damit beschäftigen und daran ihre Freude haben. Ich muß wohl nicht besonders erwähnen, daß die Mädchengrnppe auch mitzuarbeiten hat bei den sozialen Fürsorgestellen, die jetzt in den Jngendgruppen gebildet wurden. Auf der Cöluer Tagung wurde es noch zu den Aufgaben der Mädehengruppell gerechnet, einen Kindergarteit einzurichtett. Es gehört dies vielleicht zn den Ansgaben, und es ist wohl unter den heutigen Verhältnissen sehr empfehlenswert, wenn möglichst viele gut jüdisch geleitete Kindergärten bestehen, aber daoei ist eine große Schnste* rigkeit, denn einen Kindergarten können die Mädels der Gruppe nicht leiten, dazu gehört, wenn wir vonl .Raummangel absehen wollen, aber eine richtige Kindergärtnerin, und das kostet viel Geld. Das kann mm leider nicht jede Gruppe aufbringen und inan kann wohl jeder Gruppe empfehlen, wo's irgend möglich ist, die Mittel dazu anfzubringen, aber es ist doch nicht gut, Forderungen^ aufzustellen, die von vielen Gruppen doch nicht erfüllt werden können. Zn all dem, was ich bisher verlangt und besprochen habe, benötigt ntait aber gar kein Geld, nur den guten Willen der Mädels und da ist es eben die Aufgabe der Leitung der Gruppen, diesen guten Willen bei ben Mädels zn wecken und ihn zu fördern. Und es ist Aufgabe der Grnppenleitung, diejenigen Mädels, die noch aus Interesselosigkeit abseits stehen, die aber beut Elternhalls nach zn uns gehören, heranzuziehen, vielleicht, lvenn die Schiurim s 's; - •; K r :• v. r :•