Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 62 (1921)
- Issue
- Heft 23 (9.6.1921)
- Date
- 1921-06-09
- Page
- – (sequence 22)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Seite 6. Nr. 18. ,VIStt?er." sie nicht, anziehen, erst versuchen, sie zur Teilnahme un beit Wanderumgen, an den Feiern zn bewegen. Sind sie erst mal in unserm Kreis, dann iverden sie bei gichtiger Bearbeitung auch mit der Feit ganz zu uns gehören. — Aber richtige Bearbeitung, wer gibt sich damit ab? Uebcrhaupt täuschen wir uns nicht: der eifrigen Mitarbeiter sind in jeder Gruppe verhöitniLmäßig wenige, und an .Fi'chrerinnen, an solchen Mädels, die die Leitung einer Gruppe übernehmen können, und sie auch wirklich gut leiten, daran herrscht wohl in allen Gruppen Mailgel. Dem sollten die vom G.-B. geplanten Fnhrerinnenkurse abhelsen. Gewiß, es ist tu einem solchen Kursus nicht möglich, Führerinnen zu schassen; ich glaube aber, das ist überhaupt nicht möglich. Führcrin zu sein, ist einfach ein %atent, .das, wo's ist, eben von vornherein vorhanden )var. Aber.dieses Talent kann wie jedes andere gepflegt und weiter gebildet werden, und hier können die Kurse eben Helserl, indem sie den Teilnehmerinnen Fingerzeige geben, lvie sie ihre Arbeit am besten anpacken können, auf welchen .Gebieten sie sich betätigen sollen. Ich bin mit meinen Ausführungen zu Ende. Ihr könnt reicht sehr .enttäuscht sein, denn ich sagte ja gleich zuBeginn, dast es mir wohl kaum möglich sein dürfte, etwas, .neues zu bringen. Aber, rvie Jahr für Jahr stets vor: neuem mit dem Lesen der Tauroh .begonnen wird, und doch immer wieder eine .neue Erklärurrg gesunden, eine neue Feinheit entdeckt werde, immer wieder ein besonderer Abschnitt vielleicht einen anregt, sich mehr damit.zu beschäftigen, eifriger im Erfüllen der Mizwaus Zu sein, so wäre lehawdil der Zweck meines Referates erreicht, wenn auch nur eine von Euch angeregt würde,, eifriger mitzuarbeiten oder gar eine neue Möglichkeit finden würde, rvie wir unsere Aufgaben besser erfüllen können, als .bisher. Erna Cohen-Cötn. Nie Slrllttng der 3entf«Iemer Meinen zu den moderaenSchulen Irr der Sitzung des Rabbinischen Rates, die anläßlich der Anwesenheit.des Gerer Rebbe in Wien stattgefunden hat, kam auch der bekannte (Stierem gegen die modernen Schulen in.Jerusalem zur Sprache. Ein Jerusalemer Tageblatt berichtete nämlich, daß Rabbiner .Sonnenfeld die Unterschrift des Gerer Rebbe auf den Eherem verlangte und daß. letzterer diese abgelehnt, weil nicht alle Rabbiner unterfertigt .sind. (Diese Nachricht habe'.! die ausländischen untiagudistischen Blätter, letzthin die Jnd. Rundschau vom 27. Mai mit großem Behagen nachgedruckt. Red.) Im Verlaufe der Unterhaltung erzählte der Gerer Rebbe, daß Rabbiner .Sonnenfeld diese oder eine ähnliche Bitte nicht an ihn gerichtet hat. Wohl aber habe eine diesbezügliche Aussprache mit Rabbiner Kuk .stattgefunden, der dem Gerer Rebbe erklärte, Paß er auf dem Standpunkt stehe, d a ß der La f t c E h e r e m! eiuc Geltung nie verlören pabe, indem kein R a b b i n a t die Bef n g n i s s i ch z ri t v au c u k ö u u e, di e s e rr u u f z u -- heben. Ter Gerer Rebbe hat auch mit den i Rabbinern F rank und B e r n st ei n .(Rabbinat Kuk) vor seiner Abreise verabredet, diese! Erklärung in der Jerusalemer Zeitung zn veröffentlichen. (Es steht jedem frei, über die Bedeutung des Eherem sein eigenes Urteil sich zu bilden. Gegenüber tendenziösen Ausstreuungen soll aber die Wahrheit nicht unterdrückt iverden. Anmerk. d. Red.) Srez Moel- Zionismus -Asuda. Ans einem Interview des „Doar Hajom" mit Rabbiner I. v> orowicz - Jerusalem. 3m Ge^. usatz zum „Hacirez" zeichnet sich die Jerusalem Tageszeitung „Doar Hajom" unter den zionistischen Presseorganen dadurch aus, das; sie üch bemüht, jüdische Gesnmtheitsfragen auch vom Standpunkts der unabhängigen Orthodoxie der Oefsenttichreir zu übermitteln. Durch den Abdruck eines Interviews mit Herrn Rabbiner Horowicz, Mitgtied des Zentralrates der Agudas-Jisroel, airläßlich seiner auf nttge neinen Wunsch des rabbinischen Rares erfolgten Teilnahme an der Delegation des Gerrer Rebbe hat der „Doar Hajom" seinen Lesern Gelegenheit gegeben, über die Palästina berührenden Probleme der AgudaS-Jisroel sich Klarheit zu verschaffen, was um so wichiger war, als man es für notig, befunden hatte, durch die dortige Jugendgruppe de? Misrachi in einer eigenen Beilage zum „Haarez" über die Wiener Konferenz einen Bericht zn geben, welcher voll von Entstellungen und Unwahrheiten dein palästinensischen Leser verspiegelt, daß die Aguda jede positive Patüstinaarbeir ableyne und den Maudatsenttviirf zu Fall briilgen möchte. Wir geben aus dem Interview, dessen Ernst, dessen Klarheit und Bedeutsamkeit der Redakteur in seiner Einleitung ganz besonders hervorhebt, einige der charnkteristi scheu Stetten wieder. Aguda-JiSroel als eine Organisation, welche das GockeSgesetz zur Grundlage hat lind dessen Verwirklichung im individuellen und nationalen Leben zn erreichen als ihre .Hauptaufgabe betrachtet, kairn die zionistische Organisation allein nicht als die Bevollmächtigte des ganzen jüdischen Volkes ansehen. Trotzdem hat bis zum heutigen Tage die Orthodoxie diese ihre Anschauung niemals derartig vertreten, daß politische oder wirtschaftliche Bestrebungen der Zionisten, welche im Interesse des jüdischen Volkes geschahen, dnrch die prinzipielle Stellungnahme der Aguda gefährdet würden. Jni Gegenteil, Aguda bemühte sich stets und hat auch wiederum in Wien bet der Zeutrnlratssitznng Möglichkeiten für gemeinsames Arbeiten in Erez Jisroel gesucht. Sie hat allerdings ihren Standpunkt gegenüber der zionistischen Partei in aller Klarheit zum Ausdruck gebracht, aber ohne dabei allgemein jüdische Interessen oder Errungenschaften, die bezüglich Erez Jisroel erreicht wurden) irgendwie zu gefährden. Dieseiben Vorwürfe,, die man heute der Orthodoxie macht, hat man auch vor San Nemo gegen sic erhoben und sie haben sich später lediglich als Vorwand erwiesen, um das Ansehen der unabhängigen Orthodoxie zu schmälern. In wirtschaftlicher Beziehung, wo keine religiösen Prinzipien iü Betracht kommen, hat Agndas Jisroel stets versucht, mit der zionistischen Organisation zwecks gemeinsamer Erez-Jisroel-Arbeit in nähere Beziehungen zu treten. In derselben Richtung bewegten sich die Vorschläge des Lberrabbiner Onderwhzer von Amsterdam. Diese Bestrebungen sind noch keineswegs als erfolglos abgebrochen zu betrachten, auch aus rein innerpaiäftincnsischen Gründen will Agndas-Jisroel das ihrige dazu tun, um der Negierung die Aufbauarbeit durch innere Kämpfe nicht zu erschweren. Die jeweilige Stellungnahme der Orthodoxie gegen die zionistische Organisation war beeinflußt durch die innerliche Entwicklung dieser Organisackon selber. Der zionistische Rationalismus wurde seinerzeit z. B. deshalb von der Orthodoxie bekämpft, weil nach ihrer eigenen innersten Uoberzangung die historische jüdische Ration sowohl in Palästina Wie in der Diaspora ohne Thora keinen Bestand haben könne. Doch war dieses sprünglich bloß eine theoretische Auseinandersetzung. Nunmehr wäre die Zeit gekommen, da die Theorien in die Praxis umgesetzt werden sollen und sie bekannten Führer bemühen sich, ausgerechnet auch die religiöse Autorität, die Autorität der Thora, für welche unter allen programmatischen Zielen der zionistischen Organisation, kein bescheidenes Plätzchen ausfindig gemacht werden konnte, als Vorspann für ihre Zwecke zu gebrauchen, und auch ideell die Herrschaft über die Gemeinden auch auf diejenigen Gebiete zn erstrecken, welche lediglich nach dem Gottesgesetz geregelt werden müssen. Obwohl ab und zu in dem Parteikampf auch persönliche Momente mitjprechen, so ist doch dieser prinzipielle Gegensatz der eigentliche Differcnzpunkt zwischen Zionismus und Orthodoxie. Es läßt sich wohl mit einiger Bestimmtheit sagen, Laß die Vorbedingungen für eine gemeinsame Arbeit vorhanden wären, wenn der Zionismus seinem Programme rrengeblieben wäre und daß dieser Kampf an dem Tage aufhören würde, an dem die zivuistische Organisation sich auf ihre ursvrüngliche Absicht beschränken und lediglich den wirtschaftlichen Ausbau Palästinas erstreben würde. Cs muß ein Weg gefunden werden, welcher der Orthodoxie es ermöglicht, ihre jüdischen Ideale, (vor allem die religiöse Erziehung ihrer Jugend), welche den eigentlichen Lebensnerv des jüdischen Volkes in den 2000 Golusjahren darstecken, in Palästina ausleben zu können. Es läßt sich auch nicht leugnen, daß die verschiedenen palästinensischen neugegründete,i Instanzen zwecks Zusammenfassung der palästinensischen Bevölkerung unter einen Hut, wie Wao Hoir, Assevas Ha-- nibchorim, Wad Haleumi, nichts anderes sind, als Instrumente eines bestimmten Kreises, welcher aus diese Weise hofft, die Herrschaft über alle Gruppen und Richtungen der Judenheit von Palästina zu erlangen. Ist die wahre innere Einheit aber erreicht worden? Keineswegs. Lediglich das kolossale Streben nach einheitlicher Herrschaft tritt zu Tage. Es genügt, die Tatsache zn erwähnen, daß sämtliche Gemeinden mir ihren Rabbinaten, Bote Dinin, Büros, Schreiber und Chasonim verblieben sind, ganz wie früher und daß man auch dem offiziellen Misrad Harabonns einen sefardischen und einen aschkenasischen Vorsitzenden angliedern mußte. Heutzutage p. &lMi 1921. werdcn auch in politischen Dingen die Minoritätsrechte respektiert. In Religions- und Gewissensfragen sollte es aber sicherlich keine. Majoris'ieruug a An. Tie Orthodoxie kann es nicht zugeben, daß u, r iigiösen Grundsätze immer aufs neue zum Gegenwand von Majoritätsabstimmungen gemacht werden. Es müßten denn Bestimmungen festgelegt sein, daß, sie nicht irgend einem parlamentarischen Zufall ausgesetzt sind. „Das Kriterium eines Religions- und Gewissenszwanges" — sagte ein berühmter Staatsmann — „bestimmt nicht derjenige, der den Gewissenszwang ausüben will, sondern derjenige, an dem er ausgeübt sein will." Es steht selbstredend jedem das Recht zu, diese Anschauungen nicht zu teilen, ja sie zu bekämpfen. Mau soll über eine Weltanschauung, die in innerer Geschlossenheit aus der religiösen Ueberzeugung fließt, als eine solche würdigen und soll ferner der Orthodoxie das Recht konzedieren, ihre eigenen religiösen Angelegenheiten autonom ohne Einmischung von Außenstehenden dem religiösen Leben Entfremdeten, zu regeln. Es ist nicht zu leugnen, daß irr. der jüngsten Zelt in ofsiftecker Hinsicht das Ansehen der Thora arid deren v, der Rabbiner, besonders in Jerusalem y , ich gehoben hat. Der Dank hierfür gebührr iu> r Sir Herbert Samuel, welcher die .Hebung k.r nationalen Würde auch in der Anerkennung j.cr und in der Ehrung der jüdischen Tradiru.u.u ..-u uudjt am besten fördern zu können Niemals war die Liebe zu Palästina urrd die Sehnsucht am Aufbau desselben mitzuarbeiten, so stark in der Diaspora verbreitet, als heute. Die Vertreter aller Landesorgantsationen (Polen, Litauen, Deutschland, England, Tschechoslowakei, Ungarn usw.) wußten von begeisterter Palästinaarbeit zu berichten. Es wird allgemein bedauert, daß der Strom der Emigration bis heute ein einförmiger ist. Die offiziellen Stellen hätten sich bemühen sollen, auch die Emigration orthodoxer Kreise zu fördern. Tie Führet der zionistischen Organisation haben noch nicht begriffen, Weiche Freude und Begeisterung und welche Fülle von Energien sie in den jüdischen Massen auslöseu würden, wenn sie diese Heiligtümer des Volkes unangetastet ließen und dadurch den Beweis erbringen, daß es ihnen lediglich um den wirtschaftlichen Aufbau des Landes zu tau ist. Das tägliche Leben in Erez Jisroel läßt durchaus nicht eine Klasseneinteilung zu von Zionisten erster und zweiter Güte. In Bezug auf den Aufbau von Erez Jisroel sind lvir acke in unserer unentwegten Treue zur Thora zu den Heiligtümern und Ueberlieferungen des jüdischen Bockes, Bürger von Zion. Es folgt nun eine Darlegung der Gründe, welche den Gerrer Rebbe zu seiner Palästlnareise veranlaßt hat rrnd der voraussichtlichen moralischen und praktiidjeu Wirkungen dieser Reise; des weiteren die durch den Augenschein bewiesene Friedensliebe des Gerrer Rebbe, die im Gegensatz zu den Verleumdungen von gegnerischer Seite steht, welcher seiner Reise das Motiv unterschoben haben, das Oberrabbinal zu bekämpfen. Mit der Feststellung, daß unter „Orthodoxie" Rabbirrer Horowicz die selbständige, dem Zionismus nicht angeschlossene, in Agudas Jisroel vertretene Orthodoxie verstanden habe, mtD daß er in seinen Ausführungen die Ansichten der Führer mitgeteilt. deren Urteil im Leben der Orthodoxie richtunggebend ist, schloß das Interview, besserst Veröffentöfsentlichung— wie aus Jerusalem Zuschriften hervorgeht — allenthalben, auch in nicht agudistischen Kreisen ungemein aufklärcnd wirkte und einen nachhaltigen Eindruck hinterließ. Stimmen der Zeit. v. Prof. De. Haan schreibt im „Allgemeen Wochenblad" vom 28. April als Fortsetzung seiner Berichte ans Erez-Jisroel n. a.: Tr. Schönfeld, einer der Beamten des Misrachi hat in Amsterdam einen Vortrag über Palästina gehalten. Dr. Schönfeid hat sich aus fragen lassen, und aus dein Bericht sehe ich nun, daß man vor allem' Fragen über niich gestellt hat. Die Absicht scheint gewesen zu sein, mich bei Lügen zu ertappen. Mau hatte sich die Mühe spareri können. Aber man hätte keine Fragen über mich stellen sollen, soirdern über den Misrachi und Tr. Schönfeld selbst. Ich habe gesagt und der Vorstand hat es in urcserem Blatte auch zugegeben, daß der Misrachi viel zu viel teure Beamte hat. Warum hat mau mal Tr. Schönfeld nicht nach der Anzahl der Beamten geftagt, die die verschiedenen misrachistischen Vereinigungen hier haben und nach ihren Gehältern, nach all den Büros und ihren Mieten; nach dem Defizit des Wochenblattes „Hator". Warum hat man mal sticht gefragt, warum der Misrachi in Palästina keine Jahresversammlung mehr abhält, und keine Vorstandssitzung und keine örtlichen Mitgliederversammlungen. Professor Pick hat in London gesagt, daß 2000 misrachistische Ehaluzim angckon'men sind. Wieso weiß er das? Bezahlen sie Schecke,.? Wie sind sie denrr organisiert? Wo arbeiten sie denn? Wir hier keirneu nur eine Kew u t s a h des Misrachi ur i t ungefähr 30 Mitgliedern. Tas sind Fragen, die man hätte stecken nrüssen.