Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 62 (1921)
- Issue
- Heft 23 (9.6.1921)
- Date
- 1921-06-09
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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Ler JSraelit. No. 2s Seite 6 S. Juni 1931_ UaLästina. dur Lage in Palästina gaffa, 17. Mai. Die Araber, gelehrige Schüler ihrer europäischen Meister, verlegen sich nun auf den Boykott. Bohkottposten ziehen durch den Markt und die arabischen Kramläden, um zu verhindern, daß an Juden Lebensmittel verkauft werden. Aus diesem Grunde berieten Vertreter Tel Abibs mit angesehenen Arabern, welche erklärten, es könne sich dabei nur um- Unternehmen Einzelner handeln, nicht aber um ausgegebene Parole. Eine von beiden Parteien Unterzeichnete öffentliche Kundgebung in hebräischer und arabischer Sprache warnt vor weiteren Hetzen und mahnt zu Frieden und Zusammenarbeiten auch im Wirtschafts- und Geschäftsleben. Aus Ri schon wird berichtet, daß dort tagelang Panik herrsche, doch verlief bisher alles ruhig. Aus Petach Tikwah wird gemeldet, daß dorr die Arbeit überall wieder ausgenommen wurde. Die Gerstefelder sind bereits seit Wochen erntereif, doch getrauten sich die Bauern in den ersten Tagen nach den Kämpfen nicht in die Felder hinaus. Jetzt ist die Ernte im vollem Gange. Jaffa, 20. Mai. Die Boykottstimmuug hat nachgelassen. Die Verkaufslust der Araber nimmt umsomehr zu, als sie merkten, wie der ganze Bedarf am Jaffaer Markte auch ohne sie durch Zufuhr aus den jüdischen Kolonien gedeckt wurde. Die Vorgänge in Pefadi Tilunafi. Jaffa, 15. Mai. Ben Zwi, der Vertreter der jüdischeu Arbeiterparteien im Advisoroy Council (palästinensischer Regierungsbeirat) hat Herbert Samuel seine Demission als Mitglied der genannten Körperschaft mitgeteilt. In seiner Begründung erhebt er Anklage gegen verschiedene Regterungsosgane, denen er Mitschuld an dem Pogrom in Jaffa vorwirft. lieber die Vorgänge in Petach Tikwah entnehmen wir einem Privatbriefe a.us Palästina folgende anschauliche Schilderung: Schon am Sonntag abend, den 1. Mai, als die ersten Nachrichten über die Jaffaer Vorgänge in die Kolonie drangen, konnre man hier eine Gärung und Erregung unter den ansäjsigen und durchziehenden Arabern wahrnehmen, die sihr beunruhigend wirkte. Der Zuzug von Arbeitern aus den Araberdörfern verminderte sich und das ganze Benehmen der Araber ließ nichts Gutes ahnen. Sofort organisierte sich der Jüdische Selbstschutz, der alle Schichten der Bevölkerung zur Mitarben aufrief. Besonders stellte sich die ganze Arbeitergruppe, die auf der Straße nach Rosch el Ajin beschäftigt ist, in den Dienst der Verteidigung. In wenigen Stunden waren sämtliche Männer der Kolonie im Alter von 18—45 Jahren eingezogen, eingetetlt und richtig placiert. Sämtliche Pferde und Esel der Kolonie wurden ausgehoben und dem Reitertrupp, der das Recht hat, Waffen zu tragen, zur Verfügung gestellt. So blieb die Wehr in Bereitschaft bis zum Donnerstag. Es geschah bis dahin nichts, abgesehen von einem kieimn Ueberfaü auf den Omnibus, der zwischen Jaffa und der Kolonie fährt, der von den Schomiim glatt abgewiesen wurde. Am Donnerstag morgen gelangte aber dringender Rapport von den reitenden Posten, daß eine große Menge von Beduinen von der Nordseite her in Anmarsch sei und zwar mit Richtung nach den Außenstellungen des Selbstschutzes. Das Araberheer zog in militärischer Ordnung und bald knallten dir ersten Schüsse als Signal, daß der Kampf von ihrer Seite begonnen hätte. Die Glocke der Kolonie läutete Sturm, und> nun wurde der Befehl ausgegeben: alle wehrfähigen Männer auf ihren Posten; Frauen, Greise und Kinder an die Zentralsammelstelle, als welche Synagoge, Talmud Thora und Verwaltungsgebäude galten. Die Frauen stürzten sich weinend an die heilige Lade, Greise und Kinder rezitierten andauernd Psalmgebete, und die Männer von 18—45 Jahren zogen in Reih und Glied allesamt zum Kampfe hinaus. Wildes Schreien und Schießen an der Pforte der Kolonie machte die Erde erbeben. Die erste Arbeit der Angreifer war, daß sie alle Außengebäude der Kolonie in Brand steckten. Es war offensichrig, daß sie damit die Selbstwehr aus der Kolonie heraus locken wollten. Diese ging aber auf den Trick nicht ein. Gegen neun Ühr ritten etwa 200 Araber, bewaffnet bis zu den Zähnen, an die ersten Häuser der Kolonie heran, hinter ihnen bewegte sich schreiend und johlend die nach Tausenden zählende arabische Fußtruppe, ausgerüstet mit allen möglichen Schieß- und Schlaginstrumenten. Die Rinder¬ und .Schafherden der Kolonie weideten gerade draußen und diese eigneten sich die Araber sofort an. Von der Beobachtungsstelle aus konnte man sehen, wie die Herden von einem Dutzend Beduinen fortgetrieben wurden. Nun postierten sich die jüdischen Reiter vor dem Keltergelände der Kolonie, mit dem festen Entschlüsse, um keinen Preis die Raubmörder in die Kolonie zu lassen. Es gelang den Angreifern nur in das Haus des Präsidenten der Kolonie, Herrn Gis sin, zu dringen, das sie vollkommen demolierten. Der Kampf war nun in vollem Gange und wurde auf jüdischer Seite von Abraham Schapira geleitet. Schon in den ersten Stunden trug man zwei Führer der jüdischen Selbstwehr, Chajim Zewi Grünst ein und Absalom Giss in tot vom Platze. Ein dritter, Nathan Rappaport, wurde schwer verletzt und starb auf dem Transporte zur Kolonie. Die anderen Verwundeten, deren es bald über ein Dutzend gab, brachte man in die Apotheke, wo sich gleich eine Rettungsstation unter Leitung der beiden Aerzte der Kolonie in Gemeinschaft mit den Krankenschwestern auftat. Eine kleine Sanitäskolonne holte die Verwundeten mitten aus dem Kugelregen. Inzwischen war es einigen jungen Juden gelungen, sich einen Weg durch die Araber zu bahnen und bis Rosch el Ajtn und Jaffa zu gelangen, von wo aus sie eine telefonische Verbindung mit der Militärstation erhielten. N.ch langen Stunden des Kampfes, da eine Ueberwältiguug der Juden durch die arabische Uebermacht nur noch eine Frage von Minuten schien, zeigte sich ein englisches Flugzeug am Horizonte, das Bomben in die Haufen der Araber warf. Es trat eine Panik in ihren Reihen ein und auf der Flucht stießen sie auf indisches Militär, das von Lud aus angerückt kam. Die Zahl der getöteten Araber ist nicht bekannt, doch weiden sie auf Hunderte geschätzt. Auf jüdischer Seite gab es vier Tote, außer den vier Genannten erlag noch seinen VerletzungenSeefO rlof.!3Personen, darunter eine Frau sind schwer verletzt. Als die indischen Truppen nach getaner Arbeit in die Kolonie einzogen, wurden sie von Groß und Klein mit hellem Jubel empfangen. Die Beerdigung der Toten fand am Freitag nachmittag um 4 Uhr statt, unter Teilnahme der ganzen Bevölkerung der Kolonie. Es wurden kurze Reden gehalten und wiederholt setzten sich die Versammelten zum Zeichen der Trauer auf den Boden. Der englische Kommondant Btron legte einen Kranz auf den Gräbern nieder. Noch am offenen Grabe wurde der einstimmige Beschluß gefaßt, für die Familien der Märtyrer von Gemeindewegen zu sorgen." jlmrctlta» Die Spaltung im amerikanischen dionismus. Wew-York. 13. Mat. Man sieht hier mit der größten Spannung der nach Cleveland auf den 5. Juni etnberufenen Tagung der Zionistischen Organisation Amerikas entgegen, weil es sich dort zeigen soll, ob die amerikanischen Führer, insbesondere Julian Mack, das Vertrauen der großen Mehrheit genießen, oder ob es Weizmann gelungen ist, die Massen ihren Führern zu entfremden und an seine Fahnen zu fesseln. Bisher hat Weizmann die Unterstützung von 14 Mitgliedern von den 51 Mitgliedern der Exekutive. Mack verlangt nach wie vor, daß die Ausgaben für Palästina auf Grund eines festen, vorher zu vereinbarenden Budgets geleistet werden müssen und daß außerordentliche Ausgaben der Zustimmung des Vorsitzenden der amerikanischen Organisation bedürfen. Weizmann nimmt den Standpunkt ein, daß die Londoner Welt-Konferenz, der sich die amerikanische Landesorganisation unterordnen müsse, einen derartigen Vorbehalt nicht gemacht habe. Außerdem verlangen die Amerikaner strikte Trennung zwischen denjenigen Fonds, die zu Anlagezwecken in Palästina dienen und den bloßen Spendenfonds. Trotzdem berühren diese Differenzen nur die O b e r f l ä ch e des Konfliktes. Im tieferen Grunde ist es die Abneigung der geborenen Amerikaner gegen den Diaspora-Nationalismus des oft jüdischen Zionismus, was die Spaltung hervorruft. Die amerikanischen Zionisten sind bis heute Palästtnasreunde, aber keine Nattonaljuden, sie wollen im nationalen Sinne Amerikaner bleiben. Hier ist ein Ausgleich natürlich schwer möglich, sobald man, wie Weizmann und Ussischkin es getan haben, das Prinzip des Nationalismus festhält. Personalien. Dr. David Schlesinger Hamburg, l. Juni. iJ’twn mtoy n*?B:. Entrissen ist uns worden unsere Krone, unser Schmuck und unsere Zier, so klagen nicht nur die nahen und fernen Glieder der hochangesehenen Familie Schlesinger, sondern ein großer Kreis von Schülern, alle min - Fürsten und Führer unserer Gemeinde, Lehrer und Zöglinge der Talmud-Thora, sie alle empfinden tief den Schmerz, begreifen, was ihnen genommen durch das Hinschetden des Herrn Dr. David Schlesinger Vitt, die plötzlich in den Sefiro-Tagen ein« trat, nur wenige Monate bevor er die vom Psalmtsten gekennzeichnete Lebensdauer erreichte. Als Sohn des unvergeßlichen Rebbe Getfch r'JE? oöll geboren, wurde seine Erziehung von frühester Jugend an planmäßig geleitet, einzudrtngen in alle Gebiete jüdischen JorschenS, sich zu durchdrtngen mit Liebe zu Gott, seiner Thora und den Menschen. Thalmud Thoraschule, Studien beim Oberrabbiner Stern y'xr und bet anderen Thoragelehrten, Besuch des Rabbinerseminars und der Universität zu Berlin, wo er sich vor allem sein großes profanes Wissen erwarb, befähigten ihn ganz besonders, Lehrer unserer Schule zu werden, deren treuer und gewissenhafter Diener er 45 Jahre gewesen. Lehrer und Vorbild war er nicht nur in dem engen Rahmen der Schule- Vorbild im weiteren Sinne vielmehr eine in sich geschloffene, prinzipienfeste, geistig hochstehende, Geistes- und Seelenadel in sich vereinigende Persönlichkeit war Dr. David Schlesinger jedem, der ihn kennen lernte, für alle, die seine Belehrung suchten, war er ein weiser, gütiger und fesselnder Lehrer. Die Schwere des Lebenskampfes, Sorge, Schmerzen und Leid, sie biteben ihm nicht erspart, doch wie er sie trug, wie sie nicht vermochten, seine tiefinnere jüdische Heiterkeit zu verscheuchen, wie er trotz allem mit Freudigkeit lernte und lehrte, das mußte man mtterlebt haben, denn in dieser inneren Energie und Kraft, in diesem mpiX und iron beruhte das Geheimnis der Persönlichkeit von Dr. David Schlesinger y'stT. So auch gelang ihm, unterstützt von einer ihm ebenbürtigen Gattin, das Werk der Erziehung an einer stattlichen Reihe von Söhnen und Töchtern, die im Geiste des Vaters weiterwirken. Wenn in der Gegenwart der Daseinskampf schwer, die Zukunft einen noch gefahrvolleren verheißt, dann brauchen wir Führer, die auf uns überströmen laffen von ihrem Idealismus — von ihrem Gottverirauen. „Größer sind die Gerechten nach ihrem Tode noch als zu Lebzeiten". Als Führer, Lehrer und Vorbild im Lernen, Lehren und Leben möge er unter uns weiterleben. Den Empfindungen der Trauer ihn verloren zu haben und denen deS Stolzes, ihn stets zu unseren Besten zu zählen, gaben zahlreiche Hespedtm Ausdruck. nsJWn. Heilbronn, 30. Mat. Herr Rabbinatskandidat Dr. Benno Cohen, Sohn des Klausrabbiners Jakob Cohen in Altona, ist zum Rabbiner der hiesigen Jsraettlischen Religtonsgesellschaft gewählt worden. Sein Vorgänger, Rabbiner Dr. A nsbacher, hat bekanntlich das Rabbtnat der orthodoxen Schwestergemeinde in Stuttgart übernommen. TamilienrlaHrichien. Bnrmizwohfeier Emanuel, Sohn des Herrn Jakob Köntgshvfer, Halberstadt. Wir machen unsere Leser auf den herrlich gelegenen kühlen „Flor« Pnloft-Gorten" aufmerksam.