Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 62 (1921)
- Issue
- Heft 23 (9.6.1921)
- Date
- 1921-06-09
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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Sette 4. No. 33. Der Israelit. 3. daß bie Direktoren nach ihrem Ermessen die Fonds zur Unterstützung des Universitätsplanes verwenden können, 4. daß die Verfassung des Keren Hajesod bereits der englischen Regierung unterbreitet worden ist. Gleichzeitig wurde hier in Bestarabien die scharfe Kritik Tr. Marrnoreks am Keren Hajesod bekannt. Infolgedessen beschlost die hiesige Agudas JiSroel, die unter der Leitung Oberrabbiner Firelsohns vorzüglich organisiert ist, endgültig. Gelder lediglich für ihren eigenen „Keren E r e z I i s r o e l" zn sammeln. Tust die Orthodoxie, [mit Recht zionistische Erziehungsinstitutioneil mißtrauisch betrachtest darüber sollte der Snowmansche Brief (es handelt sich hierbei um eine kurz vorher im „Jewish Chronicle" enthaltene .Veröffentlichung. Red.), auch die .Augen derjenigen geöffnet haben, die bisher geneigt waren, die wiederholten Proteste des gesetzestreuen Judentnms zu überhören." Lorrrrponaenren u. Nachrichten. Deutsches Reich. flügemeiner Rabbineruerbanfl. Arankfurt a. W., 1. Juni. Die am 18. Mai hier stattgehabte Hauptversammlung des Allgemeinen Rabbinerverbandes faßte nach Ansprachen und Referaten der Herren Rabbiner Dr. Nobel, Dr. Bäck, Berlin, Dr. Seligmann, Dr. Lazarus, Frankfurt a. M, Dr. Rosenthal, Köln und Dc. Goldmann, Leipzig, einstimmig folgende Resolution gefaßt: „1. Durch den Kries, und seine Folgeerscheinungen sind bei der Schicksalswende des Vaterlandes die religiösen, kulturellen und karitativen Schöpfungen des deutschen Judentums schwer in Mitleidenschaft gezogen, zum Teil in ihrem Bestand bedroht. Der Rabbineroerband hält es für eine heilige Pflicht des deutschen Judentums, trotz der Ungunst der Zeit mit allen Kräften für ihre Erhaltung zu wirken. 2. Durch die Neugestaltung der Verhältnisse in Palästina ist die Hoffnung gegeben, dah für zahlreiche unserer Glaubensbrüder dort eine Heinmäite geschaffen wird, Der Rabvinerverband erklärt es für eine heilige Pflicht des gesamten Judentums, an diesem Werk Anteil zu nehmen und sich an der Aufbringung der Mittel tatkräftig zu beteiligen, in der Voraussetzung, dah der Aufbau im Geiste der Lehre des Judentums erfolgt und die aufgebrachten Mittel dem Dienst parteipolitischer Zwecke entzogen werden." Ein Antrag Golds chmidt, Offenbach, der Rabbiner-Verband wolle stch mit den jüdischen Organisationen Deutschlands und den außerdeutschen jüdischen Organisationen in Verbindung setzen, um gemeinsam für die Friedensidee und einen wahrhaften Völkerbund zu wirken, wurde dem Hessischen Rabbineroerband zur Bearbeitung überwiesen. Die Borftandswahlen ergaben folgendes Resultat. Zum Ersten Vorsitzenden wurde Dr. Nobel-Frankfurt gewählt, zum stellvertretenden Vorsitzenden Dr. Bäck-Berlin, die Mitglieder des Ausschusses nach einer gemeinsamen Liste, die alle Richtungen umfaßt. 3ur frage des jüdischen Lehrertages Irarrkfrrrt a. W , 6. Juni. Die Frankfurter Vertreter in der „Arbeitsgemeinschaft der jüdischen LeHrerverbände" haben nachfolgendes Rundjchreiben versandt*: W:r verstehen den Beifall, welchen die Anregung eines allgemeinen jüdischen Lchrertages gefunden hat, wissen wir doch, daß eine Tagung die Quelle hoher Begeisterung, daß sie den Besuchern Herz und Blrck weitet, daß aus der Gemeinsamkeit des Strcbens und Wollens neue Kraft strömt. Aber wir können docb nicht umhin, unsere Bedenken zu äußern, die gegen eine große Tagung in unserem speziellen Falle sprechen. Wir sehen ganz davon ab, welche materielle Belastung den einzelnen Besuchern durch die ungeheure Verteuerung der Verpflegungsnnd Wohnungskosten entsteht. (Es ist doch wohl im Sinne aller Kollegen nicht angängig, für eine Versammlung, die die Selbsthilfe scharf und markig zum Ausdruck bringen soll, vorher sammeln zu gehen.) Es sind rein sachliche Gründe, die uns zu einer anderen Auffassung kommen lassen. Die Tagung soll den Zweck haben, demonstratio gegen alle Zurücksetzung in ideeller und materieller Beziehung zn wirken. Wir wollen die berufenen Kreise, die Gemeindevertretungen und Organisationen, aufklären und eindringlich auf chre Pflicht Hinweisen. Aber die in Betracht kommenden Kreise werden zum größten Teil nicht auf unserer Versammlung anwesend sein, die gesprochenen Worte dringen bei aller Macht und Wucht über das Versammlungslokal nicht hinaus, und in die Gemeindestuben und in die Büros der Organisationen kommen nur kurze Presseberichte. Es bleibt also letzten Endes doch bei einer schriftlichen Aufklärung. Ist deshalb unserer Sache wirklich damit gedient, einen solchen kostspieligen Apparat spielen zu lassen. Erreichen wir nicht gerade dasselbe durch eine Versammlung von sachkundigen, von den Einzeloereinen zu bestimmenden Vertretern, die in ruhiger Weise die einzuschlagenden Wege beraten. Könnte eine solche Versammlung nicht viel leichter zur Tat schreiten und dte uns so nötige gewerkschaftliche Organisation ins Leben rufen, die Mittel und Wege beraten, welche den Gemeinden und Ko porationen gegenüber einzuschlagen sind und eine Denkschrift ausarbeiten, die allen zukommt, die es angeht? Wir werden selbstverständlich unsere Meinung dem Votum der Lehrerschaft unterordnen und, sollte der Allgemeinwille anders sein als unsere Ansicht, dte Vorbereitungen zum Lchrtage mit allen uns zu Gebote stehenden Kräften leisten. Aber wir fühlen uns verpflichtet, auszusprechen, was wir denken. Das Internierungslager zu Stargard. Berlin, 3. Juni. Böse Dinge kommen aus dem Jnterniertenlager zu Stargard an den Tag. Im Lager sind mehrere hundert Oftjuden, zumeist Arbeiter, die arbeitslos oder unangemeldet aufgegriffen wurden, interniert, dte über schlechte Behandlung sehr zu klagen haben. Fast unglaublich klingt folgende Stelle aus einem Berichte in der Berliner „Jüdischen Arbeiterstimme": „Vor einigen Tagen brach im Lager Stargard in einer Baracke ein Brand aus. Da die Barackentüren verschlossen waren, wollten die Internierten zum Fenster hinausspringen. Die Wachtposten bedrohten sie daraufhin mit Erschießen. Da inzwischen der Brand einen außerordentlichen Umfang annahm, keinerlei Löschgeräte, vorhanden waren, bereits mehrere Personen schwere Brandwunden erlitten haben, wagten die Unglücklichen, um nicht zu verbrennen, doch den Sprung aus dem Fei ster. Der sollte ihnen schlecht bekommen. Dte ersten, dte heraussprangen, wurden jämmerlich mißhandelt. Anstatt das Feuer zu löschen und den Leuten zu helfen, schlugen die Wachtposten mit Kolben auf die Internierten ein. Das wenige Hab und Gut der Leute, ihre Kleider, Geld, ihre Papiere sind verbrannt. Mehrere Internierte liegen mit schweren Brandwunden tm Lazarett. Ein Feldwebel erklärte am Folgenden Tage beim Appell, daß bei einem nochmaligen Brande niemand herausspringen dürfe. „Dte Juden sollen ruhig verbrennen". Wie das Arbetterfürsorgeamt mitteilt, hat auf seine Vorstellung hin das Ministerium des Inneren eine sofortige strenge Untersuchung eingeleitet und zur Klärung des Sachverhalts einenhöheren Beamten nach Stargard 9. Juni 1931 entsandt. — Wir hoffen, daß Klarheit und Abhilfe geschaffen wird. Ktarren. Die öemeinflenjahten in Litauen. Kowno, 27. Mai. Das Resultat der am Chol hamoed stattgehabten Kehilla-Wahl in ganz Litauen ist für dte Orthodoxie glänzend zu nennen. Trotz der unlauteren zionistischen Agitation, die mit dem demagogischen Schlagwort „Verrat der Aguda" zu operieren versuchten, ist im ganzen Lande eine orthodoxe Mehrheit gewählt geworden. In Kowno allein ist ein Zuwachs von sechs Kandidaten gegen die vorige Wahl erreicht worden. Dte orthodoxe Arbeit schreitet günstig weiter. Die Orthodoxie gibt eine jüdische Wochenschrift heraus, von welcher bereits zwei Nummern erschienen sind. Die litauifchen Rabbiner und der „Keren hajefoö"- Kowno, 5. Juni. Jüngsthin hielten hier die Rabbiner Litauens eine Versammlung ab, aus der die mtsrachisttschen Mitglieder Anträge stellten, dte auf eine Mitarbeit am „Keren Hajesod" hinzielten. Andere Rabbiner wiesen darauf hin, daß die Massen in Litauen einem Aufruf zu Geldsammlungen für diese Zwecke nicht Nachkommen würden. Es wurde zuletzt beschlossen, vorläufige Sammlungen zu veranstalten, über deren Verwendung erst später beraten werden soll. Die wenigen mtsrachistischen Mitglieder erklärten, daß sie sich diesem Beschluß nicht unterwerfen. Molen. freigesprochen Warschau, 6. Juni. Hauptmann Wagner, der Kommandant des Jnterniertenlager zu Strzalkow, wo im Jahre 1919 hunderte von unschuldig internierten Juden andauernd die schwersten nicht wiederzugebenden Mißhandlungen erlitten, ist wie all seine Mitarbeiter und Henkershelfer vom Warschauer Gerichte frei gesprochen worden. England. Die Urfachen der paläftinenfifchen Unruhen. London, 3. Juni. Tie Vereinigung palästinensischer Schriftsteller und Journalisten verbreitet Men energischen Protest gegen die erst jetzt in Palästina bekannt gewordene Behauptung, daß per Ursprnng der letzter: Unruhen uns jüdische Kommunisten zurückzuführen sei. Tiefe ^Behauptung ist gänzlich unwahr. Tie palästinensische Judenheit einschließlich der organisierten Arbeiterparteien befinde sich im stärksten Gegensatz zu den paar Kommunisten im Lande, die nicht den allergeringster: Einfluß auf das öffentliche Leber: haben. Tie Unruhen in Haifa, die denen in Jaffa vorangingen und Angriffe, die darauf folgte::, beweisen klar, daß diese Unruhen ir: keiner irgendwie gearteten Verbindung mit der Arb er terd emou st ra tion vom 1. Mai standen. Sw sind vielmehr das Ergebnis der Tätigkeit einer Gruppe von Politischen Agitatoren, die darauf ausgingen, das von England gegebene Versprechen, der Errichtung einer jüdisch-nationalen Heimstätte, zu vereiteln. Die Sperrung der kinwanderung. London, 3 Juni. Im Parlament antwortete der Unterstaatssekretär im Colvnialamt auf Me Anfrage betreffend die Sperrung der Einwanderung nach Palästina, daß Sir Herbert Samuel am 3. Juni anläßlich des Geburtstages des englischen Königs amtliche Erklärungen über die -englische Politik in Palästina zu geben beabsichtige. Es könne daher diesen Erklärungen nicht vorgegriffen werden.