Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 62 (1921)
- Issue
- Heft 23 (9.6.1921)
- Date
- 1921-06-09
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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9. Juni 1921. Der Israelit. Nr. 23. Seite 3 gemeldet wird, erfreulicherweise nunmehr den Beschluß gefaßt, durch Vermittlung ihrer Kriegswaisenverwaltung in HalberstM dem ukrainischen Waisenproblem, insbesondere der Unterbringung von Waisenkindern in Familien, ernste Aufmerksamkeit zu widmen. In der Tat liegt hier ein Problem vor, das durchaus nur im S>nne und Geiste der Thauro gelöst werden kann. Handelt es sich ja um die Rettung von unglücklichen Kindern, denen die Wegweiser und Führer zu einem treuen jüdischen Leben vor der Zeit geraubt worden sind und denen die thoratreue Gesamtheit Vater und Mutter zu sein, die heiligste Pflicht hat. Ueber die Art und Weise, wie geholfen werden kann, wird noch vieles zu sprechen sein. Der schöne Gedanke, eine größere Zahl der ukrainischen Waisen nach dem heiligen Lande überzuführen, scheitert, darüber darf man sich keiner Täuschung hingeben, im Augenblick, an den geradezu ungeheuren Kosten, die mit einer solchen Aktion angesichts der valutarischen Verhältnisse Erez Jisroels verknüpft sind. Auch ist ein Mafsentransport nach überseeischen Ländern nicht nur in pädagogischer und religiöser Hinsicht ein ungeheuer gefahrvolles Experiment, auch die Finanzierung stellt sich 20 fach so teuer, als wenn man versucht, an Ort und Stelle oder zumindestens in der Nähe, zu Helsen. Es werden sich u. E. vorläufig nur zwei Wege bieten: einmal die Versorgung ukrainischen Waisenkinder in kleineren und größeren Waisenhäusern auf dem Gebiete des benachbarten Polen, und zweitens, die einzelne Unterbringung von Waisenkindern in guten jüdischen Häusern Mittel-Europas. Wenn man sich dieser Tage in einer in Wien stattgehabten Beratung der zionistischen „Welthülfskonferenz" teilweise gegen jede private Aktion geäußert hat, weil die Adoptiveltern nicht genügend kontrolliert werden könnten, so spricht das nicht gegen den Gedanken selbst, sondern nur gegen seine leichtfertige und verantwortungslose Ausführung. Es ist selbverständltch, daß diele Unterbringungs-Aktion mit großer Gewissenhaftigkeit und unter sorgfältiger Auswahl der in Betracht kommenden Familien durchgeführt werden muß. Interessant war auf jener Konferenz die Mitteilung Dr. Krämers in Czernowitz, der berichtet, daß in Ostgalizten 17 000 registrierte Waisen vorhanden in Wolhynien 10000 Waisenkinder registriert seien. Um diese Waisenkinder auch nur im Lande zu versorgen, sei ein Betrag von jährlich 400 Millionen Ma,k erforderlich, eine Last, die nicht von den einheimischen Juden getragen werden könne. Es gäbe auch im Lande kein anderes Mittel als die Einzeladoption dieser Kinder. Dr. Klee aus Berlin regte die Errichtung von Sammelvormundschaften an, während Mozktn und Oberrabbiner Dr. Chajes trotz der ungeheueren Kosten für die Erziehung eines Teiles der Kinder in Palästina eintraten. Hierfür seien in Amerika große Mittel zu haben. Wir hoffen jedenfalls, daß sich die Orthodoxie der großen Aufgabe, die hier gestellt ist, würdig erweisen und Agudas Jisroel bei der Mitwirkung an der ukrainischen Waisenhilfe materiell, aber auch mit allen verfügbaren geistigen Kräften durch Rat und Tat hingebungsvoll Unterstützung finden wird. Offizielle Mitteilungen wird der Kriegswaisenfonds der Agudas Israel in aller Kürze veröffentlichen. Bon Herr Dr. I. Wohlgemnth in Berlin geht uns soeben, nach Abschluß dieser Nummer, ein Aufsatz zu, der gleichzeitig in unserem Blatte 'und im „Jeschurun" erscheinen sollte, und der mit der Glut eines warmen jüdischen Herzens die Sache der ukrainische Waisen führt. Wir behalten uns die Veröffentlichung in nächster Nummer vor. Die ofijüdische Orthodoxie und der Keren Hajesod. I. 2 t c 11 u u g n a I; in e d c r R abbiNe r £ i t an e it s. Kowno, 3. Juni. Ter ,. B e r band de r R a b b i u e r Lira,u ens " hat am 9. Jjar ds. Js. folgende Beschlüsse gefaßt: Der Rabbiner-Rat in Litauen gibt der Meinung Ausdruck, aast unser heiliges Land nur unter Mitwirkung und Mitarbeit des ganzen j ü d i s ch e n V o 1 k c s aufgebaut werden kann. Es ist jetzt Pflicht aller Juden, die großen Kapitalien aufzubringen, die für den Aufbau unseres heiligen Landes notwendig find. Was den Keren Hajesod betrifft, so glaubt der Rabbinerrat, daß dieser Fonds keine P a rteis a che sein darf nn d knun, sondern eine Sache des ganzen jüdischen Volkes. Leider ist ober nur den Keren Hajesod bereits ein Kampf entbrattnt, sowohl auf Seiten der Orthodoxie, als unter den .Zionisten selbst. Test;alb appelliert der Rabbinerrat an alle streitenden Parteien und Gruppen, so schnell ivie möglich zu einer Einigung hinsichtlich des Keren .Hajesod zu gelangen. Diese ist nur a tt i G rund folgender P r i n z i p i e n möglich: :1. Der Keren Hajesod soll den Charakter einer a llge m c i n - jüdisch e n Institution tragen. 2. An die Spitze soll ein Komitee treten, in welches in entsprechender Zahl alle, die jenigen Parteien des jüdischen Volkes Ver treter entsenden sollen, die am Aufbau unseres Landes Mitwirken wollen. 3. Tas Geld soll a n s s ch l i e ß l i eh f ü r wirtschaftliche Zwecke Verwendung finden. Ter Rabbinische Rat ist tief davon überzeugt, daß die uotwenüige Einigung gewiß kommen wird. Mau darf aber keine Zeit verlieren, und die Gelosanunlung muß beginnen, ohne daß man abivartet, bis die Einigung zustande kommt. T e r R a b b i n i s ch e R a t findet je d o ch , d a ß e r eine tt e it d g ü l t i g e tt B c s ch l u )], n i cl) t f a s s e tt k a tt u, bevor di e g e s a nt l e W e l l o r t h o d o x i e i tt dies e r H i n s i ch l e i tt e u g e m eitts a tu eit B e s ch l n ß. g e f a ß t h a b e n w i r d. Teshalb schlägt der Rabbinische Rat vor, vorläufig nur ein provisorisches Komitee zu schaffen, um Kapitalien zum Aufbau Erez Zisroels zu sammeln und diese Kapitalien sollen s väfer en t we der d e m a l l g em e i n cn K e r e tt .H a j e s o d, falls e s z u e i n e r E i ni g nng ko m m e n w erde, ü b e r gebe n w e v de n o der eine m o r l h o o o x c n ,Z e n - l r a l f o n d s , der z u m iv iutfcfjaftli ch c n it f b a n dt e n en s o l l, f a l l s e s z u e i n e r Einigung nicht kommt. Ter Rabbinische Rat beschließt, eine Mont Mission zu wählen, mit der Aufgabe, die aus diesen Beschlüssen folgenden Schritte in die Wege zu leiten. II. T i e O r t h o d o x i e Be ß. a r a b i e n s n n d o e r Keren .Hajesod. London, 3. Juni. Im ,.Jewish Ehronicle" schreibt Elieser B a r o w s k i in K i s ch i n e w folgendes: „Ich bemerkte jüngst einen Aufruf in den Jüdischen Blättern, der an alle Parteien gerichtet war und sie zur Unterstützung des Keren Hajesod anfsorderte. Es war darin bemerkt, daß der Keren Hajesod eilt allgemein-jüdisches Unternehmen und kein zionistisches sei und daß alle Parteien in denl Londoner Tirektor-um des Keren Hajesod vertretet! seien. Ta dies bestritten wurde, zogen wir Erkundigung em mit folgendem Ergebnis: 1. Tie offizielle'zionistische Zeitung „Haoiaut" gibt offen zu, daß alle Tsirektoren Zionisten sind. 2. daß 20°<> der Nettoeingänge dem ''Nationalfonds zufließen, versündigt. Dann erst gibt es eine Großmacht auf Erden, die zugleich den Segen des Friedens in sich birgt, ivp rin -pn' 'n, sw ibj^ w 'n. Kleines Feuilleton. Gott ist der Mchuin. Volkslied, bearbeitet von Arno Nadel. Der Oberster is der Mechutn, Die Loire ist die Kalle, Moische rabeenu is der Schadchen gewenn, Der Orimer Jisrolik is der Chosen, der scheuer. As der heeliger Barg Sinai is die tnojim gewen. Deck auf dein Kopftuch, du teire Kalle, Beweis uns dein Ponim, mir willn dir sehn. Set nur ihr Jiden un kukt zu ihr alle, Dos is die Emune, die Kalle gewen. Refrain: Es tanzen Jdelech, singnLtedelech, Jeder singt besunder. Chosens Zaa, Kalle zad, Maseltow. Amerikanisch-jüdischer Humor. Impressionistisch. Ein moderner Maler stellt sein Bild aus, das bei i Ueberschrift trägt: „Auszug der Kinder Israel aus Aegypten". Zwei Jungen sieben vor dem Fenster des Kunstladens und suchen das Bild zu enträtseln: Max: „Wo ist das Rote Meer? Ich sehe nur einen weißen Strich". Meier: „Das Meer ist eben ausgetrocknet, damit die Kinder Israel trockenen Fußes hinüber können". Max: „Ja, wo sind denn aber die Kinder Israel"? Meter: „Die sind schon hinüber". Max: „Und wo sind die Aegypter"? Meier: „Die find längst ertrunken . . ." Er hat s leichter . . . Chajim: „Wie geht es, Berl"? Berl: „Immerhin leichter als vor dem Pessachfeste". Chajim: „Das freut mich, hast wohl verdient". Berl: „Das gerade nicht. Aber zu Pessach schleppte ich die Bettdecken ins Pfandhaus, jetzt, nachdem diese weg sind, nur noch die Kissen. Das ist doch bedeutend leichter . . Der „Genosse". In Moskau führt ein Händler zwei schöne Ochsen über die Straße. Ein Jude kommt ihm in den Weg und fragt: „Wer ist der Herr dieser schönen Ochsen"? „Herr"?, schreit ihn der Händler an, „es gibt keine Herren mehr in Rußland". „Also, wer ist Eigentümer dieser Ochsen"?, fragte der Jude unbeirrt. „Es gibt auch keine E gentümer mehr", erregte > sich der Ochsenführer noch mehr. „Also, frage ich, „lieh der Jude nicht nach", wer ist der Genosse dieser Ochsen"? „Der bin ich selbst", schrie der Händler im Eifer (Luftdienst Kairo—Jerusalem—Bagdad). Die ägyptische Verwaltung hat beschlossen, einen Luftdienst nach Bagdad über Jerusalem einzurichten, der Passagiere wie Post befördern soll. Eine fachmännische Kommission hat sich bereits nach Palästina begeben, um in der zwischen Palästina und Mesopotamien gelegenen Wüste Etappenorte einzurichten. Der Luftdienst Kairo—Jerusalem besteht bereits, sodaß es sich um die Fortführung nach Bagdad handelt. Sabbat-Anfang und Mzgang. rotp- Ort: Anfang Uhsimtn. D 1«21 atum 5681 Auk Ubr igang Min. Frankfurt a. M 7 50 10. 4. 9 35 Berlin .... 7 30 Juni Siwan 9 28 München . . . 7 15 9 04 Strastburg . . — - — — Stuttgart. . . 7 - 9 20 Posen .... - - - — Nürnberg. . . 7 15 9 15 Hamburg. . . 8 - 10 -