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Der Israelit · 1921-06-09 · Heft 23 (9.6.1921) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
62 (1921)
Issue
Heft 23 (9.6.1921)
Date
1921-06-09
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Seite 2 Nr. 23 Der Israelit. Und damit wird Ruth der Epos der Liebe, der jüdischen Liebe, die Zauberkraft und Strahlenglanz aus den Sinaiflammen bezieht. mmo k1?; hköib na r« rixin ro’Jön T-TDb-5 nanaj nv7>i tid,k *6i nnn nnon 'aöia. „Diese Rolle enthält nichts über Rein und Unrein, Erlaubt und Unerlaubt, und ist dennoch geschrieben worden, lediglich um Bedeutung und Lohn der jüdischen Liebe zu zeigen", sagt Rabbi Seera im Midrasch rabba.- Es liegt uns fern, die Zeit um Jahrtausende zurückschrauben zu wollen und für das bewegte Leben unseres Zeitalters uns die kleinen Maße stiller biblischer Zeiten zu holen. Aber jenes ewigen Geistes einen leisen Hauch müßten wir uns doch auch für die Erscheinungen unserer Tage wünschen, ihn herbeisehnen und — anstreben. Wir haben im steten Ringen um Glück und Frieden das Glück und den Frieden in uns verloren und darum klingt uns all dieses so fremd und fern, wie Stimmen aus versunkenen Welten. Mit dem „Gott zum Gruß!" wären heute noch, scheint uns, ein gut Teil der sozialen Kämpfe, die aufeinander angewiesene Menschen auseinanderreißen, leicht und spielend zu lösen. Alle Kluft zwischen Besitz und Arbeit ist überbrückt, wenn beide Teile den anrufen, der allein der Hände Arbeit segnet und dem Besitzer des Ertrages Fülle verleiht. Es ist noch nicht gar so lange her, da Pflegte der jüdische Jüngling ins Nachbardorf oder in die Stadt zu kommen, um dort ein jüdisches Haus zu finden, das ihm zugleich ein Heim wurde,- wo er neben seiner kaufmännischen oder handwerklichen Ausbildung auch alle jüdischen Cntwicktungsmöglichkeiten fand und in der warmen Sonne jüdischer Gastlichkeit, an Musterbildern menschlicher und jüdischer Pflichttreue, auch seine geistigen Kräfte zur Entfaltung gelangen konnten. Das mag heute in der Großstadt nach Lage der Dinge nicht mehr angängig sein. Aber auch heute noch kann der jüdische Prinzipal auf das 22V2 'n seiner jugendlichen Angestellten mehr acht nehmen, den Gottesteil in ihnen nicht schutzlos dem Strudel des Großstadtlebens aussetzen, ihnen zuweilen sein Haus auftun, ihnen mit Rat und Anleitung zurHand gehen, ihnen Zeit zu geistiger und jüdischer Fortbildung, wie zu den nötigen religiösen Uebungen lassen, vor allem ihnen nicht die Freude am Sabbat durch gesteigerte Ansprüche an ihre Arbeitsleistung oder durch Lohnherabdrückung mit Berufung auf den Sabbat, verleiden.- Und der Arbeiter und Angestellte vergesse andererseits nicht über seinen Wünschen und Forderungen das ,N "pna’, daß nicht seine, des Die Völker und die Offenbarung. Von A. Mannheimer in Detteldach. (Schluß.) In der Nacht heidnischen Wahns war die Welt umfangen, als am Sinai das große Licht ausstieg, welches einst ja der ganzen Welt leuchten soll. Man kann sich denken, welche Aufregung der Völker sich bemächtigte, als sie von dem Gesetze hörten, das des Menschen Sinnenluft dämpfen, Eigennutz beschneiden, Haß, Diebstahl, Mord und andere Laster und Verbrechen unmöglich machen soll Gleich Funkentelegrammen flog die Kunde von min jrö nach allen Seiten, bs-w bv ab bxwb min;n^ oipcn nifiixn bs bv vh» nfc: «in -ob, „Als Gort sich offenbarte, zeigte er sich nicht Israel allein, sondern allen Nationen" (Sifri, 5. B. M. 33 z. St.). Ja von einem direkten Angebot der Thora an nichtisraelitische Völker hörten wir rs^: ninn jm»ö Ä nnx nnta mb, „Nicht von einer Seite kam Gott, sondern von vier Himmelsrichtungen" (Sifrt z. St.). Allein man machte Angestellten Hände allein, des Besitzenden Segen geschaffen und gewährleisten. Eine Fülle von Arbeit und Tüchtigkeit und strengstes Verantwortungsgefühl haben am Erfolge mitgewirkt, der aber letzten Endes „Gottes Segen" ist. Auf diesen schielt man nicht neidisch hin, sondern man sucht ihn unter den gleichen Voraussetzungen auch für sich herabzuflehen. Und auch dieses haben wir im wilden Gewoqe des Lebens vergessen: dem Fremden und Besitzlosen „seinen Anteil an einer Ecke unseres Feldes" zu sichern, ihn still hinter den Schnittern für seinen Teil arbeiten und einheimsen zu lassen. Unsere Kassen und Aemter der Wanderarmenfürsorge, sie führen ungeheuer große schwarze Bücher und geben Hunderttausende aus — für Eisenbahnbillete... Wie viel könnten sie von dem einen kleinen Ruth-Buche lernen und von der winzigen Aehrengabe auf dem Felde von Bethlehem? Wir müssen es lernen, unser Leben im Großen wie im Kleinen mehr mit dem Geiste der jüdischen Zeiten, wie er uns aus dem Buche Ruth anweht, zu durchdringen. Wochenmndschau. Ser Sabbat «ab die. Arbeiter Vor kurzem wurde aus Jerusalem gemeldet, daß die zionistische Kommission, vertreten durch Dr. Rupptn und Dr. Eder, ein scharfes Vermahnungsschreiben an die Mitglieder der vom Nattonalfond unterhaltenen Arbeiter-Kewuzos gerichtet habe, die sich nicht entblödet hatten, am Sabbat mit Pferden und Wagen in Jerusalem zu erscheinen und dort durch schamloseste Sabbatentweihung Aergernis zu erregen. Das Schreiben droht mit der Entziehung aller Unterstützungen, wenn die Arbeiter sich weigern sollten, dem Bolksempfinden Rechnung zu tragen und die jüdische Würde zu wahren. Von welchem Geiste diese Arbeitergefellschaft beseelt ist, zeigt die Antwort auf das Schreiben, das soeben veröffentlicht wird. Es heißt darin: „Die Brisker Rebbezen ist in Jerusalem wieder auserstanden! Aber der jüdische Zibbur in Erez Jisroel, der immer noch an dem Wagen des Bes Din- Stübel gebannt wird, der jüdische Zibbur, der erlebt hat, in welch' schändlicher Weise man sich in die Angelegenheiten der (trefenen!) Arbeiterküche eingemischt hat, ohne zu protestieren, dieser jüdische Zibbur wird den Brief der Zionistischen Kommission wohl ebenfalls ohne die verdiente Aufmerksamkeit anhö en. Wir aber antworten: Ihr Herren Beamte der Zionistischen Kommission! Ohne uns mit Euch in eine Auseinandersetzung einzulassen, ob der Transport von Zelten und sonstigen Gegenständen am Sabbat von einem Orte die verschiedensten Vorbehalte bezw. Einwände. Esaus Nachkommen fragten: „Wir möchten erst wissen, was in der Thora steht". Als man ihnen sagte, es heiße dort unter anderem njrm „Du sollst nicht morden", lehnten sie ab. Auch die Ammoniter und Moabiter wollten sich erst vergewissern, wes Inhalts ine mm sei. Sie lehnten ab wegen des Verbotes p,x:n ab, „Du sollst nicht ehebrecken". Den Nachkommen Jischmaels gefiel wiederum ein anderes Wort nicht ausn xb, „Du sollst nicht stehlen". Und so überall, neix rnvn »b nnr.B bv pc*fi *ß-n *\bn r^rr> mono, „Da war keine Nation unter allen Menschenstämmen, bei der Gott nicht erst ankivpfte", d. h. sein Angebot stellte. So heißt es auch im Psalm 138: „Bekennen müssen dir alle Erdenkönige, daß sie die Worte deines Mundes gehört", d. h. dein Angebot vor der Offenbarung. Da ging der Allgütige zu Israel und siehe, sie machten nicht nur keine Vorbehalte, sondern gelobten blinden Gehorsam yatwi rwvi, wir wollen es erfüllen, ohne den Inhalt der Gebote vorher gehört und geprüft zu haben. Zuerst nfcW, dann erst yotw. Gottes Gesetz wurde in seiner Totalität angenommen, es duldet nicht Verklausulierungen, kennt kein Feilschen und keine Konzessionen. Seine Ideale, seine Ethik sind absolut, nicht relativ menschlichen Erwägungen unterworfen, um mit diesen zu wechseln und — unterzugehen, 'n iTP lcvb riv, &ott gibt heute f.inem Volke eine Macht in Händen, meinte Bileam am Offenbarungstage. Und wie verspätete Reue klingt es aus Bölkermund ihm entgegen '1^2 irrp iw *pa» 'n, „Gott wird sein Volk auch mit Frieden segnen". Macht und Frieden, wie schrille Mißtöne klingen uns die zwei Worte in der Gegenwart in die Ohren. Wiederum auch ist die große Völkeraufregung da und 9. Juni 1921. nach dem anderen die jüdische Würde beeinträchtigt, müssen wir antworten: Nicht wir Arbeiter der Ke" wuzos ernähren uns vom Gelds des jüdischen Volkes, sondern Ihr, geehrte Herren, die Ihr an der Kahalschüssel sitzt. Also kommt es Euch nicht zu, uns darüber zu belehren, wer gesellschaftliches Berantwortlichkettsgefühl hat und wem es fehlt. Wir haben mit Euch überhaupt nichts weiter zu tun, als daß Ihr unsere Ausgaben zu überwachen habt und was Euere Drohung betrifft, die Unterstützung einzustellen, so würdet Ihr eine solche Frechheit nicht besitzen, selbst wenn Ihr das Recht dazu hättet. Ihr könnt uns in keiner Weise in unserer Bewegungsfreiheit stören. Die gesellschaftliche Bedeutung Eueres schönen Schrittes wissen wir gehörig zu schätzen." Das Schreiben ist ein trauriges Sympthom für den unbelehrbaren Radikalismus, der leider den größten Teil der nach Palästina heute auswandernden Chaluzim beherrscht. Inzwischen wird eine öffentliche Aeußerung des in allen kulturellen und Geistesfragen des Zionismus tonangebenden Nachum So ko low bekannt, d'e folgende Sätze enthält: „Der Sabbat ift als jüdisch offizieller Ruhetag in Palästina ins Mandat ausgenommen worden. Unser Bemühen beim Völkerbunde ging dahin, den Sabbat als allgemeinen Ruhetag für alle und ganz Palästina zu bestimmen, wir erreichten aber am Ende, den Savbat für uns in offizieller Form zu retten, nachdem für die anderen Konfessionen der Ruhetag ihrer Religion anerkannt werden mutzte. Um so mehr müssen wir an unserem Sabbat, dem Sabbat aller Sabbate im Lande, festhalten. Halten wir selbst das in Ehren, wofür wir die Anerkennung Anderer suchten, auch wenn es Bielen nicht genehm und bequem fein sollte. Vor Opfern darf ein Jude nicht zurückschrecken. So gedenken wir des Sabbat und hitten uns davor, ihn öffentlich zu entweihen." Soweit Sokolow. — Wir fürchten, daß der Eindruck dieser Worte aus dem Munde Sokolows, dessen Kölner Wirksamkeit als Redakteur der „Welt" noch in guter Erinnerung ist, nicht sehr stark sein wird. „Der Sabbat ist in das Mandat ausgenommen." Aber diejenigen, die sich durch das „Hüten" und „Gedenken" des Sinaimandats nicht an den Sabbat gebunden fühlen, werden, sich noch weniger durch die Berufung auf das Balfour-Mandat schrecken und aus ihrer Gewohnheit bringen lassen. Me Rettung der ukrainischen Pogromwaisen. Wir haben in den letzten Wochen uns unablässig bemüht, unsere Leser auf die beispiellos gewaltige Aufgabe htnzuweisen, die der Gesamtjudenhett, insbesondere aber denen, in deren Herzen das alte jüdische Klall Jtsroel-Gefühl lebendig ist, aus dem Schicksal der in der Ukraine vegetierenden Hunderttausender jüdischer Kinder erwächst. Daß dieser unser Appell starken Widerhall gefunden hat, zeigen uns die spontan unausgesetzt an uns gelangenden größeren und kleineren Geldspenden, die wir der Agudas Jisroel weiterleiten. Diese Organisation hat, wie uns die alle Frage am Platze: „Was ist los? Was geht eigentlich in der Welt vor"? Und die alle Antwort: „Wir haben Thorageist und Thoraethik nicht auf unserer Seite gehabt, jene Ideale, die sich als wahre Macht Jahrtausende bewährten. Und der alte Judenhaß lebt auf als erklärliche Begleiterscheinung. Wenn sich die Staaten in ihrem Machtdünkel, in ihren Expanstansbestrebungen, in ihrem — o köstliches Wort! — heiligen Egoismus, in ihrem rücksichtslosen Existenzkampf hinwegsetzen über Worte wie: „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst — Von der lügenhaften Sache bleibe fern — Du sollst' nicht morden, nicht stehlen, nicht rauben (auch nicht annektieren) — Liebet den Fremdling, kränket und drücket ihn nicht — Mein ist die Erde,' ihr seid nur Fremdlinge und Beisaffen bet mir — Gelüste nicht nach Hab und Gut des Nächsten — Gebet nicht lügenhaftes Zeugnis"-wenn man all dies offiziell und offiziös außer Kurs setzt, so sind die Grundlagen jeder wahren Zivilisation und Kultur erschüttert. Man hatte wie in Bileams Tagen die Universalethik der Thora zurückgewiesen, ja bespöttelt und angefeindet, angefeindet vor a'em auch die alien Träger der alten Ideale und immer schamloser erhob der Judenhaß sein Haupt) da kam der Welkrieg, der Weltfriede und Völkerbund. Sie entsprechen einander in ihren Grundlagen und Entwicklungsformen vollauf. Paris, Versailles, Spaa, London, sind die traurigen Etappen dieses Entwicklungsganges. „Was lärmen die Völker und Nationen sinnen Etiles? Mögen Erdenkönige sich hivstellen und Järsten miteinander beraten — der im Himmel thronet, lachet, der Ewige spottet ihrer (Psalm 2) " Ideale bleiben Ideale, bleiben in der Höhe, lassen sich nicht in das Niedere menschlicher Leidenschaften und Laster hinabziehen. Die Bölkeraufregung endet erst dann, wenn man sich nicht mehr frivol am ewigen Sittengesetze des ewigen Gottes 511399

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