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Der Israelit · 1921-06-02 · Heft 22 (2.6.1921) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
62 (1921)
Issue
Heft 22 (2.6.1921)
Date
1921-06-02
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
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Seite 6 Nr. 22 Dsr. 4pgggm st). 3ii9ifrtiä DJelfhiifshonferen;- Wien, 26. Mai. Gestern wurde im Saale des Geweröevereins die Tagung des Zentralrats der jüdischen Welthilfskvnferenz von Karlsbad eröffnet. Auf der Tagesordnung stehen: 1. Berichte, 2. Kinderfürsorge, 3. Emigration, 4. Neorganisationsfrage. Der erste Sltzungstag war den Berichten über die bisherige Tätigkeit gewidmet. Die Tagung war nicht öffentlich. Im Anschluß an die Konferenz fand eine Versammlung statt, welche das Wiener Hilfskomitee für die Pogromopfer mit den Delegierten des Zentralrates der Wetthilfskonferenz vereinigte. Nach einer Begrüßung erstattete Dr. Markus Krämer einen Bertchr über die bisherigen Erfolge des in Wien gebildeten Hilfskomitees. Bis heute seien zirka zweieinhalb Millionen Kronen aufgebracht und die Arbeit stehe erst in den Anfängen. Prof. Simonson (Kopenhagen) bespricht in längeren Ausführungen die jüdische Brüderlichkeit, die sich immer in Zeiten der Not zeige. Mvzkin drückt seine Freude darüber aus, daß Wien, welches soviel Elend gesehen hat, sich zu einer Hilfsaktion entschlossen habe. Es sprachen noch mehrere Redner. Eindruck machen die Worte des Herrn Rabbiner Ber mann, dem es gelungen ist, aus der Ukraine zu entkommen. Er weist darauf hin, daß auch große Wohlfahrtsaktionen nicht genügen, daß vielmehr die einflußreichen Juden alle ihre Krcffte aufbieten müßten, um den in der blutgetränkten Ukraine zurückbleibenden Brüdern Hilfe zu bringen. •>•4 •.13 L. England. Die arabifche Nnklaggsckritt. «London, 27. Mai. Das KolontalamL veröffentlicht im Jewish Chronicle die beiden Memoranden, die man Churchill in Palästina von arabischer und jüdischer Seite überreicht hat. Die arabische Denkschrift überrascht durch den Grad ihres Judenhasses, die dem verbissensten, westeuropäisch geschulten Antisemiten alle Ehre machen würde. Juristisch, historisch, moralisch, wirtschaftlich, finanziell und politisch wird „bewiesen", daß die Juden keinerlei Recht auf Palästina hätten, daß sie Bolschewisten seien, nach der Weltherrschaft strebten, England betrügen wollten — ja selbst die berüchtigten „Protokolle der Nettesten Zions" fehlen in dem Pamphlet nicht. Das Memorandum ist ein trauriger Beleg für die systematische Wühlarbeit, mit der der internationale Antisemitismus das Arabertum zum Werkzeug seiner politischen Pläne zu erniedrigen weiß. ein Sieg der DuWiamheIt London. 27. Mai. Der Board of Deputies hat in seiner letzten Sitzung mit großer Mehrheit beschlossen, die Abmachungen mit der Anglo Jewish Association, wonach die Vertretung der jüdischen Jntereffen vor dem englischen Auswärtigen Amte gemeinsam durch das sogenannte „Conjoint Foreign Committee" erfolgt, zu erneuern. Von zionistischer Sette hatte man gegen diese Abmachung Sturm gelaufen, weil im Board eine starke zionistische Minderheit vorhanden ist, während die Anglo Jewish Assactation mit Lucien Wolf als führendem Geiste vom politischen Nationalismus nichts wissen will. Es ist erfreulich, daß die zionistische Unduldsamkeit in diesem Falle einmal die verdiente Niederlage erlitten hat. UrrLitsttnrr. Das €imJDan3erungsnerbof. Jerusalem, 23. Mai. In zionistischen Kreisen herrscht große Verstimmung über das von Herbert Samuel erlassene Einwanderungsverbot, umsomehr als 8ie Araber in diesem Verbote eine große Konzission | an ihre Bestrebungen erblicke:: und es bejubeln, j Man tröster sich damit, daß die britische Regierung die Maßregel offiziell nicht bestätigt hätte und weitere Berichte über die Lage einforderte. Auch Samuel selbst gab die Versicherung, daß die Verordnung nur vorübergehenden Charaks ter habe. Ter Plan zur Bildung eines gemischten Verteidiguugstorpö xwu Inden und Arabern mußte von der Regierung ausgegeben werden, da die letzten Vorgänge das Vertrauen in die Mithilfe der Araber vollkommen erschüttert haben. lvgffgrg Ein^elheifen über die Vorgänge in Paläüina. * | Jerusalem, 20. Mai. Jaffaer Zeitungen enthalten weitere Listen der Verwundeten, unter Angabe der Namen, Personalien und näheren Umstände der Verletzung. Es sind bis jetzt 98 Namen genannt und 30 Personen gezählt, deren Personalien nicht feststehen. Die meisten Verwundungen rühren von Eisenstäben und Messern her. Unter den Verwundeten befinden sich zehn Frauen. Das Atter der Verwundeten schwankt zwischen 25 und 60 Jahren. 21 Verwundete stammen aus dem Chaluzim-Hause und waren erst seit einigen Wochen oder Tagen im heiligen Lande. Neben den 32 Toten, die bereits bestattet sind, sind in der Zwischenzeit noch 22 Personen ihren Wunden erlegen. Es muß gerechterweise bemerkt werden, daß es unter den Arabern auch solche gab, die die Gemüter zu beruhigen suchten und sich an den Retlungsarbeiten wacker beteiligten. Urber die Beerdigung der ersten 32 Toten wird noch berichtet, daß dieselbe infolge von wahrgenommenen Umtrieben in der Nähe von Tel-Abib auf einen späteren Zeitpunkt verschoben werden mußte als vorher angesetzt war. Die gesamte Judenheit Jaffas war am Gymnasium in Tel-Abib, von wo aus der Trauerzug ging, versammelt. Herr Disinghoff als Bürgermeister von Tel-Abib hielt eine kurze und ergreifende Ansprache, worauf unter lautem Schluchzen der Versammelten das ^"vdr-Gebet vorgetragen wurde. Die Bahren wurden einzeln von den Chaluzim in Reih und. Glied bis zum Friedhof getragen, umringt von den Mitgliedern des Selbstschutzes und gefolgt von der riesigen Menge. Auf dem Friedhof ergriff noch ein Arbeiter das Wort und die Menge setzte sich zum Zeichen der Trauer einige Minuten auf den Boden. Es war bereits Nacht, als sich die Menschen in gedrückter Stimmung, aber in voller Ruhe zerstreuten. Tags darauf wurden auch zwei christliche Opfer unter dem Geläute aller Ktrchenglocken und Beteiligung der Geistlichkeit bestattet. Gleich nach Bekanntwerden der Vorkommnisse in Jerusalem besuchten die Mitglieder des Oberrabbinates den 'Oberkommiffar, der ihnen beruhigende Mitteilungen machte und das feste Versprechen gab, mit Hilfe der englischen Behörden die Untaten nach Gebühr zu ahnden und ihre Wiederholung unmöglich zu machen. Auch die neuesten hebräischen Zeitungen aus Jerusalem weisen spaltenlange weiße Lücken auf, ein Beweis, daß man in Palästina noch nicht alles sagen darf. Immerhin hat man das Gefühl, daß eine Beruhigung der Gemüter bis zum gewissen Grade etngetreten ist. Aus den Kolonien kommen ebenfalls beruhigende Nachrichten. Vertreter von Petach Tikwah sind in Jerusalem angelangt und erhielten Audienz beim Oberkommiffar. Ihre Forderungen lauten: 1. Das Militär möge vorläufig in der Kolonie verbleiben. 2. Ein Flugzeug möge zu Ueberwachungszwecken von Zeit zu Zeit die Kolonie besuchen. 3. Der Lelephondienst in der Kolonie sei zu regeln. 4. Die Araber werden veranlaßt, die gestohlenen Herden zurückzugeben. 5. Entfernung aller Hetzer und Agitatoren aus der Umgebung der Kolonie und der jüdischen Dörfer. Eine Untersuchungs-Expeditton meldet aus 2 Juni 1921 Kefar Saba: Mit großen Schwierigkeiten gelang es uns erst heute, unter dem Schutz britischer Soldaten ins Dorf zu gelangen. Wir fanden alles zerstört und vernichtet. Alle Häuser sind abgerissen, Dächer, Fensterläden usw. verbrannt. Was nicht geplündert werden konnte, wurde in Brand gesteckt. Der große Brunnen mitsamt dem Wasserwerke sind zerstört, Tennen und Getreide verbrannt. Ueber den Ueberfall aus Chedera wird noch mitgetetlt, daß die Wagen, die aus Haifa kleinere Militärtruppen nach der Kolonie brachten, beinah zwei Stunden' unterwegs in einem naheliegenden Dorfe hielten und erst, nachdem die Kolonie ausgeplündert war, dort eintrafen, aber auch dann nicht eher den Wartesaal verließen, als bis Verstärkung eingetroffen war. Der Kamps in Chedera scheint die schärfsten Formen angenommen zu haben. Die arabischen Angreifer hoben förmliche Schützengräben aus, aus denen sie auf Häuser und Menschen schossen. In Schechem erstreckt sich der Haß der Araber auch aus die dort seit altersher wohnenden S a m a r i t a n e r. Diese AttbürgerS ch e ch e ms erhielten eine Aufforderung, sofort die Stadt zu verlassen, widrigenfalls sie alle niedergemetzelt werden. Die 140 samaritanischen Familien leben in höchster Aufregung, da dorr die Autorität der englischen Truppen ohnedies nicht sehr stark ist. Doch werden Verstärkungen erwartet. Personalien. Mainstockheim, 25. Mai. Unsere Kultusgemeinde hat heute wiederum einen schweren Verlust zu beklagen. Am Donnerstag, den 19. Mai, wurde Frau Fanny Stern, unter großer Beteiligung Angehöriger aller Konfessionen zur letzten Ruhe geleitet. Der Verlust dieser edlen Frau ist umso schmerzlicher, als gerade in kleineren Gemeinden solche wahrhaft und echtjüdische Frauengestalten immer seltener werden. Aus streng frommem Haus stumkuend, hatte sie die Traditionen die sie erervt, auch im eigmen Hause weiter gepflegt und auf ihre Kinder übertragen, die sie als fromme und brave Juden zu erziehen verstand. Liebenswürdig, gefällig und stets hilfsbereit gegen Jedermann ohne Unterschied des Standes und der Religionsangeyörigkeit hatte sie nur Freunde sich erworben. Diese stete Hilfsbereitschaft übertrug sich auch aus ihre Söhne, die sich besonders während des langjährigen Krieges aus das Beste bewährte. Möge das allgemeine Mitgefühl über den Verlust ein Trost für die traurig Hinterbliebenen sein. Soest i. Wests., 1. Juni. Nach Ueberwindung großer Schwierigkeiten, da die Lehrerstelle an der hiesigen öffentlichen jüdischen Volksschule dem Fürsorgeamt zur Verfügung gefielst war, ist es uns nunmehr gelungen, die endgültige Ernennung unseres neuen Kultusbeamten, Herrn Lehrer Katzen st ein aus Breitenbach am Herzberg, zur Freude unserer ganzen Gemeinde, die ihn einstimmig gewählt hatte, bei der Schulaufsichtsbehörde zu erwirken. Vermischtes. Afchaffcnburg, 13. April. Am 27. März ds. Js. fand in Würzburg die Generalversammlung des' „Fürsorgevereins für ist. Nerven- und Geisteskranke" statt. Auch im abgelaufenen Jahre war der Verein mit Erfolg bestrebt, einer größeren Zahl von unbemittelten Kranken die Wohltaten der staatlichen Heil- und Pflegeanstalt Lohr a. M. nebst ritueller Verpslcgung zu gewähren. Während in den vorhandelten jüdischen Sanatorien die Kosten der Verpflegung so hoch sind, daß nur sehr vermögende Patienten auf Unertkunft rechnen können, wird es den: genannten Vereine bei dem mäßigen Verpflegungssatz, den er aufgestellt hat und bei den verhältnismäßig niedrigen Anstaltskosten in Zukunft möglich sein, nicht nur seinen bisherigen Vereinszweck zu erfüllen, sowdern auch seinen Plan einer weiteren Ausgestaltung seiner Tätigkeit zu verwirklichen, falls er künftighin in erhöhtein Maße aus das Wohlwollen und die tatkräftige Unterstützung weiterer jüdischer Kreise wird rechnen können. — Der Borstandschaft gehören z. Zt. an: die Herren Rabbiner Tr. Breuer in Aschassenburg, Tr. Stein in Schweinfurt, Lehrer Wähler in Hörstein, Bernhard Hirsch in Lohr a. M., Samuel G umd e rs h eim er, Würzburg, Nathan Mayer in Aschasfeuburg, Herm. WeiÄrelbaunr in Teitelbach, David Freund und Jakob Mayer in Aschaffenburg. Rotenburg, 21. April. In Anwesenheit der Vertreter des Landrats und der städtischen Körperschaften und unter Teilnahme vieler Bürger wurde in der hiesigen Synagoge eine Ged ächtnisieier für die im Weltkriege gefallenen jüdischen Krieger von hier abgehalten. Gleichzeitig fand die Werhe der Gedenk-

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