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Der Israelit · 1921-05-26 · Heft 21 (26.5.1921) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
62 (1921)
Issue
Heft 21 (26.5.1921)
Date
1921-05-26
Page
– (sequence 5)
Language
German
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28. Mai 1921 Der ASraelit. No. 31 Seite 5 und den Deutschen im Gegensatz zu den alliierten Mächten über Gebühr entgegenkomme. Lloyd George erwiderte darauf in seiner bekannten witzigen und schlagfertigen Manier folgendes: ,)Unsere Gegner behaupten, daß jüdische Beamte uns in unseren Beziehungen zu Deutschland bestimmten und zu Gunsten der Deutschen uns beeinflußten. Es gibt Leute, denen die Judenfurcht das Gehirn vollkommen umnebelt. Diese Leute singen am Sonntag jüdischePsalmen und in der Wo-he fordern sie zu Pogromen gegen die Juden auf. (Heiterkeit.) Unsere Gegner haben angedeutet, daß einige von den Reparationswechseln, die wir empfangen haben, durch die Hände „jüdischer Bankiers" gegangen seien. Die Wahrheit ist, daß zwei von diesen Bankiers Engländer sind, der eine ein Irländer und selbstverständlich sind auch Schottländer darunter! (Großes Gelächter, weil die Schottländer durch ihren Geiz berühmt sind.) Man richtet eine scharfe Kritik insbesondere gegen Sir Alfred Mond, weil er ebenfalls zu unseren Mitarbeitern gehört und dem armen jüdischen Stamme angehört. Vielleicht werden sich die Angreifer wundern, wenn ich Ihnen sage, daß Sir Alfred Mond von allen Kabtnettmitgltedern die höchsten Reparationsforderungen gestellt und uns versichert hat, daß Deutschland fähig sei, ihnen zu entsprechen. Sir Alfred Mond versteht von Geschäfts- und Handelsangelegenheiten jedenfalls bedeutend mehr, als seine Kritiker und als diejenigen, die sich einreden, sie hätten Kenntnis von Dingen, denen sie auch nicht den fünften Teil der Zeit gewidmet haben, wie Sir Alfred Mond." emigrsllonLkonferen?. London, 10. Mai. Ende April fand hier eine Emigrationskonferenz statt, an der Vertreter von 24 Institutionen und bekannte Persönlichkeiten teilnahmen. Als Vertreter der Aguda war Herr Rabbiner Dr. Jung anwesend. Herr Salz mann wünschte, die Aktion möge sich nicht allein auf die über England reisenden Emigranten beschränken, sondern sich auf die gesamte jüdische Emigration erstrecken und den Auswanderern in den Ländern der Not, aus denen sie flüchten müssen, betstehen. Es handelt sich um 100000 Juden in Polen, Rußland und der Ukraine, die gerettet werden müssen. Lucien Wolf die Bildung eines Komitees vor, das mit allen anderen jüdischen Organisationen Zusammenarbeiten soll. Oberrabbiner Dr. Jung weist auf die Notwendigkeit hin, den Auswanderern religiöse Lebensmöglichkeiten zu verschaffen. Es wurve zum Schluß ein Zentralkomitee aller jüdischen Organisationen geschaffen, das sich in erster Reihe die Fürsorge für bic durch London reisenden Emigranten angelegen lassen sein wird. Dem Komitee gehören 10 Mitglieder. Als Vertreter der Orthodoxie wurde Herr Oberrabbiner Dr. Jung ins Komitee gewählt. Türkei. 0er eiiemaiige Mifche Chacham-Bafchl Chajim nahum in Amerika. Konstanlinopet, 3. Mai. Die türkischen Zeitungen bringen begeisterte Lobes-Hymnen auf den ehemaligen Chacham- Baschi Chaim Nahum, der im Aufträge der Alliance Jsraeltte zur Zeit in Amerika Geld für deren orientalische Schulen sammelt und diese Gelegenheit benutzt, um auch die öffentliche Meinung Amerikas zu Gunsten des türkischen Volkes und der türkischen Regierung zu bearbeiten. Es soll Chajim Nahum gelungen sein, den ehemaligen Botschafter Morgentau, der gleich nach dem Waffenstillstand ein scharfes kritisches Buch gegen die Türket veröffentlicht hat, umzustimmen und für die nationalen Fordernngen der Türket zu gewinnen. Chajim Nahum hat mehrere öffentliche Vorträge in New-Aork gehalten, bet denen die hervorragendsten Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens anwesend waren. ttoriMluierung 8er Juäenheif in 9er Türkei. Korrstantinopel, 16. Mai. Auf einer Versammlung am 1. Mai, der der Chacham Baschi präsidierte, wurde über die Reorganisation der türkischen Judenheit beraten. Es ist geplant, die Versammlung in eine gesetzgebende Körperschaft umzuwandeln, mit einem permanenten Rate, der als Oberbehörde die jüdischen Gemeinden in der Türkei umfassen soll. Uaiüstina. Peffadi im neuen Jerusalem. getufatm, 24. Nissan. Das diesjährige Peffachfest erhielt für die Juden Erez Jisroels einen besonderen Glanz, nicht nur durch das offene Bekennertum Herbert Samuels, sondern insbesondere durch den Rückblick auf die traurigen Peffachtage des Vorjahres mit ihren Pogromen. Der Oberkommissar wohnte mit seiner ganzen Familie dem Gottesdienst in der großen Synagoge in der Churba bei und begab sich dann unter jubelnden Beifallskundgebungen einer tausendköpfigen Menge zum Frühstück ins Restaurant Admurskt. Am siebten Peffachtage betete Herbert Samuel bei den Bucharim, wobej Rabbi Jacob Meir eine Droscho hielt. Nach dem Gottesdienst fand feierliche Frühstückstafel beim Präsidenten der bucharischen Gemeinde statt. Bet der Tafel hielt Herbert Samuel eine Rede, in der er auf die Bedeutung der Tatsache hinwies, daß seit Jahrtausenden in diesem Jahre zum ersten Mal wieder im Regterungsgebäude der heiligen Stadt Jeruscholajim der Seder gegeben und Mazzos gegessen worden seien. Nicht minder bemerkenswert und dankbar begrüße er die Tatsache, daß die Araber bet ihrem Nebi-Musa-Feste ihm, dem jüdischen Oberkommissar, Gelegenheit gegeben hätten, den Vorschriften der jüdischen Religion getreu teilzunehmen, wobei er die orthodoxen Juden um Entschuldigung bitten müsse, daß in dem gleichen Raume Andere Chomez gegessen hätten. Er habe die Sacke nicht anders arrangieren können. (Zurufe: “p imo.) Auf dem Wege nach Hause waren sämtliche jüdische Stadtviertel, die der Oberkommissar durchschritt, von Zehntausenden von Menschen besetzt. In dem ungarischen Häuserviertel begrüßte der greise Gaon Rabbi Aklba Joseph Schlesinger den Oberkommiffar mit dem Segens spräche: fbrw *"[TD VITT^ VTDDÖ und ein unzähliges Gefolge schloß sich dem Noztw bis zur Rückkehr in das Regierungsgebäude auf dem Oelberge an. Ber der Feier in Nebt Musa sprach Herbert Samuel den Arabern nochmals seinen Dank aus für ihr Eingehen auf seine religiösen Wünsche: Es verdient bemerkt zu werden, daß der „DaorHajaum" entsprechend einem ihm geäußerten Wunsche des Oberrabbtnates während ganz Chol hamoed seine regelmäßigen Zeitungsausgaben etnsteüte und lediglich kurze Extru-Blätler mtt den wichtigsten Telegrammen veröffentlichte. Die Srtirecftensfage in Em Jistoel gfwnRfutt a. M, 15. Mai. Die inzwischen etngelaufenen Zeitungen aus Palästina ergeben ein klares Büd der traurigen Vorgänge, die die Jerusalemer Ausschreitungen vom vorigen Jahre an Tragik und Tragweite erheblich übertreffen. Die Behauptung, daß jüdische Arbeiter irgendwie die Araber gereizt hätten, wird durch die zusammenhängenden Berichte vollkommen hinfällig. Es war nach allem ein von langer Hand vorbereiteter Aufstand gegen jüdisches Leben und Eigentum, wie man ihn in Palästina noch nicht erlebt hat. Die ersten Zusammenstöße fanden in Jaffa um die Mittagszeit des ersten Mai im Viertel „NeweSchalom" statt. Eine organisierte Arabergruppefing ganz unvermittelt an, die in der Nähe des französischen Konsulats befindliche Chaluztm-Herberge mit Steinen zu bewerfen. Um jede Provokation zu vermeiden, ordnete der Verwalter, Herr Feinberg, sofort die Schließung aller Türen und Fenster an und befahl den Insassen, sich ins Innere des Hauses zurückzuziehen. Da eröffnete plötzlich arabische Polizei einen Sturm auf das Haus. Es wurde durch Türen und Fenster geschaffen. Die Angreifer kletterten auf das Dach und von dort ins Haus, und ihnen nach strömte der Haufen schreiend, schlagend und schießend in die Herberge. Auf der Stelle lagen 5 Tote, darunter zwei Frauen, und Dutzende verwundet, da. Das Haus war total verwüstet, die Einrichtung demoliert und geplündert. Die Schwerverwundetea wurden in das nebenltegende französische Hospital über ührt. Das war aber nur das Signal zu den wetteren Ueberfällen im Straßen viertel Newe Schalom, wo bald alle Läden fast vollkommen ausgeplündert und jüdische Passanten von der Polizei niedergeschoffen oder von den Arabern mit Knüppel und Messer verarbeitet wurden. Dort trug man gleich 12 Tote vom Platz und eine große Anzahl von Verwundeten. Am ersten Abend nach dem Ueberfall zählte man 26 Tote und 150 Verletzte. Bet den Arabern gab es 3 Tote und 12 Verwundete. Der Wachdienst hatte an diesem Tage in Jaffa vollkommen versagt. Das englische Militär war zu einer Uebung ausgezogen und die arabische Polizei machte die Ausschreitungen mit. Erft am späten Nachmittag rückten schwache Mtlitärabteilungen mit einigen Panzerautos und Maschinengewehren an. Trotz der Versicherungen der Behörden, daß nun alles ruhig bleiben würde, wurde am Montag früh gegen l/25 Uhr eine neue Schießerei in der Nähe des Jemenitenvtertels hörbar. Wie man erfuhr, unternahmen dort Araber einen neuen Ueberfall, wurden aber vom Militär zurückgeworfen. Auch ein erneuter Angriff auf Tel Abib mußte gegen 9 Uhr vom Militär zurückgeschlagen werden. Kurz darauf organisierte sich rin Araberzug, der vor den Behörden demonstrierte und die Freilassung der Mörder und Plünderer verlangte. Die Demonstranten wurden ohne Blutvergießen zerstreut. Am Nachmittag besuchte eine jüdische Kommission unter Führung des Chacham Baschi das cu ^geplünderte Viertel „Newe Schalom". Dort hatte sich inzwischen eine jüdische Selbstwehr gebildet, die in Bereitschaft zur Abwehr stand. Dieser gegenüber sammelte sich aber eine Rotte mit Stöcken und Messern ausgerüsteter Araber, die die Aufhebung des jüdischen Selbstschutzes verlangten. Der Chacham Baschi berichtete in arabischer Sprache die Bitte an die Araber, auseinander zu gehen. Diese antworteten, nicht eher zu weichen, als bis Ote jüdische Selbstwehr den Platz verlassen hätte. Die Juden hatten aber kein Vertrauen zur Administration und behaupteten ihre Verteidigungsstellung. Zum Glück rückte bald Militär an, welches ein neues Blutvergießen verhinderte. Wie von Augenzeugen bekundet wird, rekrutieren sich die Mörder und Plünderer zum größten Teil aus den Lastträgern und Metzgern der Straße. Die meisten verwundeten Juden sind kleine Händler und Krämer, die es versucht hatten, ihr Eigentum zu verteidigen. Eine Cyaluzimgruppe wurde auf dem Wege von Rtschon nach Jaffa angegriffen und zum Teil ntedergemacht. Viele der Toten und Verwundeten waren erst seit wenigen Tagen in Palästina. Große Aufregung rief die Kunde hervor, daß sich auch der junge Schriftsteller Brenner unter den Toten befindet. Man fand ihn unter fünf anderen Leichen auf. Es handelt sich um die Familie eines Mtlchhändlers, bet der er gewohnt harte. Augenzeugen berichten auch, wie arabische Polizisten blindlings auf Juden geschossen unc> geschlagen hätten, nachdem sie sich durch Entfernung ihrer Marken vom Hute unkenntlich gemacht. Am Montag, den 2. Mai konzentrierte sich die Wut der Araber auf die jüdische Selbst wehr, die Tel Abib nach dem arabischen Viertel zu am Meere bewachte und verteidigte.

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