Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 62 (1921)
- Issue
- Heft 21 (26.5.1921)
- Date
- 1921-05-26
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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Leite 6 Nr. 2i Der A-raettr Im Laufe des Montag wurden von allen Landstraßen, die von Jaffa führen, auch aus entlegenen Gassen der Vorstadt, tote und ver-, - mündete Juden in die Spitäler der Stadt gebracht. Die Araber verlegten den Kleinkrieg in die Weinberge, wo sich die kleinen Militärabteilungen zunächst nicht hinwagten. Die Nacht von Montag zu Dienstag verlief vollkommen ruhig. Dienstag vormittag gab es aber wieder wilde Schießereien. Der Angriffsplan arabischer Bauern auf den Arbeiterzug, der täglich von Jaffa nach Lud und zurück jüdische Arbeiter zu und von der Arbeitsstätte fährt, wurde rechtzeitig entdeckt und konnte vereitelt werden. Die jüdischen Arbeiter weigerten sich dann zur Arbeit zu fahren, fuhren aber alsdann doch hinaus, nachdem ihnen die Negierung militärischen Schutz gewährt hatte. Die öffentlichen Aemter und Läden waren am Dienstag wieder geöffnet. Nachmittags fanden Berständigungsverhandlungen im Regierungspalaste statt, an denen 20 Mohamedaner, 20 christliche Araber und 20 Juden teilnahmen. In den Kolonien. Am Sonntag, den 8. Mai erfuhr man in Jaffa von den tags vorher vorgekommenen Angriffen und Ueberfällen in Petach Tikwah und anderen Kolonien. Die Berichte in den jüdischen Zeitungen darüber tragen soviele Zensurlücken, daß man üb;r die Vorgänge nur unvollkommen unterrichtet ist. Es gab in Petach Tikwah drei Tote und dreizehn Verwundete, doch soll hier die Zahl der verwundeten und toten Araber dreimal so groß sein. Die jüdische Selbstwehr verteidigte die Kolonie über drei Stunden mit unvergleichlichem Heldenmut. Dabei fielen die beiden Führer der Selbftwehr Absalom Gissin und Chajim Grünste in. Der Angriff erfolgte von 2000 Arabern, die von auslrärts kamen. Die jüdische Selbstverteidigung stellte sich ihnen in den Weg und ließ sie nicht in die Kolonie dringen, bis daß ein englisches Flugzeug am Horizont erschien und in den Kampf eingriff. Bald folgte auch englisches Militär, das die Ruhe wiederherstellte. Unruhen in Schechem und Bethul verliefen unblutig. In. Haifr^ Sichron Jakob und ganz SämÜAäherrscht' Rühe. ' D ie Bewohner von K efa r S'ckba "mb;.'%n ßctn’t m wurden alle nach Petach. Tikwah ÄbersüM. Ernstlich war die Situation in Ramla. Auf der Straße riefen Araberbanden zum „heiligen Krieg" und schickten sich an, die nach Jaffa durchgehenden Zü g n auszuhalten, um die jüdischen Reisenden zu erschlagen, was aber verhindert werden konnte. Weitere Plünderungen und Mißhandlungen wurden durch arabische Notabeln verhindert, die beruhigend auf die Massen einwirkten. Ein Angriff auf die Kolonie Rechoboth hat zum Glück, dank dem rechtzeigen Eingreifen des Militärs, kein Menschenopfer gekostet. Einige Weinberge und Plantagen wurden von den Arabern angezündet und gingen in Flammen auf. In Galiläa herrscht im allgemeinen Ruhe. In lih edera wurden zwei Häuser in Brand? ^rNd elf Häuser ausgrplündert. Militär ist ..getroffen. Von Merchawia und Umgebung wird militärische Hilfe angesucht, da sich Beduinen in bedrohlicher Haltung in der Nähe ansammeln. In/ Jaffa wie in Haifa sind Kriegsschiffe angelangt. Das Oöerrabbinat in Jerusalem erläßt einen Aufruf zur Ermutigung und Beruhigung und ordnet tägliche Tillim-Gebete an und für Sabbat „Kedeschim" Seelenfeiern in allen Synagogen Palästinas für die Gefallenen und Getöteten. Amerika. emigratlonLkksgen. New-York, 5. Mai. Es war vorauszusehen, daß sich die Gemüter mit der „Erledigung" des Emigrantengesetzes! in der Sonder-S ssiou des Kongresses nicht zufrieden geben werden. -Die gesamte jüdische Presse erhebt stammenden Protest gegen düs . Gesetz, das eine Verletzung des Menschenrechts darstellt, und auch die englisch geschriebene Preffe verhält sich zum größten Teile ablehnend und er» ' sucht den Senat um umfassende und durchgreifende Aenderungen und Verbesserungen. In Protestversammlungen, die in allen 'Großstädten stattfinden, wird hervorgehoben, daß das Gesetz nicht frei von anttsemittschen Tendenzen sei. Es wird allgemein verlangt, daß die Einwanderung mindestens auf 10 '/» der Einwanderung von 1920 erhöht werden soll. Eine ähnliche Protestresolulion, die dem Senate übergeben wird, hat auch der „Allgemeine Rabbinerverband" der Union gefaßt. Das Komitee des jüdischen Kongresses will direkte Verhandlungen mit dem Präsidenten Harding anbahnen, um mit seiner Hilfe die Aenderung des Gesetzes im Senar zu erzielen. Inzwischen hört man, daß im angenommenen Gesetze, das die Einwanderung auf 3°/» der betreffenden Nationalität in Amerika beschränkt, Ausnahmen für Einwanderer, die infolge religiöser Verfolgungen aus ihrem Lande geflüchtet sind, macht, ebenso für Rückwanderer, die nur vorübergehend ihre alte Heimat besucht hatten. Ferner kennt das Gesetz Ausnahmen für Geistliche, Gelehrte, Künstler, Krankenschwestern usw. Im allgemeinen wird in den Versammlungen nachgewtefen, daß der Emigrationsstrom sich in den letzten Jahren nicht vergrößert, sondern stark vermindert hätte. kmigrsfionsttsgen. Washington, 8. Mai. Das Emtgrantengesetz, das die Einwanderung in die Vereinigten Staaten auf 3°/« der betreffenden in Amerika ansässigen Nationalität, nach der Volkszählung von 1910 beschränkt, ist nun auch im Senat angenommen worden. Unter den 96 Mitgliedern des Senates befindet sich kein Jude. Im Kongreß dagegen sitzen unter den 436 Deputierten elf Juden, von denen neun Republikaner sind. Diese elf Männer haben in Gemeinschaft mit anderen rechtdenkenden Menschenfreunden ehrlich gegen das Gesetz gekämpft, und es ist ihnen auch gelungen, einige Ausnahmebestimmungen durchzufetzen. Unbetroffen bleiben vom Gesetz diejenigen, die nachweislich infolge religiöser Verfolgungen nach Amerika geflüchtet sind, ebenso Kinder amerikanischer Bürger bis zu 18 Jahren. Unter Nationalitäten versteht man natürlich im Sinne des Gesetzes die L än d e r und Staaten, aus denen die Emigranten kommen. So werden aus Rußland in den 14 Monaten, da das Gesetz in Kraft bleibt, 51974, aus Oesterreich 50117, aus Deutschland 75040, aus England 77 206, aus Italien 40294 zugelassen. Im Ganzen wird die Zahl der Einwanderer im angegebenen Zeitraum-355461 betragen. Personalien. Fürth, 15. Mai. Wieder ist unserer Gemeinde und dem engeren Kreis der Jeriim in ihr ein geschöntes und hochangesehenes Mitglied durch den Tod mnlrrssen worden. Am 18. Nissan hat Herr Bernhard 'Jchenhäuser nach längerem Leiden diese Zeitlichkeit verlassen. Mit ihm ist einer unserer besten Baale vatim dahingegangen. Die Kunde von seinem Heimgang hat darum in allen Kreisen ein liefschmerzttches Echo erweckt und die Jomtosfreude getrübt. Besonders liefe Trauer löste sein Tod in der Verwaltuna der Israelitischen Waisenanstalt aus, deren langjähriger Vorsitzende der Heimgegangene gewesen ist. Herr Bernhard Jchenhäuser war etn Mann des reinen Denkens und eolen Wollens, durchglüht von Begeisterung für seinen Glauben und Hilfsberettfchafl für seine Nebenmenschen. In unerschütterlicher Festigkeit hielt er an den Idealen und Traditionen des altüberlieferten Judentums fest, nach dessen Vorschriften und Satzungen er sein Leben gestaltete. Vieles vom Vater, fw '*> Jchenhäuser b“^, dessen Andenken in unserer Gemeinde noch unvergessen sortlebt, ist auf den Sohn übergegangen: sein gerader Sinn, seine unwandelbare Redlichkeit, sein gutes Herz und feine mwft Tpvpi. Diese Wesensvorzüge machten ihn besonders für die Stellungen geeignet, zu welchen das öffentliche Vertrauen ihn berufen hatte und gestalteten seine Wirksamkeit in diesen zu einer erfolg. reichen und gesegneten. jDie Worte des 15. Psalms, welche Dr. Deutsch an seiner Bahxe rezitierte. . erschienen allen als die zutreffendste Zeichnung seines Charakterbildes). Möge das 7NÄ seiner Handkü'ngtzn die Seinen geleiten und ihnen zum Trost und zur Aufrichtung gereichen. Schlüchtern, 13. Mai. Am Freitag, 7. Nissan, verstarb Herr More Schwärzt chtld, der überein halbes Jahrhundert als Lehrer und Vorbeter in hiesiger Gemeinde segensreich gewirkt hat. Als Sohn des letzten hier amtierenden hochwürdtgen Rabbiners Moses Schwarzschild y'str, paarten sich in seiner Person tiefe Frömmigkeit mit ungebeugter Willenskraft und heiterer Lebensfreude. Neben der Wertschätzung ui d Verehrung aller Gemeindemitglieder, erfreute er ff h besonders in Lehrerkrelsen äußerster Beliebtheit, in deren Mitte er sehr viel zur Hebung der materiellen Not beigeiragen hat. Er war Mitbegründer des „Jeschuiün", der Witwen- und Watsenkasse Heffens und arbeitete bis an sein Lebensende unermüdlich in dessen Vorstand. Auch dem „Bunde gesetzestrcüer jüdischer Lehrer" widmete er einige Jahre seine bewährte Kraft als Vorstandsmitglied. Seine Beerdigung gestaltete sich als eine gewa.ti .e Kundgebung der liefen Gefühle, die diesem 'vb von weit und breit entgegengebracht wurden. Aus allen Himmelsrichtungen waren über 20 Lehrer und ein ausgedehnter Verwandtenkreis herbeigeetlt, um dein allseitig beliebten Freund die letzte Ehre zu erweisen. Beide Ortspfarrer, ein großer Teil der christlich» n Bevölkerung waren in dem unübersehbaren Leichenzng zu sehen. Im Trauerhauße widmete Herr Strauß, Gelnhausen, Lehrer a. D., dem treuen Freund imitf.e Abschiedsworte. Herr Lehrer H e s, der Amtsnachfolgc r des Verstorbenen, hielt in der Synagoge, an der Stätte seiner 50jährigen Wirksamkeit, die bis auf den letzten Platz gefüllt war, einen erhebenden Nachruf, der den Heimgegangenen als einen bw al l einen Fürst in Israel feierte. Die Rede htmerltrtz einen riefen Eindruck. Alsdann bewegte sich drr Leichenzug zum Friedhof, wo zunächst Herr Baruch Stern, Frankfurt a. M., im Namen der Familie einige Abschiedsworte sprach. Herr Lehrer Gans, Nieveraula, sprach für die hessische Lehrerkonserenz und für den Jeschurun, Herr Leo Stern von hier im Aufträge der ehemaligen Schüler und Herr Lehrer Spiro aus Fulda, als langjähriger Freund und Mitarbeiter. Bad Homburg v. d. H., 17. Mai. Einen unersetzlichen Vertust hat der Israelitische Frauenverein zu Bad Homburg erlitten. Am 2. Jjar wurde seine frühere langjährige Vorsitzende, Fra« Jakobine Wiesenthal s. A., zur ewigen Ruhe gebettet. Ueber 20 Jahrs hat die unvergeßliche Verblichene dem Vorstand als Vorsitzende angehört. Welch' reiche Wirksamkeit sie während dieser Zeit entfaltet, wieviel Tränen sie getrocknet, welche Not sie gelindert, dieses schöne und erhebende Bewußtsein hat sie zärtfühlend als Geheimnis mit ins Grab genommen. Denn sie war eine tiefreligiöse Natur, welche,, wie Herr - .Rabbiner -Dr: W tn ter in seiner tteiempfundenen Grabrede ausführle, das Gute um des Guten willen übte. Pflicht und Neigung waren bet ihr aufs harmonischste vereinigt und Wohltun war ihr ein Bedürfnis. So hat sie das heilige Vermächtnis des frommen Vaterhauses, die werktätige Menschenliebe, zeitlebens geübt und verbreitet'und dankbare Nachfahren werden ihrer segnend gedenken. Im Israelitischen Flauenverein aber wird ihr Andenken allezeit fortleven, als Vorbild und Muster der wackeren jüdischen Frau, deren Leben, Wirken im Dienste der Menschlichkeit und deren Wirken, Leben im Dienste Gottes war. n"22»n Vermischtes. Halberstadt, 17. Eine stimmungsvolle Feier vereinigte am ersten Rausch Chaudeschtage die Mit-- glieder unserer Gemeinde; sie galt dem 125 jährigen Gründungslag der hiesigen jüdischen Schule. In seiner Festrede schilderte der Letter der Schule, Herr Rabbiner Dr. I. Auerbach, die Entwicklung des Jugendunterrichtes im Judentum von seinen ersten Anfängen diszur Gegenwart, um sodann etn lebensvolles Bild der Geschichte der Halberstädter Schule zu entwerfen. Bon- Isaak Köslin im Jahre 1796 gegründet, hat die Schule, vielfachen Hemmungen trotzend und in kraft!- voller Ueberwtndung materieller Nöte und geifttger Kämpfe, einen steten Aufstieg segensreicher Entwickelung genommen und sich allezeit als eine Pflanz, und Pflegestätte echtjüdtschen Getpes und eine Lehrstück des gesamten Bereichs profanen Wissens erwiesen. Ergreifende Dankesworte für die unvergleichliche Tat dahtngegangener Geschlechter und zündende Mahnung, das Erve der Väter mit kindlicher Liebe zu erhallen, schlossen die Siede. Herr Dr. Emil Hirsch im Namett des Vorstandes der jüdischen Gemeinde, Herr ^Moritz Joseph namen s der Schulverwaltung, Herr Rabbiner Dr. Schlesinger für die Klaus, Herr Julius Meyer als ältester Schulec, Herr Max Hirsch für die jüngere Schüler-Generation, Herr Julius Mach als Abgesandter der Behren Ö Lehmann-Loge beglückwünschten in fesselnden Da legungen die Schule zu ihrem Ehrentage und Herr Samuel Joseph sprach am Schluffe der Schule.und! ihrem Leiter persönlichen Dank aus. Chorgesang begann und schloß die Erinnerungsfeier.