Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1921-05-26 · Heft 21 (26.5.1921) · page 4

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
62 (1921)
Issue
Heft 21 (26.5.1921)
Date
1921-05-26
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2446951-2450138-2450158--68956-2526111
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

Leite 4. No. 21. Der Israelit. 2«. Mat 1821 jrn, Deutschtum und Judentum angefügt, die sich auf folgende Fragen zuspitzt: 1 „Was gibt den Antisemiten die eigene absonderliche Färbung? 2. Ist die Raffe das maßgebende Merkmal der Nation? 3. Wie verhält es sich mit den von den Antisemiten behaupteten Raffen-Merkmalen des semitischen Geistes?" Auf diese drei Fragen baut sich das ganze Goldstein'sche Buch auf. Die Antworten sind nicht alle und nicht in allen Stücken in unserem Sinne ausgefallen, sind aber durchwegs lesens- und beachtenswert. Goldsteln holt sich die sittlichen Grundsätze und somit die Maßstäbe für das Zusammenarbeiten aller Guten aus der Bibel - diese erkennt er als einzige Basis und einziges Bindemittel für die Positiv Schaffenden und Bauenden, die trotz allem und allem noch in der Menschheit ihren Platz haben. Ueber die Art, wie er bestimmte Probleme anfaßt, wie etwa Nation als Abstammungsgemeinschaft und ähnliches mehr, ließe sich natürlich noch manches reden. Das Kapitel „Entstehung der Raffen- Theorie" halten wir für besonders wertvoll und belehrend für alle, die dem gefährlichen Raffenschwindel auf den Grund gehen möchten. Jakob Wassermann nennt sein Buch (S. Fischer Verlag, Berlin) „Mein Wez als deutscher und Jude." Es ist ein Buch der Enttäuschungen und der Verbitterung, mit dem der Sechzigjährige am Abschluß einer reichen geistigen und literarischen Lebensarbeit als Bekenner und Mahner vor die Oeffentlichkeit ' trittlesenswert für jeden, der auf den dornenvollen Weg des Sichdurchsetzens getrieben wird, lesenswert für alle, die nicht wissen, wie sauer das Schaffen auf fremden Weinbergen auch für den wird', der sich, wie Wassermann, mit deutschem Wesen und deutscher Kultur eng verwachsen fühlt. Aber Wassermann ist keiner von denen, die, etwa wie Heinrich Heine, das Judentum wie eine Krankheit tragen: mit Groll, mit Haß und mit gelegentlicher Liebe zu den Leiden. Darum glaubt er an eine Zukunft und hat die Möglichkeit zu hoffen — auf einen Netter, der schon seine Wegebereiter vorausgeschickt hat. Er, Wassermann, möchte selbst deren einer gewesen sein. Wir wollen ihm die Hoffnung nicht rauben, obwohl uns das Morgenrot auf dieser Seite, wohin Wassermann sein Auge lenkt, sehr trügerisch erscheint. Mm-Meiiren u. Nachrichten. 4?errtsrhes Reirtz. iisn Prof. Dr. eibogen berichtigt. Irarrkfrrrt a. M., 17. Mai. Herr Prof. Dr. I. Elbogen in Berlin schreibt uns: Im Anschluß an Ihre Ausführungen in Nr. 18 zu meinem Aufsatz „Gesamtorganisaiion und jüdische Wissenschaft" lege ich Wert auf den Hinweis, datz in meinem Artikel von einem Zwang zur Teilnahme an der Gesamtorganisation, der auf irgend jemand ausgeübt werden sollte, nirgends die Rede ist, datz ich vielmehr ausdrücklich hervorgehoben habe, datz das hiesige Rabbinerseminar zu der Frage der Beteiligung bisher sich noch nicht öffentlich geäußert hat. Ich ersuche Sie höflichst, eine kurze Erklärung dieses Inhalts zum Abdruck zu bringen, und stelle im übrigen fest, daß Ihre Ausführungen meine Auffassung vollauf bestätigen. Mit vorzüglicher Hochachtung I. Ellbogen. Wir stellen fest, daß Herr Prof. Elbogen höchst überflüssigerwetse beteuert, es solle auf niemanden em Zwa ng ausgeübt werden. Davon war in unsren Ausführungen auch nicht die Rede, sofern man — wie Herr Prof. Elbogen — darunter einen rechtlichen oder physischen Zwang versteht. Der moralische Zwang, der auf das orthodoxe Seminar durch die ganze Konstellation ausgeübt wird, ist dagegen enorm, wobei wir noch nicht einmal an die ihm applizierte Mk. 20000-Subvention denken. — Wir stellen aber ferner fest, daß Herr Prof. Elbogen eine beneidenswerte Phantasie besitzt, wenn er meint, unsere Ausführungen bestätigten seine ungeheuerliche Gruselgeschichte von der Gefährdung der Retchsverfassung durch die eigensinnige Orthodoxie. Diesen Einfall ernst zu nehmen und ernsthaft zu widerlegen, ist uns Zeit und Raum allerdings zu kostbar. Warnung an Emigranten. ZS erlitt, 16. Mai. Das Zentralbüro für jüdische Auswanderungsangelegenhetten des „Hilfsvereins der Deutschen Juden" warnt nochmals Emigranten nach Argentinien dringend davor, ohne die für sie notwendige Retseerlaubnis seitens derargentinischenEinwanderungsbehörden in Buenos Aires die Reise anzutreten. Ohne diese Reiseerlaubnis erhalten sie nicht das Visum seitens des argentinischen Konsuls. Die Emigranten sind vielmehr gezwungen, sich — was sehr viele Kosten verursacht — telegrafisch mit ihren Verwandten in Argentinien in Verbindung zu setzen, und es vergeht eine geraume Zeit, bis Nachrichten und Papiere aus Argentinien eintreffen. In der Zwischenzeit müssen die Emigranten aber in Berlin bleiben, um auf die Papiere zu warten. Dieser nicht vorausgesehene Aufenthalt ist, insbesondere wenn es sich um Familien handelt, mit vielen Kosten und Unannehmlichkeiten für die Emigranten verknüpft. Oie Deuffdi-Jsrflelitifche öemeinde und der neue v J. 6 0. Kamvurg, 20. Mat. Die Bemerkung, die Sie dem in der vorigen Nummer begonnenen Referate des Herrn Dr. L. Schlesinger voranschicken, bedarf der Berichtigung. Das Referat des Herrn Dr. Schlesinger wurde erstattet, nachdem die Neprasentantenversammlung der Gemeinde den Beschluß gefaßt hatte, demD. I. G. B. betzutreten. Der Vorstand hat bisher keine Stellung genommen und es muß abgewartet werden, ob die Ausführungen des Referates bei Vorstand und Repräsentanten ein offeneres Ohr finden werden, als die vorher an die Repräsentantenversammlung gerichtete Eingabe von Gemeinde-Mitgliedern, die entschieden für Ablehnung des Beitritts zum D. I. G. B. sich aussprach. Jedenfalls ist die Angelegenheit noch in der Schwebe. Wie uns übrigens bekannt wird, soll auf Einladung einiger an der Sache interessierter Herren demnächst Herr Dr. Jsmar Freund- Berlin hterherkommen, um eine Propaganderede für den Anschluß der Gemeinde an den D. I. G. B. zu halten. Wir hoffen, daß die Hamburger Orthodoxie für den Abend gerüstet sein wird. Jsra fiiifdie liandeshirchenoerfammlung Württembergs Stuttgart, 23. Mai. Die Israelitische Landeskirchenversammlung trat heute unter Vorsitz des Regierungsvertreters Baelz zur Beratung der neuen Kirchenverfassung zusammen. Der Präsident wies auf den provisorischen Charakter der zu fastenden Beschlüsse hin, mit Hinblick auf das im Winter zu erwartende allgemeine Kirchengesetz. Er wünscht, daß die Israelitische Landeskirchenorganisatton in Württemberg erhalten bleibe und ausgebaut werde. Zum ersten Vorsitzenden wurde dann Herr Julius Rothschild, zum zweiten Rechtsanwalt Dr. Hayum, Tübingen gewählt. Es sprachen noch der Alterspräsident Heumann, Laupheim und Regierungsrat Dr. Nördltnger. Letzterer hob die wichtigsten Aenderungen des Entwurfes hervor. Der Anschluß an den D. I. G. B. müffe noch sehr geprüft werden, da die Zweckmäßigkeit der allgemeinen Organisation überhaupt noch sehr zweifelhaft sei. Ministerialrat Dr. Hirsch erwartet vom neuen Kirchengesetz auch eine billigere Berücksichtigung der jüdischen Interessen. Dr. Wolf empfiehlt die Verminderung der Teilnehmerzahl an Ktrckenversammlung und Berwaltungsausschuß. Rechtsanwalt L e P m a n n wiederspricht diesen Vorschlägen und wünscht eine Vertretung der Gemeinden in der Verwaltungsbehörde, sowie die Errichtung eines ständigen Fachausschusses der Rabbiner und Lehrer. Dr. Gumbel tritt für die Rechte der Minderheiten ein. Nach einem Schlußwort des Präsidenten nahm die erste Sitzung ihr Ende. Ungarn. Das tloctwerrafsnerfahren gegen Oberrabbiner Dr- Löed eingestellt. Budapest, 20. Mai. Der Anklagerat des Szegedtner Gerichtshofes befaßte sich heute mit der Angelegenheit des Oberrabbiners Dr. Löw, der durch den berüchtigten Hollosy denunziert wurde, er habe gegenüber einem holländischen Journalisten Aussprüche getan, die das Verbrechen des Hochverrates einhalten. Der Anklagesenat fällte nach mehrstündiger Verhandlung die Entscheidung, daß Dr. Löw wegen des Vergehens der Beleidigung des Reichsverwesers unter Anklage gestellt werde. Dagegen wurde der auf die Verbrechen des Hochverrates und der Aufreizung bezügliche Teil der Anklageschrift abgewiefen, bezüglich dieser Delikte das Verfahren eingestellt und die sofortige Entlassung des Beschuldigten angeordnet. Noten. Aus 9em polnjldien Landtag- Warschau, 16. Mat. Der Präsident des Landtags meldete in der FrettagssitzunZ dem Hause den Tod des Deputierten Rabbi Halpern mit einer kurzen herzlichen Ansprache. Halpern, sagte er, war ein guter Patriot und treuer Mitarbeiter an Polens Wiederaufbau. Davon zeugte der Umstand, daß er eine ihm bei hohem Gehalte angetragene Rabbtnerstelle im Auslande zurückwies. Stets suchte er den Wohlstand des Landes zu fördern und war mit Herz und Seele mit dabei, die politischen und sozialen Aufgaben zu lösen. Von den Interpellationen, die dieser Sitzung Vorlagen, beschäftigten sich vier mit den Juden. Eine Anfrage betraf die Schließung der hebräischen Zeitung „Hazefirah" und Gehetmerlasse gegen die jüdische Presse, zwei andere Interpellationen erheben Anklage wegen der Ueberfälle auf jüdische Arbeiter am 1. Mai. Bon der anderen Sette wurde eine gehässige Interpellation gegen die „Judeninvasion aus Rußland und der Ukraine" eingebracht. England. Die Huden lind ichuld - - - London, 10. Mai. Sowohl die „Morning Post" wie der Londoner Korrespondent des- Pariser „Mattn" beschimpfen die jüdischen Minister, die die Milderungen im Ultimatum gegen Deutschland „verschuldet" hätten. Besonders scharf werden Alfred Mond und Sajsoön hergenommen. Auch Montague soll in dieser Beziehung „schädlichen" Einfluß auf Lloyd George ausgeübr haben. Llöud George und die flntifemiten- London, 16. Mat. In der Unterhausdebatte über die Verhandlungen mit Deutschland wurden von antisemitischer Seite starke Angriffe gegen die angeblich jüdischen Ratgeber des Minister-Präsidenten gerichtet, die schuld daran seien, daß Lloyd George fortwähreno zu Gunsten Deutjchlands eintrete

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.