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Der Israelit · 1921-05-26 · Heft 21 (26.5.1921) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
62 (1921)
Issue
Heft 21 (26.5.1921)
Date
1921-05-26
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Der Israelit. uiih haben volles Verständnis für die nicht gerade angenehme Lage der jüdischen Unterhändler. Was aber befremdet und empört, das ist das zionistische Kommunique an sich. Es waren drei Parteien, die die Verhandlungen geführt hatten, neben den Zionisten nämlich auch noch die Volkisten und die Orthodoxen, welche im Interesse der wichtigen Sache ungeachtet aller Anrempelungen, mit denen sie in letzterer Z^.it von den Zionisten bedacht wurden, sich zu oer Einheitsfront wenigstens nach dieser einen Seite entschlossen. . Wir wissen nicht, wie sich die Zionisten mit der Jüdischen Volkspartei über die Sache abgefunden haben. Die Orthodoxie steht, wie aus dkm Warschauer „Jud" deutlich zu ersehen ist, höchst überrascht vor einer fertig en Tatsache. Man hat zusammen mit der Orthodoxie am Verhandlungstisch gesessen und rach außen solange innere Geschlossenheit markiert, bis daß man einesTages ungeduldig das Tischtuch durchschnitt, ohne die orthodoxen Mitberater über ihre Meinung überhaupt zu kefragen, ohne sich um ihre Ansicht zu kümmern. Das ist das Empörende an der ganzen Sache und sehr bezeichnend für die eigenmächtige Art der zionistischen Organisation in Polen mit Dingen und Menschen zu verfahren. Hatte man es mit diesem Abbruch so eilig, daß man keine Zeit fand, sich erst innerhalb der indischen Parteien darüber auszusprcchen? Dr. Alfred Nosstq, der Initiator der Verhandlungen, erklärte die zögernde Taktik der Pole« mit bm Vorgängen in Oberschlesien, die alle Regierungsorgane nte vollkommen in Anspruch nehmen. Das ist u. E. begreiflich, wenn's noch lange nicht die ablehnende Haltung der Polen gegenüber den Mininmlforderungen der Juden aus Milderung des Sonntagsruhegesetzes und der Fremdenbcstimnmngen erklärt. Aber immerhin ist doch die Frage an die Zionisten berechtigt: ob man nicht wirklich noch ein wenig zuwarten konnte. Oder hatten es die Herrn gar so eilig, von allen Bindungen los, freie Hand im Kampfe gegen, die Gesetzestreuen zu bekommen, gegen die in letzterer Zeit in Polen alle Mittel gut genug sindO- FM die' „Schlmne Emur.e Israel" in Polen dürfte sich aus dieser Sonder-Politik der Zionisten die Lehre ergeben haben, daß auch nach außen hin für ein Zusammenarbeiten mit Leuten, die aus Frieden und Einigkeit nicht eingestellt sind, nicht immer und ohne weiteres die Voraussetzungen gegeben sind. Die Flucht aus der Maine Von Vladimir Temkin. In Nr. 2 der von der Exekutive der jüdischen Welthilfskonferenz herausgegebenen „Hilfe", tvärtigen. Zunächst das gottergebene Verhakten Israels rnn 16. Nissan, an welchem Tage das Omer in der Folgezeit dargebracht wurde. Als Zeichen, daß alles von Gott kommt, Er allein der Spender von allem sei, durste Israel vor dem Omeropser, diesem Erstjingsopfer, nichts von einem Felde zu eigenem Gebrauch abschneiden (Menach 72 a f.) Erst nachdem das Onrer dargebracht wurde, sollte Jsroel von dem Getreide genießen (Lev. 23, 14). Dieser pnv2-Sinn Israels wurde in der Folge durch 40 jährige Mannaspeisung noch vertieft, noch fester verankert. Täglich erhielt ein jeder 40 Jahre lang seine Mannaspeisung. Ein Vorbereiten auch nur für den nächsten Tag war l icht statthast. Der Jude sollte sich an die Gedanken gewönnen : der Gott, der ihn heute speist, Er wird ihn nuch morgen nicht verlassen.. Der Erfolg blieb nicht aus, denn die Weisen meinen von Israel in der Wüste;vn minn n:nj *6 (Mechil. Ex. 14, 6). Die Thauro kann nur von Männern erforscht werden, die einen PNL2-Sinn haben, wie die Väter in der Wüste, die das Manna speisten. Die Beendigung dieser sinLQ- Erztehung war wieder am 16. Nissan (Josua &, 11 f.). „Sie aßen vom Getreide des Landes am anderen Tage des Peffach . . . ..das Manna hörte am anderen Tage aus." Das Omsr, das ein ähnliches Maß wie die läc.iiche Ration vom Manna hatte, sollte am Tage der Darbrlngung das Vertrauen auf Gott, wie es Israel durch, die Mannaspeisungen anerzogen bekommen hatte, wecken und stärken. (Schluß folgt.) ] schildert Wladimir Temkin die Lage der massenhaft unter Lebensgefahr nach Rumänien flüchtenden ukrainischen Juden. Wir entnehmen seinem Berichte Folgendes: Die allgemeine Lage und der Zustand der Flüchtlinge m Kischinew ist überaus traurig. Die neuen Flüchtlinge die jetzt ankommen, werden interniert oder sehr oft auf die andere Seite des Dnjestr zurückgeschickt. Auf diesem Rückwege verlieren nicht wenige ihr Leben. In einem Dorfe — 12 Werft von Kischinew — sind 52 Flüchtlinge interniert. Sie leben in Höhlen, ohne Betten und ohne Speise. Dort befinden sich Petljura-Banden und Pogromisten aus der Ukraine, die auf rumänischem Boden die Traditionen ihrer Heimat fortsetzen wollen. Die Internierten sind schon vier Monate dort — darunter sind auch Frauen —. Das rumänische Ministerium hat sogar schon Auftrag gegeben, sie zu befreien, aber der Ortskommandant ist diesem Aufträge nicht nachgekommen. Der größte Teil der Flüchtlinge kommt von Podollen und dem Kiewer Gouvernement. Daruter sind viele Witwen 'mit Kindern und Waisen. Alle Bethäuser sind vollgestopft mit He mlostn, die in Bukarest auf ihr Schicksal warten. In den Bethäusern wohnen Frauen, Kinder und Männer unter den denkbar schrecklichsten Zuständen. In den Hotels werden sie schrecklich ausgebeutet. Früher bemittelte Menschen sind jetzt vollkommen ruiniert, niedergescklagen und niedergedrückt. Alle Gedanken sind auf Erlangung der Visa konzentriert. In ihren Augen liest man ihr Leid, die Unruhe und ständige Angst, die sie von ihrer Heimat gebracht haben. Hunderte befinden sich schon fünf, sechs und sogar sieben Monate unterwegs. Die Menschen sind ohne Kraft, ohne Mittel, sie haben jede Hoffnung verloren. Ihr letzter Hoffnungsschimmer sind ihre Verwandten in Amerika. Gleichzeitig richten sich ihre Gedanken auf ihre Verwandten, die in der finsteren Ukraine zurückgeblieben sind. Man sieht hier ganze jüdische Gemeinden, die ihr Nest verlassen und teuere Verwandte zurückgelaffen haben. Oft sind die Leute ziellos geflüchtet, im Vertrauen auf Gottes- Hilfe. Wird nicht einmal ihr Leid und ihre Pein enden? Die radikalste Hilfe, die man diesen Heimlosen geben kann, ist die Erleichterung der Emigration. Der Kneuel muß entwirrt werden, wenn nicht Zehntausende untergehen sollen. Ich kann nicht ruhig Lenken und reden über dieses Kapitel. Man muß schreien, alle glücklichen Leute wecken und die amerikanischen Juden zum Erwachen bringen. Sie sollen nicht schweigen, sie sollen wissen, daß ihre Familien untergehen. Es sind hier 35.000 und auf der anderen Seite des Dnjestr warten mit Schmerzen Tausende mehr. Nr. 31. Sette 3 Man geht zu Fuß, man verliert am Wege alleL> Was man besitzt, man verliert seine teueren Kinder und seine Frau, die die schreckliche Plage nicht aushalten. Nichts kann den Menschenstrom aufhalten, der mit gewaltiger Kraft aus dem Jammertale entflohen ist, wo diese Menschen mit eigenen Augen den Tod gesehen haben. Ruft zu Hilfe, klopft an alle Türen, es soll keiner gleichgültig bleiben. Rettet, rettet die Flüchtlinge aus der Ukraine. Men. Christen und Deutsche. Unter dem Titel „Juden und Deutsche" ist bet Erich Reiß, Berlin, eine schön ausgestattete Schrift von Anton Kuh erschienen, die in dieser Zeit der politischen und geistigen Verwirrungen wie eine Art Resume klärend wirken möchte. Kuh will in seinem Buche über Juden und Deutsche Endgültiges sagen. Das ist nicht leicht, da die Diskussion auf beiden Seiten über dieses Thema nicht abgeschlossen ist. Aber Kuh ist frische Draufgängigkeit eigen, mit der er an der Wissenschaft vorbetgeht, in welcher er nur einen Vorwand sieht, , nicht selber denken zu müssen,' er will nach Erfahrung und Ueberlegung urteilen, er will schauen und beweisen und verfällt doch zuweilen im Laufe der 114 Seiten in eine Romantik, ja in eine Mystik, aus der der Jude, wie der Deutsche alles und auch nichts herauslesen kann. Den Juden sollte nichts beirren. Er hat die Aufgabe, die Schuld eines zerbrochenen Du (von diesem großen Du, den Ahasver in seiner langen Wandergeschtchte nicht verstand und darum Hatzte, ist sehr viel in diesem Buch die Rede) zu sühnen. Wer es also jetzt noch nicht weiß, der wird es nicht mehr erfahren ... Da spricht sich Elijahu RappaPort in seinem Buche „Das Buch Jeschua" (E. P. Tal u. Co. Leipzig, Wien, Zürich) schon deutlicher aus. Das. Buch wird, in der Reklame des Verlages. als „peues Wan,gestund yMgeg-eben.. Die Juden-MtssiW wlxd' woch! h^riw-esne -^ freilich . wenig wirksame'-xs-n-, Propaganda fM das alte sehen. So -weit sind die Schüler von Martin Buber, Horodetzki und ihrer Freunde schon über die Gedankenbeztrke ihrer Lehrer und Meister hinausgeschritten. Eine Besprechung verdient das Buch nicht, nur als grober Unfug eines für Juden schreibenden irregeleiteten und irrelettenden jüdischen Schriftstellers muß es registriert werden. Eine ernstere Behandlung verdient das Buch von Julius Gold st ein: „Rasse und Politik" ('Reuwerk Verlag, Schlüchtern). Dem Buch ist eine Vorrede von Heinrich Fr ick über Christ- Kleines Feuilleton. (U A. w. g>). Kann auch heißen: „U n d A b e n d s wird getanzt", nämlich in Rimbach i. O., ausgerechnet am 21. Mai, da wir hier den 29. im Omer zählen. Jedenfalls war das Komitee liebenswürdig genug, uns mit folgendem Kärtchen zu diesem eigenen Sefirohvergnügen einzuladen: „Einladung. Zu der am N! 21. Mai im Saale zur „Krone" statifindenden Hl Ball beehrt sich höflichst eiazuladen. Das Komitee. Rimbach i. O., 1. Mai 1921. Bahnanschlüsse: Rimbach an! I! 5.20, 8.50 N. Rimbach ab 6.55 Uhr B., 12.25 N." Wir fragen: Ist es ein jüdisches Komitee, das seinen Güsten in dieser in jedem Sinne traurigen Zeit zum Tanze aufspielt und sie noch dazu am Sabbat nachm. 5.20 mit der Bahn nach Rimbach kommen läßt? U. A. w. g. Heißt dieses Mal: „Um Antwort wird gebeten". (Philipp Sassoon) Man schreibt uns aus London: Die jüngste Nummer Ihres Blattes enthält -eine Mitteilung über Philipp Sassoon, die der Richtigstellung bedarf. Philipp Sassoon ist eine hochangesehene Persönlichkeit, ist ein Urenkel des David Sassoon in Bombay, der schon. im 17. . Jahrhundert in Indien durch Reichtum und Wohltätigkeit berühmt gewesen war. Sir Philipp Sassoon ist auch Parlamentsmitglied. Seine Mutter war eine Tochter des Baron Gustave de Rothschild, Paris. Sir Philipp Sassoon hat eine herrliche Besitzung in der Nähe von Folkestone und die i Minister und der Adel sind persönliche Freunde dieses l „Fürsten in Israel". Er ist auch ein geschätztes Mitglied der hiesigen portugiesischen Gemeinde. Diese ergänzende Mitteilung betrlfft ein Zitat aus der „Kreuzzeitung", mit dem wir in vorletzter Nummer die blinde Gehässigkeit der antisemitischen Presse belegten. Es ist interessant aus anderer Stelle der heutigen Nummer zu ersah«en, daß Pariser und Londoner Blätter vom Geiste der deutschen „Kreuzzeitung" dem gleichen Sassoon, den die deutschen Antisemiten als. Juden beschimpfen, die Milderungen des Druckes auf Deutschland „zur Last" legen. Familiennachrichten. Barmizwohfeier. Leo, Sohn des Herrn I. M. Rosenthal, Kitztngen a. M. 5abbatHnkang und Zuzgang. ins rot?- Ort: Anfang Datum Ausgang Uh, Min. 1021 5081 Uhr Min. Frankfurt a. M. 7 45 27. lO.Jjar 9 15 Berlin - . . 7 30 Mai i) 10 München . . . 7 15 Tt- 50 Stratzburg . . — — — — Stuttgart. . 7 — 9 06 Posen .... — — — Nürnberg. . . 7 — 8 59 Hamburg - . 8 — 9 40

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