Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 62 (1921)
- Issue
- Heft 21 (26.5.1921)
- Date
- 1921-05-26
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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Leite 2 Nr. 21 Der Israelit. 26. Mat 1921. ische Anträge der Ausschüsse Vorbehalten. Er könnte — und zwar vom Standpunkte oeS einheitlichen Bundes mit Recht - es ablehnen, einer Entscheidung des Ausschusses praktische Folge zu geben, wenn er findet, daß für eine gegenteilige Entschließung Gründe von solcher Gewichtigkeit sprechen, daß sie den religiösen Gesichtspunkten des orthodoxen Ausschusses vorangehen müssen. Halten Sie, meine Herren, sich folgendes vor Augen: ein wesentlicher Differenzpunkt Mischen dem orthodoxen Standpunkt einerseits und dem Standpunkt der Neologic bcz-v. des mit der Neologie meistens identischen oder verbündeten religiösen Jndifferentislnus andererseits ist doch gerade der: gebührt den religiösen Erfordernissen der absolute Vorrang vor anderen Erwägungen, oder ist dies nicht der Fall? 'Dies ist die Stellung der Ausschüsse dem Rat gegenüber. Handelt es sich aber mm um Dinge, die einen Buudesbeschluß erfordern (und das sind natürlich gerade die wichtigsten! , so tann von einer Selbständigkeit der Ausschüsse noch viel weniger die Rede sein. Tenn zu einem Bundesbeschltlß ist nach § 8 ein übereinstimmender Beschluß von Rat im" M'"^ütag sowohl erforderlich als auch ausrei-.-e^e: d oer Bundestag steht den Beschlüs'- - : getrennten Ausschüsse vollständig m - gegenüber! Selbst die beschriebene sog Rständigleit spricht die Verfassung ihnen nur gegenüber dem >Katc zu. Der Bundestag kann Maßnahmen, die vorr einem Ausschuß gewünscht werden, nach eigenem Ermessen billigen oder ab lehnen, und ebenso wenig liegt es in der Macht des ^Ausschusses, einen dein gesetzestreuen Standpunkt zuwiderlaufenden Bundcstagsbeschluß zu verhindern. Zwar hatte eine Hamburger Forderung Vorgelegen, daß über Anträge der getrennten Ausschüsse nur die derselben religiösen Richtung angehörenden Abgeordneten zu entscheiden hätten; stattgcgeben wurde dieser Forderung aber nicht: vielleicht konnte dies auch in Anbetracht des gesarnten Aufbau planes nicht geschehen, uub Flickwert wäre ja auch das gewesen., Weiter! Ausdrücklich wird/ wie vorhin izitiert, festgestellt, daß die Unabhängigkeit der Ausschüsse sich nicht auf die Vertretung nach außen erstreckt, eine, wie inan ebenfalls zugeben niuß, ans dem Aufbauplan des ganzen Bundes konseqnenterweise folgende Bestimnnlng. Es ist nicht ohne Interesse, daß in diesem Punkte —- wie gesagt konseqnenterweise ■' -- ein Zugeständnis zurückg'enommen worden ist. das der Urheber des Entwurfes früher der Orthodoxie in der ursprünglichen, beit Großgemeiuden zur Beratung gestellten Vorlage gemacht hatte. Auch in dieser Vorlage war zwar den "Ausschüssen keine selbständige Vertretung nach Vetrachtungea zum Sefirohgebot. Von Dr. A. Neuwirth in Halberstadt. Betrachtet man die Sefiroh, dieses Herbeizählen des OffenbarungS festes durch Israel näher, so fällt manches ans. Zunächst erwartete man, daß die Zählung sich nicht nach dem Omer, sondern nach dem Offenbarungsseste richten sollte. Ist doch das Offenbarungsfest das Ziel der Zählung. Tatsächlich wird das Offenbarungsfest bei der Zählung überhaupt nicht erwähnt. Auffallend ist auch, daß das Omeropfer nach Vorschrift der Thauro erst nach Einzug Israels in das Land dargebracht wurde, also ungefähr 40 Jahre nach der Offenbarung am Sinai; wie sollte nun das spätere Omeropfer einen Ausgangspunkt für die viel früher stattgesundene Offenbarung am Sinai bilden? Merkwürdig ist auch, daß bet der Sefiroh das Stehen besonders vorgeschrieben ist. Bet der Zählung der Erlaß- und Jubeljahre durch das höchste Gericht wird das Stehen nicht gefordert. Beim Omerzählen dagegen wird von allen Dezisoren das Stehen vorgeschriebe« und zwar ähnlich wie zum Zwecke des außen eiugeräumt gewesen, aber es war ihnen das Recht ausdrücklich verbürgt, sich an der Vertretung ihrer Angelegenheiten nach außen, also z. B. der Regierung gegenüber, durch einen Vertreter zu beteiligen, ivährend in der aus den Beratungen der Großgemeinden hcrvorgegangenen, denr Gemeindetage vorgelegten und von diesem angenommenen Entwurf die Sicherung dafür fehlt. Auf dieses Recht, ihre Angelegenheiten selbständig zu vertreten, kann und darf die Orthodoxie 'niemals verzichten. (.Schluß folgt.) Wochenmndschau. Aach dem Zaffaer Pogrom. Dte Berichte über die Entstehung der beklagenswerten arabischen Exzesse gegen die Juden in Jaffa und die daran sich anschließenden Ueberfälle auf jüdische Kolonieen gewähren noch immer keine volle Klarheit. Soviel aber scheint festzustehen, daß es sich um wohl organisierte politische Demonstrationen gehandelt hat, denen Blutvergießen und Plünderung Mittel zum Zweck war. Man will im Lager der arabischen Nationalisten der Welt und insbesondere der englischen Regierung zeigen, daß man sich mit der Mandatpolittk nicht abzufinden geneigt ist und rechnet bei dieser skrupellosen Taktik zum mindesten darauf, daß die Regierung sowohl wie die Juden etngeschüchtert werden und die jüdische'Einwanderung nack Palästina verlangsamt wird. Unter diesen Umständen wirkt es einigermaßen befremdend, daß die palästinensische Regierung die Einwanderung gänzlich gesperrt und damit den aufrührerischen arabischen Elementen recht eigentlich den größten Erfolg in die Hände gespielt hat, den sie erhoffen konnten. Zwar läßt die Regierung erklären, daß das Einwanderungsverbot nur ganz vorübergehender Natur sei, aber es ist schwer anzunehmen, daß sich Herbert Samuel über die psychologischen Wirkungen auch dieses zeitweiligen Verbotes auf Araber und Juden tm unklaren sein könnte. Samuel scheint demnach doch unter dem Eindruck zu stehen — was auch sein erster offizieller Bericht durchbltcken läßt —, daß neu eingewanderte radikale Elemente unter den Chaluzim irgendwie provokatorisch auf die Araber gewirkt hätten. Unsres Erachtens bedarf diese Frage einer sofortigen und schonungslosen Klärung. Mit dunkeln Andeutungen, die jedem und niemandem die Verantwortung zuschiebrn, ist Omeropsers das Getreide noch am Boden stehen mußte (vgl. nvipa nbrr nopa sipn btt.) Ferner ist auffallend, daß die Zählung von jedem Einzelnen vorgenommen werden muß. Bei der Zählung der Erlaß- und Jubeljahre hat nur das Beth-Din und nicht der Einzelne gezählt. Beim Omer, das doch ein Gemeindeopfer ist, würde man die Zählung ebenfalls nur von dem Beth-Din und nicht von dem Einzelnen erwarten. Und schließlich bedarf es der Erklärung, weshalb die Thauro das Omer und demzufolge auch die Zahlung für den zweiten Tag Pessach festgesetzt hat? Die Befreiung Israels war erst nach dem Durchzug durch das Meer vollendet. Man erwartete demnach, daß die .Sefiroh entweder am Schluß der Befreiung, also am achten Tage Peffach etnsetzte oder aber gleich zu Beginn des Festes, da die Befreiung begonnen hatte. Sehen wir doch, daß auch am ersten Tage vom Sukkohfeste zwei ihrem Wesen nach ganz verschiedene Vorschriften zur Ausführung kommen: Sukkoh und die Arba Minim. Diese zwei Gebote gleichen ihrer Motivierung nach den zwei Mizwoth am Peffach: Mazzo und Omer. Wie Magzo an den Auszug aus Aegypten erinnert, so auch dte Sukkoh. Ebenso wie die Arba Minim ein Dankeszeichen an Gott für den gewährten Segen der Feldfrüchte darstellen so auch der Omer (vgl. die Begründung der Arba Minim pxn raean rs aasaxa, ebenso die des Omer fTVJtp rat amatpi). Weshalb ist nun für den Omer keine ähnliche Zeit wie für die Arba Minim vorgesehen? Weshalb beginnt man erst am zweiten Pessachabend zu zählen? Um die gestellten Fragen zu beantworten, wollen wir zunächst den Grund für die Mazzovorschriften sestzustellen suchen. Gewöhnlich wird als Grund für die Mazzo die Tatsache angeführt, daß unsere Ahnen aus keiner Sette gedient. Den Arabern muß uvr jeden Preis klargemacht werden, daß in Erez Jisroel nach dem Willen der englischen Regierung zwar keinerlei jüdische 'Alleinherrschaft etabliert werden soll, daß die englische Regierung auch kein „jüdisches Palästina" — so jüdisch wie „England englisch" ist — zu schaffen beabsichtige, daß aber in dem arabisch-jüdischen Palästina nicht nur der jüdische Kapitalist, der arabischen Arbeitern Brot.giebt, sondern auch der friedliche jüdische Arbeiter selbst zu mindesten seines Lebens sicher sein muß, soll die Balsour-Erklärung nicht zur blutigen Ironie werden. Wenn gewisse zionistische Kreise, an ihrer Spitze Jabottnsky, die Ausschreitungen zum Anlaß nehmen, um die Bildung einer ausschließlich aus Juden bestehenden Militärmacht als offizielle Besatzung Palästinas zu fordern und zu diesem Zwecke England die finanzielle Unterstützung des „Keren Hajeßod" anbteten, so leisten sie damit unseres Erachtens — abgesehen von der Lächerlichkeit des letzteren Angebots — dem jüdischen Interesse einen ebenso schlechten Dienst wie es Zangwill mit seinem wahnsinnigen Plan der Expatriierung der Araber getan hat. Dte zionistischen und nationalistischen Kraftmeter vergessen nur gar zu gern, daß selbst ein Palästina mit rein jüdischer Bevölkerung und jüdischer Heeresmacht nur eine kleine „Insel in einem arabischen Ozean" wäre, die von den Wogen sehr rasch verschlungen werden müßte, sobald es auf dte Summe der äußeren Machtmittel ankommt. Die heute verantwortlichen Führer der zionistischen Partei verwerfen, schon mit Rücksicht auf die von ihnen zu respektierenden Grundsätze der asiatischen Politik Englands, jene gefährlichen Pläneaberes ist lein Zufall, daß sie aus einem Gedankenkreise heraus emporwachsen, der das jüdische Volk in allem und jedem in eine politische Nation zu wandeln als sein höchstes Ideal betrachtet. Me Derständigungsverhandlungen in polen. Die Berständtgungsverhandlungen, die seit Monaten in Warschau zwischen Juden und Polen geführt wurden, sind plötzlich. abgebrochen worden, und zwar von zionistischer Sette. In einem offiziellen Kommunique der zionistischen Organisation in Polen wird eine ' Reihe von Gründen angeführt, die zum Abbruch der Verhandlungen geführt hatten. Wir wollen diese Gründe nicht näher prüfen und die Angeklagten auf der anderen Sette nicht im mindesten verteidigen. Wir kennen die Stimmung in Polen Aegypten urplötzlich erlöst worden sind und selbst zur Säuerung ihres Teiges keine Zeit mehr hatten. b$ V1 p'ECn BW. Wenn dies aber allein der Grund für die Mazzo wäre, wozu braucht man sieben Tage zur E innerung dieses Ereignisses? Es genügte doch ein einziger Tag? ivgl. r6apm anan zu Dent. 16, 8 ainno nms* naro nb*:s nw3tvr m’ar). Tatsächlich find für die Mazzo sieben Tage vorgeschrieben und nach s";n (zitiert von aror? nfaapm zu Deut. 16, 8), ist das Essen von Mazzo nicht nur am ersten bezw. zweiten Abend ein matö, sondern in den ganzen sieben Tagen ist das Mazzoessen ein Gebot, ähnlich wie dies bei der Mtzwo von Sukkoh der Fall ist. Wie die a'fcnaa aus dem Zusammenhang der Worte in Parschath xa und n*?ir»a entnehmen, war maa die erste Lagerstätte Israels, wohin die nach allen Teilen zersprengen Sklaven sich sammelten (vgl. Ex. 12, 37, wo dte Thauro den Bericht Über den Zug bis Sukkoh unterbricht, um Verschiedenes über den Auszug zu berichten und dann in Parschath n^a den Weiterzug von roa zu schildern). Nach N. Akiba hängr auch unser Sukkohfest mit diesem ersten Lagern zusammen (vgl. Mechilta zu Ex 12, 37). Wenn man bedenkt, daß Israel selbst an dieser Lagerstätte, wo es Zeit zum Vorbereiten hattö, nach dem Bericht der Thauro und wie die Mechilta z. St. und die Mechilta '"arr>-n (edit. Hoffmann) des Näheren erklären, sich nur mit einer ayia "Qi Kleinigkeit versehen hatte, so begreift man die Bedeutung des 16. Nissan, des Tages, da Israel zuerst lagerte. Nebst dem Mazzoeffen sollte der 16. Niffan durch eine besondere msa das würdige Verhalten Israels für alle Zeiten vergegenwärtigen. Und dies geschah durch das Omerbringen für Gott. Das Omeropfer sollte nämlich für alle Zeiten zwei Momente vergegen-