Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 62 (1921)
- Issue
- Heft 21 (26.5.1921)
- Date
- 1921-05-26
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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i Ein Centraloraan IBr Jas orthodoxe Judentum , \MpJJJ waggg gegründet oon Dr. Leftmann in lüainz tsfcga Vranhfnrt « YY7 3«« 26. Mai 1921 985 M 21 ' u. m., UCH 18 ^.ar 5681 Abonnement Pro Vierteljahr: Deutschland bei den Postämtern sowie bei direkt. Bestellung u. Rechnungserteil. durchd. Verlag M. 7.20 Viertels, f. Lehrer u. Kultusbeamte ln. direkt) M. 3.60vierteljährlich, Deutsch-Oesterreich Kr. 50.— vierteljährlich: Tschecho-Slowakei Kr. 18.— Ungarn Kr. 50.—vierteljährlich, Polen (nur in deutscher Reichsmk.) Mk. 10 vierteljährl., Rnmänien 10 Lei, Holland fl. 1, Skandiuav. Kr.2, Schweiz ss. 1.50, Frankreichu.BelgienFr.2.50, England 1 8k. 6 p., Qtmertta 0.50 Doll, vierteljährl. Einzelnummer 60 Pfg. Durch den Buchhandel wie beim Verlag. , Der Jsralit erscheint jeden Donnerstag Inserate: Mk.2.— für die sechsgespaltene Colonel-Zeite einfchl. Teuerungsznschl.; Anstand-Jns.Mk.4.—pro Zeile Rab. nach Tarif. Bei laufenden Jnseratanftr tarifm. Preiserhöhung jeder,;, vorbeh. Jnseratenannahme durch den Verlag des Israelit G. m. b. H., Frankfurta M., Gr.Efchenheimerstr.23Tel.5843, AmtHansa, sowie sämtl. Annoncen-Exped. des In- und Auslands. Platzvorschriften ohne Verbindlichkeit. l Z ah langen außer direkt an den Verlag — Postscheckkonto Frankfurt a. vir. No. 19802 — erfolgen an: Postsparkasse Wien No. 79 695 PostsparkasseMlmt Budapest No. 18 434 Postscheckamt Zürich Nr. VIII 7354 Postscheckamt Amsterdam No. 34 869 Böhmische Nnionbank in Prag Banca Mavmarosch Blank & Co. in Bocavesi Filiale des Wiener Bankvereins in Agram. Der NaMöruck 9er flrfihel und Correfponäenjen öes „Israelit" ifi nur unter genauer Quellenangabe, un9, soweit es sicti um größere nuffäfce handelt, nur nach vorheriger Genehmigung gestattet. 1. Leitartikel: Der neue Gemeindebund und die Orthodoxie. — 2. Homiletik: Dr. A. Neuwtrth: Betrachtungen zum Sefirohgebot. — 3. Kleines Feuilleton: (U. 2t. w. g.) - (Philipp Sassoon.) - 4. Wochenrundschau: Nach demJafsaer Pogrom. — Die Berständigungsveryandlungen in Polen. — 5. Aufsätze: Vladimir Temkin: Die Flucht aus der Ukraine. — Juden, Christen und Deutsche. — 6. Korrespondenzen undNachrichten: Frankfurt a. M., (Herr Prof. Dr. Elbogen berichtigt. — Berlin, (Warnung an Emigranten). — Hamburg, (Die Deutsch-Israelitische Gemeinde und der neue D. I. G. B.) — Stuttgart, (Israelitische Landeskirchenversammlung Württembergs). — Budapest, (Das Hochverrats- Verfahren gegen Oberrabbiner Dr. Löw eingestellt). Warschau, (Aus dem volnischen Landtag). — London, (Die Juden sind schuld . . .) — London, (Llohd George und die Antisemiten). — London, (Emigrationskonferenz). — Jerusalem, (Pessach in Jerusalem). — Frankfurt a.M., (Die Schreckenstage in Erez Jisroel). — Washington, (Emigrarionsfragen). — 7. Personalien. — 8. Vermischtes. — 8. Frankfurter Berichte. — Gebetzeiten.— 9. Feuilleton Beilage: Von Cordova nach Chasarien. — Eine Schreckensfahrt durch die Ukraine. 10. Kinderecke: Heinrich Einstädter: Eine Mark. — Ser neue Gnuem-evund und die Orthodoxie. V*). ytefymen wir z. B. nur die eine Frage der jüdischen Schulen. Die liberalen Juden haben fast im ganzen deutschen Reiche die Errichtung! besonderer jüdischer Schulen bekämpft, sogar oas Aussterben der jüdischen Elementarschulen vielfach begünstigt. Die Orthodoxen betrachten es als eine Lebensaufgabe für sich, sogar besondere höhere jüdische Schulen zu fördern und zu errichten. Das ist ein Beispiel von vielen. Bei liberalen Juden heißt es eben: An passen von Lehre und Leben an den Zeitgeist (siehe „Richtlinien"), bei den Orthodoxen: unbeschränkte Auto rität d es Go ttes g es etzes vor allem, Versenken in die Ueberlieserung, um ihren Geist in sich anfzunehmen und sie zu verwirklichen. Freilich sind wir und fühlen uns alle als Söhne eitles Vaters, aber wir müssen die Tinge sehen so, wie sie sind, nicht wie wir sie haben möchten. Wenn wir nach einew Beispiel suchen, tvie unter Wahrung einer gewissen Einheit die verschieden gearteten Söhne sich selbständig ans- *) Siehe Mitteilung aus Hamburg im Nachrichtenteil dieser Nummer. Hirsch-Pentateuch. wir sing in der Lage den Abonnenten des „Israelit" bis auf weiteres noch einen kleinen Vorrat von Hirsch, Pentateuch 6. Auflage;um Vorzugspreise von Mk 48.— (statt Mk. 91.20) für das brosch. Mk. 75.— (statt Mk. 127.70) für ba§ gebd. Lxemplar zur Verfügung zu Vellen. Porto uns Verpackung betragen Mk. 8.— ttir 9as Exemplar, man wolle Salier mit Ser veltellurig einsenSen: Mk- 54 — für Sas broschierte Mk. 81.— für Sas gebunöene Exemplar auf Povsckeckkonto 19802. Verlag des „Israelit", G-m. b. S.,Frankfurts. M. zuleben imstande fein sollen, so brauchen wir nicht in die Ferne zu schweifen, sondern nur unsere Hamburger Kehilloh zu betrachten. Wie hat man in unserer Hamburger Kehilloh die scheinbar gegensätzlichen Gedanken — Einheit und Selbständigkeit — zu verwirklichen gesucht? Ich brauche Ihnen die hiesigen Einrichtungen nicht zn beschreiben. Sie wissen es alle, daß das eigentliche religiöse Leben hier nicht Sache der '"Deutsch-Israelitischen Gemeinde ist, welche bestimmt ist, alle Juden zu umfassen, sondern daß die Pflege der religiösen Angelegenheiten, der sogen. Kultus, den Verbänden überlassen ist. daß es der Gemeinde nicht einfallen wird und' nicht einfallen darf, sich, sei es in die religiösen Tätigkeitsbereiche des Synagogen - Verbandes selbst, sei es auch nur in seine Berwaltnngs- und Finanzangelegenheiten zu mischen. Es wäre absurd, zu glauben, daß es jemals dem Tempelverbande einfalten würde, in die Angelegenheiten des Synagogenverbandes hineinzureden. Wir können hier daher miteinander leben und auskommen, ohne uns in unseren Gesinnungen gegenseitig zu stören, ohne uns in unseren Bestrebungen gegenseitig zu hindern, und uns auf neutralem Gebiete sogar die Hand reichen. Fragen wir uns daher, ist der allgemeine Gemeindebund in seinem | Aufbau etwa mit unserer Hamburger Gemeinde in der Beziehung zu vergleichen, daß er wenigstens auf eine ähnliche Weise wie die Hamburger I Gemeindevcrfassung unabhängige und freie Betätigung der Orthodoxie verbürgt oder auch nur ermöglicht? Nein, meine Herren! Die Verfassung des allgemeinen Gemeindebundes steht in dieser Beziehung zu den Hamburger Gemeindeverhältnissen im schroffsten Gegensatz. Die Verfassung des allgemeinen Gemeindebunües kennt als Organe, deren Beschlüsse den Buna verpflichten, nur zwei, den Bundestag und den Rat. Zn einen: Bundcsbeschlüß ist ein übereinstimmender Beschluß dieser beiden Körperschaften erforderlich. Als ausfiihrende Organe kennt sie auch nur ätvei, iveini man mitt, nur eins, nämlich den Rat und den engeren Rat. Diese Organe werden orthodoxe und liberale Mitglieder. haben, wenn auch natürlich in sehr großer lieberzahl liberale. Ein selbständiges Votum der Orthodoxen, sei es bei der Beschlußfassung, sei es bei der Ausführung, existiert aber nicht, paßt auch, wie man zugeben muß, in den ganzen Aufbau garnicht hinein. Man hat viel Aufhebens gemacht von den sogenannten getrennten Ausschüssen, welche für Kultus und Unterricht für die orthodoxe Richtung auf Wunsch selbständig ein* gerichtet werden müssen. Sehr mit Unrecht! Auch dann mit Unrecht, wenn diese Ausschüsse nach der Verfassung, wie von ihnen behauptet tvvrden ist. wirklich „selbständig" wären; aber sie sind gar nicht einmal selbständig! Es ist verwunderlich, — oder soll ich sagen erklärlich — daß man über den entscheidenden Satz in der authentischen Begründung, die der Urheber des Entwurfes ihm beigegeben hat, immer wieder hinweggegangen ist! In dieser Begründung, welche in Nummer 93 der Mitteilungen des D. I. G. B. zusammen mit den: Verfassungsentwurf veröffentlicht ist, heißt cs ans Seite 38: „Die Unabhängigkeit der Ausschüsse gegenüber dem Rat beschränkt sich auf die materielle religiöse Entscheidung. Sie erstreckt sich nicht ans andere Fragen, beispielsweise etwa erforderlich werdende finanzielle Bewilligungen oder die Vertretung nach außen." Mit anderen Worten: Selbständig dürfen diese Ausschüsse entscheiden, was vom orthodoxen Standpunkte aus notwendig, Vielleicht auch, was vom orthodoxen Standpunkte verboten ist; und damit ist ihre Selbständigkeit erschöpft! Dem Rat Meibt die Entscheidung über etwaige pirak-