Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 62 (1921)
- Issue
- Heft 20 (19.5.1921)
- Date
- 1921-05-19
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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19. Mat 1931. Der Israelit. Nr. 20. Sette 3 Remo ist uns auf den Kopf gefallen, der Erfolg hat uns verwirrt." Wir registrieren dieses freimütige Geständnis Ltchtheims zur näheren Beleuchtung des Folgenden. Die Z. O., sagt L., ist nicht eine jüdische Bewegung, sondern die jüdische Bewegung. Jede praktische Mitarbeit sämtlicher Juden ist zwar zu begrüßen, aber es ist ein schwerer Fehler, wenn wir nun unsere Organisation auf die Psychologie dieser Leute einstellten. Oder wie es später Prof. Loewe, der persönlich in Palästina eine Mit der „historischen Entwicklung in Uebereinstimmung stehende jüdische Kultur" wünscht, formuliert hat, „wir müssen die zionistische Partei verwandeln in das jüdische Volk, aber ohne Aufgabe unserer Prinzipien, denn je mehr wir den Ntchtzionisten entgegenkommen, umso Wetter ziehen sie sich zurück." Nun ist es ja das gute Recht der Zionisten, und es kann ihnen schließlich nicht verargt werden, wenn sie ihre Organisation und ihre Partei als die Zentrale betrachten, von der aus die Geschicke des jüdischen Volkes geleitet werden sollen. Ein nicht minder gutes Recht ist es aber und es kann füglich von den Zionisten ebenfalls nicht verdacht werden, wenn die Agudas Jisroel diesen Anspruch der Z. O. bestreitet, ja bekämpft. Ganz abgesehen von dem prinzipiellen Gegensatz, der zwischen uns und dem Zionismus über das Wesen des Judentums herrscht, der aber einer Annäherung und Verständigung auf rein wirtschaftlichem Gebiete nicht im Wege stünde, haben wir noch Gründe genug für unseren Standpunkt. Wir würdigen voll und ganz die Schwierigkeiten, mit denen die Z. O. bei der Wtederaufhauarbett zu rechnen hat, wir machen uns auch nicht den Vorwurf einzelner. WMsionsMtter in seiner Unbedtngthett zu ''eigen', M ß M Mt San Rems weder ein Kolonieschema, noch' einen einheitlichen Wiederausbauplün, noch die notwendigsten Kreditinstitute geschaffen habe. Kritisieren ist gerade hier leichter als besser machen, wenn auch der Vorwurf von Trietsch, daß in den letzten Jahren überhaupt kein einheitlicher Kolonieplan zu stände gekommen sei, gewiß seine Berechtigung hat. Wir sind eben der Ueberzeugung, daß dieses Riesenwerk des Wiederaufbaus Palästinas überhaupt nicht von der Z. O. allein geschaffen werden kann. Was wir jedoch der Z. O. vorwerfen und was wir noch nachträglich verurteilen, ist die Art und Weise der Agitation und Propaganda bis San Remo. Während heute in den zionistischen Zeitungen und Versammlungen dauernd auf die Schwierigkeiten der Immigration und Kolonisation hin gewiesen wird, war davon früher kaum die Rede. Man wiegte die Massen in einen Taumel von Begeisterung und holte sich dadurch billige Sympathien, ohne sich und den anderen über die Schwierigkeiten der zu lösenden Aufgabe Rechenschaft zu geben. Und als sich durch die politische Entwicklung, die doch im Wesentlichen außerjüdischen Faktoren zuzuschreiben war, was vielleicht ein Entschuldigungsgrund für den Zionismus sein kann, dieser einen großen Teil seiner Wünsche in Erfüllung gehen sah und es dann galt, die den Massen gemachten Verheißungen zu erfüllen, da war man von der Entwicklung überrascht worden, da fiel San Remo der Leitung und nicht der Partei, wie ein Redner meinte, auf den Kopf.. Dieses Geständnis machte ein Mann, der heute' die höchste Stelle in der Z. O. einnimmt, und dessen politisches und staatsmännisches Genie von Lichtheim und den einzelnen Diskussionsrednern in allen Tonarten gepriesen wurde. Und doch gab es vor San Remo im Frühjahr 1920 einen 2. November 1917, an welchem Tage die Balfourdeklaration erlassen worden war. Und diese Erkenntnis von der Unzulänglichkeit der zionistischen Partei für die Bewältigung twr Aufgaben bezüglich Wiederuufbau Palästinas führten schließlich zu der amerikanischen Auffassung des Zionismus, zur Bildung der Fraktion Binjan Hoorez und schließlich auf dem D. T. zu der so ausgiebigen Auseinandersetzung über die Verständigung mtt den Nichtzionisten. Zwei Anschauungen hierüber standen sich gegenüber. Der Exponent der einen war Blumenfeld, der der andern Margulies. Blumenfeld betonte den radikalnationalen Standpunkt in seiner ganzen Schärfe/ Der Zionismus, darf bei der Bundespolitik, wie er es nennt, .nichts von seinem Wesen, oder dem radikalen.! Nationalismus preisgeben. Stark muß die -Z, O.. sein,. dann , würden die Ntchtzionisten schon sich mit ihr versöhnen. Wenn wirklich die Gelder der Gesamtjudenheit für den Wiederaufbau Palästinas verwendet werden können, dann müssen die Menschen durch die Z. O. hindurch. Das sind zwar alles recht schöne Worte, die die Zuhörer begeistern, aber wir glauben, daß diese Forderung die Nichtzionisten bestimmt nicht veranlassen werde, der Z. O. beizutreten oder ihr nur die Mittel für den Wiederaufbau zur Verfügung zu stellen. Ist es aber die Aufgabe des Zionismus, fragt Margulies, das Judentum zu zerschlagen oder es in eine neue Gemeinschaft htnetnzuztehen? Der Nationalismus müsse als eine Selbstverständlichkeit betrachtet werden, von der man nicht immer rede. Palästina könne nicht die Angelegenheit eines Teils der in Heiligkeit und Reinheit abgeschlossenem Ganzen runden, damit dann das Leben seine Krönung finde vor Ihm, dessen Gnade auch die Hülle der Zeitlichkeit abstreifen läßt und dem Erdenktnde den Weg zur Ewigkeit bahnt. (Die älteste Taschenuhr). Eine vor etlichen Jahren bei den Ausgrabungen in Gezer gefundenen Elfenbeinschnitzerei war von ihrem englischen Entdecker Macclister als ein Pectoral, d. h. eine Verzierung des Brustharnisches gedeutet worden. Wie aber jetzt G. Möller in der „Zeitschrift für ägyptische Sprache und Altertumskunde" auf Grund der Abbildung des Gegenstandes darlegt, handelt es sich vielmehr um eine Reisesonnenuhr und zwar um die älteste, bisher nachweisbare. War diese Art von Sonnenuhren bisher frühestens aus ptolemäischer Zeit belegt, so reicht der in Gezer gefundene, nur 6 Zentimeter breite Zeitmesser sicher in die Zeit des Königs Meneptah, um 1250 vor der üblichen Zeitrechnung zurück. (Eine Häuslichkeit aus der Pharaouerizeit). Neue und interessante Einblicke in das häusliche Leben der aiten Aegypter gestattet die Entdeckung, die eine amerikanische archäologische Expedition in dem Grab des vornehmen ägyptischen Großen Mehanv etre gemacht hat. Man fand in seiner aus den Felsen gehauenen, abgelegenen Grabkammer eine Reihe interessanter Gegenstände, die es möglich machen, das häusliche Leben des vor Jahrtausenden verstorbenen Großen zu rekonstruieren. In der Gestalt kleiner, bemalter Holzfiguren werden uns die einzelnen Mitglieder des Haushalts vorgeführt. Man sieht beispielsweise den Hausherrn und seine Familienangehörigen damit beschäftigt, eine Herde zu zählen. In einem winzigen Backofen backen Frauen kleine Kuchen, während nebenan in der Küche Männer damit beschäftigt sind, Fleischstücke zu zerlegen. Man sieht weiterhin die Werkstatt eines Ztmmermanns, einen Kornboden mtt Sklaven, die beschäftigt sind, Getre/de abzumessenan einer ande.en Stelle handhaben Spinner und Weber Schiffchen und Spule und ziehen dünne Flachsfäden durch ihre Finger. Mehanvetre war, wie die zahlreichen Modelle von Schiffen zeigen, augenscheinlich ein großer Freund des Wassersports. Die Mastbäume der Schiffe zeigen noch die volle Takelung, die Ruderbänke die Ruder, andere Boote Netze und Geräte zum Fischfang. In der im kleinen Maßstab modellierten Kabine scheint ein Sklave Kissen und Decken zu ordnen, unter denen man zwei kleine, in Form von Felleisen gehaltene lederne Koffer erblickt. Londoner und New Yorker Museen teilen sich heute in diese wunderbaren Dinge, die durch viertausend Jahre hindurch unversehrt geblieben sind. Im Jüdischen Theater im Löwenhos wird am Mittwoch und Donner sing abend „Bar Kochba" gespielt. „Bar Kochba" ist eines der ältesten jüdischen Bühnenstücke aus der Feder des Schöpfers des jüdischen Theaters Goldfaden und behandelt den letzten ..Heldenkampf der jüdischen Nation um Heimat und Freiheit in.den Zeilen RabbiAkibas, dessen Andenken uns an diesem Grenztage in der Zeit des Omerzählens besonders lebendig vor die Seele tritt. Judenheit sein. Wenn es nicht gelänge, Palästina zur Angelegenheit des gesamten Judentums zu machen, dann wäre überhaupt kein Erfolg zu erwarten. Er frage, ob man auf zionistischer Seite überhaupt eine Verständigung wolle oder nicht, ihm scheine das letztere der Fall zu sein. Und Dr. Dan zig er, der Sprecher für die Btnjam Hoorez-Fraktion, betont die unangenehme Tatsache, daß das jüdische Volk nicht im zionistischen Lager sei! Und, fügen wir hinzu, trotzdem der Anspruch der zionistischen Partei, die alleinige Vertreterin des jüdischen Volkes, nicht eine, sondern die jüdische Bewegung zu sein! Blumenfelds Standpunkt ist zionistischer im Parteisinne, jüdischer dagegen ist zweifellos der Margulies und seiner Anhänger. Wenn es dem offiziellen Zionismus, der allerdings nicht in Deutschland, sondern in London seinen Sitz hat, wirklich ernst wäre mit seinem Wunsche, daß sich alle Kreise des jüdischen Volkes in den Dienst des Ausbau- Werkes stellten, dann müßte er die Wiener Beschlüsse der „Agudas Jisroel" mit Befriedigung begrüßen, statt sie auf Grund gefälschter Berichte in seiner Presse herunterreißen zu lassen. Es scheint aber, der Zionismus möchte lieber sich mit den liberalen Nichtzionisten verständigen, denn diese geben bestenfalls ihr Geld her, ohne sich einen bestimmenden Einfluß in PalästtNN zu sichern, während die Orthodoxie aus Grund ihrer überragenden Stellung in der jüdischen Gesamtheit den ihr gebührenden Einfluß in Palästina zu erringen wissen wird, mit oder ohne Zustimmung des Zionismus. , .^..Mr kommen zum.SchlH. Dicht das jüdische Volk allein steht vor einem Mstdepüükt, sonderst auch der Zionismus.Jetztmußes sich zeigen,ob derZtontsmus aus Liebe und zum Wähle des jüdischen Volkes die Plattform Herstellen wird, die es weitesten Kreise ermöglicht, in wichtigen praktischen Fragen zur Erreichung desselben Zieles ein großes Stück Weges gemeinsam zu gehen. Die Orthodoxie hat ihre Bereitwilligkeit dazu gezeigt, am Zionismus ist es jetzt, das Weitere zu veranlassen. Die Sabbatruhe in Zenisalem. Wir hatten vor einiger Zeit anläßlich einer größeren Auseinandersetzung über die Vorgänge bei der Gründung des Jerusalemer Oberrabbinates nebenher bemerkt, daß der gegenwärtige jüdische Justizsekretär von Erez Jsroel, Herr Normann Beut wich erst durch den Oberkommissar Herbert Samuel dazu veranlatzt worden sei, seine Büros am Sabbat zu schließen. Wir empfangen darauf von Herrn Bentwich folgendes Schreiben: GOVERNEMENT OF PALESTINE LEGAL SECRETARY’S OFFICE. Jerusalem, Avril löth, 1921. The Editor „Der Israelit" My attention has been drawn to a Statement appearing in your issue of March 17th to the effect that the High Commissioner compelled me to shut my office on the Sabbath. The Statement has no foundation and I must ask you to correct it. The Legal Department of the Governement of Palestine like all other Departments is open every day of the weekand the officials have their relig'ions day of rest. Both under the Military Administration, and under the Civil Government, Jewish officials in my Department have ahvays had their day of rest on the Sabbath, and the coming of the High Commissioner made no diiference. Bentwich. U e b e r i e it u n i}: Die tue Aufmerksamkeit ist aus eine in Ihrer Ausgabe vor» 17. Marz enthaltenen Bemerkung gelenkt morden, wonach der OberLommissar mich gezwungen habe, mein Bureau am Sabbath zu schließen. Tiefe Angabe ist unbegründet und ich nmß bitten, sie zu berichtigen. Tie Justizabteilnng der palästineusiichen Regierung ist, wie alle anderen Abteilungen an