Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 62 (1921)
- Issue
- Heft 20 (19.5.1921)
- Date
- 1921-05-19
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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Seite 2 Nr. 20 Der Israelit. 19. Mai 1981. Schwierigkeiten der Flucht und der tausend Gefahren hüben und drüben die bald nicht mehr aufnahmsfähigen Gebiete überfluten werden. Zehntausend jüdische Waisenkinder leben in dem zu Polen gehörigen Wolhynien. Unter ihnen Hunderte, die sich erst vor kurzem herübergerettet haben. Eine kleine Zahl nur ist mit Hilfe der amerikanischen Judenheit in Waisenhäusern untergebracht, ein kleiner Bruchteil befindet sich in Privatpflege. Tie große Masse der anderen harrt, von Hunger und Verwahrlosung bedroht, der Hilfe der jüdischen Welt. Wohl haben die kanadischen und argentinischen Juden sich bereit erklärt, vorläufig, einige hundert Waisenkinder zu adoptieren, aber nur die vereinte Hilfe der Juden aller Länder kann das Los dieser verlorenen Generation lindern. In Kanada beteiligen sich auch Christen an der Rettungsaktion und ein edler christlicher Greis, Mister Farrer, nimmt an der europäischen Mission teil und ist infolge der Strapazen der Reise im Osten schwer erkrankt. Die Juden der ganzen Welt dürfen hinter dem beispielgebenden Wirken dieses nichtjüdischen Kanadiers nicht Zurückbleiben. Auch die Juden in jenen Gebieten, welche von Flüchtlingen erfüllt sind, leisten Menschenmöglichstes, trotzdem das Wirtschaftsleben dort noch an den Wunden der letzten Schreckensjahre krankt und trotzdem ihr Geld einen noch geringeren Wert hat als das unsere. Sind sie doch ein Teil jener ukrainischen Juden, welche, als die russischen Armeen Galizien und die Bukowina besetzt hatten, ein großzügiges Htlfswerk für die notleidende Judenschaft im Feindesland eingerichtet und in zartfühlender Weise zur Rettung von Zehntausenden beigetragen haben. Das amerikanische Htlfswerk, welches in der ganzen Welt so viel Judenleid zu lindern hat, unterstützt auch diesmal die Flüchtlinge, stdoch ist es außerstande, allen Bedürfnissen gerecht zu werden. Die amerikanische Judenheit fordert auch mit Recht, daß sichauch die Juden anderer Länder ihrer Pflicht bewußt werden. Jetzt heißt es von überall her zu Hilfe eilen. In Oesterreich hat sich ein Hilfskomitee für die ukrainisch-jüdischen Pogromopfer (per Adresse Israelitische Kültusgemeinde, 1. Bez.,Seiten stettergaffe 2, 2. Stock) gebildet. Es will folgende Zwecke erfüllen: 1. Sammlung von Geldmitteln und Bekleidungsstücken aller Art (bezw. unverarbeiteten Stoffen). 2. Gründung von Emigrantenheimen in den Randgebieten. Sefiro-Vetrachtlingen. Von Rabbiner Dr. M. Lewin in Hamburg. III. Das bedeutsame Kapitel, das außer in der Sidra noch an drei Festtagen zur Verlesung kommt, enthält gleichsam als Austakt zur Festtagsmelodie, die hier erklingt, den feierlich ernsten Sabbatton. Nachdem hier bereits mit den Worten: „Dies sind meine Feste", die Aufzählung der Feste vorbereitet ist, wird die Gedankenfolge unterbrochen und nachdrucksvoll eingeschärft: '121 .12X22 mnm d'ö* new, Sechs Tage soll Werk geschaffen werden . . . „er ist Sabbat dem Herrn geweiht und von Jhnr bestimmt in allen euern Wohnungen . . .". Offenbar soll uns damit zunächst zu Bewußtsein kommen, daß der allwöchentlich wiederkehrende Sabbat der Höhepunkt in der Weihe der Zeiten ist und als die Krone aller Feste zu gelten hat. Er ist das erste Fest, das so alt wie die Schöpfung selbst, ihr die Vollendung und den Stempel ihrer Gottgehörigkett gebracht hat. Er ist aber auch der von Gott bestimmte, ewig feststehende, von Ihm für die 3. Errichtung von Werkstätten zur Beschäftigung arbeitsfähiger Elemente bis zum Zeitpunkt ihrer Weiterreise und Beihilfe zu ihrer Weiterbeförderung in aufnahmsfähige, insbesondere überseeische Länder. 4. Intensivste Mitwirkung an der Adoption von Pogromwatsen durch Familien, welche jüdische Vollwaisen an Kindes Statt aufnehmen wollen. Wenn auch die Nerven durch die Ereignisse der Kriegs- und Nachkriegsjahre abgestumpft sind: dieses furchtbare Unglück muß alle ausnahmslos hilfsbereit finden. Wer noch Kinder und Angehörige hat, die er liebt, wer nur einen Augenblick daran denkt, daß ihm und s einen Lieben dieses Martyrium erspart geblieben ist, wird nach Kräften und weit über setneKräfte für diesenZweck spenden. Der wird nicht wollen, daß jene Märtyrer um ihre letzte Hoffnung betrogen werden, daß die Judenschäft sich der Witwen und Waisen annehmen werde. Wir wollen rasch und mit größter Energie unsere Beihilfe zu dem großen allgemeinen Hilfswerk leisten und sind überzeugt, daß die Beiträge, welche wir im armen Oesterreich aufbrtngen, von großer moralischer Rückwirkung auf die Judenheit der reicheren Ländern sein werden. Gedenket des unsäglich qualvollen Loses der ukrainischen Stammes- und Glaubensgenossen, und dieser Aufruf wird nicht vergebens erlassen worden sein.- Dem Aufrufe schließen sich an hundert der besten Namen aus allen Gesellschaftsschichten der österreichischen Judenheit an. Hoffentlich findet der Appell auch in Deutschland kräftigen Widerhall und spornt zur Nachahmung an. Wir verweisen bet dieser Gelegenheit nochmals auf die aus warmjüdischen Herzen kommende Anregung zur Versorgung der 600000 jüdischenWaisenkindern aus derUkraine in der jüngsten Nunimer unseres Blattes. Spenden nehmen alle Instanzen der „A g u d a s I i s r o e!" (Deutschland Postscheckkonto Frankfurt 6712) entgegen. Wochenmndschau. Der Delegiertentag der zioniflischen Vereinigung für Deutschland. Man schreibt uns: Es kann nicht die Aufgabe eines nichtzionistischen Blattes sein, einen ausführlichen Ewigkeit der Zeiten geheiligte Tag. der da kommt immer in gleichen Abständen als Aufforderung zur Huldigung des Schöpfers und Meisters der Wellen. Er ist eben anders wie die Feste, die wohl von Gott geboten sind zur ewigen Belegung der ihre Einsetzung bedingenden Geschehnisse und zur Gewinnung Israels für des Sabbats heiligende Ziele, die aber doch als isnp ’iOpD, als „Verkündigungen zum Heiligtum" auch an die Heiligkeitserklärung des Monatsanfanges durch Israel oder richtiger durch seine Vertreter geknüpft sind. Die Feste, die uns auch das Wirken des Herrn in der Natur veranschaulichen wollen, werden gerade dadurch, daß ihre Feier immer von neuem mit der Festsetzung des Monatsbeginns verkündet wird, über bloße Naturfeste herausgehoben. Sie sind ein Produkt der göttlichen Liebe und der Zuneigung Israels, das mit jedem der Feste immer von neuem sich dem Herrn weiht und ihm zurust ntra “pnx „Ziehe mich dir nach, wir wollen eilen". Die unser ganzes Leben beherrschende Weihe des Sabbats wird uns in schöner Weise von den Lehrern des Midrasch dargetan. Die Thora fordert D'O' ns>2» ivn nnn: „Das Tterjunge sei sieben Tage unter seiner Mutter" und dann erst darf es geopfert werden. Warum wird gerade eine Wartezeit von sieben Tagen gefordert? Da antwortet der Midrasch in der Bildersprache einks Gleichnisses. Ein Fürst kommt in eine Provinz und erläßt den Befehl: niemand erscheine vor mir, der nicht zuerst meine Krone geschaut hat. So verlangt auch der Herr, daß erst sieben Tage, unter denen doch sicher einer Sabbat ist, über das zu opfernde Tier dahingegangen sein müffen . . . Sollen die Opfer die rechten Gefühle und Empfindungen auslösen, sollen sie in der Tat werden }2*ip, das ist das Mittel zur Gottesweihe, dann muß der Sabbatgedanke Bericht über den vom 13.—16. Mai abgehaltenen ' Delegtertentag der zionistischen Vereinigung für Deutschlandzu geben, das ist Sache der zionistischen Presse,' es kann sich vielmehr nur darum handeln, einige wichtige Punkte aus den Verhandlungen herauszugretfen und daran unsere Bemerkungen zu knüpfen. Ein ander Mal soll über die Palästinareferate Näheres gesagt werden. Im Mittelpunkt des 1. und 2. Sttzungstages standen die Referate des Mitglieds der prov. Exekutive Licht heim über „Die allgemeine Lage der zionistischen Bewegung" und des Vorsitzenden der Z. V. f. D. Rosenblüth über „Zionistische Arbeit in Deutschland". Drei Punkte sind es vor allem, die immer wieder Gegenstand der zahlreichen, vielleicht zu zahlreichen Reden waren, nämlich Auseinandersetzung mit der sog. amerikanischen Auffassung des Zionismus und mit Julius Simon, die innere Krisis im deutschen Zionismus und die Frage einer Verständigung mit den Nichtziouisten. Oberflächlich betrachtet scheinen die beiden ersten Punkte mehr interner Natur zu sein, die eine nichtzionisttsche Orffentlichkeit weniger interessieren, doch dem ist nicht .so, sind sie doch sicher der eigentliche Anstoß dazu gewesen, überhaupt einer Verständigung mit den Nichtzioniften näher zu treten. Es sei hier gleich bemerkt, daß unter den Nichtzioniften keineswegs vor allem die Orthodoxie verstanden wird, daß mit Ausnahme eines Mtsrachtredners Katzen st ein, der die Verständigung mit dem orthodoxen Weltjudentum wünscht, kein Redner, auch vom Misrachi nicht, in diesem Zusammenhang die Orthodoxie erwähnte. Immer handelte es sich im Referate Rosenblüths und in der allgemeinen Debatte um die Gewinnung der im Zentralverein organisierten Juden. . Wenn wir uns fragen, wie es komme, daß gerade jetzt, wo der Zionismus glaubt, einen großen Teil seiner politischen Wünsche erfüllt zu sehen, dieser Zwiespalt über Zionismus und zionistische Arbeit entstehen konnte, so dürfte die Antwort darauf sein, weil diese Kreise mit den Leistungen der Exekutive und der Z. O. bezüglich Palästtnaarbeit unzufrieden sind. Und warum konnte die Z. O. und deren Leitung nichts Befriedigendes leisten? Mit denWortenL i ch th e i'ms können wir die Antwort geben. „Die politische Lage, so günstig sie ist, ist noch ungünstig genug. Noch fehlt der Plan für den wirtschaftlichen Aufbau Palästinas. Die heute bestehenden Schwierigkeiten sind eine Folge des überraschenden Aufstiegs, wir sind von den Ereignissen überrascht worden, oder wie Weizmann gesagt hat, San den Opfernden ganz und gar durchdringen und be' herrschen. Gottes ist die Erde und was sie füllet, und sind wir alle mit allem unfern Sein und Können, mit unserer ganzen Kraft und jeder unserer Fähigkeiten Ihm, seinem Willen getreu, legen wir, wenn die Sonne des sechsten Tages, des DV, zum Untergänge neigt, als unsere Huldigung u n s e r e W e l t, die ja doch des Herrn ist, zu Füßen und diese Anerkennung des göttlichen Ursprungs der ganzen Natur und ihrer Weserisfülle wird der sicherste Schutz gegen die Vergötterung unserer eigenen Kraft und der lauteste und eindringlichste Mahner, die von Gott geschaffene Welt nur nach seinem Willen uns dienstbar zu machen. Diese im Lause eines Mondjahres etwa 50 Mal wiederkehrende Mahnung hallet an jedem Tage unserer Omerzählung nicht minder eindringlich in uns wieder. Wir hören sie sieben Wochen lang Tag für Tag, und wenn wir sie richtig vernehmen und bewerten, dann müffen wir nicht nur wie König David in den Psalmen sprechen: „Lehre uns unsere Tage zählen, daß wir gewinnen ein weises Herz", sondern uns auch von seiner Ueberzeugung getragen fühlen: „Bon dir kommt alles und nur von deiner Hand geben wir dir". Mit solchen Gedanken sollen wir jetzt das Gebot erfüllen k£> om£öi: „Und zählet euch", dann werden wir wirklich Bleibendes, Dauerndes und Ewiges uns erringen, jene mri' ."»VL2 in uns vorbereiten, das Vorworten des Geistigen und Heiligen anbahnen, wie es der Sabbat an uns bewirken soll. Sabbat und Omerzeit weisen im letzten Ende auf ein und dasselbe Ziel hin, auf die Bindung unseres Jchs an das Unendliche und Ewige, an das Reine und Heilige. Sie mahnen uns beide in gleicher Weise: „Sieben volle Wochen sollen es sein", durch die Sabbatidee geläutert und geedelt, sollen sich auch die sieben Lebensperioden, die sieben Lebensjahrzehnte zu einem