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Der Israelit · 1921-05-12 · Heft 19 (12.5.1921) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
62 (1921)
Issue
Heft 19 (12.5.1921)
Date
1921-05-12
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Palästina geben dürfen, 5. Die Versammlung eikennt Palästina als heiliges Land an, das den Juden als heiligem Volke angehören muß, woraus sich ergibt, daß der Aufbau in Palästina auf Grundlage der Thora und Tradition vor sich gehen muß. 6. Die Versammlung sieht in der Agudas Jisroel die legale Vertreterin der selbständigen Orthodoxie, die als solche in allen jüdischen Regierungs- und Verwaltungsorganen in Palästina sowie in denen des Emigrations- Wesens vertreten sein muß. VerffänSiguMaKtmn in Düna. Wilna, 15. April. Zur gleichen Zeit, da in Warschau die Vertreter der polnischen Regierung mir den Vertretern der jüdischen Partei über die polnisch-jüdische Verständigung beraten, wird auch in Wilna eine polnisch-jüdische Verständigungsäktion geführt. Sie unterscheidet sin; von der in Warschau jedoch dadurch, daß an ihr Repräsentanten beider Nationen teilnehmen, während es in Warschau bisher nicht, gelungen ist, für diese Aktion den Kontakt mit der polnischen Oeffenilichkeit herzustellen. Bei der Aktion in Wilna fehlt allerdings jede Teilnahme der dortigen Negierung. An den Konferenzen nehmen auf jüdischer Seite alle demokratisch-nationalen Parteien teil, bti Zion-ften, Volksparteiler und Orthodoxen. Außer den polnischen Parteien find auch die litauischen und weißrussischen Vertreter anwesend. Die polnische Sozialdemokratie, ebenso die Vertreter der polnischen Rechtsparteien beteiligen sich an den Konferenzen nicht. Die erste Beratung fand in der Wohnung des jüdischen Politikers Kaplan-Kaplanski statt. Sie trug freundschaftlichen Charakter. Das einleitende Referat über die Lage der Juden in , Wilna hielt Dr. Schabad. Es klang in die Worte aus: „Wir Juden stehen jedem nationalen Chauvinismus fern. WWwollen eine Brücke der Brüderlichkeit." Die folgenden Debatten trugen auf allen Seiten freundschaftlichen Charakter. Schweiz. velegiertenverksmmlung des Jsraeliflldien 6emein3ebun8es 8er Sdimeij. Nasel, 10. April. Am Sonntag, den 2. April, fand in Baden im Zentral-Hotel eine Sitzung der Delegierten des Schweizerischen israelitischen Gemeindebundes unter dem Vorsitz seines Präsidenten , des Herrn Dreyfus-Brodzki, Basel und der Beteiligung von 14 Delegierten aus allen Tellen der Schweiz statt. Nachdem der Aktuar, Herr Bloch-Roos, das Protokoll der letzten Sitzung verlesen hatte, erstattete er einen Bericht über den heutigen Stand der Schächtfrage. Es stehe demnächst eine Verfassungsänderung bevor, und, obwohl Verhandlungen darüber noch nicht stattgefunden haben, sei es unsere Hauptaufgabe, darauf hinzuwirken, daß der § 2s aus der Verfassung ausgemerzt werde. Dem Gemeindebund sei es zu danken, daß die Erlaubnis, zwei Jahre in der Schweiz schachten zu dürfen, erwirkt wurde. Es sei keine Frage, daß die Bundesbehörden selbst aus dem Standpunkt stehen, daß das Gchächtverbst. nicht übereinstimme mit den Gesetzen der Glaubens- und Gewissensfreiheit und man nicht mit allen möglichen Mitteln daraufhin arbeite, daß die Glaubens- und Gewissensfreiheit hier dereinst Wieder unbeanstandet sei. Ein vorzügliches Gutachten der Rabbiner lege klar, daß das rituelle Schächten ein Gebot unserer Religion ist. Bon dem bekannten Dr. Lieben in Prag sei ein Artikel über das Schächten erschienen, der klar und deutlich vom wissenschaftlichen Standpunkte aus darlegt, daß die rationellste Methode der Tötung der Tiere das Schächten ist. Um nun genügend gerüstet zu sein für den Moment der Verfassungsänderung, sei es nötig, daß das Zentralkomitee des Gemetndebundes genügend Kompetenz erhalte, daß diesem ferner die erforderlichen Mittel zur Verfügung gestellt werden und daß der Gemeindebund endlich berechtigt sei, falls es nötig ist, weitere Mittel zu verlangen. Daraus erstattete Herr Stadtrat E r t a n g er, Luzern, den finanziellen Bericht, aus dem hervorging, daß der Gemeindebund ein Mindestbudget von Fr. 25000 pro Jahr hat. Auch er wies daraus hin, daß die Totalrevision in wenigen Jahren sicher bevorstehe und daß dazu Mittel nötig sind, sowie wissenschaftliche Arbeit, um die breite Orsfentlichkeit über die Notwendigkeit der Aufhebung des § 25 bis auszuklären. Er hält auch die Anlage eines besonderen Fonds für ersprießlich. Der Präsident dankte für die beiden Referate und betonte, daß cm Abeitsausschuß geschaffen werden müsse, der sich in Verbindung mit zu gründenden Lokalkomtttes mit den erwähnten Aufgaben zu befassen habe. Nach einer sehr ausgiebigen Diskussion wurden folgende Anträge angenommen: 1. Die Kopfsteuer von Fr. 10 pro Jahr auf weitere 3 Jahre zu bewilligen. 2. Antrag Meyer, St. Gallen, sämtliche Gemeinden in der Schweiz cruszufordern, zum Zwecke der Behandlung der Schächtfrage eine Steuer von 3 Cts pro Pfund verkauften Fleisches von den Metzgern resp. den Konsumenten zu erheben. NoUcrrrd. .3weiftun§erffikf?igjäh:iga Jubelfeier grvßen Synagoge- A Amsterdam, 6. Mai. Unter großer Feierlichkeit und unter Teilnahme der ganzen holländischen Judenheit beging die Amsterdamer Gemeinde den 250. Jahrestag der Errichtung der großen Synagoge am I. M. Meyer-Plein zu Amsterdam. Der Jubeltag bildet zugleich eine historische Erinnerung an die mustergültige Toleranz, mit der die niederländische Regierung zu allen Zeiten den Juden entgegenkam und die noch heute dankbare- Anerkennung findet. Die Feier begann mit einem akademischen Festakte, bei dem Geschenke der Gemeinde- Mitglieder an die Synagoge übergeben wurden, 1 einer stznagogalen Zeremonie, bei der Rabbiner Kopenhagen undOöerrabbinerOnderwyzer Ansprachen hielten, und einem öffentlichen Empfang im Festsaal des Zoologischen Gartens. Die Königin von Holland sandte ein herzlich gehaltenes Begrüßungstelegramm. Der Sekretär der Großen Synagoge, Dr. Sligs, veröffentlicht eine interessante Studie zur Geschichte der Großen Synagoge, die ein Bild von der Gründung und dem Wachstum der Synagoge gibt. Im franjöfifchfin Senat. Waris/ 3. Mai. Der französische Senat hat wieder einmal die Gelegenheit zu antisemitischen Vorstößen ergriffen. Herr Delnhage fragte, warum die Regierung die Einwanderung polnischer odertschechostovakischer Juden dulde, die Frankreich „vergiftete". Herr Ienouorier behauptete gar, diese Einwanderer seien „verkleidete Deutsche"! Leider hat niemand den Antrag gestellt, Herrn Jenouorier auf seinen Geisteszustand untersuchen zu lassen. %lkxa\n$* neue Pogrome in Ser Ukraine. London, 6. Mai. Die ukrainische Hilfsgesellschaft erhielt einen Bericht über neue Judenmetzeleien in Repka, Tuph'tza, Listwiin, Kalibinka u. a. O., die von einer Bande von etwa 70 Hooligans ausgeführt wurden. In Repka wurden 76 Männer, Frauen und Kinder in grausamster Weise hingemordet. Zahlreiche Juden flüchteten in die Wälder. UaLäMnrr. flntijüöifcfte Krawalle in Jaffa. (Offizieller Bericht.) London, 6. Mai. Der Staatssekretär für dieKolonien erhielt vom 2. Mai folgendes Telegramm des Oberkommiffars, Sir Herbert Samuel: „Am ersten Mai wurde eine Arbeiter- Versammlung in der jüdischen Vorstadt von Jaffa durch eine Gruppe jüd ischer Kommunisten gestört. Die letzteren wurden in das gemischte moslemisch-jüdische Viertel der Stadt zurückgetrieben, aus dem sie gekommen waren. Die Ereignisse, die unmittelbar darauf eintraren, sind noch nicht klar, aber ein ernsthafter Zusammenstoß zwischen Moslems und Juden erfolgte, in dessen Verlaus viele Juden und einige Mohammedaner getötet wurden. Vom Distriktsgouvernenr wurden Truppen angefordert und eine Kompagnie des Regiments „Herzog von Wellington" und fünfzig k. F. A. wurden von Lud, alsdann zwei bewaffnete Panzerautomobile von Jerusalem gesandt. Bet ihrer Ankunft hörten, die Unruhen auf und die Stadt war während der Nacht ruhig. Heute Morgen jedoch .begannen wieder Unruhen, und mehrere Juden und Mosüms wurden getötet. Weitere Truppen, Polizei und noch zwei Panzerwagen wurden entsandt. Der Zwilsekretär der palästinensischen Regierung war auf meine Anordnung sofort bei der ersten Meldung von den Unruhen nach Jaffa geeilt. Regierungsbeamte mit arabischen und jüdischen Notabeln besuchten die gestörten Stadtviertel und es gelang ihnen, dre Bevölkerung zu beruhigen. Die Stadt ist jetzt bereits seit einigen Stunden ruhig. Ich mutz zu meinem tiefstem Bedauern berichten, daß ungefähr vierzig Personen getötet worden sind, von denen 20 * Juden und 10 Araber sind, daß ferner 142 Juden und 7 Araber im Hospital sich befinden, 28 Juden und 20 Araber in Hospitalbehandlung waren und entlassen find. Einige Läden sind geplündert worden. Man glaubt, daß die Truppen nicht feuern mußten und keine Verluste hatten. Man hielt es nicht für nötig, den Kriegszustand zu proklamieren. 36 Verhaftungen sind erfolgt und gerichtliche Verfolgung wird sich anschließen. Das übrige Land ist ruhig." Ein weiteres Telegramm des Oberkommissars vom 3. Mai abends besagt: „Die Unruhen ln Jaffa erneuerten sich heute Morgen, aber die Fälle waren isoliert und nicht zahlreich. Der Belagerungszustand ist verhängt worden. Die Stadt ist seitdem ruhig." c.-.v. «»'■#<£*-V; Jaffa, 3. Mai. Unter den Getöteten befindet sich auch der radikal - sozialistische Schriftsteller Brenner. Fünfzig jüdische Ladengeschäfte sind geplündert worden. Die meisten getöteten Juden waren C.haluzim, deren Hauptquartier zerstört wurde. Der ßerrer Rebbe in Jerusalem. Jerusalem, 1. Mai. Die Bemühungen des „Gerrer Rabbi" den Frieden zwischen Kuk und Sonnenfeld herbeizuführen, haben bisher noch keine praktischen Erfolge gezeitigt. Man erwartet ein Memorandum, in dem die Bedenken und Wünsche der Gruppe Sonmnfeld-Diskin klargelegt sind und welches dem „Gerrer Rebbe" als Basis für wettere Vermittlungen dienen soll. Am ersten Sabbat verließ der Rabbi kaum sein Zimmer. Als gegen Abend die Chassidim sich mit Sang und Klang und Tanz um ihn sammelten, wehrte er die Kundgebungen mit den Worten ab: „Jerusalem trauert, was soll uns die Freude?" In einem Gespräche mit Jerusalemer Rabbinern wies der Rabbi mit Entrüstung verschiedene verleumderische Ausstreuungen in' der Presse zurück, u. a. auch die Behauptung, die Aguda

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