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Der Israelit · 1921-05-12 · Heft 19 (12.5.1921) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
62 (1921)
Issue
Heft 19 (12.5.1921)
Date
1921-05-12
Page
– (sequence 4)
Language
German
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mim. } Vielleicht ist das Wort „Willkür-Konfession" noch zu milde, richtiger müßte es heißen: X-Konftssion, denn es ist garnicht abzusthen, wie viele Ausschüsse als Ausdruck besonderer Weltanschauungen unter der schützenden Hülle des verhüllenden Volksgemeindccharaklers sich austun werden. Uns muß es genügen, diese Konsequenzen in klarer Deutlichkeit der Judenheit vor Augen zu führen. Wir waren dazu verpflichtet, damit nicht die deutsche Judenheit sich eines Tages vor Tatsachen gestellt sieht, die ihren Bestand überhaupt gefährden. Jüdischer Kinderior in der Maine. Aus Leserkreisen wird uns geschrieben: 600000 jüdische Kinder müssen in der Ukraine sterben, wenn sich ihnen nicht Hilfe bietet. So stand in einer Notiz in der Peßachnummer des „Israelit" zu lksen. Vor etwa einem halben Jahre, es war um Rauschhaschonoh, wurde man auf dieses grauenhafte Kindersterben in der Ukraine aufmerksam gemacht. Damals brachte die Zeitschrift „Jeschurun" deutsche und hebräische Schilderungen über diese unglaublich klingende Tatsache, daß 600000 jüdische Kinder sterben, wenn ihnen nicht geholfen wird. Der Verfasser rüttelte mächtig an das Gewissen der Judenheit. Hier sei eine so riesenhafte Ausgabe zu bewältigen, daß einmal sämtliche jüdische Vereinigungen ihre Sonderlnteressen beiseite lassen sollten, um sich der Lösung dieser einen Äufgo.be zu widmen. Oder wolle man tatenlos zusehen, bis Unheil in unsere Häuser einbräche, über unsere Kinder komme, weil man den 600000 sterbenden Kindern der Ukraine nicht hilfreiche Hand geboten hat? Mit dieser Mahnung erfaßte mich ein Entsetzen, kam sie doch aus dem Munde eines Thoragelehrien, der uns hin wies auf das Walten der Vorsehung,' die uns nicht ungestraft läßt, wenn wir nicht helfen. Ein volles halbes Jahr ist seitdem vergangen. Und wie hat die Judenheit der gnnzen Welt, den ukrainischen jüdischen Waisenkindern geholfen? Meiner Ansicht nach gibt es für dieses Problem aller jüdischen Probleme nur eine Lösung: Gibt es in der Ukraine 600000 jüdische Kinder, die sterben, wenn man ihnen nicht Hilst, so müssen sich auf dem Erdenrunde 600000 jüdische Häuser auftun, auf daß 600000 Kinder dem sicheren Tode, dem elendesten Verkommen durch Hunger und Laster entrissen werden. Ich bin sicher, daß keine jüdische Stadt- und Landgemeinde, daß Uin jüdisches Haus, das sich vor die Wahl gestellt sieht, ein Kmd aufzunehmen oder es sterben zu lassen, seine Tür einem sterbenden Kinde verschließt. Als erste von diesen 600000 jüdischen Häusern müssen auf dem weiten Erdenrund die mit Reichtum, mit Wohlstand gesegneten Familien ihre Türe auftun und ein solches Kind retten. Aber sie dürfen nicht zögern. Jetzt gleich sollen sie führend dieses Liebeswerk beginnen. Ihnen anschließen soll sich der jüdische Mittelstand aller Länder,' denn nicht die Reichen allein können die Aufgabe bewältigen, sie müssen nur vorangehen, und ihrem Beispiele folgen sollen alle die Familien, die das Glück haben, daß sie sich ohne Hilfe anderer ernähren können. Binnen kürzester Frist, — dir Verkehrsmittel sollen einmal alle für diese grandioseste aller menschlichen Liebestaten in Bewegung gesetzt werden, — wären so Ukraines entmenschte Straßen frei vom Elend jüdischer Kinder. Seitdem ich in einer Notiz in der Pessachnummer des „Israelit" gelesen hatte, daß 600000 jüdische Kinder sterben, wenn ihnen nicht geholfen wird, kann ich mich mit meinen Hausgenossen nicht zu Tisch setzen, ohne daß hungernde Kinoergesichter uns anstarren, kann sich mein Haus nach geordneter Tagesarbett nicht zur Ruhe begeben, ohne daß obdachlose, dem Laster preisgegebene kleine jüdische Menschen uns ruhelos anflehen um Einlaß. Wir essen nicht ruhig, wir schlafen nicht ruhig, weil wir den Sterbenden nicht helfen. So dürfen 600900 jüdische Häuser nicht essen und schlafen, bis sie die 600000 sterbenden Kinder der Ukraine ausgenommen haben in ihre sicheren Wände, um sie vor dem Tode zu bewahren. I. I. ßormpowdenzea «. ßac&rtcbtet Deutsches Reich. Ararrkfttrt a. M, 1. Mai. Wirschen uns veranlaßt, wiederholt daraus aufmerksam zu machen, daß die Redaktion des „Israelit" keinerlei religiöse Verantwortung für den Inhalt der im Anzeigenteil befindlichen Inserate übernehmen kann. Dies gilt nicht nur für die darin angezeigtcn Waren und für inserierende geschäftliche Etablisftments, sondern auch für Heiratsanzeigen, die in sehr vielen Fällen in vorgeschriebener Fassung von den Annoncen-Expeditionen eingehen, ohne daß uns irgend eine Kontrolle über die die en Anzeigen zugrunde liegenden Tatsachen möglich ist. Es ist also in allen Fällen Sache der Leser, sich aus Grund einer Anzeige im „Israelit" mit der gleichen Gewissenhaftigkeit individuell zu erkundigen, als ob es sich um Inserate in Tageszeitungen handelt. Förderung 865 Ukm8lverk5 im8 8er KandwirMstt unter 8en lu8en. Berlin, 20. April. Die seit 1880 bestehende Gesellschaft zur Förderung des Handwerks und der Landwirtschaft unter den russischen Juden, kurz genannt „Ort", wurde durch die ökonomischen und sozialen Erschütterungen, die der Krieg und die Revolution über die Juden des ehemaligen russischen Reiches heraufbeschworen haben, vor gewaltige Aufgaben gestellt, zu gleicher Zeit aber in ihrer Tätigkeit gehemmt durch die in organisationeller und finanzieller Hinsicht unsichere Lage. Um diesem abzuhelfen, einen Koniakt mit 'den lokalen Komitees in den sogenanntkn Randstaaten herzustkllen und die enormen Mittel, die zur Versorgung der jüdischm Handwerker, Bauern und Landarbeiter mit Rohstoffen, Werkzeugen und Maschinen notwendig sind, aufzubringen, wurde Ende 1919 durch das Petrograder Zentralkomitee der „Ort" eine besondere Delegation ins Ausland gesandt, um die dortigen jüdischen zentralen und lokalen Organisationen mit den Aufgaben der „Ort" vertraut zu machen und zur Mitarbeit heranzuziehen. Auf Veranlassung dieser Delegation hin haben sich in London, Paris und zulrtzt in Berlin Zweigorganlsutionen gebildet, die die Aufgaben der „Ort" zu fördern suchen. Die Ausgaben des Vereins sind von der Mitgliederversammlung in Berlin folgendermaßen 'armuliert morden: 1. Der Verein soll die Lage und die Bedürfnisse des Handwerkes und der Landwirtschaft unter der jüdischen Bevölkerung auf dem Gebiet des früheren russischen Reiches studieren. 2. Instrukteure für Lehrwerkstätten und landwirtschaftliche Genossenschaften entsenden und solche nötigenfalls hier in Deutschland ausbildm zu lassen. 3. Populäre Schriften zur Einführung in nene Handwerksberufe sowie über Landarbeit und Bodenkultur h?rauszugeben, nötigensalls Preisansschreiben für ähnliche Schriften zu veranstalten. 4. Den jüdischen Handwerkern, Produktivgenossenschaften und Landarbeitern auf dem Gebiete des früheren russischen Reiches beim Einkauf von Maschinen, Werkzeugen, Düngemitteln behilflich zu sein refp. auf Abzahlung zur Verfügung zu stellen. Das Büro befindet sich Charlottenburg, Bleibtreustraße 34/35, Telefon Amt Steinplatz 9857. Eine Jefrfiiruöh in Gamburg. Kamllttrg, 5. Mai. Endlich soll der seit langem bereits gehegte Plan zur Ausführung gelangen. Nachdem von einem zu diesem Zwecke gebildeten Komitee die erforderlichen Vorbereitungen getroffen worden sinv und vor allem die finanzielle Frage in bester Weise ihre Erledigung gefunden, stehen wir vor der Eröffnung der von den maßgebenden Kreisen innerhalb unserer Gemeinde ersehnten Jeschiwoh. Wie wir hören, sind hervorragende Lehrer, die gute Kenner der litauischen Jeschiwaus und auch anerkannte Talmudisten sind) gewonnen worben, so daß dir begründete Hoffnung besteht, hier eine wirkliche Pflanzstätte der nSlft zu eröffnen. Hoffentlich finden sich viele lernbefliffene Jünger, die von der neuen Einrichtung den erwünschten Gebrauch machen und sich in der zu eröffnenden Anstalt mit Fleiß und Hingebung dem Lernen widmen. Deuffdi-Israelififthe ösmelnSe und GemeinöäbunO’ Karnönrg» 5. Mat. Ungeachtet der bei der Gemeindevertretung übernommenen Schritte zur Verhütung des Eintritts in den umgestalteten D.J.G.B. haben Vorstand und Repräsentantenkollegium der hiesigen Deutsch-Israelitischen Gemeinde den Beitritt vollzogen. Dieser Beschluß wird von weiteren Kreisen als eine Kompetenzüberfchreitung und vor allem als eine Verletzung der Gefühle und Empfindungen der Orthodoxen innerhalb der Gemeinde aufgefaßt. Nach der Verfassung der Deutsch-Israelitischen Gemeinde sind hier alle religiösen Angelegenheiten in ihrer umfassendsten Bedeutung von ihrer Verwaltung ganz und gar ausgeschlossen und einzig und allein Sache der beiden völlig geschiedenen religiösen Vereinigungen, des Shnagogenverbandes wie des Tempelverbandes. Damit leuchtet jedem, der diese Sachlage in Betracht zieht, ein, daß in dem bereglen Beschlüsse eine Abweichung von der Verfassung unter Nihrberücksichtigung der Interessen des Synagogenverbandes vorltegt. Oesterdeich. Grieiparaaraph. Wien, 6. Mat. Wie seinerzeit im Alpenverein, so wurde jetzt auch im „Oefterreichischen Touristenklub" der sog. Arierparagraph angenommen Die Generalversammlung nahm einen sehr stürmischen Verlauf. In der Abstimmung wurden von insgesamt 3840 Stimmen 3058 für und 782 gegen die Einführung des Arierparaphen abgegeben. Die Majorität war also für den Ausschluß der Juden aus dem Klub. Muten, 6er Protest gegen Sie?lonlffifcfie Derleumöungs*RItfion. Warschau, 5. Mat. Auf einer großen Versammlung der „Schlome Emune Israel" wurde nach glänzenden Referaten des Deputierten Ktrschbraun,J.M.Lewin und Awrach folgende Resolutionen angenommen: 1. Es wird ein scharfer Protest eingelegt gegen die Zionistische Organisation, die durch Ausstreuungen, Verleumdungen und tendenziöse Berichte in der Presse die Arbeit der Aguda zu 'tören und die Ehre der religiösen Autoritäten!)es Judentums zu untergraben sucht. 2. Die Versammlung protestiert gegen eine Politik, die darauf ausgeht, Haß und Zwietracht zwischen Brüdern zu säen. 3. Die Versammlung spricht der Leitung der Aguda Dank und volles Vertrauen aus und fordert sie auf, nach weiter im Zeichen Geiste für Palästina zu arbeiten. 4. Die Versammlung schließt sich der wiederholt betonten Forderung der Aguda an, dem jüdischen Volke das historische Anrecht auf Palästina in weitestem Sinne zuzuerkettnen und betont dabei, daß die Konflikte innerhalb der jüdischen Parteien keinerlei Anlaß zur Schmälerung der jüdischen Rechte

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