Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 62 (1921)
- Issue
- Heft 19 (12.5.1921)
- Date
- 1921-05-12
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite « Nr. 1» Der Mraeitr wünsche eine gleichberechtigte Vertretung in der Delegiertenversammlung und ferner, daß aus der Konferenz der Agudas Jisroel ein Beschluß gefaßt worden wäre, sich unter allen Umstünden gegen die Institution der Oberrabbtnats einzusetzen. Am Mittwoch morgen besuchte der Rabbi die Westmauer. Am gleich-n Tage nachmittags erhielt er den Besuch von Herrn Rabbiner Kuk. Herr Rabbiner Kuk kam ihm mit seinem Besuche zuvor, obwohl der Rabbi den Wunsch geäußert hatte, ihn zuerst zu besuchen. Gegen Abend machte der Rabbi seine Aufwartung bei Herrn Rabbiner Disk in, mit dem er dann zusammen zu Herrn Rabbiner Sonnenfeld ging. Die Verwaltung der Kolonie „Nachlath-Jisrorl" überreichte dem Rabbi zum Pessachfeste ein Quantum Mehl für rniöW NLv vom Ertrage der jüdischen Kolonie, welches von der Aussaat bis zum Auswahlen nur von jüdischen Händen bearbeitet war. Die finnige Gabe erfreute den Rabbi ungemein. Bas groß Synhelrion. Jerusalem/ 2. Mai. Wie ernst es bereits die Führer mit der Autorität des jüdischen Obergerichtes nehmen, beweist folgender Fall: Ein Mann wandte sich in Eheprozeßsachen an das Rabbinische Gericht. Der Rechtsvertreter der Frau erklärte aber, daß sich seine Klientin einer Verfügung dieses Gerichtes nicht unterordnen werde. Darauf erhielt der Vertreter vom Gertchtskanzler Herrn Bentwich den Bescheid, das Oberrabbinat sei die einzige und höchste von der Regierung mit allen Vollmachten ausgestattete Instanz in allen Ehe- und Scheid ungsangelegenhetten, die Juden betreffen. Keinem anderen Gerichte stehe das Recht zu, .in diesen Dingen Entscheidungen zu treffen. Segen die 5abbateniweiiiung. Jerusalem, 1. Mai. Die unerhörte Verhöhnung des Sabbat durch jüdische Arbeitec, die aus naheliegenden Kolonien mit Roß und Wagen am Sabbat in Jerusalem erschienen und durch die Straßen zogen, ruft nun auch den Protest des zionistischen Delegiertenkomitees hervor. In einem von Dr. R u pp i n und Dr.E! d e r unterzeichnetenSchreiben an die Aröeitergruppe wird mit scharfen Worten Verwahrung gegen diese öffentliche Verletzung des Sabbats und der religiösen Gefühle der Bevölkerung in der heiligen Stadt eingelegt. Solche Vorkommnisse, heißt es im Schreiben, sind auch dazu angetan, die Autorität der zionistischen Leitung und die Disziplin in der Organisation zu zerstören. Für den Wiederholungsfall werden Abbruch aller Beziehungen und Entziehung aller Zuschüsse Vonseiten der zionistischen Organisation angedroht. Barmizwohfeier. Abraham, Sohn von Aron Kober und Frau Bertha, geb. Auerbach in RreSlau. — Justin, Sohn des Kaufmann Max Stern in Rieder, stetten in Wttmbg. Wlp 512V. ,# Ort: Anfang Datum Ausgang Uhrjmtn. 3681 Uhr Min. Frankfurt a. M. 7 25 13. 5. Isar 8 v5 Berlin .... 7 30 Mai 8 43 München . . . 7 25 8 30 Straftbnrg . . — — — — Stuttgart. . . 7 13 8 45 Posen .... — — — — Nürnberg. . . 7 — 8 39 Hamburg. . . — — — — Personalien. Bentheim, 4. Mai. Kurz vor Vollendung des 40, Lebensjahres starb nach längerem Leiden, Lehrer Nathan Levi in Bentheim, nachdem er hier 15 Jahre lang in Schule und Gemeinde segensreich gewirkt hatte. Er war ein Meister des Unterrichts, der seine Schüler durch die Lebendigkeit und Anschaulichkeit seiner Voriragswetse stets zu fesseln muhte und darum auch einen weitgehenden Einfluh auf die Herzen seiner Pflegebefohlenen ausübte. Seine Schule lag ihm vor» allem am Kerzen und die Sorge um dieselbe, lieh ihn selbst auf öem Krankenlager nicht zur Ruhe kommen. Mehrere Jahre war er auch an der christlichen Schule daselbst tätig und gehörte lange Zeit dem Borstande des Ortsvereins an. Als Mensch war er überall hilfsbereit und suchte Elend zu mildern, Not zu lindern wo er nur konnte und so war er in allen Schichten der Bevölkernng wohlgelitten; den Kollegen gegenüber aber bewies er sich stets als wahrer, aufrichtiger Freund. In seiner Herzensfrömmigkelt leuchtete er seiner Gemeinde als Muster und Beispiel voran und die religiösen Institutionen fanden an ihm den wirksamsten Förderer. Seinem Bemühen ist es insbesondere gelungen, die Errichtung einer schönen npv in die Wege zu leiten. Bon seinem Vorgesetzten, Herrn Landrabbiner Dr. Hoffmann, wurde ihm in Wertschätzung seiner Person und seines Dienstes noch kurz vor seinem Tode der i2N-Titel verliehen. Die Beerdigung, die am 25. April stattfand, gestaltete sich unter Teilnahme der Behörden, der Lehrer und ehemaligen Schüler und der ganzen Gemeinde, zu einer ergreifenden Trauerkundgebung. Herr Lehrer Trepp aus Quakenbrück sprach am Grabe innige zu Herzen gehende Trostworte im Namen des „Vereins der jüdischen Lehrer in den Landrabbinatsbezirken Emden- Osnabrück". Möge bie trauernde Witwe in ihrem großen Schmerze aufrichten. n"2SJn. Fürth, 1. Mai. Am 15. April ist Herr Leopold Zimmer nach längerem Leiden aus dem Leben geschieden. Mit ihm sank die Jdealgestalt eines echten v'vL> «Y, wie wir sie früher in unserer Gemeinde so zahlreich besessen haben, ins Grab. Seines Lebens schönsten Inhalt sand der Heimgegangene in der Pflege und Hochhaltung der Traditionen des Elternhauses und in weiterem Sinne der hochangesehenen Familie, die, wie mit der industriellen Entwickelung unserer Stadt, mit der Kräftigung und Aufrechterhaltung des frommen Geistes unserer altjüdischen Kehillo verankert ist. Streng jüdische Häuslichkeit, Liebe und Pflege von Thora und Abodah, peinliche Gewissenhaftigkeit im geschäftlichen Verkehr, Uebung von Z'dokoh und G'milluth- Chessed — das waren darum die Merkmale, die das Leben Leopold Zimmers auszeichnelen. Trotz der ausgedehnten Pflichten seines geschäftlichen Berufs und wiewohl ein Augenleiden ihm seit einer langen Reihe von Jahren Beschränkung auferlegte, überwanden sein starker Wille und das ihm innewohnende mjTti alle Schwierigkeiten, die ihn an der Ausübung oer ihm ans Herz gewachsenen Pflichten hätten hindern können. Dabet kamen ihm seine hervorragenden geistigen Gaben, insbesondere sein bewundernswertes Gedächtnis sehr zu statten. Mühelos folgte er den Lernvorträgen und beteiligte sich mit eindringendem Verständnis an den Diskussionen, ohne ein Buch zu gebrauchen. Wie den Interessen unserer Gemeinde, so blieb er auch den der Gesamijuderrheit unermüdlich zugewender. Den leb^ Hastesten und werktätigsten Anteil nahm er an allen Bestrebungen, die die Ausrechterhaltung der altüberlieferten Institutionen zum Ziele hatten. In den Körperschaften so mancher derselben war er darum ein geschätzter und geachteter Mitarbeiter. Dort wird sein kluger Rat uno seine überlegte Einsicht auch sehr vermißt werden. Doch haben seine Weisheit und Frömuiigkkit dafür gesorgt, daß seine Tugenden in einem würdigen Sproß erhalten bleiben und die Trauer um seinen Heimgang von dem Tröste gemildert wird: -ps 'VT “pJttx rr,r\. So bleibt die Erbschaft seines Geistes und feiuer Gesinnung bestehen. Breslau, 5. Mat. Am letzten Tage des Peffachfestes ist eine Frau, die durch ihr in allen Lebenslagen bekundetes inniges Verhältnis zu ihrem Schöpfer den Inhalt des Hoheliedes verkörperte, von der Welt genommen worden. Frau Fanny Baßfveund ist ihrem vor wenigen Jahren verstorbenen Gatten, Oberrabbiner Dr. Batzfreund, im 70. Lebensjahre in die Ewigkeit gefolgt. Einer angesehenen Breslauer Famillie entsprossen, in der sie als junges Mädchen schon bei der Pflege ihres lange Jahre ans Krankenlager gefesselten Vaters, die Pflicht erkennen, war sie ihrem Gatten in Tarnowitz und an der späteren Stätte seiner Wirksamkeit, in Trier, eine wahre n:i3 nip. Die Ruhe, die Beide in hohem Alter hier an der Stätte ihrer Kindheit suchten, war ihnen nur kurz beschicken, wie sie überhaupt im Leben Ruhe nicht kannten. Arbeit und Pflichterfüllung waren das Leben der Verschiedenen, erfüllt von rvahrern prttD3, ba§ Jedem, der einen Einblick in ihr Innerstes gewinnen konnte, Bewunderung abrang. Alles Schwere überwand sie damit und erzog ihre sieben Kinder zu prächtigen Menschen, die den jüdischen Geist des Elternhauses mit hinaus ins Leben nahmen. In ihrer glühenden Liebe zur Thora kannte sie keine größere Freude, als wenn in ihrem Hause auch nach dem Tode des Mannes gelernt und seine große Bibliothek auch weiterhin benutzt wurde. Und wie angenehm konnte sie Allen, die ihre Gastfreund- § 12 Mat ibU ■WW—1>—WM—MI—MMMMWIIWWW——i»w—HWII—KIT!■! f IIHII l I II I, »W . schüft genossen, das Haus machen, daß sich ein Jeder zur Familie gehörig fühlte. Sie wurde von Schul nach Hause kommend, nachdem sie noch für den alles vorbereitet und die nötigen Anweisungen gegebe«, plötzlich abberufen. Den Kindern und allen, dene« diese wahre tz'ri ritf« nahestand, gereiche zum Trost der Gedanke, daß ihr Andenken nicht schwinden wird aus aus unserer Mitte. Hamburg, 7. April. Um Stellung gegart die vielen Anwürse zu nehmen, die gegen die Jude« und das Judentum erhoben werden, hatte bin Ortsgruppe Hamburg-Altona des Zrntralvereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens zum Dienstag Abend eine öfsmtlilhe Versammlung — die erste dieser Art — nach d?r Mute der Uhlenhorster Oberrealschule einberusen, dir sehr stark von Vertretern aller Konfessionen. Gedankenrichtungen und Parteien besucht war und in der o!5: Redner Rabbiner Tr. B. Jacob aus Dortmund aurtrat. Ter Redner, oft von Zwischenbemerkungen und Zurufen unterbrochen, behandelte in sehr ausführlicher Weise die Frage der Rassentheori«. Nach den Forschungen hervorragender Ethnographen und Anthropologen sollen alle Rassen lediglich Untsvrossen der großen menschlichen Einheit sein und nicht die Rassen sollen den Ausstieg der Menschheit b« wirkt haben, sondern die Völker. Alle, auch di» Juden, haben Großes und Hervorragendes geleistet zu Nutz und Frommen der Allgemeinheit. Rasse»- theorie ist politisch gefährlich, weil sie dazu angetan ist, die Einheit der Nationen zu zerstören. Ti« Antisemiten, deren Führer wegen mangelnder Kennbnis der hebräischen Sprache in den Geist der jüdische» Literatur nicht «inzubringen vermögen, können als Partei nicht angesprochen werden, denn sie bekämpfe» die Menschen an sich, gleichviel, welchen Charakte» sie haben mögen. Mit den Worten: „Wir alle sink daS Vaterland, das Teutschtum liegt iw Gemüt, nicht im Geblüt" brachte der Redner seinen inte»« essanten Vortrag zum Abschluß. — In der freie» Mussprache kamen ein Angehöriger der kommunistische» Partei, «in Jude und eine Pazifisten zum Wort, bß aber zur Sache nichts Wesentliches vorbrachten. T« anwesenden Antisemiten hüllten sich, trotz mehrfache an sie ergangener Aufforderung, sich p den Darlegungen des Redners zu äußern, in Schweigen, was der Vertreterin des FriedEhedankens Veranlassung zrr der Bemerkung gab, h aß fte dadurch wohl ihr Eiwverständnis mit den Ansichten des Rabbiners ym Ausdruck bringen wollten. Nürnberg, 1. Mai. Die an der Universität Erlangen immartrikulierten orthodoxen Studenten haben am 1. Januar d. Js., mit einigen in Nürnberg und Fürth wohnenden gleichgesinnten A. H. A. H., eine „Vereinigung Jüdischer Akademiker" gegründet, die jetzt auch in den B. I. A. ausgenommen wurde. Unsere junge V. I. A., die erfreulicherweise im abgelaufenen Wintersemester bereits 27 Mitglieder (davon IS Aktive) zählte, entfaltete gleich zu Änfang ihres Bestehens eine rege Tätigkeit. Abgesehen von dem regelmäßigen Fuchsenunterricht, der die jungen Semester zusammenführte zu wissenschaftlicher Arbeit und geselligem Beisammensein, konnten wir eine ganze Reihe wissenschaftlicher Vorträge veranstalten. Einige unserer Aktiven besuchten die Nürnberger Jeschiwoh. Unser bisheriger Erfolg, auch in der Werbung von neuen Mitgliedern, berechtigt uns zu frohen Erwartungen füc die Zukunft. Prag, 5. Mai. Das? kleine Häuflein derjenigen, die noch heute in Prag die Fahne des echten Judentums Hochhalten, hat eine empfindliche Einbuße erlitten durch die Berufung des Religionslehrers Herrn Dr. Simon Adler an die Schule der Religionsgesellschaft in Antwerpen. Durch eine Reihe ausgezeichneter Eigenschaften, die den Lehre? wie den Juden schmücken, hat es Dr. Adler verstanden, nach den verschiedensten Richtungen hin einen segensreichen Einfluß auszuüben. Innerhalb seines Berufes wußte ec auch Kinder aus fernerstehenden Kreisen für unsere Ideale zu begeistern und so mittelbar auf deren Eitern einzuwirken. Unterstützt von seiner Gattin, der Tochter des Herrn Rabbiner Dr. Schiffer, Karlsruhe, sorgte er sich auch um die materielle Lage seiner Zöglinge und hat hier viel No: und Elend gelindert. Wir wünschen ihm Glück zu seiner neuen Aufgabe im neuen Wirkungskreise. mmmmmmmmummmmammmmmmmmammtaammmmmmmmm Gr. Friedberger= Strasse 18=20 Tel. Hansa 9447