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Der Israelit · 1921-05-12 · Heft 19 (12.5.1921) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
62 (1921)
Issue
Heft 19 (12.5.1921)
Date
1921-05-12
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Seile 2 9h\ 1§ Der Israelit. gigantischen Pläne des Titanen, der die Welt „befreien und beglücken" wollte, eine kleine und kleinliche Politik der Schikane zu betreiben. Er war in allem ein Mann der g a n z e n Arbeit. Und bei dieser Arbeit stieß cr doch auf Männer und Dinge, die eine vollkommene Wandlung in seinen Ansichien überJuden und Judentum heröeiführt-n. Er wollte zunächst die Jaden selber hören. Eine jüdische Noiabelnversammluug gebar das bekannte Sanhedrrn. Daß dieses Sanhedrin nicht zu einem Instrumente völliger Zerstörung wurde, ist das Msönlicke Verdienst David Stnzherns, der an der Spitze der Körperschaft stand und sie mit Hilfe ihrer rabbinischen Mitglieder während ihrer kurz-n Lebensdauer mit jüdischem Geiste zu durchdringen suchte. Als am 6. Mai 1821 der Gewaltige auf St. Helena seine Seele aushauchte, waren aber inzwischen in Frankreich auch für die Juden ganz andere Verhältnisse eingetreten. An Stelle der Notabelnversammlung und des Sanhedrin, die ja immer ein nicht gerade aus eitel Liebe geborenes Sonderrecht darstellten, war langst das jüdische Konsistorium getreten, das seit Napoleons Sturz, ganz unberührt von Haß und Vorurteilen, sich der gleichen Rechte wie die katholische Landeskirche erfreute. Auch diese letzte Spur der Napoleonischen Zei^, die staatlich -religiöse Organisation, ist in den letzten Jahren, mit' der Aufhebung des Konkordats und der Trennung von St^at und Kirche geschwunden. Hat das französische Judentum dadurch an Kraft und Leben verloren? Stände das französische Judentum nach der Trennung gebrochen und in seiner Entwicklungs- Möglichkeit gehemmt da, es wüte dies nur-ein Beweis für die lähmende Wirkung einer ver-‘ knöcherten staatlichen Organisation von hundert' Jahren. Anzeichen sprechen aber dafür, daß es das französische Judentum mählich von neuem lernt, auf eigenen Füßen zu stehen. Das wollen wir hoffen und wünschen, wie wir es den Gemeinden in den süddeutschen Staaten Baden und Württemberg, denen die nachnapoleonische Zelt Oberrat, Synode und Kirchenbchörde bescheerte, von jeher aufrichtig gewünscht haben. Am 5. Mai 1921 denkt die Judenheit der Welt nicht ohne Dankbarkeit an den großen Corsen zurück, der mit seinem Aufstieg und noch mehr mit seinem Sturze, gewollt und ungewollt, der Freiheit in Westuuh Mitteleuropa eine Gasse bahnte, durch die auch die Judenemanzipation unaufhaltsam komme-; mußte. Der Rückblick auf Frankreichs Judenheit sollte aber uns in Deutschland, wo — die Pariser „neueste" Mode kommt bei uns immer j etwas zu spät — heute der Sinn Vieler nach! Seflro-Aetrachtungen. Von Rabbiner Dr. M. Lewin in Hamburg. II. Thoralisbe und Thorageist. Zum Sinai hin — so schlossen wir unsere erste Sefirobet; achtung, das war das Ziel von Israels Befreiung aus mizraitischer Knechtschaft. Das mutz aber auch die Losung unserer Gemeinschaft immer von neuem werden, wenn anders wir würdig bleiben wollen unserer geschichtlichen Stellung, der Aufgabe, die uns übertragen worden, an deren Lösung zu wirken, alle Geschlechter in Israel berufen sind. Wir zählen von nis zu myziy hin, damit schließen wir einen heiligen Ring um die Omerwochen und verleihen jedem Tage, den wir da zählen eine besondere Bedeutung für das Ziel, dem wir entgegensetzen. Die Zeit des Blühens und Sproffens in der Natur soll auch für unsere jüdische Aufgabe die Seelen gewinnen und die Herzen befruchten, daß wir dann uns im Geiste um den Sinai scharen und die Stunde der 12. Mat 1091. staatlicher Zwangsorganisation steht, darüber belehren, daß nicht in bet Synode und Oberbehörde, sondern im opfervollen Zusammenarbeiten und in der freien Entfaltung aller guten Kräfte auf dem Boden des ältesten, von Gott geheiligten Gesetzes die Zukunft des Judentums verbürgt ist. Me Lunchen in Srez Mroei. Es ist ein tragisches Zusammentreffen, daß wir in der letzten Nummer von einer Unterredung Sir Herbert Samuels mit einem Korrespondenten unseres Blattes berichten konnten, worin der Oberkommissar mit sichtlicher Befriedigung auf den Wandel der Verhältnisse seit den vorjährigen Osterpogromen hinweist und absolute Sicherheit der Juden voraussagte, während im Momente der Veröffentlichung dieses Berichtes der Draht bereits über die am 1. Mai stattgehabten neuen antijüdtfchen Exzesse in Jaffa betrübende Einzelheiten zu berichten wußte. Die erste Meldung der Agence Havas, die uns auch durch direktes Telegramm aus französischen Quellen zugegangen war, trug so sehr tendenziöses Gepräge — sie sprach von Demonstrationen „bolschewistischer" russischer Zionisten —, daß wir Bedenken trugen, sie zu veröffentlichen. ~ Die offiziellen Berichte des Oberkommissars Herbert Samuel, die wir an anderer Stelle diesmal bringen, lassen nun leider keine Zweifel darüber, daß es sich um .recht ernste Vorgänge Handel, die zahlreiches Menschen das Leben gekostet und durch Plünderung gewiß schwere wirtschaftliche Schädigungen ' herbeigeführt haben. Dabet ist gar vieles noch ungeklärt. W) kommen die „jüdischen -Kommunisten" in Erez Jisroel her, da man doch die Einwanderung strenge kontrolliert? Handelt es sich wirklich, wie zionistische Blätter behaupten, um bezahlte Agenten der Moskauer Räteregierung , die aus Haß gegen den Zionismus die Araber aufhetzen sollen? Wie dem auch sei, die Ausschreitungen werden jedenfalls neue Nervosität innerhalb der palästinensischen Bevölkerung erzeugen und bedeuten daher — abgesehen von den beklagenswerten Menschenopfern — eine empfindliche Störung des Aufbau-Werkes. Wer dieses Werk als eine 2^12 b® -lana rHfcUn mstö betrachtet, der wird sich auch durch solche Zwischenfälle nicht beirren lassen: in toD‘7 iH1 xb matb Verwahrung einlegen muß man nur schon heute gegen die Unverfrorenheit, mit der ein Teil der Gesetzgebung neu durchleben. Das ist's, was unsere , Lehrer wohl an uns bewirken wollen mit ihrer I Mahnung: „Zn jeder Zeit soll die Thora dir als eine! neue erscheinen, als habest du sie eben vom Sinai z entgegengenommen".! „Erwirb es, um es zu besitzen". Das gilt auch aon unserer Thora. Sie fällt nicht mühelos einem in den Schotz, sie bedingt die volle Hingabe und Begeisterung. Sie fordert den ganzen, ungeteilten Menschen. Sie wtll uns Lebenselement und Bewäh» rungsquell sein, daß wir an ihrer Brust atmen und in ihrem Lichte wandeln - das setzt voraus, daß wir alle unsere Kräfte und Fähigkeiten auf sie als auf den Brennpunkt unseres Judentums vereinigen — und macht allen, die es ehrlich und treu mit unserm ' Bekenntnis meinen, zur Pflicht, die Liebe zur mm zu fördern und wach zu erhalten. Es bleibt ein wesentliches Erfordernis unserer Tage, zur Festigung und Sicherung unserer Ueberlieferungen, wo immer es angängig ist, Lchrstätten der min für unsere Jugend ins Leben zu rufen, d. h. niSB” zu begründen, in denen befähigte und lerneifrige junge Leute für eine b.-stimmte Zeit ausschließlich dem Studium unserer nun sich hingeben. Diese dem „Lernen" gewidmete Zeit mühte den Höhepunkt im Leben und Streben eines jeden reifenden jungen Israeliten darstellen und jüdische Eltern sollten kein innigeres Sehnen und Wünschen kennen, als itzre Söhne dem hier angedeuteten Ziele entgegenzusühren. Wie schön und segensreich wird sich da „die Lehre in Verbindung mit der allgemeinen Bildung" erweisen und auch, wenn überall als richtig erkannt und durchgeführt, zur Verherrlichung unseres alten Erbgutes beitragen. Eine würdigere Vorbereitung für das „Fest der Gesetzgebung" kann es wohl kaum geben als in den Wochen der Sefiro, die Liebe zur Thora allenthalben * zionistischen Blätter — an ihrer Spitze die Wiener Morgenzeitung — die schmerzlichen Ereignisse auf — das allzu langsame Tempo der Einwanderung zurückführt! Die Herren reden in dem sicheren Port ihrer Redakttonsstuben von der unbedingten Notwendigkeit, schleunigst eine jüdische Mehrheit in Erez Jisroel zu schaffen, gegen deren ungeheure physische Stärke der arabische Mob dann nicht aufkommen könne Dieses echt zionistische Kraftmeiertum vergißt, daß die Araber die Möglichkeit haben, jeden jüdischen Einwanderer durch fünf Araber zu paralysieren, wenn man nicht zu denl verzweifelten Mittel der arabischen Einwanderungsbeschränkung greifen und den Teufel durch Beelzebub austreiben wtll. So leicht und billig ist das Erez Jisroel-Problem nicht zu lösen — N22 *rTD xb gilt noch heute für jeden Schritt, den wir tm heiligen Lande unternehmen. Der Antisemitismus bei den Sanltionen. Die Treiber und Dränger, die hinter den neuesten Londoner« Beschlüssen stehen und die Besetzung des Ruhrgebtetes gar nicht mehr abwarten können, rekrutieren sich, wie der Draht ans London berichtet, zum guten Teil aus den gleichen antisemitischen Hetzern, die seit kurzem ein wahres Kesseltreiben gegen die jüdische Finanz, den jüdischen Kapitalismus und die neuen Mischen Würdenträger im Jnselreich und in den Kolonien veranstalten. - Auf der anderen Seite schreibt aber die Deutsche „Kreuzzeitung": „Die Besprechung Llord Georges mlt Briand fand.ln Hy the('stütz.-. Hytho ist der Landsitz Sir Philipp Sassoons. Dort tagte auch schon im vorigen Jahxe eine Konferenz der Entente Staats, 'männer, dort trafen sich auch während der Londoner Konferenz Lloyd George und Briand, dort treffen sie sich sitzt von neuem, bevor Herr Briand den Gerichtsvollzieher und Gendarmen nach Deutschland schickt. Es ist von Interesse, festzusteüen, wer dieser Sir Philipp Sassoon eigentlich ist. Früher hieß er Philipp S a m u e l s o h n, und seine Familie lebte in Mannheim. Also ein aus Deutschland stammender Mann jüdischer H e r k u n st ist er, in dessen Hause die Fäden gesponnen werden, die sich als eherne Fesseln um sein ehemaliges Vaterland legen sollen! Wir wissen nicht, ob Herr Samuelsohn alias Sassoon sich an den Gesprächen der beiden Staatsmänner beteiligt hat. Aber der Gedanke liegt nahe, daß er mindestens seine Ansicht irgend wie zum Ausdruck bringt. Denn auf. fällig ist es ohne Frage, daß sich jetzt die beiden größten Feinds Deutschlands schon zum dritten Male in dem Hause des englisch-deutschen Juden treffen." DaS ist typisch für den allweltlichen Judenhaß. Wenn es mit der Gewaltpolitik gegen Deutschland den Scharfmachern an der Themse und an der Seine nicht rasch genug geht, dann ist die Mische Finanzpolit k daran schuld, die auf ihre Geschäfte zu. stärken und mehr noch diese Liebe in die Tat umzu" j setzen. Mehr denn je ist unserem Geschlechte in den i letzten Jahren die Hinfälligkeit alles besten, was btsj lang der Welt als Stütze und Säule ihres vermeint-! lichen Glücks erschienen, deutlich zu Bewußtsein ge« kommen und insbesondere der Judenheit ^auch die Erkenntnis gereift, daß wir nur durch Selbstbestimmung und Selbstachtung, d. h. durch die rechte Einschätzung unserer Bestimmung als Träger der heiligen Lehre etwas bedeuten können. Bedeuten wollen wir doch in Wahrheit etwas, denn nur so geben wir Zeugnis von unserm Sein und Leben. Mögen auch die Völker noch immer nicht die Formel zu ihrer Bereinigung und Versöhnung gefunden haben, sie ist längst verzeichnet. In unserer Bibel ist sie mit eindringlichen Worten niedergeschrteben, so klar nnd scharf umgrenze, daß sie garnicht übersehen werden können, "'.in onmp: „Heilig sollt ihr werden, denn heilig bin ich der Einzige euer Gott". Dieses Heiltgkeitsstreben wird von jedem als Pflichterfüllung gefordert und jedem als Bekuudung seiner höheren Abstammung auch verbrieft. Müßte diese Weisung, wenn sie recht verstanden und gewertet würde, nicht jedem auch den Sinn und das Verständnis schärfen für das wahre und rechte Ziel wie im Einzelleben, so auch im großen Volksdasein? Die Lehrer richten die Mahnung an die D’Bms: „Seid enthaltsam" Enthaltsamkeit ist eine Vorstufe oder bester die unabweisliche Vorbedingung der Heiligkeit. Enthaltsam sein, das bedeutet auch entbehren und entsagen, wo eS das Wohl anderer so fordert. „Seid enthaltsam", dies ist das Gebot unserer Zeit, wo die Menschheit aus tausenden von Wunden blutet und solche Enthaltsamkeit lehrt uns auch die min, wenn sie auf der Stufenleiter zur Sittlichkeit eine Sproffe mit der Inschrift versieht 'l'nrr nrr NJPn «?: „Hasse nicht deinen Bruder" . . .! und auf eine andere wieder die Worte schreibt oipn

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