Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 62 (1921)
- Issue
- Heft 18 (5.5.1921)
- Date
- 1921-05-05
- Page
- – (sequence 23)
- Language
- German
- Belongs to
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„& t S i t e g.' 9h. 16. Seite 8. K Mat 1821, Palästmaarbeit als harmonischen Aufbau des allen Jrschuv äufgefaßt wissen.- Nachdem Herr Dr. Ehrmann noch praktische Vorschläge und Entwürfe für die Pa.lLstinaarbeit dem Delegiertentag vorgelegt hat, schließt er sein inhaltreiches und mit großem Interesse aufgenommenes Referat, womit auch die Vormittagssitzung zu Ende Mg. Fortsetzung folgt.) pekidim und Amarkalim und die pgWlnazeuttale der Aguda» Jisroel. Während die gesamte nationalistische Presse widerhallt von Berichten über die erste Zentralratssitzung, die erzählen, daß Agudas Jisroel nicht ut der Lage sei, praktische Erez Iisroelarbeit zu keiften, traten in Frankfurt a. M. Vertreter der „P ekidimund Amar kalim des heiligen Landes zn Amsterdam" und der Palästinazentrale der Agudas Jisroel zusammen und beschlossen einstimmig: >,Pekidim und' Amarkalim des heiligen Landes" und Palästinazentrale der Aguoas Jisroel in Deutschland vereinigen sich, um das bisher twm den Pekidim und Amarkalim' geleitete Schulwerk, die Talmide - Chachonim-Untetftützung sowie die Dhorapflege inr weitesten Sinne des Wortes in Zukunft gemeinschaftlich fortzufllhren und nach Möglichkeit auszubauen." : Durch diesen Beschluß hat die Palästinazentrale der Agudas-Jisroel ein Ziel erreicht, dem sie vom Anbeginn ihrer Tätigkeit an zustrebte der Bereinigung mit der ältesten Erez Jisroel^ Organisation! \ Bon diesem Abkommen werden die Schulen Dpresch Zion, Jeschiwath-Zion, und die Jeminitenschulen in Jerusalem betroffen; sie um-! fassen etwa 1000 Schüler. Ihr Jahresbudget beträgt etwa 8000 Lstrl. ägyptischer Währung (etwa 2.000.000 Mk.) Die Palästinazentrale gedenkt den aus sie entfallenden Teil des Budgets aus den Eruküustsn der Rausch-Chaudesch-! Spende zu decken. Es ist daher Pflicht, daß alles Gruppen mit gesteigerter Jntensivität sich der! Organisierung der Rausch-Chaudesch-Spende widmen. (Material ist erhältlich durch Palästinazentrale der Agudas Jisroel für Deutschland,! Frankfurt a. Mi, Eschenheimer Anlage 31.) ’ Errichtung einer Aufnahme- und Verpflegungsstation in Jaffa durch die Agndas Jisroel. Tie Palästinazentrale der Agudas Jisroel in Franffurt a. M. schreibt uns: Wir werden nächster Tage in Jaffa eine Aufnahme- und Verpflegungsstation für Einwanderer errichten. Weitere Berpflegungsstationen in anderen Hafenplätzen, sowie an Orten in denen Arbeitergrup^ pen von Seiten der Agudas Jisroel untergebracht; werden, folgen in Kürze. Soziale und wirtschaftliche Grundlagen einer Agudokolonke in Grez Jisroel.' Agndas Jisroel ist an einem Wendepunkt ihrer Tätigkeit anäenotmuen. Sie muß sich, getreu ihrem Programm,. der heute bedeutungsvo llsten „Gesamtyeitsaufgabe", dem Aufbau Palchtinas iu intensivster Weise widmen. So gewaltig für Agudas Jisroel das Tätigkeitsfeld im Golus heute noch ist, so darf doch dadurchdas Interesse an Erez; Jisroel nickt mehr erlahmeil, es muß vielmehr noch gesteigert werden. Tenn vieles steht auf dem' Spiele. Bis heute konnten wir auf Grund der Tatsache, daß *) Amu. d. Redakt. Wemmleich wir nicht in allen Einzelheiten mit den AusMhnmgen unseres ge« schätzten.Mitarbeiters konform gehen, glaubten wir doch zunächst seine an der Bodenreformbewegung orientierte Ansicht hier veröffentlichen zu sollen und bitten unsere Leser, dazu Stellung zu nehmen. D . Red. .wir dringendste Golusaufgaben zu lösen hatten und auch gelost haben, wodurch naturgemäß das Interesse an Erez Jisroel zurucktreten mußte, mit einer gewissen Berechtigung Kritik an den im heiligen Lande herrschenden Zuständen üben. Heute stehen wir vor wesentlich anderen Verhältnissen. Zwar ist unsere GoluSarbert nicht geringer geworden, aber die politische Entwicklung bezüglich Palästinas hat gewaltige Fortschritte gemacht, die religiöse Entwicklung aber leider Rückschritte im Sinne der Abwendung vom Thorageist bet einem großen Teil der Einwanderer. Tagegen hilft kein Klagen, nutzt keine bloße Kritik. An uns ist es, diese bedauerlichen Zustände zu ändern, in unserer Hand liegt es, daß das neue Erez Jisroel nicht ein Chillnl Hafchem, sondern ein Kiddusch Hafchem wird. Nicht Worte, sondern Taten sind heute nötig. Noch ist es Zeit und. haben wir die Möglichkeit, uns in Erez. Jisroel eilte Position zu schaffen. Dazu brauchen wir die Unterstützung aller unserer Gesinnungsgenossen. Hab-en wir uns eine Position dort geschaffen, mag sie vorerstnoch so klein sein, so hoffen wir leMmmt, im besten Sinne auch auf die anderen Volksgenossen einzuwirken, denn nicht die Zahl ist maßgebend, sondern der Geist. Und ein guter Geist in jetwr Beziehung soll allerdings in den Agudokolonien herrschen. Wenn Agudas Jisroel jetzt daran geht, Kolonien in Erez Jisroel zu errichten, so dürfte <s nicht unangebracht sein, an dieser Stelle einmal ein Bild von dem sozialen und wirtschaftlichen Aufbau einer solchen Kolonie zu entwerfen. Wohl' steht für uns alle fest, daß die wirtschaftliche uub soziale Gesetzgebung der Thora dort ausschlaggebend sein must, daß sie genau so beobachtet werden muß wie drr anderen Gebote, weshalb man sich Msntttch eine Auseinandersetzung hierüber ersparen könnr;. Doch dem ist nicht so. Tenn gerade die auf Viesen Bestimmungen der Thora fußende Wirtschaftsordnung ist derjenigen, in welcher weitaus die Mehrheit der Juden beute lebt, diametral entgegengesetzt, sodaß es für jeden Einzelnen, der hinübergeht, unbedingt notwendig ist, sich auch innerlich darauf eiuzustelleN. Nicht das objektive Vorhandensein dieser Gebote gewährleistet schon deren Beobachtung, nichts Ware falscher als dieser Glaube, sondern wesentlich die persönliche Einstellung zu ihnen. Diese zu fördern, soll der Zweck vorliegender Zeilen sein. Rausch Chaudesch-Spende für ijar ist fällig! Wie soll sich das Verhältnis zwischen Kapital und Arbeit, diesen beiden Antipoden des wirtschaftlichen Lebens, in einer Agudakolonie regeln? .Wem wirklich das Wohl und Wehe Palästinas am Herzen liegt, wenr wirklich eine wahrhaft soziale Gesellschastsordnung als das erstrebenswerte Ziel unserer Tätigkeit gilt, der kann an der Beantwortung dieser Frage nicht Vorbeigehen. Wollen wir unsere Kolonie auf kapitalistischer oder auf sozialer Grundlage aufbauen? 36<uin wir das zum Mindesten stark in Mißkredit gekommene kapitalistische Shstem auch nack Erez Jisroel hinüb erverpflanzen oder sind wir nicht verpflichtet, der Entstehung eines Kapitalismus von vornherein durch unbedingte Beobachtung der Thoragesetze, nicht aus Zwang, sondern aus der Ueberzeuguna von ihrer .absoluten Düte, entgegenzuarbeiten? Diese Frage «steilen heißt sie nach der zweiten Richtung beant- Iworten. .1 Wenn wir den Kapitalismus als System ablehiwu, so reden wir doch keineswegs arm Sozialismus das Wort. Weder Kapitalismus noch Sozialismus ist unser Ziel. Wir wollen keinen Sozialismus, keine Verstaatlichung und Vergesellschaftung der Produktionsmittel, restlose Unterordnung des Einzelnen unter das Ganze mit Ausgabe ferner Jndivi- -dialität, sondern eine soziale Gemeinschaft» die wohl voraussetzt, daß keiner nur an sich und seine Privatinteressen denn unter Mißachtung des Gemeinwohls, die aber aufgebaut ist auf dem Individuum, dessen persönliche Freiheit, soweit sie im Einklang mit dem Gemeinwohl steht, nicht beschränkt wird, eine Gemeinschaft, in dem keiner verurteilt sein sollte zur Arbeit ohne Unterlaß und ohne deren Früchte zu genießen, in der kein feindlicher Wettkampf sondern ein friedlicher Wettstreit unter den Mitgliedern herrscht, wo eine Harmonie gemeinsamer Interessen den Einzelnen mit der Gesamtheit verbildet. Tw Wege, die heute unsere feinsten National- ökonomen und Sozialpolitiker weisen, um aus der verworrenen wirtschaftlichen Lage zu deren Gesundung zu gelängen, diese Wege sind nicht neu, sondern uralt. Wenn heute gelehrt wird, daß auf dieherrschende Bodengesetzgebung die Mißstände unserer Wirtschaftsordnung zurückzuführen sind, so können und dürfen wir mit umso größerer Bewunderung und Ehrfurcht von der sozialen Gesetzgebung der Thora erfüllt sein. die gerade das Bodenproblem als Zentralproblem behandelt und ihm die grüßte Aufmerksamkeit schenkt. Und in der Tat, die glückliche Lösung dieses Hauptproblems jeder Volkswirtschaft schasst eigentlich erst die Grundlage von gesunden wirtschaftlichen und sozialen Verhältnissen, was wiederum auf die übrigen Gebiete nationalen Lebens auf das stgrnsreickste zurückwirkt, während wir andererseits aus der Geschichte der Völker lernen können, daß eins ungerechte Bodengesetzgebung es letzten Endes war, die den Niedergang, ja den Untergang der mächtigsten Völker verursacht hat. Denn erst ein freies unbeschränktes Eigentum an Grund unb Boden und dessen gesetzliche Behandlung nicht als erstes und wichtigstes Produktionsmittel, sondern als Ware wie jede andere schafft die Zustände, die die Urin che sind für den Verfall der Völker ebenso wie für das Elend und die Not der Massen. Gleichsam nach einem Naturgesetze bewirkt dieses Eigentumsrecht an. dem Hauptprvduttionssaktor Grund und Boden im Lause der Zeiten eine Zweiteilung der Volksgenossen, hier eine geringe Anzahl großer und größter VodenLigentümer, dort die große Masse der vom Boden Ent^ignetsn. Demgegenüber stellt die Thora den Grundsatz auf, daß das Land nicht als Eigentum des Menschen, der damit nach Gutdünken verfahren könne, sondern als ein Geschenk des Schöpfers an alle seine Geschöpfe zu betrachtcu sein. Keiner darf sich ein Recht zu dessen Monopolisierung anmaßen. Nicht als Eigentümer des Bodens, als dessen bloßer Pächter und dtutznietzer soll sich der Mensch fühlen. Erst diese Auffassung vom Wesen und Wert des Grund und Bodens schafft soziale Zustände im höchsten Sinne des Wortes. Deshalb müssen auch wir darauf scheu, daß bei Gründung von Kolonien der Boden nicht in freies, unbeschränktes Eigentum, sondern nur in Erbpacht gegeben werden darf. Was wir von vornherein vereiteln wollen, ist die Bodenspekulation und der Bodenwncher, die unvermeidliche Begleiterscheinung des unbeschränkten Bodeneigentums, den unverdienten Gewinn aus der sozialen Grundrente, die nicht dem Einzelnen, sondern der Gesamtheit zu danken un& daher auch ihr wieder in irgend einer Form zuzuwenden ist. Ta es uns aber weniger auf die Form als auf den damit verfolgten Zweck ankommt, fa könnte in gewissen Fällen auch ein beschränktes Eigentumövrcht gestattet werden. Wenn einer glaubt, a's Eigentümer sich behaglicher zu fühlen denn als Erbpächter, so kann ihm der Boden unter bestimmten Vorbehalten verkauft werden. Beim Wiederverkauf des Bodens durch den Eigentümer muß die betreffende Bodengefesischasr das unbedingte Vorkaufsrecht haben, ferner darf der unverdiente Wertzuwachs, d. h. der durch die Gesamtheit verursachte Mehrwert dem Eigentümer nicht vergütet werden, sondern muß der Gesamthe-t zufallen. Nur durch die Einziehung des unverdienten Wertzuwachses kann verhütet werden. daß der Boden als bloßes Speknlationsobjekt behandelt wird, da ja jetzt feilt Anzeiz dazu und keine Gewinnmöalrchkeit mehr vorhanden ist, während andererseits die Gemeinschaft durch diesen Wertzuwachs in der Lage ist, nicht nur die Steuern zu ermäßigen, sondern sogar ohne. die Mitglieder allzusehr belastett zu tnüssen, soziale und kulturelle Einrichtungen auzulegen. Es würde den Rahmen dieses Artikels übersteigen, wollten wir auf die Behandlung der einzelnen damit in Zusammenhang" stehenden Fragen näher eingehen. Tas soll einem anderen Artikel Vorbehalten sein. Haben wir auf diese Weise eine glückliche Lösung des Bodenproblems gefunden, so ist die Grundlage sitr das wirtschaftliche und soziale Gedeihen der Kolonie gegeben, der Entstehung eines KavitaliSmus jedenfalls stark vorgebeugt. Wer auch sinmer in unserer Kolonie tätig ist, als Landwirt oder Arbeiter, als Handwerker, Kaufmann oder Beamter, stets wird er die Früchte seiner Arbeit genießen und nicht gezwungen sein, einen erheblichen Teil seiner Einkünfte einigen wenigen Bodenbesitzern abzutreten. T-as Interesse des Einzelnen harmoniert mit dem der Gesamtheit und umgekehrt. Ja, hören wir einwenden, ist ein solches Gemeinwesen, so schön und erstrebenswert es ist, auch möglich, solange ringsherum in höchster Intensität gerade die entgegengesetzte Wirtschaftsform vorherrschend ist? Sind' unsere Pläne nicht Experimente, durch die wir unsere praktische Erez JiSroelarbeit aefphrdeu und schrecken wir nicht durch solche Ideen das Privatkapital ab, dessen wir so dringend bedürfen? Uio schließlich finden sich überhaupt unter uns so viele Gesinnungsgenossen, die nnt der nötigen Hingebung und Begeisterung sich in die neue Lage einfühbrrr können? Wird nicht vielleicht der Bestand unseres Gemeinwesens an der Personenfrage scheitern, sind wir doch alle im Westen ebenso wie im Osten zu stark, von dem kapitalistischen Geiste, von dem MammvuiSmus beseelt, als daß wir uns restlos in diesen nennt Zustand cinzustellen imstande wären? Dazu ist zu bemerken, daß ein nach diesen Grundsätzett anfgebautes Geineinwesen keineswegs als Experiment anzusehen ist, da eS selbst in dem kapitalistisch so hoch entwickelten Deutschland solche Oasen gibt, die fröhlich blühe» uub gedeihen. Zudem ist die Konkurrenzfähigkeit einer solchen Kolonie, worauf rS vor - allem ankommt, nicht nur nicht geringer,, sondern bei einer entsprechenden Organisation sich« größer. Taß wir daS Privatkapital und die Pri-