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Der Israelit · 1921-10-27 · Heft 43 (27.10.1921) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
62 (1921)
Issue
Heft 43 (27.10.1921)
Date
1921-10-27
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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Nr. 43. Seite 3 27. Oktober 1921.__• __ werden, daß sie nicht täglich mit den quälenden und drückenden Sorgen um den Fortbestand zu kämpfen haben, daß sie nicht aus Mangel an Mitteln mit Lehrkräften mehr als erlaubt sparen und dadurch ihren Lehrern eine Ueberzahl von Stunden aufbürden müssen, daß sie ihre Lehrer so besolden können, daß diese nicht durch niederbeugende Sorgen ums tägliche Brot beengt, nicht durch die Suche nach Nebenverdienst und dessen Ausübung abgelenkt, Schaffensfreudigkeit und Hingebung als Vorbedingung eines fruchtbringenden Unterrichts diesem entgegen bringen und mit allen Fähigkeiten an dessen Ausgestaltung arbe'ten, daß schließlich diese bestehenden Talmud Thora- Schulen in die Lage gesetzt werden, ihre Räumlichkeiten und Einrichtungen so hygienisch und ansprechend als nur möglich — unsere Talmud Thoraschule in Burgpreppach hat jetzt für die Sommermonate eine Waldschule an einem idyll'- schen Plätzchen in herrlichem Nadelwald angegliedert — zu gestalten. Bisher kommt die Förderung dieser Schulen durch Organisation^ nur in zwei vor wenigen Monaten gefaßten Beschlüssen zum Ausdruck, denen erst noch die Tat folgen soll. Nicht ein Tropfen nur auf einen heißen Stein darf diese Förderung sein, sic muß im richtigen Verhältnis zu der immer größer werdenden Notlage dtrser Schulen stehen, sollen materielle Sorgen nicht bet jedem Schritt berghoch sich entgegentürmen. Zweitens müssen auch westjüdische Eltern, in deren Herzen nur ein Funken noch glüht für ihr Judentum, ihre Kinder in diese Talmud Thoraschulen schicken. Aufräumen müssen sie mit dem Vorurteils daß ausschließlich Gymnasium und Realschule moderne Kultur vermitteln können. Gefallen ist der Zwang der Einjährigen Prüfung, die so vielen Eltern hierfür bestimmend war. Alle Eltern, die nicht den so überfüllten akademischen Berufen neue Jünger zuführen wollen, können ihre Kinder die Grundlage für den Kaufmannsberuf — in den meisten staatlich anerkannten Talmud Thoraschulen sind Handelskurse mit dem Lehrplan einer Handelstchule angegltedert — zugleich mit den Elementen d<r modernen Kultur in diesen Talmud Thoraschulen sich aneignen lassen, wo auf tem ehernen Untergrund der Thauro dann Derech Erez sich aufbaut. Diese Talmud Thoraschulm, das ist das dritte Erfordernis, müssen so aufgebant werden — wmn bei ausreichender finanzieller Förderung die angedeuteten Hemmungen beseitigt werden, ist dies durchführbar — daß sie nicht nur ein Höchstmaß biblisch-talmudischen Wissens, sondern auch ein Höchstmaß der modernen Kultur, gleichwertig dem der Gynnofien und Realschulen — ihren Her JSraelit. Schüllra vermitteln. Im Rahmen des zwar unter staatlicher Aufsicht stehenden, aber doch durch sie nicht so sehr eingeengten Lehrplanes ist dies möglich, selbst wenn nicht nur, wie in dem angeführten Artikel behauptet wurde, zwei Stunden — vielleicht reicht diese Zahl nicht ganz aus — sondern auch an mar. chm Tagen der Woche 3 oder 4 Stunden für profue Wiff nschaftn verwandt werden, wenn nur das biblischtalmudllche W ffen als Zentralpunkt in einem sorgfältig ausgearbeiteten Lehrstoffplan seine Ausstrahlungen in alle anderen Fächer sendet. Nur Andeutungen seien versucht. Im Unterricht der deutschen, wie auch der französischen und englischen Literatur kann neben den Hauptwerken derselben eine Zusammenstellung und Auswahl der Werke mit biblischem und religiösem Inhalt*) durchgenommen werden, der deutsche Sprachunterricht kann unter Zugrundelegung von Bibeltexten erteilt werden, im französischen und englijchen Sprachunterricht kann, wenn die Elemente der Grammatik erlernt sind, die Bibel (evtl, auch der Talmud) als Grundlage des Uebersetzungsunterrichts genommen werden, bei Anfängern aus der fremdsprachlichen Bibel ins Deutsche, so daß an der Hand des Testes die grammatischen Erscheinungen besprochen werden, bei Fortgeschrittenen aus dem Deutschen — hier in Burgpreppach zeitweilig sogar aus dem Hebräischen — in die Fremdsprache, so daß auch die nicht wenigen Stunden des Sprachunterrichtes die Btbelkenntnisse fördern. Aufsätze können in ollen Sprachen über jüdische Themen angesert'gt werden — nach Durchnahme des Mtschnahtraktates Lanhedrin behandelte hier in Burgpreppach ein Aufsatzthema: „Eine Gerichtsitzuug in Alt-Jsrml" alle einschlägigen Vorschriften dieses Traktates — im Mathematikunterricht körnen in Auswahl die mathematischen Teile aus pD'Hjj, D^7D Dö rrnö/ herangezogen, im Geschichtsunterricht in den einzelnen Epochen das wirtschaftliche und geistige Leben der Juden mit dkm literarischen Niederschlag, den es fand, berücksichtigt, im Geographieunterricht Palästina mit den religiösen Konsequenzen, die sich aus der geographischen Lage ergaben, (oergl. z, B. 4 2 n'""l ruttTö oder 'HDto ■’ön in 3,4 nhro/ irrr 'wix in io,8 mm»), in der Naturgeschichte die Pflanzenwklt von (rV’lTDttf'Dü/ nxa 'DB) behandelt werden, Schönschreiben und Rechtschreiben kann an Gebet- und Btbeltcxten geübt werden, im Zeichenunterricht kann die hebräische Schrift (vgl. D"D mnae) des “1S1D (hier in Burgpreppach mit Gänsefeder) P7i27l-Knotkn, DTN^-Körbchen, jüdische Motivc (Wirp ln, Grabsteinschriften, PN>ö-Zetchnu,'g n), *) Ein Neuphilologe könnte durch Herausgabe einer solchen Auswahl ein Verdienst erwerben. im Gesang- und Musikunterricht der synagogaie Gesang gelehrt werden. Ben Bag.Bags Satz (Sp. d. Väter V,25) daß alles in der Thauro enthalten und alles auf sie zurückzuführcn sei, nürde, in der Schule zur Antvendung gebracht, die Wirkung haben, daß die Talmud Thoraschule dem ihr vorschwebenden leuchtenden J-eale nahe käme, eine Jugeiid heranzubilden, die nach Ben Bag-Bag Alles in der Thauro sieht, bis ins Alter bei ihr bleibt und nimmer von ihr weichet. Comspondenzen u. nachricMen Deutsches Reich. NglianslgeuWe Ju9en. Berlin, 11. Okt. Der Verband national-deutscher Juden hatte am 10. Oktober zu einer Versammlung in der Aula der Kaiser-Friedrich Schule in Charlottenburg eingeladen, um mit einem Vortrag über den Begriff „national-deutsch" in der Erziehungsarbeit des Verbandes seine eigentliche Winterarbeit zu beginnen. Der Vortragende, Sanitätsrat Dr. Peyser, untersuchte die Frage, ob die internationale Denkungsart wirklich vor der nationalen, die von modernen Zettströmen so gern als rückständig abgelehni werde, den Vorzug verdiene. Unter starker Betonung der Liebe zum Vaterland, die zahlreiche seit Gcnerat onen mit dem deutschen Bcd.m verwurzelte Juden in ihrem Herzen trogen, kam er zu dem Ergebnis, daß man seine Gesinnung auf nationaler Denkunterlage wohl zu übernationaler erweitern dürfe, daß aber diese nationale Denkunteilage für jeden deutschen Juden ebenso wie für jeden deutschen Christen das Primäre sei und bleiben müsse. Eine harnionische Vereinigung von Deutschtum und ^Judentum hält er/ bei verständnisvoller Annäherung der besten Juden und der besten Nichtjuden für möglich. Als Aufgabe des Verbandes, kessen parteipolitische Neutralität scharf hcroorgehoben wurde, bezeichnet er: Verständigungsarbeit nach außen, Erziehungsarbiit nach innen, i: sbesondere Arbeit an der Jugend, die von Seelenfängern aller Art bedroht sei. Hirsch Aschkanasy erbaut und am 11 August desselbkn Jahres von dem Rabbiner Hirsch Mecklenburg eingeweiht worden. Diese Synagoge mit zusammen über 100 Plätzen dient gottesdienstlichen Zweck-n und ist gleichzeitig ein Lehr Haus, in dem ständig Talmudstudien getrieben werden. Diese k eine schöne Synagoge darf sich rühmen, die hervorragendsten russischen Gelehrten in ihren Räumen als Gast gesehen zu haben. Auch' viele kleine Vereinigungen haben ih en ständigen Sitz dort. Die Synagoge verfügt über eine reiche hebräisch-rabbinische Bibliothek. Die Religionsgesellschaft Ad aß Israel, deren Anfänge zirka 50 Jahre zurückliegen, hat ihre Synagoge in der Synagogenstraße 18 —14. Zu ihren Gründern gehören Ascher Aron, Friedmann Haurwttz, Eh. Hur witz, Simon Eg er u. a. Als ein Antrag der Gesellschaft um Ueberlassung der alten Synagoge für ihre Gottesdienste 1898 abgelehnt wurde, entschloß man sich, die Synagoge zu errichten, deren Einweihung am 0. September 1898 durch Rabbiner Dr. Esra Munk, der bald darauf zum Rabbiner und Reliqionsschuldirigent angestellt wurde, erfolgte. Die Synagoge führt jetzt die Bezeichnung „Konservative Gemeindesynagoge". Rabbiner ist D,. Julius Joeobowitz. Die Synagoge der Chassidim liegt in ker Feuergass.'2. Vorsteher dieser Gemeinde ist Salomon Jwianski. In der alten Synagoge, Synagogenstraße 2, wird weiter Gottesdienst abgehalten, nachdem der Beschluß der Gemeinde vorn 5. Marz 1835, sie nach Fertigstellung der neuen zu verkaufen, aufgehoben wurde. Die Synagoge in Cranz, die einem starken Bedürfnis vor dem Kriege en sprach, wurde im August 1911 ihrer Bestimmung übergeben. Große Verdienste um das Werden dieses Baues jhat Kommerzienrat George Marx. <E ne Heilquelle in Polen). Ein Mainzer Kaufmann schreibt uns unter anderen: Während meines Aufenthaltes an der russischen Front irn Weltkriege mußten wir im Sommer 1016 in der Siellung einen Brunnen graben. Auf etwa 5 bis 6 Meter Tiefe kam frisches klares Wasser. Da ich gern frisches Wass« r trank, versuchte ich es. Nach dem Genuß hatte ich das Gefühl, als ob ich eine stäke Arznei getrunken hätte. Ich war bis zu diesem Zeitpunkte seit 13 Jahren k>nnk. Die Aerzte erklärten mich als unheilbar neurasthenisch. Während eines Aufenthaltes in Amerika ' vor damals 13 Jahren, hatte ich mir ein-n heftigen Anfall von Malaria zugezogen. Trotz sorgfältiger Be Handlung wurde das Leiden schlimmer. Nachdem ich lange gedoktert und alle möglichen Heilguellen und Methoden versucht hatte, ^ab man mir den Rat, nach Europa zu meinen Eltern zu reisen. 1916 kam ich ins Ausland. Wie ich bereits erwähnt habe, hat das Wasser sofort bet mir gewirkt. Das erstemal nahm cd den wenigen noch vorhandenen Appetit hinweg. So wartete ich, bis der Hunger von selbst kommen würde. Anl nächsten Morgen stellte sich ein natürliches Hungergefühl ein, wie ich es seit zehn fahren nicht mehr hatte. Ich fuhr fort mit dem Trinken dieses Wassers und es wirkte auf Leber, Milz, Nieren und Därme. Hauptsächlich auf die Nieren. Nachdem ich das Wasser vier Monate Hindu, ch getrunken hatte, kam ich nach Deutschland. Meine Freunde und Verwandte kannten mich kaum wieder, so verändert mar ich körperlich und seelisch. Ich kam später an chi^Mestfront: :Niemalsfühlte ich mich wohler als während des Feldzuges. Ich bin jetzt verheiratet. Die Quelle befindet sich in der Nähe von Bäranowitschi, Weißrußland. Die Erde scheint mir dort einen goldstaubähnlichen Sand zu enthalten. Vielleicht ist die Quelle auch radiumhaltig, eine Analyse konnte nicht gemacht werden. Ich veröffeuiliche meine Ersah, urig, n zu dem Zweck, daß diese Quelle v eleu Mitmenschen, die leiden, wie ich gelitten, Heilung bringen möge. Zn weiterer Auskunft bin ,ch gern bereit. Aamlliennachrichten. > ■ Geburten. Eine Tochter : Moriz Reich und Frnn Bertel, geb. Wertheimer, Kitzingen a. M. Barmizwohfeier. David, Sohn des Lehrers Dr. L. Warszawski, Fürth in Bayern, Blumenstr. 40. babbatHnlang und Ausgang. rrrcsrn mv» Ort: Anfang Datum Ausgang Uhrjottn. li>2U 5682 Uhr Mn. Frankfurt a. M 4 40 20. 27. Berlin .... 4 40 Okt. Tischri 5 28 München - - 4 50 5 41 Strastburg . . — — — — Stuttgart. . . 5 — - “) 52 Breslau . . . 4 15 5 15 Nürnberg. . . 4 45 5 40 amburg. . . 4 39 5 30 Ov d

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