Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 62 (1921)
- Issue
- Heft 43 (27.10.1921)
- Date
- 1921-10-27
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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Der Israelit. 27. Oktober 1931. Seite 3 Nr. 43 Bischof ^roliav.u« stufte ,\u a r auf u r t in-. Peivatgeftuäch: ..Toses viele aiifta'udige und »e recht deuteuae Hilden lLH'ir, ich. Po» diesen im de ich nicht gebrochen'. s>ed weis, aber auch, das;/ diese uuslüud'gen und gerecht bandelnden Juden nichts genuftu babeu tvvlle-ü mit dein lnudfreindeu (Gesindel in,res Pultes, das in Nugaru au den Schandtaten der Redulutivu beteiligt war. Und vvu diese», chesindel bade ich gesvrucheu. Pan -4 „P v l k s b e a u f t r a g t e n" . die die blutige Olevrftutiou geschürt und gemacht baden, waren'2 2 st n den. sich wäre ein Perräter au dein ungarischen Pulte, luenn ich nicht gegen die schreetliche Mischaudlung unseres Pulkes durch diese Zettle prutestien hätte'.' chlau Vars buffe», das; diese antbenlischen Ertläruuaen den „Israelit ' vun der Hattlusigkeit seiner 'PuNageu gegen Bischof Prohaszka überzeugen und ibu veranlassen werden, bei e b e st e r e legenbeir dein Pitgegriffenen e r e ch t i g t e i t wiederfabren ,;n lassen', zumal da der „Israelit" nicht nur in Tennchland, L efterreich, Pulen, ii? der Tch'uei.; nftv.. sundern auch im vn'imatlande Bischofs Prolins Pa verdreitet ist. Gerade vom ortboduren I t, d >' n t n in , das im si a t b v l i z > s n, n s und in der P e u t r u in s p a r t e i stets Perftündnis und Tchiiu gesunde» bat, sollte man erwarten dürfen, das; es dieser EhreuvNicht nachtonnnt und weit von d e n j e n i a e n E l e m e n t e n adrüekt, die mit dem I n d e n t n n, nichts als den R u m e u gemein baden, und die allein Bischof Prvlms.fta in'seinen beanstandeten Pussühruugeu lressen lvultle. Puch der in Berlin erscheineilden „Pllgcmeinen fteituug des Indeninins", die in ihrer Nr. 20 vom 00. ^evtemder 1021 dem ,frankfurter .nalbuliteiuage uuertennende "ftstute lvidmet, die „antisemitischen Eurgleisungei," des vielgenannten Bischvfs aber be- 'mängei't, seien Vvrfteb'endr Pusfübrungeii zur Benchtnltg empfohteu." Danach begreifen wir wohl die erregte Stimmung des Herrn Bischof, aber entschuldigen können wir seine Verallgemeinerung umsoweniger, als er ja selbst weiß und zugibt, daß es a nstä n - dige und gerecht denkende Juden gibt. Von diesen hat er nicht gesprochen. Daß der Redner aber ausgerechnet von jenen und nicht von diesen gesprochen, daß er jene, die längst alle Beziehungen zur jüdischen Gemeinschaft gelost, uls typisch für das Judentum hinstellt, itrtb von den wahren, echten Juden, die er kennt und schätzt, schweigt, darin liegt die Entgleisung, die in einer unheilschwangeren Zeit, wie der heutigen, doppelt zu bedauern ist. Unserem Kollegen in der Redaktion der „Volkszeitung" möchten wir noch zu seiner an sich zutreffenden Bemerkung über die internationale Verbreitung unseres Blattes verraten, daß gerade in der Heimat des Herrn Bischof Prohaszka, in Ungarn, die Post, wohl im Aufträge der Horth-Regierung, .die Beförderung des „Israelit" verweigert, obwohl man es in Ungarn wissen sollte, wie weit wir von jeher von jenen Elementen abrückten, die der Herr Bischof mit seinen Ausfällen gegen die Juden t^eff-n wollte. Solche stillschweigenden Zpstnno/- Kleines Jeuillelon. Aus der Geschichte der Königsberger Mischen Gemeinde. Zum 25jfifn4ge» Befuhr n der neuen Synagoge zu Königsberg ist von Oberst kreiärR o sen r h a! eine Festschrift herausgegeben worden, die, obwohl denSiempel der Reformgemeinde tragend, kulturaeschichllich interessanten Inhalt birgt. Aus der Geschichte der israelitischen Gemeinde, die mit der Geschichte Königsbergs aufs engste verknüpft ist, geben wir kurz zusammengefaßt folgendes wieder: Die ersten israelitischen Ansiedlungen hier in Königsberg zur Zeit der Ordensritter hatten un-er großen Anfeindungen zu leiden. Erst Herzog Alb echt von Preunen, der Begründer der Universität, benes im Jahre 1541 die ersten Juden hierher. Es ma-.en die Aerzte Isaak May und Michel Abraham. Er empfahl, letzteren als Bürger aufzunehmen. Nach dem konfirmierten Rezeß der Städte Königsbergs war es den Juden verboten, Waren aufzuspeichern, auch Lr}et}.Jie gehalten sein, „ihren Leib zu verzollen". Aehnliche und noch größere Schwierigkeiten der Ansiedlung brachten weitere Erlasse. Der Große Ktwfürst, der die Vorteile der israeNtischen Ansiedluvgen im Interesse des Ausbaus eines internationalen Geschäftsverkehrs erkannte, ließ sie festen Fuß fassen und gestattete die Errichtung einer Synagoge in dem Gräflich Eulenberqschen Hause in der Kehrwiedergasse (des jetzigen Deutschen Hauses in der Theaterstraße). Gegen sperren tragen so wenig zur Informierung der Oeffentlichkeit über die wahre Gesinnung der Juden best wie etwa die Frankfurter Rede des Herrn Bischof Prohaszka zur Beruhigung der Gemüter führen konnte. Sie „Äeuffchnationalen. Zudenknechte." Der Partei der Deutschsoztaten, oder, wie man in Berlin sagt, des Knüppelkunze, gehen die Deutschnationalen nicht weit genug. Vor kurzem hatten die Deut Asozialen eine Art „Parteitag" zusammenberufen, auf dem die Rtesengröße der Partei, die einige tausend Mitglieder in 30 Ortsgruppen zählt, ebenso zum Ausdruck gelangte, wie die Geistesgröße ihres Führers Richard Kunze, des stillen Dulders von Gardelegen. In der Rede Kunzes kamen besonders schlecht die Deutschnattonalen weg. Denn unter stürmischem Beifall stellte Kunze fest, daß sich auch bet ihnen der Einfluß jüdischen Geldes bemerkbar machte. Deshalb habe man versuchen müssen, eine eigene deutschsoziale Partei ohne jüdisches Geld in Leben zu rufen. Hergt habe, so führte Kunze weiter aus, die Schuld an der Ermordung Erzberqers den Deut^chvölkischen zuschieben wollen. Die Versammlung antwortete hierauf mit dem Zuruf: „Hergt ist ein Judenknecht!" Nicht besser erging cs übrigens dem früheren Kaiser. Als Kunze erzählte, daß die Monarchisten Wilhelm II. aus Holland wieder holen wollten, erscholl der Ruf: „Nicht den Judenkaiser!" Das alte Kaiserreich habe uns tn Elend geführt, weil es v er judet war usw. usw. Ueber das antisemitische Programm wurde gesagt: Man wolle keine Pogrome. Wenn aber die Forderungen der Deutschvölkffchen auf Stellung der Juden unter Fremd enr echt und auf Ausweisung aller nach 1914 eingewanderten Juden nicht erfüllt werde, dann würde es blutige Pogrome geben. Knüppelkunze sei also der wärmste Freund der Juden, weil er sie hiervor bewahren wollte. Die Tagung wurde noch durch zwei weitere Redner verschönt, die sich als „ehemaliger Sozialdemokrat" bzw. „ehemaliger Kommunist" vorstellten. Als echte Renegaten verstanden sie gut, \ \ ihren Reden nichts von ihrer Vergangenheit merken zu lassen und das Maulheldentum ihrer Vorredner noch zu überbieten. Ais Symptome sind auch solche Aeußerungen blindwütigen Haffes nicht bedeutungslos. Zahlung von 100 Tatern an das Königliche Waisenhaus gestatte'e Friedrich I. durch ein Reskript vom 25. 10 1703, die Erwerbung eines Begräbnisplatzes an der ehemaligen Pulvermühle auf dem Tragheim. Der erste, der hier beerdigt wurde, war Markus Jllren; an seinen Tod knüpft sich die Begründung der frommen Brüderschaft „Chewrah Kaddischah" am 12. Dezember 1704. Durch Ansiedlung Bendix Jeremias erhielten die Juden Königsbergs einen Führer. Ein Schutzbrief sjchrrte ihn, zu, mit seiner Familie nach jüdischem Gesetz hier leben zu dürfen. Als Unzulräglichkeiten tn der Gemeinde eine Leitung derselben erheischten, wurde auf eine Eingabe an den König Friedrich I. hin, ihm die Oberleitung des jüdischen Gemeinwesens übertragen. Am 27. April 1722 trat das Gesev in Kraft, welches der Gemeinde festen Boden verlieh. Sie wurde von nun an von einem gewählten Vorstände regiert. Beim Regierungsantritt Friedrich Wilhelms I. wobnten in Königsberg 36 Juden. Der Gottesdienst wurde auch tn Privathäusern abgehaiten. Ein Reskript vom 1. November 1713, die Ordnung in der Synagoge betreffend, verbot jedoch diese Privatgoitesdien„e. Ein Gesuch der Judenschaft Königsbergs an Friedrich II um die Erlaubnis, „außer der ordinären Synaaoge tn einem Prioathause auf der Altstadt noch : ine Betstube zur Commoditaet der Fremden zu Hallen", wurde am 27. August 1747 zurückgewtesen und der Regierung befohlen, „die Juden anzuhalten, daß sie aus ihren Mitteln eine solche räumliche Synagoge an einem bequeme« Ort errickuerchmlissen'". - Erst im Jahre 1753 erhielten sie von Friedrich''dem Großen die Erlaubnis zum Ankauf eines Grundstückes am Schnurlingdamm. Sie wurde am 23. Dezember 1756 von dem Gemeinderobbiner Lewin Markus eingeweiht. Am 14 Juli 1811 brannte sie ab. Am 13. August 1813 schon konnte Mische Schulfragen ln Deutschland. Von Distriktsrabbtner Dr. Michalski in Burgpreppach. Der Verfasser einer Artikelserie unter obigem' Titel kommt in Nr. 36 des „Israelit" zu dem Ergebnis, „daß in den öffentlichen Bekenntnisschulen der ganze Lehrplan mit seinen vom jüdischen Standpunkt aus lächerlich kleinen Dosen von Religionsunterricht unseren Kindern nimmermehr diejenige Grundlage an biblisch-talmudischem Wissen zu gewähren vermag, auf der sich eine wahrhaft jüdische B.l'öung im Sinne der Thauro zu entwickeln vermag. Dieses Ziel ist eben nur im Rahmen von völlig freien, durch staatliche Lehrpläne nicht gehemmten und eingeengten Talmud-Thoraschulen zu erreichen. Wäre es auch nur um der Kinder der ostjüdischen Ausländer willen, die dem Schulzwang nicht unterliegen,' so'tvüE es sich wahrlich verlohnen, daß die berufenen Kreise der Gründung solcher Talmud Thoraschulen ernste Aufmerksamkeit widmeten, in denen die jüdische Wissenschaft, die in Thora, Mischua und Talmud niedergelegte jüdische Kultur den Haupttcil des Unterrichtsstoffes ausmachen, während in einem lägt ch zweistündigen Unterricht in Schreiben, Lesen, Rechnen und Realien den Kindern die Elemente auch der modernen Kultur beigebracht würten. Das Thema verdiente eine besondere Behandlung und wir sind gerne bereit, die Spalten des „Israelit" dazu zur Verfügung zu stellen." Soweit der Artikel. Das in ihm enthaltene Bekenntnis zu der Unzulänglichkeit des bisherigen Religionsunterrichtes der, v'elfach nur aus den Fächern „Biblische Geschichte" und „Religionslehre" bestehend, eine nicht unwesentliche Ursache des beklagenswerten religiösen Niederganges unserer Zeit ist, dürfte jedem Einsichtigen aus dem Herzen gesprochen sein. Allein, bevor wir an die Gründung neuer Talmud Thoraschulen denken, sollten wir doch erst erwägen, ob nicht die bestehenden Talmud Thoraschulen so gefördert und ausgebaut werden könnten, daß sie nicht nur den Kindern d:r „ostjüdischen Ausländer", sondern auch unseren weftjüdischen Kindern auf der Grundlage eines gediegenen und umfaffenien biblisch-talmudischen Wissens moderne Kultur vermitteln. Denn wahrlich, eben so sehr und vielleicht noch mehr bedarf unsere westjüdische Jugend solcher Schulen, soll nicht Unwissenheit und Abfall fortschreiten von Geschlecht zu Geschlecht. Hierzu ist meines Erachtens ein Dreifaches erforderlich. Zunächst müssen diese bestehenden Talmud Thoraschulen von den berufenen Kreisen und Organisationen so gestützt und gefördert d e Grundsteiaiegung der jetzigen Synagoge in der Synagvgeustraße 2 erfolgen. Die Einweihung war verbunden mit der Weihe der Kriegsfreiwilligen für den Befreiungskrieg, sie erfolgte am 19. April 1815 durch den Vizerabbiner Joseph Saal schütz, den Baker des späkeren P edigers Prof. Dc. Joseph Levin Saalschütz. Nach der Einweihung der Synagoge wurden die Privatbeistuben bis auf eine, geleitet von H. Jinckelslkin, geschlossen. In einer Verhandlung im Januar 1857 stand die Anschaffung einer Orgel zur Diskussion. Die Abneigung vieler Mitglieder gegen dle Orgel war sehr stark. Besonders der greise Rai bi M e ck l e n b u r g erhob g"gen diese geplante Neuerung flammenden Protest und erklärte, daß nach der traditionellen Lehre des Judentums bei dem Gottesdienste keine Orgelbegleuung gestattet werden könnte. In einer Sitzung vom 23. März 1857 wurde der Kauf einer Orgel mit acht gegen fünf Stimmen abgelehnt. Im Frühjahr 1809 wurde dis Orgelfrage erneut ausgenommen und auf Grund eines Gutachtens von Dr. Bamberger der Kauf beschlossen. Durch diese Neuerung im Gottesdienst kam es zu einer Trennung der Gemeindemitgiieder, unter anderem auch zu der Bildung der Religionsgemeinschaft Adaß Israel. Da die Synagoge sich im Laufe der Jahre, die ein starkes Wachsen der Gemeinde brachten, als zu klein erwies, wurde der Wunsch nach einer neuen Synagoge immer lauter. Aber erst im Jahre 1892 konnte das Grundstück Lindenstratze 11—15 und eine Parzelle AltüädUsche Holzwiesenstraße 7- 8 mit einem Kostenaufwand von 121908 Mark erworben werden. Am 19. März 1894 wurde mit dem Bau begonnen und nach 2^ jähriger Bauzeit war sie beendet. Von den anderen Synagogen Königsbergs werden in der Festschrift genannt die in der vorderen Vorstadt 71 a. Sie ist 1855 von dem Kaufmann David