Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 62 (1921)
- Issue
- Heft 43 (27.10.1921)
- Date
- 1921-10-27
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Begründet Den Dr. Lehmann in mainz <2- 62. Jahrgans. Sranhfuri a. M., Sen 27. Oktober 1921 25. Tischri 5682 M 43 Abonnement pro Vierteljahr: Deutschland bei den Postämtern sowie bet direkt. Bestellung u. Rechuungserteil. durch d. Bei lag M. 7.20 Viertels, f.Lehrer u.Knltusbeamte («.direkt) M.3.60vierteljährlich, Deutsch-Oesterreich Kr. 90.— vierteljährlich: Tschecho-Slowakei Kr. 12.— Ungarn Kr. 40.—vierteljährlich, Polen (nur in deutscher Neichsmk.) Mk. 12 vierteljährl., Rumänien 10 Lei, Holland fl. 1, Skandinav. Kr.2, Schweiz ss. 1.50,Frankreichu.BelgienFr.2.50, England 1 sh. 6 p., Amerika 0.50 Doll, vierteljährl. Einzelnuinmer 60 Pfg. Durch den Buchhandel wie beim Verlag. Der Israelit erscheint jeden Donnerstag Inserate : Mk.2.— für die sechsgespaltene Colonel-Zeile elnschl. Teueruugsznschl.; Auslaud-Ins.Mk.4.— pro Zeile Rab. nach Tarif. Bei laufenden Jnseratauftr. rarifm. Preiserhöhung jedcrz. vorveh. Jnseratenannahme durch den Verlag des Israelit ®. m. b. 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Aussatze: Dr. Michalski: Jüdische Schulsragen in Deutschland. — 5. Korrespondenzen und Nachrichten: Berlin, (Nntionaldeutsche Inden). — Darmstadt, (Schulbesreiung an Feiertagen in Hessin). — Wien, (Kviilrilmtion aus jüdische Gemeinden in Ungarn). Lemberg, (Kriegswaisen aus Osigaiizien). — Warschau, iDer Streik, der Gemeindibeamten). — Budapest, lD.e jüdischen Geiseln der ungarischen Räleregierung). — gliga, (Die Bolschewisten gegen die jüdisch-religiösen Austalle»). Jerusalem, (Die Mission des Dr Bandarelij. — Jaffa, (Hänserban in Palästina). — New-Aoik, sDie Ehrung eures Rabbiners). — 0. Personalien. — 7. Vermischtes.— 8. Frankfurter Berichte. — 9 Bereu s k a l e n d e r. — G e b e t z e i t e n. — 10. F e u i t l et o n - Beilage: Ans den Kindheitstagen unserer Großen. — 1l. Kinderecke: Der kleine Lehrmeister. Der österreichische Option-skandal. Dem Kriegs der das jüdische Galizien so gut wie ruiniert hat, ist für Oesterreich ein Frieden gefolgt, der ein gut Teil der in früheren österreichischen Kronlanden wohnenden oder ans denselben geflüchteten Juden recht- und heimatlos macht. Das Option srecht oder richtiger das Optionsunrecht wird im Artikel 80 des Friedmsvertrages wie folgt „geordnet" : „Personen, die in einem zur ehemaligen österreichisch-ungarischen Monarchie gehörigen Gebiet heimatberechtigt und dort nach Rasse und Sprache von der Mehrheit der Bevölkerung verschieden sind, können innerhalb eines Zeitraums von sechs Monaten nach dem Inkrafttreten des gegenwärtigen Vertrages für Oesterreich, Polen, Italien, Rumänien, den serbisch-kroatischslowenischen Staat oder die Tschecho-Slowakei optieren, je nachdem die Mehrheit der Bevölkerung dort aus Personen besteht, welche gleiche Sprache sprechen und derselben Rasse zugehören wie sie." In einem lesenswerten Aufsatze des rechtsstehenden Völkerrechtslehrers Dr. C. Brockhaus in der „Franks. Zeitg." wird sachkundig nachgewtesen, welch Unrecht diese Formulierung des Options-Artikels für die Mindeihcit'n aller Völker des früheren Oesterreich involviert. Er nennt diese Bestimmung „übereilende Torheit" oder „bewußte Bosheit." So weit das Gesetz die Juden betrifft und trifft, können wir nur von bewußter Bosheit sprechen. Infolge der obigen Bestimmung liegen zur Zeit 180000 Optionsgesuche von Famiien für Deutschöfterrelch vor. Das bedeutet, daß rund eine halbe Million Menschen den natürlichen Anschluß an das Land suchen, mit dem sie sich nach Art und Sprache verbunden fühlen. Der österreichische Bundesminister Waber erklärte aber, daß der Staat nur diejenigen aufnehmen wird, die er nach dem Friedenstraktat aufnehmen muß. Die Juden in oder aus den slawisch gewordenen Ländern des früheren Oesterreich müssen nicht ausgenommen werden, da die Bestimmung das Optionsrecht von einer Zugehörigkeit auch nach Rasse abhängig macht, ergo werden sie zurückgewiesen und in ihrem eigenen Lande heimatlos gemacht. Es mag sein, daß der französische Text mit „la Es 6t la langue" nur die nationale Zugehörigkeit im Sinne der früheren Staatsangehörigkeit gemeint hat. Aber weniger auf den etgenllicheu Text als vielm-hr auf seine Auslegung kommt es an. Und die Auslegung in Wien ist in dem Sinne gehalten, daß alle zur Option angemeldeten Juden als „Rassenfremde" zurückgewiesen werd en. Es war dies auch übrigens von vornherein die Absicht der Wiener Initiatoren der Optionsformel, an deren Spitze der sozialdemokratische Dr. Renner, damals Bundeskanzler, offen erklärte, daß damit den Slawen und Oftjuden ein Riegel vorgeschoben werden sollte. Heute liegt die (Lache in Händen des antisemitischen Minister Waber, der in der Auslegung und Ausführung der Bestimmung wohl weiter geht, als es dem sozialdemokratischen Dr. Renner lieb ist und dabei vollkommen von seinen Parteigrundsätzen geleitet wird. Was wird aus den hunderttausend jüdischen Schiffbrüchigen des alten österreichischen Reiches werden, denen die letzte Planke entzogen wird, auf der sie Rettung suchten? Sollte sich doch noch im Rahmen des Völkerbundes eine Instanz siaden, die die Optionsbestimmung auf ihren eigentlichen Sinn zurücksührt und sie der Willkür an Worten drehender und deutelnder Pavid- Politiker entzieht? Wochenmndschau. Ser „»»katholische" Bischof. Unter dieser Ueberschrifi brachten wir jüngsthkn aus Anlaß des in Frankfurt a. M. tagenden Katholikentages einen Artikel, in dem wir unter Anerkennung des hohen sittlichen und geistigen Niveaus der Referate und Verhandlungen die Entgl eis ung e u des ungarischen Bischofs Ottokar Prohaszka, der sich in Ausfällen auf die Juden erging, zurückwiesen. Die katholische „Frankfurter Volkszettung" druckt den Artikel wörtlich ab und bemerkt dazu „Aus die Frage des (- ob bi'V Bvch>N als tat statisch an.^nsesten sei —der über die Vor sv» des bau istiu etwas, voreilig angegrii'enen und prinrteiilen Bischofs mangelstaft unterrichtet toar, tan» die beruhigende Versicherung gegeben werden: B i s di o s P r o st a s g t a ist und bl ei bl ein gut t a i I) o i i s ch e r und gut ist r i st l i ch e r Bischof. Was es mit dem istm zum Vorwurf gemachten „21 u i i s e miti s m u s" für eine Bewandtnis star, darüber gibt eine Mitteilung der ,,.\ii.Uuiulien Voltswitung'' begw. in der „Frantsiirter Voitsgeitimg" vom 7. 0. 21 in dantenswerter Weife Anstun ff, ioo es stets',t: „In manchen Kreisen staben einige 2iiiu' aus der Schlußrede oos Bischofs L Notar P r o st a s t a van Slilsttwelßeubili'g Anstoß erregt, Zweimal!>>n er in seiner lonchtigen Rede von „jüdisch bolscheloitisckien" Revolutionären gesprochen tlud vernichtende "An klagen gegen den tuttur,zerstörenden roten Terror in Ungarn erst oben, wo dieser bor üoei Jahren 132 Tage lang sein verheerendes Unwesen triest. Bischof Pröstaszta hat all' die Leiden einer ooticheloistischen Revolntion am eigenen Leibe erfahren: mehrere Wochen war er im sinnier, sei» Leben war andauernd bedroht. Als er an sei>>e>l, Bischofssitze am Fronleichnamsfeste UNtl wieder die fatrameut. Prozession abstielt, war sei» Haus noch Volt Botichetoisten befent. die Eingänge mit Biaschinengeioestrell gespilt': Bolstln'loiten, die die Wosturänme des Bischofs in l'bi-üi• - st er Weife beschmutzt statten, schauten von da grinsend und rauchend der Prozession zu und vespnckn"., die tlrestlichen Würdenträger. Die Unerschrockenbeit des Bischofs lind feine aufopfernde Hingabe an >ein Volt staben istm die schier grenzenlose Verehrung aller Schichten desselben zngezvgen. Er ist ihr Heros, Führer und Ratgeber geworden. ■‘3