Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 62 (1921)
- Issue
- Heft 16-17 (24.4.1921)
- Date
- 1921-04-24
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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»Der ISraeltt." 21. April 1631. RhamanS,i der die Freundschaft vermittelt und verbürgt." Chasdai überreichte seinerseits die Geschenke des Kalifen für König Muncimimtr und die Gesandten. Schon hatten sie den großen Saal verlassen, als'die Türe wieder aufging und zwei der Gesandten noch einmal etntraten und etwas unsicher an den Minister herangingen. „Wir haben noch eine Sondermisston", fing der eine an, „nicht mehr an des Kallfs ersten Ratgeber, sondern an den Nassi." Chasdat machte ein erstauntes Gesicht: „Was wissen Slavoniens Gesandte vom Rassi? Seid chr am Ende Glaubensbrüder?" „Ja, wir zwei", nahm der andere das Wort. „Saul ist mein Name und Joseph heißt mein Freund, und hier das Schreiben, das wir zu überreichen haben. Der Nassi öffnete den versiegelten Brief. Aus dem Umschlag fiel ein anderer Brief, verschlossen und mit dem Wappen des Kaisers von Byzanz versehen. Das andere geöffnete Schreiben trug bekannte Schrtstzüge: „Die Schrift Jzchaks ben Nathans", rief Chasdai überrascht, „des Boten, den wir üoer Konstantinopel nach Chasarien schickten. Habt ihr ihn getroffen, was wißt ihr von ihm?" Der Slawomer erwiderte: „Er war bei uns in Slrmium und ist sehr bedrückren Gemütes. Er spricht sich' nicht aus über Byzanz und den Kaiser, aber er kann seine Erbitterung nicht verhehlen. Alles andere har er in diesem Schreiben mttgeteilt, dem auch der Brief des Kaisers Romanus an den Naisi beiltegt. Er, Jzchak selbst, sollte ihn überbrtngen. Ader all unserem Bitten und Drängen, mtt uns nach Coroowa zu gehen, lieh er kein Ohr. Er ging von uns gen Süöost nach Ungarn, wo er emen günstigen Augenblick abwarten will, über die Karpathen weiter an sein Ziel zu gelangen. Er findet überall in Slavonien und Ungarn Glaubensbrüder und gute Aufnahme." iJ° ^MfasW" WedSlWE M Brief Jj- "chM^vurch. imb3 aE das taiseWe Schreiben vcm ByjanzurW sein GifWL ÜberzM eine -üsttre Wolke. „Ich bitte' euch", sagte der Nassi, „heute noch in Coidowa zu bleiben .und Gäste meines Hauses zu sein, bis wir im Lehrhause die nötigen Beschlüsse gefaßt haben. Vielleicht hat euch die Borsehung hergesandt, daß ihr uns in unserem Bemühen helfet. . . Menachem den Saruk, der dem Empfange beigewohat hatte, folgte den beiden Männern auf die Straße» nahm sie still beim Arm und führte sie durch die blühenden Rethen im Garten des Nässt bis an die Laube heran. „Hadassa!" rief er gedämpft in den Garten» „begrüße die Himmelsbotea, sie bringen frische Kunde von Jzchak, dem Sohne Nathans." Wie ein Reh kam das Mädchen über die grünen Beere gehüpft und sah mit glühenden Augen zu den fremden Männern hin. „Sie kommen von weither und bringen Grüße von Jzchak", wiederholte Saruk. „Willkommen edle Männer, die ihr frohe Kunde bringet", brachte Hadaffa hervor. „Was wißt ihr von Jzchak?" Der ältere der Beiden, Saul, erwiderte: „Jzchak, Sohn Nathans, trug uns auf, Andalusiens schönster Junfrau seine Grüße zu überb ttngm und ihr zu sagen, daß der Myrtenbaum im Garten ungepflückt bleibe bis er komme und nach ihm ausiange." „Wo ist er und was gedenkt er noch zu tun?" „Wir treffen ihn wohl nicht mehr, wenn wir helmkehren, denn er wollte gen Oft nach Ungarn, an die Karpathen.. Aber der Weg zwischen Slawonien und Ungarland ist wohl belebt und er wollte mit uns tn Fühlung bleiben." „So laßt ihn wissen: die Myrre bleibt unberührt und harret seiner —-" Entsetzung folgt.) Peffach. Von S. Krückheimer in Marktbrejtt 1. Sulamith. Durch die fleckigen BuchenstLu.ine mit ihrem jung-weichen Blättersiaum flimmerte oie Sumte and mouc wechselnde Bieder von hüpfenden Vögem und allerlei anoerem Getier auf die vom satte-sien Grün strotzende Moosdecke. Wirr durcheiuunöer sangen Blaumeise und Pirol und vom Waidiuiieiu rief unermüdlich der Kuckuck. Ich verfolgte den schmalen Pfad, der an eiltet; plötzlichen Biegung einen Bach überquert, über dent noch die Morgennebel wehten. Zwischen dem Dunkel der eng heraudrangenden Bäume -juchten sich diese Nebelschleier den Weg in die svimenouriyfirmie Höhe. Aus dem schmalen Sieg stehend, betrachtete ich dieses Wogen und Ziehen, dieses quirlende Brauen und Drängen. Wie eine slatternoe Schleppe um einen jungen Körper dehnte sich da ein gerundeter Streifen. Feilte, bloße Füße traten hervor und ein durch das dichte Geäst gevrochener Lichtstrahl geigte gleichzeitig ein liebliches Gesicht mit langhin wailenuea Blondhaaren. Am schlanken Hals blitzten taujrische Kettlein, goldene Spangen mit Siiberpüntrchen schimmerten an den seingliederigen Händen. Der Goldreif aber um die weiße Stirne brach mit seinen Saphiren und Türkisen das Morgeniicht in einen Kranz farbiger Strahlen. „Wer isr's, die dort aufsteigt, wie iäuleng'ader Rauch empor?" *) Wars ein Trugbild der von der Sedernacht noch nicht ausgeruhten Sinne, wars eine Phantastegestalt, erwachsen aus der farbigen Schilderung. im Salomonischen Liede: Sulamilh schwebte über gelben Blumen, jungem Nadelgrün und vollerwachtem Vogelgezwitscher in die lichtblaue Höhe. „Was wollt ihr schan'n an Sulnmith? Wie schön sind in den Schuhen, Fürstentochier, Deine Tritte! Deiner Hüften Schwingungen wie Kettenwerk, Tein Hals, ein Turm von Eltenöel't, Deine Augen, wie Teiche zu Cheschbon . . ."*) Da hörte ich neben mir deutlich eines Spechtes eifriges Hacken; ein kleiner Holzspahn mag mir wohl das Gesicht gestreift haben .... Ich richtete mich auf. Das gejchwätzige Bachgemurmel, oer betäubende Harzduft und das Wipselrauschen hatten mich gelehnt an das Geländer des Steges — ein wenig ^eiUgesthläserd.ee jiü., <«;;•:> ufa; 6.,? j_ . . -Me- Sonn? ..lachte jn - das frliche^ .Waldwassch, und die Nehel^ wärest^' M'rloK, .bÄrDöhnden.'.^ 2. Beim^Tal-Gebet. Durch die Zweige der im Borhos stehenden Linden brachen die Sonnenstrahlen durch hohe, graue Fenster herein in die kleine Dorffhnagoge und stellten den altersgrauen Vorbeter und sein Pult tu ein feines Lichtgezitter. Zn den Ecken der vom Bewurf vielfach entblößten Mauern, art der hohen . Decke und auch zwischen den Banksitzen hingen staubige Spinnennetze. Nach der frischen Frühlingslust, die durch die Gassen strich, merkte ich den leisen Modergeruch umso stärker, der aus vergilbten Folianten und von den wurmstichigen Platzstandern aufstieg. Tie Gesichter der Beter waren alt. Drei Knaben nur saßen in den Kinderbänken. Ein stilles Vergehen dieser Dorfgemeinde sprach aus all diesem. In der schwachen Stimme des Vorbeters lag viel Wohllaut. Pesachstimmung zauberte sie herbei, Auferstehung klang heraus. Und die Zuhörer summten leise mit. Noch weicher wurden die Melodien, als das Tal-Gebet begann. Aus dem Innersten quollen sie heraus, dorther, wo Hoffnung und Wunsch, Liebe und Leid ihren Sitz haben. War es Absicht, war es hörbarer Ausdruck der farbigen Vorstellung: Wie mächtige Schraubengewinde schienen sich die ersten rezitierten Sätze in die Höhe zu bohren, durch die Decke des Bethauses bis hinauf zu den weißen kleinen Wölkchen nach: Tau. Als nun die heilige Lade geöffnet wurde, geschah etwas Absonderliches. Die Empore samt dem Vorbeter schien in den Boden gesunken zu sein. Ich sah nichts mehr davon, obgleich die jetzt ein wenig zitternde Stimme von irgendwoher noch hörbar war. Dagegen gewahrte ich dort vorne ein unermeßlich weites, gelbes Weizenfeld. Tie Luft über ihm flirrte in der Hitze, die eine weiße, glühende Sonne niederschickte. Kein Bogellaut. Kein Flügelschlag. Unheimliche, brütende Stille. In die ausgetrocknete Ackererde sprangen schmale Riffe und dann und wann siel eine halbreife Banmfruchi in das Feld. Tie Halme standen vornüber gebeugt in heftigstem Zittern. Eine entsetzliche Angst kroch über sie hin. Und aus den Tausenden der verdurstenden Aehrcn stöhnte es heraus: Tau. Ta versank das Weizenmeer wie eine Szenerie auf der Drehbühne eines Theaters, und im vergehenden Abendlicht dehnte' sich ein saftgrünes $^«1- Ro. 16 u. 17. Sette 11 land. Weiche Luft, die die Lunge gierig saugt, streicht darüber hin. lieber den Bergen her brummt noch der Donner. Schnarrend geigen die Heimchen. Schwalben schießen hin und her. Eine Lerche steht trillernd zwischen den Wolken. Und ein doppelter Regenbogen spiegelt sich tausendfältig in den aus Gras und Blumen perlenden Tautropfen. Und wundersam! Mitten in diesem vom Regen erfrischten Feld steht wieder der alte Vorbel?r. lieber den Donner hin hört man seine Stimme: „Zum Leben und nicht zum Tode!" — Und Feld und Wald, Blumen und Vögel, untergehende Sonne und alle Menschen singen ein langanhaltendes: Amen. peffach und der diirgerllche Kalender. Dieses Jahr ist kalendarisch dadurch interessant, daß die christlichen Ostern ganze vier Wochen vor unserm Pessach, also unmittelbar nach Purim fielen, eine Erscheinung, die nicht allzuhäufig eintrttt, welche für die Geschäftswelt etwas störend, für die Schuljugend ober sehr angenehm ist; sie bekommt dann viermal fr.t, da ja auch Schewuot und Pfingsten ausetnanderfallen. Jedem wird es bekannt sein, daß der Grund, warum Peffach und alle jüdischen Feiertage von Jahr zu Jahr auf verschiedene Kalenderdaten fallen, darin zu suchen ist, daß das jüdische gewöhnliche nach dem Mond rechnende Jahr um 11, manchmal 10, 13 oder auch 13 Tag» kürzer ist als das bürgerliche nach der Sonne rechnende Jahr. So fällt dieser nvo aus den 23. April, nächstes Jahr auf den 13. April; 1923 sogar am 1. April, aber 1921, da 5684 jüdisches Schaltjahr ist, wieder später auf den 19. April. Peffach kann in den gegenwärtigen Jahrhunderten zwischen dem 26. März und 25. April fallen (das früheste Dutum 26. März fand z. B. 1r>99 statt), da der rnisarwollmond Mit dem Peffach a.s i.5. des Monats unmittelbar verknüpst ist, in diesen Grenzen schwankt. Die Bestimmung der christlichen Ostern (welches ebenfalls beweglich ist), ist die, daß eS stets auf den ersten Sonntag nach dem ersten FrühlingSvollmond, d. h. dem ersten Vollmond nach dem 21. März fällt, infolgedeffen schwankt Ostern zwischen dem 22. März und 25. April. Wenn nun kurz nach dem 21. März Vollmond ist, das betreffende Jahr aber ein jüdisches Schaltjahr ist, wofür eine gewisse regelmäßige Rethenfolge vorgeschrieben, so fällt in diesem Fall, wie dieses Jahr, Ostern sehr früh, Peffach aber erst einen Monat später. -; In den meisten Fällen fällt bet' erste Ostertag in die Pefsachwoche und zwar entweder aufden2, 4§pder 6.7 Tag. Peffach,-.- in wenigen Fällen auf den 8., noch weniger aus den 1. Tag, Peffach z. B. 1903 und 1927. Daß Ostern lange vor Peffach fällt, kommt in den beiden Jahrhunderten von 1800—2000 dreißig Mal vor und zwar kann Ostern ond Purim direkt zusammen« fallen, z. B. 1815, 1818, 1913 und wieder 1910 und 1967 oder es fällt auf den Sonntag nach Purim btS spätestens eine Woche nach Purim. Fällt Purim nach dem 21. März, so ist stetS Ostern um die Purimzeit; in diesem Falle fällt dann Pfingsten 9—14 Tage vor Lag beaumer. Dieses Jahr ist auch noch dadurch^merkwürdtg, daß zweimal im Jahr um rot? drei Sefer Torot ausgehoben werden, nämlich am nsun rat? und annn xiBnc, was nur in einem jüdischen Schaltjahr eintreffen kann und was tn diesem Jahrhundert nur sechsmal vorkommt, das nächste Mal 1938 (5098), das letzte Mal war eS 1900 (5660) der Fall. * S. Jeidel. *) Gchir-Hafchirim — Hohe Lie). tnderecke» Me Töre ist offen... Bon Karl DarmstädteL^n Ladenburg. Vater, warum hast du in der Nacht Die Türe so weit, weit ausgemacht? „Da draußen sind viele Leute tu Not, Die haben kein Heim und haben kein Brot. Und wenn sie die Türe weit offen seh'n, Dann sollett sie nicht länger draußen steh'n". Vater, warum hast du in der Nacht Die Türe so weit, weit aufgemacht?