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Der Israelit · 1921-04-24 · Heft 16-17 (24.4.1921) · page 12

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Journal
Der Israelit
Volume
62 (1921)
Issue
Heft 16-17 (24.4.1921)
Date
1921-04-24
Page
– (sequence 12)
Language
German
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Leite' 13 Nr. 16 u. 17. Brr FSraeW. „Da hören die, die vorüberzieh'n Die uralten Lieder und Melodien. Da sehen sie alle im Lich erschein Die Brote der Armut trotz funkelndem Wein". Bater, warum wird in dieser N«.cht Die Türe so weit, weit ausgemacht? „Mein Kind, das ist so, weil der Prophet Etijahu jetzt durch die Lande geht". Und warum, Vater, ruht er heut' nicht? — Ist nirgends sein Heim mit strahlendem Licht? Und wird er betreten auch unser Haus Und trinkt den gefüllten Becher dann auS? Da lächelt der Vater: „Ich weiß nicht, mein Kind, Ob wir des Propheten Gastgeber find. Vielleicht tritt er in der Pilger Gewand Zum Seserrtsch in einem fernen Land. Vielleicht leert er seinen hohen Pokal Im schlichtesten Hause beim Sedermahl. Wer weiß, wann er kommt? . . . Mein Kind gib nur achr^ Daß die Tür immer offen in dieser Stacht . . Ein Seder-Abend.*) Der Sed er abend ging zu Ende. Das kleine Mädchen hatte Manisrytano gefragt, hatte Mazzaus bekommen und Moraur und bei jedem der vier Gläser Wein, die die Großen tranken, ein wenig mittrinken dürfen. Der Bater hatte von den zehn Plagen er- - zählt und von dem Auszug aus Aegypten unü schließlich von dem Propheten Elijohu, der zur Erde kommen wird, um die Menschen alle glücklich zu machen. Und heute, am Seher - Abend sollte er kommen. — —-- Aber es ward spät und später, und er kam nicht. ' Das kleine Mädchen war müde»geworden, schmiegte sich fest an sein Mütterchen und grämte sich ein wenig, daß der gute Elijohu rmn doch nicht zu ihnen gekomrnen sei. — - Und siehe da — plötzlich ward es ganz j hell im Zimmer, u:rd das kleine Mädchen sah erstaunt, daß die Wände und die Decke zu leuchten anfingen. Am meisten aber leuchtete der Wein in dem großen Becher mitten auf dem Tisch. Und nun ging die Tür aus und ein alter Mann trat langsam in das Zimmer. Sein weißer Bart, der beinahe bis zur Brust reichte, gab ihm ein ehrwürdiges Aussehen, und seine milden Augen leuchteterl in sonnigem Glanze. Er trat näher, und das fleittc Mädchen sah mit Erstaunen, daß er aus es selber zukam und vor ihin stille stand. Und dann sprach er. Er hatte eine schöne Stimme lvie der Vater, wenn er Slniraus sang, neigte sich zu ihr nieder, legte seine Hand auf ihren Scheitel und sagte: „Da bin ich, mein gutes Kind; du sollst dich nicht grämen, und darum komme ich. Ich bin Elijohu, der Prophet, der zu den Menschen kommen wird, wenn sie alle Gott lieben werden. Aber noch ist meine Zeit nicht da. Utib nun bleibe gut und brav -- daun komme ich, um immer bei euch zu bleiben." Das weiße Haupt erhob sich, leise glitt die Hand von dem Scheitel des kleinen Mädchens, und Elijohu wandte sich zu gehen. Langsam schloß sich die Tür hinter ihm, und mit ihm war auch der lichte Glanz verschwunden. —-—- „Und bau und bau und bau den Tempel schiroh", erklang es da plötzlich dem kleinen Mädchen ins Ohr, und erstaunt fuhr es in die Höhe. „Mutterle, hast du ihn gesehenfragte es. „Wen denn, mein Liebling?" „Nun ihn, Elijohu -- er war doch bei uns hier — im Zimmer — und sprach mit mir". Die Mutter lächelte. Das kleine Mädchen hatte so fest geschlafen und so schön geträumt. *) „Kluderträunien". Ein Märchenb ich für jüdische Kinder von Hermann Sckwab (Vertag L. Gänger, Frankfurt a M.) A. April 19 21. „Er hat gesagt, wenn ich gut und brav; sein werde, komme er vielleicht bald wieder. Nun ' will ich auch immer gut und brav-sein." Und die Mutter neigte sich zu dem Köpfchen des kleinen Mädchens und küßte es. Vermischtes. Da.f ich dir Helsen? Von Heinrich Einstädter. Mein liebes Mütterlein! Vor Pesach wars. Da warst du unermüd.ich Ohn' Ruh und Rast in deines Hauses Räumen Von früh bis abends still, doch emsig tätig. Tu klagtest niemals über Mich' und Plage; Dein starker Wille hielt den schwachen Körper, Daß mehr er tat als nach Natur Ihm wohl an Last und Arbeit zukam. So räumtest du mit einer Sorgfalt, Tie nie kann übertroffen werden. Das Chomez fort aus Zimmern, Boden, Keller. Und wie ein Schatten folgte meistens Tein kleiner Knabe dir, bewundernd und begeistert. Und oft dann hörtest du's aus seinem Munde: Darf ich dir helfen? Vor Pesach war's. Da gabst du deinem Haufe Ein neu Gewand. Es hüllten Tisch und Schränke Zn frische Kleider sich, und ungewohnt Gerät Bedeckte überall d:e Borde. Aus Kisten und aus Kasten, Dir sorglich waren in dem Speicher Das ganze Jahr hindurch verwahrt gewesen, Hobst du mit Stolz den reichen, reinen Inhalt, Ter an den Pesachtagen prangen sollt' in Küch und Zimmern. Da fehlte dann gewiß an deiner Seite Dein Söhnchen nicht, das ja so sehr sich freute Auf Pesach und sein herrliches Gefolge. Und oft auch fragte es sein gutes Mütterlein: Darf ich dir helfen? . Bor Pesach ist's. Die Märzluft streicht noch unfanft Mit ihrem rauhen Hauche durchs Geäst, Und in des Waldes weitem Reich ergrünet Kein einzig Blatt. Unwirtlich und recht trübe Isis auf des Berges Höh', und dennoch Verweilet dort schon lange das liebe Mütterlein. Hier unternl welken Grase, Dicht bei dem treuen, Heißgeliebten Bater, Schläft es und ruhet sanft von Erdenreich und Erdenlast. Da stehet sinnend, betend, Ter einzge Sohn und überdenkt Das Einst und auch gewiß das Jetzt. Er sieht der Mutter Geist in lichten Höhen, Fühlt wie sie stets und ständig sorget, Ob aus den Herzen ihrer Lieben, Das Chomez werde sorgfältig entfernt. Damit dein Reinen und dem Edlen Es nicht den Platz versperre. Und unbewußt . Bewegen sich des schon ergrauten Sohnes Lippen: Darf ich dir helfen? — Nullösung 9e5 Rälfels in Uk 12: OD, P3H;!v, n5- Auslösung 865 MlölL in Nk. 13: 3 2i, pari/ 31, an, heiß. 13 3, nS£Q, Stirne, 3 13, Wunde. 3 1, pn, Pfeil. 2 3, na, klar. 1 3, na, Gehirn. 13 3, naä£, Sproß. Richtige Lösungen sandten ein: Herbert Kahn, Cannstatt i. Wtbg.; Max R»nnert, Mannheim,' M. Weinreb, Ludwigshafen; M. Wertheimer. Eubigheim; Markus Neuberger, Berlin; Ernst Blumenthal, Rasten» durg; Paula Löwinger, WtlhelmSburg; Oskar Feucht» wanger, Amsterdam; S. Kronseld, Bensheim; Joseph Schwarz, Josef Oppenheimer, Emil Schwarzschild, Emil Offenbacher, Ernst Hamburger. Leo Gabel, Sieg, fcted Eans, Kurt Schönberg, Josef Samuel Vogel, alle in Frankfurt a. M. i Berlin, 10. April. Der hundertste Geburt». : tag Prof. Louis Lewanüowskts, des frucht' j baren Kompvmsren und Erneuerers der alten synago- { gaiea Musik, beging der „Verein für jüdische Gelchtkyre j unü Literatur" am Sonniag, den it. AprU, mltlNvS , 13 Uhr, durch eine Gedentfeter im Logentempel, \ Klslstfrrage 10. Ooerkamor Magnus Davldsoyn, j Konzert,ängerrn Agnes Lenbach, Prof. Bernyard! Dessau, E. St egmann unü üer verstärkte Eyor 1 oer Synagoge in der Fasanensrraße wirlten mit. Die * Grd.uk.eoe hielt Here Ravvtner Dr. S. Ho ly seid. LewauüvwSti, dessen Tondichtungen sich in den Syna« gogen von Nord und Sud levrnotg eryauen haben, ist üvngens auch ats Begründer der Alters oer» forgung für Musiker in dankbarer Erinnerung. Die Jüdische Gemeinde von Berlin veranstaltet eine Lewanoowsrt Feier am Samsrug, den 23. April, in der Synagoge in der Oramendurger Straße, in der utren Wrikungestatte Lswandowstis. Hamburg, IS. April. Nachdem bereits mit Bv» ginn des neuen Kalenderjahres im Lehrkörper der hiesigen Talmud-Lhora-Reaischule eine bedeutsame Veränderung notwendig geworden war — nach langem segensreichen Wirken als Oberlehrer für die jüdisch:» Wissenschaften mutzte Herr Tr. David Schlesinger in Len Ruhestand treten und lein Nachfolger wurde Herr Rabbiner Tr. Lewin aus Wreschen — trat zum Anfang des neuen Schuljahres ein Wechsel in der Leitung unserer Anstatt ein. Herr Direktor Dr. I. Goldschmiot, der mehr als ein Menschenatter hindurch mit Umsicht, Hingebung und bet,ptNioser Pflichttreue, von Lehrern und Schülern in gleicher Weise verehrt, in erfolgreichster Weise die Talmud-Thora leitete, sah, sich durch sein hohes Alter veranlaßt, von seinem* verantwortungsvollen und arbeitsreichen Amte zurückzuterten. Tie Feier, die aus Anlatz des Tirekrorwechseis in würdevollster Weise veranstaltet wurde, legte beredtes Zeugnis ab von der Anerkennung und Zuneigung, die der scheidende Direktor in allen beteiligten Kreisen gefunden. In den Reden der Vertreter der Oberschulbehörde, des Schulvorstandes, des Lehrerkollegiums und des Vereins der Freunde der Anstalt wurde in den verschiedensten Tönen das Lob des Herrn T«r. Goldschmiot besungen und seine Arbeitsfreude, die kein Ermatten kannte, seine Gerechtigkeit, die sich bis ins kleinste tunogab, seine Bejchciseuheit, die ihn in seinen Mitarbeitern allezeit nur Kollegen sehen ließ und seine überzeugte Frömmigkeit, die die Traditionen der Anstatt schützte und sicherte, gepriesen. Mit tiefgefühlten, geistreichen, von Anfang bis zuletzt fesselnden Worten, die ein schönes Bild von der Auffassung seines Amtes boten, dankte der Gefeierte. Gleichzeitig ivurde der zum Direktor gewählte Herr Tr. I. Carlebach, der bisherige Rabbiner der Lübecker Gemeinde, in sein Amt eing> führt. In einer schönen und sinnigen Rede dankte er für die ihm gewidmeten Begrüßungsreden und entwickelte kurz, jedoch eindrucksvoll, sein Programm. Ausgehend von einem Pjalmworte, zeichnete der Redner in gediegenen, von großer Beg.isterung getragenen Worten die große Bedeutung der Schule in unserer Zeit gerade für die Gesundung der Menschheit im allgemeinen und für die Erhaltung und Stärkung der jüdischen Ideale im besonderen. Diese aus der Tiefe des Herzens fließenden Worte fanden auch den Weg znnl Herzen und lösten in jedem den Wunsch aus, daß dem neuen Tirektor cs beschieden sein möge, sein Amt zur Ehre unseres Judentums zum Segen der der Anstaltt anvertranten Schüler und zu seiner eigenen Befriedigung vis ins fernste Alter zu versehen. Hamburg, 15. Slpril. Die Enthüllung der Gedenktafel zu Ehren der gefallenen Lehrer und Schüler der Talm ud-Thora- Realschule konnte zur Freude des scheidenden Direktors, Herrn Dr. G o l d s chm i d t, am Tage vor seiner Abschieds feier stattsinden. In Ariwesenhcit des Schulvorstandes, der gesamten Schulgemeinde, der Angehörigen der Gefallenen, wurde die würdevoll gestaltete Gedenktafel ihrer Bestimmung übergeben. Herr Strauß, Mitglied des Schulvorstandes, übernahm die Tafel in den Schutz der Anstalt und betonte in tiefempfundenen Worten, daß die Toten in unserer Mitte segensreich sortwirken, wenn ans der Feier das Wort focttö.it: fr' nn 78 Mit vor Tränen erstickt-c Stimme widmete nun der Tirektor den gefallenen Lehrern und Schülern unter Anlehnung an die Anschrift der Tafel: Lnirr ,7£3 y« wehmutsvolle, tiefempfundene Worte ehrenden Gedenkens. Ein stimmungsvolles hebräisch^ Lied schloß die ernste Feier. Nücnverg, 18. Apttl. Die Talmudthoraschule von Schwabach wurde nach Rü> nberg verleat. Das Institut, das vor Jahrzehnten von den Rabbinern Wißmann und Wechsler y'iJT ge» gründet wurde, wird durch diese Uebersiedlung zu neuem Leben erwachen. Wien, 17. April. In Vertretung der von der Afuda ins Leben gerufenen Verkehrs- und Transportgesellschaft „Siloah", reist Herr Wilhelm Buch» bin der nach Palästina, um dort das Spedttionswefen zu übernehme«. Gleichzeitig eröffnet der Genannte in Jaffa, Jerusalem und Haifa, ein Agentur» und Kommissionsgeschäft, das auch eine Information-» und Geldüb» rweisungSabteilung unterhalten wird. (Näheres Inserat).

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