Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 62 (1921)
- Issue
- Heft 16-17 (24.4.1921)
- Date
- 1921-04-24
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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äl, April 1921 zige Band, das die Gemeinde zusammenhält." Prompt erfolgte darauf die Antwort aus den konservativen Reihen: „Eine jüdische Gemeinde, für die der Friedhof das einzige einigende Band ist, wäre reif, sich selbst begraben zu lassen." In der Sitzung vom 17. April kam ein von dem Neuen Jüdischen Gemeindeverein gestellter Antrag auf Schaffung eines Beth-din zur Beratung. Selbstverständlich waren die Herren Liberalen unisono gegen diesen Antrag, der, wenn er schon für jede jüdische Gemeürde eine Selbstverständlichkeit bedeutet, gerade für die Indische Gemeinde Berlin mit ihren: großen Kontingent von Ostjuden einer zwingenden Notwendigkeit entspringt. Tie Ausführungen der liberalen Redner zeigten, wie gänzlich fremd dieseit Vertretern der größten jüdischen Gemeinde Deutschlands jüdisches Fühlen uiw Denken geworden ist. Verstieg sich doch einer von ihnen, Herr Amtsgerichtsrat Halle, zu der Behauptung, die Einführung jüdischen Rechtes sei eine Rechtsbeugung. Ten Gipfel erreichte die Debatte, als einer der konservativen Redner gegen diese aus Unverstand uns juristischer Engherzigkeit geborene Behauptung der Rechtsbeugung Protest erhob und dabei ausführte, das jüdische Recht stehe turmhoch über dem bürgerlichen Recht. Hierbei erreichte ihn der Ordnungsruf des Vorsitzenden, des Herrn 'Gcheimrat Tr. Minden. Herr Dr. Minden, der im Hauptamt Vorsitzender der Reformgemeinde ist, leidet unter - einer Hypertrophie deutschnationalen Empfindens mrd ist daher sehr dazu geneigt, bei jeder passenden und unpassenden Gelegenheit, meistens bei letzterer, zu feiner Präsidentenglocke zu greifen, um vermeintliche Attentate auf das Wohl des preußischen Staates abzuwehren. Tiesmal hatte er besonders stark daneben gegriffen.^ Unter der Heiterkeit der Versammlung mußte er sich von dem konservativen Redner dahin belehren lassen, daß das jüdische Recht, als göttlichen Ursprungs, über das geltende bürgerliche Recht zu setzen, für dieses, als menschlichen Ursprungs und als Niederschlag rein wirtschaftlicher Interessengegensätze, eine Herabsetzung nicht bedeuten kann. Selbstverständlich hinderte aber auch dieser Fehlgriff ihres Vorsitzenden die Liberalen nicht, den Antrag auf Errichtung eines Beth-din, wie den weiteren Antrag auf Untersuchung der Bedürfmsfxage nach einem Beth-din, niederzuft-mmen. Quosque tandem? Wie lange noch trird diese Treimännermajorität ihre Macht m-ßbrauchen? Anders als eilest im römischen Senat läßt sich die Antwort darauf heute schon geben: „Ende nächsten Jahres wird diese Mehrheit von der Bildfläche v erschwingen und die Mehrheit der Genleindemitglieoer wird ihr keine Träne nachweineil." d^nfralDötein und Paläffmaarbeü. Berlin, 17. April. Der „Zentralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens" hielt am vergangenen Sonntag cirre Sitzung des Gesamtvorstandes ab, in welcher nachstehende Resolution mit Majorität gegen eine Minderheit, die sich lebhaft für die Teilnahme an der Pakästinaaktkon eiwfetzte, angenommen wurde: »Wäre die Besiedlung nichts weiter wie ein soziales Hilfsnnrk, darin wä^e vom Standpunkt des Zentralvereins nichts dagegen einzuwenden. Die Bester»' lung Palästinas ist aber in erster Linie Ziel national' jüdischer Politik. Ihre Förderung und Unterstützung ist daher abzulehnen. Solange die sozialen und kul>urellen Bedürfnisse des deutschen Judentums bitterste Not leiden, solange zahlreiche heimatlos gewordene Juden unsere Hilfe dringend brauchen, hat jüdischer Wohltäiigkeitssinn Pflicht und Möglichkeit zu sruchtba. rerer Arbeit." _ , Die Ablehnung jeder Teilnahme an der Besiedlung Erez Jwrocls, well die Zionisten damit bestimmte polnische Ziele verfolgen, heißt das Kind mit dem Bade ausschütten. Allerdings kann man nicht verlangen, daß der „Zentralverein" als solcher sich für den Wieoeraufbau Erez Jisroels einsetzt. . _«er Jsraem, Polen. Die Reformierung des IDarfthauer Rabbinafes. Warschau, 15. April. Nachdem die Gemeindeverwaltung die Proteste der orthodoxen Gemeinderäle und der Rab- ] biner gegen die Wahl des Dr. PoSnanski s abgrlehnt, bestehen die ausgetretenen Gemeindej räte darauf, daß die genannten Proteste mit den j Akten, welche dieser Tage dem B ldungSrninistej rium behufs Genehmigung der Wahl zugeftellt; würden, mit etngereichc werden. ] Wiederaufbau Warschau, 15. April.! Zur Zeit tagt hier eine Konferenz zum! Wiederaufbau. Drc Leiter der Konferenz ist Herr Alexander Landesko, Direktor s des Wiederaufbau-Departement für ganz Europa, j In einer Borversammlung, zu der auch bekannte! jüdische Führer hrrangezogen waren, ic ttc er mit, daß Amerika zunächst für den Wiederaufbau in Europa 5 Millionen Dollar bereitgestellt hat, wovon für Polen 1 Million Dollar abfällt. Weitere Posten werden noch erwartet. Die jüdischen Vertreter wiesen darauf hin, daß bei den Vorarbeiten für die Konferenz die jüdische Frage nicht genügend in Betracht gezogen wurde und beantragten eine Verschiebung der Konferenz Vis nach den Feiertagen. Der Antrag wurde nicht angenommen. Ukraine. Sethshunflerlfaufenö Reibende Rinder. DaS ukrainische Elend London, 9. April. In einem von der ukrainischen Hilfsgesellichrst veranstalteten Maffmmeetmg, hat der Reierent, Herr Salzmann, ein geradezu erschütterndes Bild von dem K nderelend in der Ukraine entworfen. Nicht weniger als ca. 600000 K nder sind, wenn ihnen nicht geholfen wird, dem Untergang preis» gegeben. Man soll keinerlei Einzelheiten hinzu« fügen, damit der jüdischen Welt dir ganze Furchtbarkeit dieses Problems aller Probleme, das in diesem Augenblick sich vor der jüdischen Gesamtheit erhebt, zum lebhaften Bewußtsein komme. Die ganze Welt müßt.e zusammenwirken, um dieses zum Himmel schreiende Unglück soweit Menschenarm vermag, zu mildern. England. Rer Jliisradii auf dem Rrlegsplad- London, 15. April. Professor Pick hat in einem Interview, das er dieser Tage im Interesse des Misracht gewährte, besonderen Wert darauf güegt, daß der Misracht „nicht mit der Agudas Jtsroel verwechselt werde!" Er leistet sich dabct den Satz, es sei wichtig, „daß das Publikum über den i antinationalen Standpunkt der Aguda sich klar werde." Es ist erstaunlich, daß ein Mann von der Qualität des Herrn Professor Pick, sich nicht schämt, eine derartige, ihm selbst als unwahr bekannte Behauptung auszustellen. Daß AgudaS Jisrorl antizionistrsch ist, kann und darf der Mtsrachi mit Fug und Recht behaupten — aber anttztontsttjch ist noch lauge nicht antinational. Vielmehr darf die Aguda, wie unzählige programmatische Erklärungen und ihre ganze Erez Jisroel.Polittk beweist, das Recht für sich in Anspruch nehmen, den geschichtlichen jüdischen Nationalismus unter Ablehnung aller ihn verfälschenden zionistischen Erfindungen zu vertreten. Das weiß auch Herr Professor P ck ganz genau und wenn er das Gegentetl der O ffent» ltchkett verkündet so ist ihm die Wahrheitsliebe mit der Politik durchgegangen. Ras Siasho des groben Rrieuserlnnerunosfonds. London, 15. April. SD** große KriegSerinnerungsfondS der eng- No. 1« u. 17 Gelte 5 lifchen Jnoenherr, der eine Million Pfund betragen und die religiöse Erziehung auf nmf..ssinden Grundlagen sichern sollte, erstattet jetzt Bericht über eine vierzehnmonatliche Propagandatätigkeit Trotz aller Anstrengung der mit großer Hingebung arbeitenden führenden Männer, sind infolge der ungünstigen Zertverhältnisse erst neunziglausend Pfund erreicht worden,' weitere hunderttausend Pfund sind zugesagt, aber noch nicht eingezahlt. Die - Sammlung wird natürlich fortgesetzt und man hat auch bereits eine gewisse prakti ch: Tätigkeit durch Bewilligung einiger kleiner Subventionen an Jew'S College und an die Jeschtwas Ez Chajim in London begonnen. Arne^Ma. RJelimann In Rmerifia. London, 15. April. Wie „Jewiih Cronicle" meidet, hat anläßlich der Anweientjeir Werzmanns in Amerika die amerikarusche Federation der zionistischen Partei aufs neue die Grundsätze festgelegt, tn denen sie eine von der gegenwärtigen aügemetnen ziontstlschen Polit k abwelchende Stellung einnimmt. Nach den Verhandlungen mit Weizmann scheinen die Amerikaner auf ihren Prinzipien bestehen zu bleiben, ohne jedoch ihre Beziehungen zur G.samtorganisation zu lockern. Die Hauptgrundsätze der amerikanischen Politik sind: 1. Konzentration der gesamten zionistischen Arbeit auf Erez Jtsroel und Ablehnung der sogenannten „Gegenwarts* arbelt" und des Nationalismus in der Diaspora. 2. Die Jeansh Agency soll mit der zionistischen Organisation tndentisch sem. 3. Zurückdrängung der Kulturarbeit tn Erez Jisroei gegenüber der wirtschaftlichen. Kultur kann nur auf dem Bobep dauernder und sicherer wirtschaftlicher Grundlagen frei emporblühm. 4. Trennung der für die ökonomische Entwicklung Palästinas bestimmten Gelder von denen die für allgemeine kommunale Zwecke bestimmt sind. 5. Ein besieres finanzielles System im Gegensatz zu dem von der zionistischen Organisation in Palästina befolgten. 6. Starke Selbständigkeit der einzelnen Landesorganisationm im Gegensatz zum Zentralismus. UaLäfttna. Churchill in Palästina. Jerusalem» 3. April. Ueber den Besuch des Ministers Churchill in der Kolonie Rljchon Lezion berichten palästinensische Zeitungen: Nachdem der Minister sich alle Einrichtungen der Kolon e und der Keltereien angesehen hatte, wandte er sich zn seinen Begleitern und sprach mit sichtlicher Rührung: „Jammerschade, daß dies alles Lord Beaeonsfcld nicht erleben durste-. Der Vertreter der Kolonie, Herr MeUowltz, der die Führung hatte, antwortete darauf: „Es ist seit unserem Lehrer Moses das Schicksal der großen Führer, daß sie das Land, dem sie entgegengestrebt, nicht betreten sollen." Als er zwischen den blühenden und mit Fahnen und Guirlanden herrlich geschmückten Alleen von der Schuljugend mit hebräischen Liedern begrüßt wurde, sagte der Minister: „Nie hätte ich mir träumen lassen, ein so prachtvolles Bild in Palästina zu erleben." In der Ansprache, die Herr Meirowitz im Namen der Kolonie an den Minister richtete, gab er einen Ueberblick über die jüdische Kulturardett in Palästina seit dem Jahre 1882 und drückre in bewegten Worten den Dank der jüdischen Gesamtheit an den großen Gönner der jüdischen Kolonisation in Palästina, Baron Edmund von Rothschild, in Paris aus. Er betonte, daß in den jüdischen Kolonien tn der Umgebung von „Rischon" nach den neuesten Methoden und den