Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 62 (1921)
- Issue
- Heft 16-17 (24.4.1921)
- Date
- 1921-04-24
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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tfeto L N». 1» u. 47. Bl. «prlt ml seine Hauung zur Etmvanverungöfrage gezogen Werden? Er sprach im wesentlichen vom Völkerbunde, den er nicht anerkennt. Nicht aus Abneigung gegen die Idee deS Welt- und Völkerfriedens, sondern im Gegenteil, weil ihm ein Gebilde, das, audem Kriege und a einem Gewaitfrieden geboren sich Völkerbund nennt, wenig geeignet erscheint, dem wahren Völkerfriedrn zu dienen. Darin werden sich die Besten aller Nationen mit ihm einig wissen, und wir werden aus diesen und ähnlichen Äußerungen die Denkart eines Mannes eraushören, die sich auch in der inneren Politik ald zum Segen aller Klassen, zum Schutze aller Schwachen, zu demn in erster Rühe die Flächt» ltnge und Emigranten gehören, zeigen wird. Ser Sankerott -es amerikanischen Reformju-eniums. l£me Buchbesprechung von Prof. Tr. A. Lulzvach irr Frankfurt a. M. Der 31. Jahresbericht über die Tagung des Rabbinerverbandes in den Vereinigten Staaten*) liegt in einem 416 Seiten umfassenden Prachtbande, auf den wir Mitteleuropäer in buchtechnischer Hinsicht neidisch sein könnten, vor uns. Bon dem reichen Material, das er uns über die Tätigkeit der Rabbiner und die Verhältnisse der Gemeinden bietet, interessieren uns die fünf Referate, die uns einen tiefen Einblick in die unter dem Einfluss der Reform stehenden Verhältnisse der Gemeinden und der Eingemeindeten gestatten. Aus diesen Referaten ist ersichtlich, daß die R e f o r m e r sozn s a g e n vor dem Nichts stehen und nun in Verlegenheit sind, was zu tun sei, den religiösen Sinn'zu heben, dem Judentum, wie sie es aufsassen, Mieder Leben einzuhauchen. Man weiß, wie die Reform das Judentum herurrtergearbeitet hat, seitdem sich seit dem ersten Drittel des vorigen Jahrhunderts ein breiter Strom jüdischer Einwanderer in das große Völkerbassin ergoß, die durch die Schikanen ihrer alten Heimat entrechtet, dort Freiheit und Gelegenheit zu finden hofften, sich anständig zu ernähren und menschenwürdig und unbehelligt leben zu können. Diese Hoffnung hat sich bewahrheitet, sie fanden eine Heimat, die sie lieben konnten, viele gelangten zu Ansehen, aber vom Judentum, wie sie eS in der alten Heimat gekannt und gelebt hatten, ging ihnen ein großer Teil verloren, *) Central Conference of American Rabbis. Tbirty-first Annual Convention. June 29-July 5. 1920. Rochester.v N. Y. Volume XXX Prmted by Rabbi Jsaac E. Marcuson. <E « ucitrS Cb d Gadjo ^uebv Im Welt« verlas Ni in hockkünstlerlscher Aufmachung r-in Kunstbuch erschienen, dos un<er dem Titel „Chad Gab jo" Zeichnunaen zu der Cbad Gadfsfabel von Menochem Birnbaum enthält. Die Bilder stehen ganz unter dem Zeichen des Expressionismus und find daher nicht Jedermanns Sache. Manches B'att mutet wie ein Vexierbild an, dem die U?be,schrift fehlt: „Wo ist der Hund^? „Wo ist der Stock"? Immerhin werden die Kurstblä'ter, wohl nicht für den simplen Geschmack berechnet, unter modern gesinnten Kunstkennern begeisterte Freunde finden und dem Verlage gebührt für die imposante Ausstattung volle Anerkennung. iNarrenhände ...). Wir leien im „Vorwärts": Wenn man einmal als Schulkind einen Satz als Strafarbeit in zwanzlpfacher Wiederholung „lernen" durfte, so vergiht man ihn nicht. Und mein Vergeben war doch nach meiner Sckülermeinung nicht so sch'imm. WaS so viele meiner Mitschüler toten, tie Gerichts, zahlen, die schlimmen, die ich nie konnte, auf den Tintenfassdeckel zu schreiben, hatte ick auch getan. Und — war dabet ertappt worden. Die „Narrenhände" habe ich mir damals gewerkt. Eine Fahrt von Neukölln bis Friedenau gibt jedem Gelegenheit, schlimmere Sptrren solcher Hände zu betrachten. Wer etwa im Ringbahnzuge die Notwendigkeit verspüren sollte, sich auf dem. glücklicherweise in manchen Abteilen noch vor findendem Ueberfichtsplan über Fahrtlinien zu orientieren, erlebt die Freude, datz gerade an den Stellen, wo seine gesuchten StaiionSnamen stehen könnten, Zettel kleben „Gegen die Juden", und, wenn man ein Streichholz in den an der Tür angebrachten Aschb.cher wtift, wird man auch an dieser Stelle freundltchst aufgefordert „Schmeißt die Juden raus". Hat man das zweifelhafte Ver- Der Israelit. und den kleinen Bruchteil, den die Väter sich noch bewahrt, den Kindern war nichts davon übrig geblieben. 'Die Schuld an diesem Verfall trugen aber die Rabbiner, die sich inr Reformieren nicht genug! tun konnten, Namen brauchen nicht genannt zu werden, und oas Judentum „amerikanisierten". E i n Tröpfchen Oes, mit dem das Juoentum gesalbt sein sollte, hatte nian schon für das Dasein der Rabbiner nötig, aber dieses Tröpfchen verflüchtigte sich mit der Zeit und nur der „Amerikanismus" blieb als Bodensatz zurück. In den großen Zentren der U. S. fehlte es allerdings niemals an glaubenstreuen Juden, aber sie waren zurückgedrängt und konnten keine große und weitgreifenve Tätigkeit entfalten, aber sie taten ihr Möglichstes, das Judentum zu erhalten und ihm noch einen Kern, wenn auch nur kleinen, zu wahren, fodcHß Thaurolernen und jüdisches Leben nicht ganz ansstarb, und dafür sei 'hnen gedankt Seit ungefähr 50 Jahren ist es durch Einwanderung neuer Elemente besser geworden, es konnten sich größere orthodoxe Gemeinden bilden, das Thoralernen nahm in erfreulichem Maße zu, aber die Reform brauchte noch immer nicht zu verzweifeln. Heute steht es nun anders: Der neue Einwandererstrom hat die Kraft des gesetzestrenen Judentums bedeutend gestärkt, die Reform aber sieht sich ins Hintertreffen gedrängt, nicht etwa, weil die überwiegende Menge sich zur Orthodoxie bekennt, sondern weil diese Majorität zum grossen Teil aus Leuten besteht, die überhaupt kein Interesse mehr für die Reform haben und denen das Judentum ganz? gleichgiltig ist. Und da drängt sich den Häuptern der Reform die Frage auf: Was ist nun zu tun? Me ist die Menge für Tempel und Kanzel zu gewinnen? Denn, so sagt es einer der Referenten, die Kanzel bietet keine Anziehung mehr, und der Rabbinerstand erfreut sich keiner Achtung. Wer welches Belebungsmittel ist anzuwenden? Der eine, schlägt vor, man solle die Tempel nicht nur am Sabbath öffnen, sondern auch an den Wochentagen, das werde nach und nach an den Besuch der Tempel gewöhnen. Der andere Referent berichtet, er habe es mit einem Freitagabend-Gottesdienst, mit dem Schrifterklärung verbunden war, versucht. es seien an 140 junge Leute beiderlei Geschlechts, die nach Belehrung begierig waren, gekommen, aber einmal und nicht wieder, nenn die Eitern haben mit ihrem Veto erngegriffen. Kein Wunder? Diese Eltern, wie sie jetzt in! Amerika sind, die wollen, dass, ihre Kinder etwas! lernen, die wollen sie nicht in einem Orgeltempel iin Judentum bestärken lassen. Daß man dies erkennt und in dem neuen Zuzug eine Gegnügen, eine Viertelstunde od-r länaer im Warteraum zu verbrinaeu, bis man den AusckNufizua bnkarnmt, so sorgen teutschvölkiscke Jiinglinae dafür, dafi di? Prosa der dort angebrachten Verordnunoen und Bestimmungen durch überstempelte Einladungen „Lest bas deutsche Wochenblatt" unter anderem anaenebm unterbrochen wird. Daß im Wannseezua der Reigen der Darbietungen dieser bosfnnnasvollen Jünalinge seine Fortsetzung findet, ist wohl selbstverständlich. Biel ilt nach der R"volutian gesündigt worden, wenn es oalt, eine umfassende Werbetätigkeit zu entfalten. Kein Zaun, keine Mauer und Lat?rneripfahl blieb«-« verschont. Fabrpläne zu überstempeln und Stationsübersichten zu bekleben, dielen Gipfel der Ungezogenheit leisteten sich bisher nur teutschvölkilche Jünglinge. Es müfien in der Erziehung dieser hoffnungsvollen Jugendblüte wobl recht bedenkNche Lücken klaffen und die „gute Kinderstube" verrät sich da gerade nicht! - sAusaabe Münzen). Die hebräische TageSreOung „Haarez" (Jerulalem), teilt mit, daß die Prägung paläMnenfiicher Münzen in nächster Zeit bevorfiebe. Die Modelle find brcitS von dem Numismatiker Rafiaeli entworfen und fertig» aestevt, welcher gleichzeitig eine Denkschrift über das hebräische Münzwesen bergestellt hat. Aamiliennachrichten. Barmizlvobfeier Manfred, Sohn des Herrn Lehrer I. H--cht. Bad WNdungen. Aus das Jnlerat in der heutigen Nummer über den Verkauf von Pessachgrbäck im Aufträge der Zentralstelle für rituelle Lebensmittel t?n Berlin, sei auch^an dieser Stelle aufmerksam gemacht. fahr für den „Amerikanismus" sieht, erhellt aus einem Referate, das auf diese Gefahr hinweist und erklärt, es müsse Neues ersonnen werden, das Judentum zu heben, nicht das Hervorsuchen der alten Formeln, „wir wollen Amerikaner" Reiben! Neues, daß Tempel und Kanzel, die in ihrem jetzigen Bestände ihren Glanz verloren haben, demPublikum etwas bieten. Nun, die Idee, die ihm gekommen, kann ihren Ursprung nur im Lande der unbegrenzten Möglichkeitenhaben: Der Tempel werde eine Art gemütlicher und fröhlicher Zusammeriknnft, er biete gemütliche Abende mit Konzert, Unterhaltungen usw. usw. Ob er auf Zustimmung rechnen dürfe, dafür habe er seinen Kollegen einen Fragebogen gesandt, auf dem unter andern: zu beantworten sei, wo deren Synagoge läge, ob in der Stadt, oder draußen, in weltfern Stadtteil dort, wie weit sie vom nächsten Post-, Telegraphen- oder Telephonamt entfernt sei usw. Die Fragebogen kamen Von vielen seiner Kollegen ausgefüllt und mit Zustimmung zurück, Wer es waren auch drei, und die waren gewiß vernünfftg!, die die Bogen mit Entrüstung unausgefüllt zurückschick-- ten und fragten, was das tolle Spiel bedeute. Was es bedeutet? Den Gipfel der Verzweiflung. Für uns andere kann die Lektüre dieser Referate eine heilsame Lehre sein. eomrpoMnren u. ßacbricbten. wmww» w mnn inrni mm Deutsches Deich. Aus der Berliner Repräfenfanfennerfammlung. fjerff», 18. Hpt«. Für die Liberalen in der Gemeindeverwaltung sind schwere Zeiten gekommen. Was nutzt da die schwache Majorität? Man kann die Opponenten niederstimmen, aber man kann nicht verhindern, daß ihre Ausführungen durch die Wiedergabe im Gemeindeblatt der 'Gesamtheit der Gemeindemitglieder zur Kenntnis kommen und das ist manchmal recht unbequem. So konnten die Gemeindemitglieder ans der Apwlnummer des Blattes erfahren, daß. der Beschluß, die Entbind ungsabteilung des Jüdischen Krankenhauses zum 1. April zu schließen, von der liberalen Mehrheit gutgeheißen wurde, weil damit eine Ersparnis von 140.000 Jk erzielt werden soll. Und in dem gleichen Bericht konnten sie lesen, daß am gleichen.Tage der Resormgemeinde mit ihrem Sonntagsgottes--- dienft eilte Subvention von 450.000 Jk bewilligt wurde. Also man schließt die Entbindungsabteilung, um 140.000 Jk zu sparen und bewilligt der außerhalb des Judentums stehenden Reformgemeinde 130.000 Jk mehr, als sie bisher erhielt. In der nächsten Nummer des Gemeindeblattes werden die Gemeindemitglieder noch erbaulichere Tinge lesen können. Die FriedhofAarbeite! in Berlin streiken. Das Streiksieber ergreift auch die mehr als 100 zählenden, auf dem Friedhof in Weissensee beschäftigten Angestellten der jüdischen Gemeinde, überwiegend Nichtjuden; sie verweigern die Vornahme der für die vorliegenden Beerdigungen notwendigen Arbeiten, so daß die Technische Nothilfe eintreten muß. Der Vorstand beruft schleunigst eine Repräsentantensitzung. um in dieser Notlage eine Verpachtung der gesamten Friedhossgärtnerei incl. der Arbeiten für die Herrichtnng der Gräber vorznnehmen. Gegen dieses Projekt, das nebenbei bemerkt, nicht zur Ausführung gekommen ist, da der Streik bald zNsammenbrach, werden gewichtige Bedenken geltend 'gemacht und dabei fällt aus den Reihen der Liberalen das Bekenntnis: „Txr Friedhof ist noch das ein-