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Der Israelit · 1921-04-24 · Heft 16-17 (24.4.1921) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
62 (1921)
Issue
Heft 16-17 (24.4.1921)
Date
1921-04-24
Page
– (sequence 3)
Language
German
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91. April im. sagen: Auch dieser Herrscher hat manches unter. nommen, was an die Traditionen und nicht bis zu Ende gelösten Aufgaben des vierten Weltreiches gemahnte. Aber noch waren nicht alle Etappen durchlaufen, noch der leidvolle Entwicklungsprozeß nicht beendet. Zweihundert Jahre später räumt Alexander, der große Mazedonier, mit dem ägyptischen, babylonischen und persisch-medischen Kulturschütt auf und errichtet auf dem reingefegten 'neuen Boden die hellenische Weltkultur. „Targum scheni" nennt diese ganze Epoche schlechthin Jawan, das das siebente Weltreich inne hat. Es waren ideelle, zuweilen sogar große Gesichtspunkte, aber selten hohe und sittliche, unter denen die geistigen Erben Alexanders im siebenten Weltreiche Jawans die Erde regierten. Die Gewalt des Geistes führte zur rein Physischen Gewalt. Und so arbeitete Jawan selbst Rom in die Hand, das nach der entscheidenden Schlacht bei Magnesia, anderthalb. Jahrhunderte nach Alexander, mit seinen Kasernen und Hellebarden und Sturmlegionen als achtes Weltreich das Kommando über die Welt übernimmt. Das römische Weltreich dauerte am längsten und dauert heute noch an. Rom ist nicht Eigenname einer Stadt, eines Landes, eines Volkes. Rom ist das Weltkommando, der Imperialismus, der auf Ausbeutung ausgehtder Militarismus, der mit dem Säbel raffelt und nach- Sanktionen schreit. Rom ist die Gewalt, das Recht der geballten Faust, und ist allda am Werke, wo der Sieger seinen Fuß auf die Brust des Besiegten setzt. Rom ist die Kaserne. Und es kommt nicht im geringsten darauf an, ob diese Kaserne in Berlin, in Paris oder in London sich mit ihren kalten, kahlen Mauern erhebt. Das römische Imperium wird vom neunten Weltreich abgeiöst, vom Weltreich Israels unter Führung des Messias. Israel hatte bereits einmal ein Weltreich, das vierte, inne. Aber es fehlten ihm damals die hohen sittlichen Prinzipien, '«HO. DMWnM l.tiM^u WH'. ^Äüch Jbcf Tand, zu viel gleißende Hüfle und starre Machtfülle, um ein Messiasreich zu sein. .Das messiantsche Weltreich, als neuntes und letzt-menschliches, als zweite höhere Lage des „Jezias Mtzrajim", steht noch aus, steht uns noch bevor. Ist vielleicht näher als wir wissen, vielleicht so nahe, wie wir dum^pf und dunkel ahnen. Und das messian'sche, neunte und letztmenschliche Reich führt zum zehnten, zum ersten und letzten, zum Gottesreich auf Erden hin, da „Gott einzig und sein Name einzig sein wird!" der da kommt, um zu versöhnen :mb zu verbinden, um das Herz frro Eltern zu den Kindern -und das der Kinder zu den Eltern zu lenken. Kleines Feuilleton. Sreiklang. Bon Heinrich Einstädter. I. Vorbei ein Tag. — Das welle Land erzitterte von wehen Zuckungen. Aufs neue hatten hart gedroht des Reiches Gegner, fit wildem Aukruhr sich erhoben ier eigne Volksgenossen, dort fremde Staatenbürger. — Da kam der Abend. — Ein breiter glühendroter Streifen umsäumte, weithin leuchtend, Dort gen West den Himmel. Der Bäume Wipfel, Der Fabriken Schlote durchbrachen ihn mit malerischen Schroffen. Darüber lief ein klarer Strom von azurfarbner Bläue, Und in ihm schwammen dunkle Wolkeninseln. Dann weithin wölbte sich in mächt'ger Dehnung Einförmig, still und dennoch überwält'gend Der neue tiefe Abendhimmel. — Hab' ich zum ersten Male ihn geseh'n, Daß so berührt ich war? Hab' täglich doch, Seitdem zu schauen ich verst.he, r . Zu ihm in stiller Andacht das Auge ernst erhoben! Und dennoch spricht sein mtldeS Wort Nicht minder eindrucksvoll zu mir. Der Israelit. Die Rahhinervahl in Warschau. Der Konflikt zwischen Gemeindeverwaltung und Rabbinat in Warschau geht in seiner Bedeutung über die lokale Gemeindepolitik insofern hinaus, als er ein Novum im Leben der östlichen Judenheit bildet. Die Achtung vor den geistigen Führern war bis jetzt im gesamten Osten die feste Burg, an der sich alle Widerstände im Gemetndeleben brachen. Ein solcher nie gekannter Konflikt muß mithin leider als ein Sympton des geistigen Niederganges verzeichnet werden, das aber auch sein Gutes haben könnte und auch hat: indem es die gesetzestreuen Massen aus dem Schlummer aufrütteli und ihnen die Augen darüber öffnete, wessen sie sich von der Bevormundung seitens der assimilierten Oberschicht zu versehen haben. Was ist in Warschau geschehen? Seit Jahrhunderten ist es in Warschau, wie übrigens auch in Wilna, geh iltgte Tradition, in ehrendem Gedenken früherer Größen, die große Epochen abschloffen, den eigentlichen Rabbinertitel nicht mehr zu verleihen. Das Rabbinat wird vielmehr von einem Kollegium, bestehend aus anerkannten Thoragelehrten, deren jeder für sich die Eignung hätte, den Rabbinerposten zu bekleiden, verwaltet, welches, organisiert und zugleich nach Straßen- Revteren dezentralisiert, den religösen Bedürfnissen der Rtesengemeinde in allen Fragen der Religion "und des Rituals genügt. Niemals hat jemand von den Dajantm den Versuch gemacht, kraft seines Alters, seiner Gelehrsamkeit oder seiner sozialen Stellung sich über seine Kollegen zu stellen und den Titel Oberrabbiner für sich in Anspruch zu nehmen. Die Gemeinde ist dabet bis dahin gut gefahren, und wenn der geistige Niedergang in Polen und speziell in Warschau imicht'SchuAcdeß MWnates, jsyMM im.HMn^ .'Eäst .es iWr M.^Mharzkeü,ndW ausi ö'e^Kegs über" Schule und Jeichiwah, Jugendvertzin und segenstiftende gemeinnützige und philanthropische Institutionen die guten Geister und die positiven jüdischen Kräfte bet allen widrigen Umständen wach und rege geblieben sind. Nebenher besteht aber noch in Warschau ohne autonome Gemeinderechte eine Synagoge für die Fortgeschrittene n,eine sogenannte „Chorschul", an der ein auf wissenschaftlichem Gebiete verdienter Mann als Prediger seit Jahren wirkt. Mitglied des Rabbinates ist der Prediger Dr. Posnanskt nicht, und es dürste ihm bis dahin selbst kaum eingefallen sein, Anspruch auf einen Sessel im Warschauer Rabbinate zu erheben. Nein! Eindrucksvoller wirkt sogar ans meine Seele Der sel'ge Abendsriede. — H. Zu Ende eine Woche. — Ich habe wiederum sechs Tage gemauert und gezimmert Ein Bau des LebenSwerkeS, E>folq und Mißerfolg erfahr'n In bunter Wechselweihe. — Da kam der Sabbat. — Ein warmer Freitagabend goß mir in die Brust Ein süßes, frohes Fühlen und lehrte mich Ein ungestört Genießen fern von der Sorg' um eitel irdisch Ding. Ein Heller Morgen reichte Geistesnahrung. Die mir, so tief beglückend, schuf ein köstliches Behagen, Die höher mir empor das Denken trug, Die mich hinhob in reiche Fruchtgefilde. Ein stilles Dämmern ließ die Wehmut ziehen Schier ungehemmt in meines Herzens Falten, Als ob zugleich mit dieses Sabbats Glanze Auch eine Seele mich verlaffen wollte. — War es der erste Sabbat wohl, den ich erlebte? Hab' ich denn niemals vorher die Freuden wohl gekostet Die er mitbringt? O doch! In jeder Woche ging ich zum Empfange ihm entgegen. Doch niemals Hab' die Schritte ich verlangsamt, Wett ja nichts Neues er mlr zu bieten hätte. Im Gegenteil! StetS bringt er neuen Segen Und ungeahnt Ergötzen seinen Freunden. — m. Ein Jahr dahin! Geschtchke war'S, geschrieben Mit roten BluieS Saft auf schwarz Papier. ES halten Völker wütend sich zerfleischet, Zerstört, waS Fahre aufgebaut. E» waren Ströme ___ Nr. 16 u, 17. Seite 3 Allein der Krieg und die Äera der Verworrenheit, die ihm gefolgt ist, brachte auch die polnische Assimilation, die sich bis dahin wenig um Sachen d'r Synagoge gekümmert, aktiv auf den Plan. Sie will den religiösen Zentralpunkt der Gemeinde bilden, einer Gemeinde, die an 100000 Chassidtm zählt, die die „Chorschule" im weitem Bogen umgehen, und ihr Prediger soll Rabbiner sein, und gleich Oberrabbknec von Warschau! Wie zn erwarten war, rief dieses Vorhaben den Protest aller hervor, die zu dieser kleinen Schar der Intellektuellen nicht gehören. Die sechs orthodoxen Gemeinderäte verliehen diesen Protesten schärfsten Ausdruck. Die Rabbiner Warschaus teilten ihren Beschluß mit, daß sie für den Fall, daß über ihre Köpfe hinweg der Plan durchgeführt werve, ihr Amt niederlegen müßten. Das rührte die Gewaltigen in der Gemeindestube, die dank einem veralteten, nach Maßgabe des Steuerzettels aufgebauten Wahlsystems die meisten Sltze in der Gemeindeftube innehaben, nicht im Geringsten. Mögen die orthodoxen Gemeinderäte austreten, mögen die Rabbiner ihr Amt niederlcgen, ihr Ziel ist erreicht, sie haben ihren Rabbiner und in ihm den Warschauer Oberrabbiner. Der Gewaltakt der Warschauer Gemeindeverwaltung steht einzig da in der Geschichte der polnischen Judenheit, und wird, wie die Anzeichen besagen, zu Konsequenzen führen, die heute noch gar nicht abzusehen sind. Ist sich die Warschauer Gemeindeverwaltung der Verantwortung für ihre Gewalttat bewußt? Me Sar-Ing-Sotschast. Die Sondersession des amerikanischen Kongresses, in der der neue Präsident sein Regierungsprogramm zu verkünden hatte, hat begonnen und was unser Berichterstatter in seiner in der jüngsten Nummer unseres Blattes ver- „ öffentlichen Korrespondenz vorausgefehen hat, traf "Mön^fesex/Ä8eiDrdeMched''TMM Mt ' Hrem'neüen PtöMe, n Äh dem das alte^m SeMte zum Scheitern gekommen ist, hervorzutreten. Die telegraphischen Berichte registrieren nur die Tatsache der Einbringung der neuen Interpellation, besagen aber nichts über deren Inhalt und den Zeitpunkt, an dem sie zur Verhandlung kommt. D e Oeffentlichkeit konzentriert jetzt ihr ganzes Interesse auf die Programmrede Hardings. Mit Recht. Sucht man doch in den Aeußerungen des neuen Mannes die Zentral-Jdeen und die großen Gesichtspunkte, unter denen sich seine Stellungnahme zu den einzelnen Fragen der äußeren und inneren Politik voraussehen läßt. Kann aus sei, en Worten auch ein Schluß auf Voll Blut und Tränen durch die Weit gebrauset. — Da kam der F'ühling, und am Sederadend, Da war vergeffen Trauer, Schmerz und Leib. Da wurde aus dem Bettler schnell ein König, Verzweiflung wich, und Zuversicht Zog siegend ein in aller Juden Häuser. Jahrhunderte versanken. Mit unseren Vätern in Aegypten Vereint, sah'n wir des großen Gottes Wunder, Mit ihnen zogen wir aus Feindesland Und stellten freudig uns, einmütig. Hin an den Gottesberg, den Sinai. Und kühnltch wandten wir dann weiter In sich're Zqkunft unsere frohe Hoffnung, Begrüßend den Moschiach schon mit neuem Sange Ob unsrer einsl'gen, letzten, endlichen Erlösung. — War etz die erste Sedernacht, die ich gefeiert? Hab' ich zum ersten Male vom Auszug aus der Knechtschaft dann gelesen? Nicht zweimal jährlich mitgesungen jene Lt-der Vom Bau des Tempels und von Gottes Walten? Ganz wohl! Doch jedes Jahr viel tiefer Ei leb' aufs neu' ich jene hehren Wunder. Ich ziehe selbst mit zwischen MeereSwogen, Erhebe frei mich über Zeit und Raum, Genießend schon des Paradieses Wonnen. — IV. Natur, Gesetz. Erlösung Das ist der Dreiklang, Der meines Herzens Saiten schwingen läßt. Ihm Hab' ich gern gelauschet. 5rdm möchte ich Mein Ohr auch fürder leih'n, BiS endlich - Der letzte Ton nachhallet — Ewiglich.

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