Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 62 (1921)
- Issue
- Heft 16-17 (24.4.1921)
- Date
- 1921-04-24
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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Sette 2 Nr. 16 u 17 Der Israelit. 21. April 1991. Hirsch-Pentateuch. wir finä in Oer Lage den Abonnenten des „Israelit" bis auf weiteres noch einen kleinen Vorrat von Hirsch, Pentateuch 6. Auflage )um Vorzugspreise von Mk. 48.— (statt Mk. 91.20) für das brosch. Mk. 75.— (statt Mk. 127.70) für das gebd. Exemplar zur Verfügung zu Nellen. Porto mi9 Verpackung betragen Mk. 6 — für Oas Exemplar, man wolle Oaher mit Oer veNellung einfenOen: Mk 54 — für Oas brosckierte Mk. 81— für Oas gebunOene Exemplar auf PoNsckeckKonto 10802. Verlag des „Israelit", s. m. d. S., Frankfurl a. B Die nächste Nummer deS „Israelit" erscheint am Donnerstag, den 5. Mai. Inhaltsübersicht. 1. Leitartikel: Die zehn Weltreiche. — 2. Homiletik: Dr. M. Lcwin: Pessach, das Fest des Frühlings und der Freiheit. — 3. Kleines Feuilleton: Heinrich Einstädter: Dreiklan g. — (Ein neues Chad Gadjo-Buch) — (Narrenhände . . .) — (Ausgabe palästinensischer Münzen.) — 4. W o ch e n rundschau: Die Rabbinerwahl in Warschau. — Die Harding- Botschaft. — 5. Aufsätze: Prof. Dr. A. Sulzbach: D e r Bankerott des amerikanischen Reformjudentums. — 6. Korrespondenzen und Nachrichten: Berlin, (Aus der Berliner Repräscntantenbersammlung). — Berlin, (Zentralvereiu und Palästinaarbeit). - Warschau, (Die Reformierung des Warschauer Rabbinates). — -Warfchau^(Wi^Mljfbat,).. Loridon,. (D^r Diisrachi auf chem..Fiasko'giüßeu' eMvny^ung^fonds).^ London, MechshuMrtlausenlt sterbende Kinder). Loudon, Weizmanu in' Aüierika)s — Jerusalem, (Churchill in Palästina). — Jerusalem, (Eine orthodoxe Versammlung). -- 7. Litt er arische Warte:LebenserNeuerung. - EingegangeneBücher. — Bücherbesprechungen. — 8. Personalien. — 9. Frankfurter Berichte: Davids Geige. — Jakobs Traum. — Krias Hatauroh-Beretn. — Der „große" Sabbat. — Neues zur Pessach-Hagadah. — Pesiachprogramm der Agubas Jtsroel-Jugendgruppe. — Jüdische Fraueuvereinigung. — 10. Feuilleton Beilage: Von Cordova nach Chasarien. — S. Brückheim er: Pessach. — Pessach und der bürgerliche Kalender. — 11. Kind er ecke: Die Türe ist offen. — Ein Sedtrabend. — Heinrich Einstädter: Darf ich dir helfen? Die zehn Weltreiche. „Das erste Weltreich gründete der König der Könige, das zweite Nimrod, das dritte Pharao in Mizrajim, das vierte Israel, das fünfte Nebut- _ katnezar, König von Babel, dl S sechste Achaschweroö der Medier, daS siebente Jawan, das achte Rom, das neunte Weltreich wird Mosch'ach errichten und daS zehnte wirb daS Reich des Königs aller Könige auf Erben sein.* (Targum fcheni 1. Satz.) Das erste Weltreich und zugleich das letzte hat Gott in den sechs Tagen der Schöpfung errichtet. Es war alles gut und in Ordnung. „Und es sah Gott alles, was er gewacht hatte, und siehe, es war sehr gut". Die Menschheit hätte sich danach den leidvöllen Entwicklungsgang durch alle acht Etappen bis zum letzten Ziele, das schon das erste war, ersparen können, wenn sie ihr Werk und ihr Leben elnz'g auf die Grundlage des Schöpfungsgedankens aufgebaut hätte. Da kam Nimrod. Sünde und Abkehr sind so alt, wie das erste Mmschenpaar. Seit Adam und Kain haben Menschen gefehlt, aber jeder für sich, ohne Zusammenhang mit der Welk, ohne Beziehung zum Ganzen. Das große göttliche Weltreich der Schöpfung blieb von des kleinen Menschen kleiner Sünde unberührt, unbefleckt. Da kam Nimrod und organisierte als erster den Willen zum Bösen, den Mnischenwillen, der sich dem Gotteswillen entgegenstellte. Nimrod war der König der um den Turm sich sammelnden Himmelsstürmer. Das zweite Weltreich (das erste von Menschen errichtete) trat in Erscheinung. Das Nimrod'sche Weltreich zerschellte und zerbrach in Stücke und stürzte in die gähnende Kluft, die der Mensch in seinem Wahn und Uebermut zwischen sich und Gott geschaffen. Bruchstücke dieses ersten Menschen reiches, dieses HgMßMeEMflffchMWfl HttttmelMrimmg^ machten ich einzelnW^noch -tange''dett GÄeN rmtz WtM^ öeir göttlichen WklkoLNruW zu schaffen) ohne den Zetten und 'der Em Wicklung der Generationen ihren Stempel aufzudrücken. Da kam P h ar a o als Begründer des d r i t t e n Weltreiches. Das Pharaonische Weltreich richtete seine Stachel und Spitze nicht mehr gegen den Himmel. Die Menschheit war aus der Begriffswelt der Kinderstube inzwischen hinausgewachsen. Aber es traf das Gute und das Göttliche tm Menschen, suchte es, aus der Menschenbrust mit Stumpf und Stiel auszurotten und prallte mit aller Wucht auf das Häuflein darnieder, in dem es die Gottessaat aus dem ersten für das letzte göttliche Weltreich gehütet und geborgen ahnte. An dieser Saat der Ewigkeit brach sich aber die Gewalt des Pharaonischen Weltreiches. Israel tritt auf den Plan und zieht in die Wüste hinaus, um sich für seine Auserwähltheit, für seine Aufgabe als Träger des vierten Weltreiches zu prädestinieren. Der Auszug aus Aegypten war der Anlauf zum letzten Weltreiche, zum GotteSreiche auf Erden. Allein, Wüstenwanderung, Richterzeit, die Königsperiode, erstes Exil, Wiederaufbau waren leider nicht immer Stationen des geistigen Vormarsches. Irrungen und Verwirrungen werfen es nach Jahrhunderten des Fortfchreitens um ganze Jahrtausende zurück. Den Höhepunkt erreicht Israel als Weltreich zur Salomonischen Zeit. Wachsender Reichtum und andauernde Machtentfaltung von vollen vier Jahrzehnten. Salomon sitzt auf dem Throne des Weltfriedens und der Weltgerechtigkeit (wie weiß „Targum fcheni" diesen Thron in plastischer Kleinmaleret so lebendig darzustellen). Weisheit, Frieden, Weltmacht, Glanz und Pracht ohnegleichen. So steht das vierte Weltreich Israels da. Konnte aber dieses vierte Weltreich das letzte sein? Nach dem Tode Salomos ging, nach dem agadischen Berichte, der Thron, auf dessen Stufen Äergruppen aus Gold die jesajanische Vision des Weltfriedens bildlich darstellten, in die Brüche. Was blieb von diesem Throne der Gerechtigkeit und des Weltfriedens im vierten Weltreiche Israel noch übrig? Teilung und Trennung, Zerrissenheit, Abfall und fortschreitender Verfall. Noch ein helles letztes Ausfiackern des heiligen Lichtes unter dem König Chiskta und dem Propheten Jesaja. Dann kommt der Rückschlag, und Jerusalem geht seinem Sch cksal entgegen. Das vierte Weltreich, das das letzte hätte werden sollen, aber zu mächtig und zu menschlich war, um es zu sein, geht in Trümmer und räumt den Platz Nebukadnezar, dem großen Babyloner, der das fünfte Weltreich errichtet. ... ..r. wAHAt länßer als bis sich der Nachkoüimedes Mgründö:s in wildem Rausche des nächtlichen Gelages an den heiligen Geräten, den heiligen, stummen Zeugen aus dem vierten Weltreiche, vergriff. Da flammte schon das Menetekel an der Wand. Die Perser waren nahe. Die Nachtstunde hatte geschlagen, da das fünfte Weltreich der Babyloner im Weine des wilden Gelages ertrank und das perstsch-medischeImperium als sechstes Weltreich die Weltherrschaft antrat. König Cyrus war nach der Agada, der einzige, dem es nach Salomo beschieden war, vorübergehend auf dem goldenen Tbrone zu sitzen. Will '/tä Pessach. bas Fest des Frühlings und der Freiheit. Von Rabbiner Dr. M. Lewin in Hamburg. Kein?tuites Ereignis in der Geschickte des jütischen Stammes gibt es, dessen so ojt Erwähnung geschieht und das von so mannigfacher Wirkung gewesen lst wie jenes, das ncL, das Fett des Frühlings und der Freiheit, feiert. Wie es uns in Gedanken zur Wiege unseres Volkstums znrückfüyrt, so knüpfen die wichtigsten Gebote der Schrift an jene Tatsache an, sodaß das Licht der herrlichsten versittlichenden und beglückenden Satzungen unserer Thora aus der Nacht der ägyptischen Knechtschaft hervorgestrahlt ist. Immer von neuem erfreut die Natur im erwachenden Lenz das Menschenherz, und unsere jüdische Seele erhebt sich bei der Feier unseres Fruhlingsfestes in dem Bewußtsein, daß, der da herbeisührt den Wechsel der Jahreszeiten, auch Israel aus dem Winter seiner ersten geschichtlichen Anfänge in den Lenz seines Daseins geleitet hat, wdatz es jubeln konnte: „Ich dein Knecht, der Sohn d.iner Magd, — du hast mir meine Fesseln geöffn t!" Tie Festshmbole, die da auf nnserm Sederrische liegen, veranschaulichen uns die ''ich nie erschöpfende, wie die Sonne immer neu aufstrahlende. Liebe Gottes und wollen uns eine Mahnung werden, Pessach nicht i".,r a!s 2'rrr.u :n als Flühlmosf.st zu br-aeven, an dem wir der Schöpferkraft des Herrn ^ubellieder und Dankeshhmnen anstimmen, sondern vor allem als ein geschichtliches, das uns die Kunde bringt, wie der Herr in seiner unendlichen Gnade das in Aegypten ohnmächtig zu Boden liegende Israel aus Jammer und Schmach befreit und zum Volke seiner Weihe erwählt hat. Die Doppelkunde aus Natur und Geschichte von der Allmacht und Allweish.'it, von der Gerechtigkeit und Liebe des Schöpfers und Lenkers der Welt ist unseres Festes Weih:gäbe, durch die erst sich uns Pessach in feiner vollen Bedeutung enthüllt. Es waltet eine innere Harmonie zwischen der Natur im Lenze und dem seiner Freiheit froh werdetkden Menschen. Der freie Mensch nur fühlt den Glanz und die Pracht der Natur, und diese ist erst schön und voller Anmut, wenn ihr Reiz das Menschenauge entzückt und von ihrer Anmut das Menschenherz bezaubert wird. Das alles hat der Frühlingsdichter erster und erhabenster in seinem unvergleichlichen fi’Wi in? so tief und so wund rsam empfunden. Schön ist hier die Natur, die er schildert, und die wonniglichsten Gefühle löst sie aus in der, Herzen zweier froher Menschenkinder, die sich in den würzigen Gärten und in den wogenden Feldern ergehen. Isis aber diese Freiheit schon, die sich an dein Segen der Natur draußen ergötzt, die das wahre Heu für die Menschheit und den vollen Segen für das Menscheiiherz verbürgt? Kann denn nicht die Belvunderung der Natur auch zu ihrer Vergötterung und dann zur Entsittlichckng der Menschheit führen? Darüber kann uns Mizraim »elber den rechten Aufschluß geben, n?ie es die Natur vergötterte 'unb hierbei „ein Land der Knechtschaft" wurde, wie es gebunden und beengt durch die Kräite der Natur sich nicht zu den Höhen zu erheben vermochte „und sie nicht einer den andern sahen." Diese ägyptische Finsternis hielt Israel in den Banden der Tyrannei, bis sich Gottes Liebe seiner annahm und es in die Freiheit führte. Wir verstehen ganz g.nviß die Symbole des an*? mb res ir.o, wir EiSnmn nun auch das dritte Symbol richtig werten. Das Passahopfer, wie es Israel in seiner Erlist ungsstunde darzubringen hatte, sollte die Mahrrung versinnbildlichen, daß der Segen der Freiheit nur d u r ch d i e Unterordnung j n t c r b c? H er r n W i 11 c n verbürgt i st. Durch die Erfüllung einer ,-nrlv sollten Üch unsere Väter der aörtiichen Liebe würdig erweisen, urrd für alle Zeiten hat Israel die Lehre zu beherzigen: Wir bleiben frei, d. h. empfänglich für alles Gut: und Erhabene, beflissen des vollendeten Menschentums. so wir dem Herrn, unserm und aller Menschen Erlöser, den Dienst nicht versagen. Die Freiheit kann nur Segen schaffen und die besten Kräfte und Triebe zur Entfesselung bringen, wenn sie fich selber gebunden fühlt durch das Gesetz dessen, der das Sehnen nach Freiheit in unsere Brust gesenkt hat. Diese '-leberzeug rüg soll unser Pesfach mit seiner z westlichen Weihe in uns allen stärken, und tvir uns mit Begeisterung für unsere Satzungen erfüllen, daß unsere Wohnungen zu Heiligtümern der Religion an diesen Abenden werden und wir alle ihn grüßen den Pro- . pheten Elia, den Schutzgeist des jüdischen Stammes,