Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 62 (1921)
- Issue
- Heft 14 (7.4.1921)
- Date
- 1921-04-07
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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Von Lordowa nach Lhasarien. Historischer Ro,'man aus dem 10. Jahrhundert. (Fortsetzung.) DeS Byzantiners steinernes Gesicht erbleichte. Er hielt seine Mission sür gescheitert, und er wußte, er durfte unverrichteter Sache nicht vor seinen Kaiser treten, er wagte damit seinen Kopf. „Gnade", stotterte er, „ich wußte nicht. . .* „Ich begreife", kam ihm der Minister entgegen, „in Byzanz fängt der Mensch immer noch erst mit dem Herrn an, und dieser kann nur geboren und mit dem heiligen Wusftr geweiht werden. Darum ist es nicht des Einzelnen Schuld, wenn er den Juden nicht in die Kategorie der auf Recht Anspruch machenden Freien einre'ht. Um so mehr tun wir eS. Hat die Gesandtschaft Vollmacht, diesen Vertrag zu unterzeichnen?" Der Bote laS daS Pergament eingehend, einmal und noch einmal. „DaS Kalifat verlangt", sagte er stirnrunzelnd, „Mnschltche Behandlung der Juden und Abschaffung aller gegen sie seit Kaiser Leo bestehenden Gesetze, das ist vttl für unsere Begr ffe... Außerdem Berichte über Zahl und Lage der Juden in Byzanz!?" „So ist es!" bestätigte der Minister, „wogegen wir alle Hilfe und Mittel RomanuS angedeihen laffen. Kann es Romanus gewähren?" Der Gesandte überlegte. „Meine Vollmachten sind unbegrenzt", sagte er dann endlich „und ich sür meine Person bin keinem Menschen, der Menschenantlitz trägt, feind. Ich unterschreibe . . „Dann wird das Bündnis zwischen Konstantin opel und Cordowa dem Kaiser, uns, und der Welt zum Heile gereichen. Zum Schluß aber noch eines ..." „Was wünscht noch deS KalifS edler Ratgeber?" . „Wir hörten, daß Kaiser Romanus Freundschaft pflegt mit den Fürsten des Kaukajus, der Krim, am Asowischen- und am Kaspischen SReet. Wir aber möchten einen Boten über die Berge zu drm Volke der Chasaren hinsenden, das unser Brudervolk ist. Jzchak, Sohn NathanS ist der Name des trefflichen Mannes- Wir bitten den Kaiser von Byzanz, diesen unseren Abgesandten gut aufzunehn.en, ihm die Verbindung mit den Juden im Byzantinischen Reiche zu verschaffen und ihn dann von Konst antinypel aus mit kaiserlichen Empfehlungen und dahingehenden Botschaften den Weg nach Chasarien zu. Hahnen." Ohne lauge Ueberlegung antwortete der Führer: „Gastfreundschaft und Wegehilfe an Vertreter befreundeter Reiche waren von jeher heilig bhzar tinischkS Gesetz. Der. Gesandte, Jzchak, Sohn NathanS möge mit unreisen. Er kann bei uns, wie am Hefe Romanus auf beste Aufnahme rechnen." iy. Jzchak Len Nathan trat aus dem Hause des Nassi, aus dessen Hand er. die vom Kalif unterschriebenen Reise- und Empfehlungsschreiben nach Kaltstaytinopa erhielt. Zwischen den. Akazien des Gartens verlangsamte er den Schritt, Und beim Anblick des bunten Blühens kamen ihm Worte des Hohenliedes über die Lippen.: „Zn den Nußgarten stieg ich hinab, Das Gesträuch im Tale zu schauen, Ob der Wetnftock^treibt, Ob Granaten blühen . . Er horchte. Wie sanftes WtndeSsäufeln wehte durch die Luft und auS der MyrtAilaube kam Antwort: „Mein'Freund ging in den Garten hinab Zu feinem Würzbeetlein, Weidet tn den Gärten sich Und sammelt Rosen ein?"-1-- „Bist du eS Hadaffa?" Gazellenartig sprang ein junges Mädchen auS der Laube tn weitem, langem, dunklem Gewände, das mit buntem goldgesticktem Seidengurt um die Lenden ftstgehaiten war. Aus dem haubenarttg auf dem Kopf gewundenen, mit Goldspangen befestigten und tn bunten Farben glitzernden Setdentuche, sah ein frisches, rundes G sicht hervor, m dem zwei Augen wie dunkle Glühlichter leuchteten. „Hadaffa, du hier?" wiederholte der Jüngling betroffen. „Ich wußte, Jzchak, daß du diesen Weg gehen würdest und ich wartete deiner. Du wärest wohl sonst gar ohne meinen Abschtedsgruß von dannen gegangen . . ." Hadaffa verzog den Mund wie ein beleidigtes Kind, lachte aber gleich so hell auf, daß die Amsel tn den Aesten erschrocken das Schnäbrlchen vorstreckte und davon flog. „Ich fliege ihr gleich nach",, sagte das Mädchen ausgeloffen und hüpfte über die wohlgepflegten Beete. „Hadaffa", lachte auch Jzchak, „wo bleibt der Abschiedsgruß?" „Du hast ihn nicht gewollt und nicht gesucht", schmollte das Mädchen und sah zu dem weißen Rosenstrauch. „Du bist grausam, Hadaffa", sagte der Jüngling ernst. „Ich meide den Anblick des Lichtes, daß mir die bevorstehende lange Dunkelheit erträglicher wird. Nun tritt mir das Licht blendrnd inS Auge — um wieder zu verschwinden. Du spielst mit Mir, Haoaffa! „Ja, ich spiele gern, Jzchak, wie du ja weißt. Und wärest du nicht, Mann, sondern eine meiner Gespielinnen, 'ich würde dir jetzt den Hut vom Kopse reißen und, zu etner Kugel zusammengedallt, dir ins Gesicht werfen. Ich hätte gerade Lust dazu. Du weißt, ich liebe keine Geistergeschichten und hasse Schattenbilder. Deine Re)e von Licht erinnert mich an die Grammatikftunden bei Menachem ben Saruk und den Unterricht in der Poetik bei Dunasch den Labrat. Ich ließ oft genug beide ehrenwerten Männer mit ihren weisen Büchern allein und lief in den Garten zu meisten Rosen und dm SchirEr.itstg.eq. Laß daß Licht, Jzchak und sage nur lieber, warum du von dünnen gehen.willst, und nM.dazu ohne meinen Gruß?. „So kurz und klar, wie da e£. hören möchtest, kann ich es nicht sagen, Ich bist, eben bei Büchern grotzgezogen, Hadaffa, und verftche die Sprache der Blumen uno Schmetterlinge nicht." //So sags tn deiner Sprache-- —" „Ich gehe fort, weil ich durch Männertat mir das. Recht auf mein Glück erwerben muß.." „Liegt dein Glück in so weiter Fernes lachte Mädchen und schnitt sich säuberlich eine weißrote Rose in grünem Kelche vom Stocks. „Wem. Glück, ist hl er, aber ..." „Aber . . ." drängte dqs MDchen unerbittlich und steckte sich die Rose in den Gurt. „Ich weiß nicht, wieich eS dir faM soll. Soll ich dir elmn Traum erzählen?" schmMMe Hadaffa, „TrästWe hyre ich gern, wenn sie nicht gar zu dlynm und verworren sind, erzähle." ' „Cs war hier im Garten, am Myrtenbeet. Ich gr-ff, nach der einen, nach der schönsten und lieblichsten aller Myrten, aber meine Hand Mar wie gelähmt ... Da raunte mir jemand ins Ohr: Weiter zurück, Jzchak, und dann kräftig auslangm. . . Und da. . „Und da tratst Du zurück?" lachte, bas Mädchen. „Dummer Traum, dummer Jzchak, ich wiche nicht zurück, sondern versucht^ E erst recht tn der Nähe." „Da erwachte ich", setzte Jzchak fort. „Und wie ich heute im Lehrhause aus dem Munde deines Vaters, deS Nassi, hörte, daß Jemand mit dem Einsätze von persönlichem Mute eine Tat für die jüdische Gr mein schuft zu vollziehest hätte, wußte ich, ich war eS, der eS zu unternehmen hatte. Der Nassi wie mein Pater, segneten mein Vorhaben . . Hadaffa überlegte und ihre Finger spielten nervös mit der Rose an ihrem Gurt. DaS Feuer in ihrem Auge verlor für eine Weile, den heiteren Glanz, „Weiß der Vater um deinen Traum, und den letzten Zweck deiner Reise?" fragtesie mit ungewohntem Ernst. „Ich habe mit ihm von der Myrte nicht gesprochen, Hadaffa, ich werde es erst, wenn ich auf Taten und Berdtenste weisen kann, die mir Anrecht darauf geben." „Gehe in Frieden, Jzchak und. Gott segne dein Unlernkhmen." „Und kröne eS mit der Erfüllung meine- Traumes..." „Und kröne es mit der ErWung unseres Traumes", betete Hadaffa leise nach. Aber keiner hörte dieses ihr stilles Gebet. Denn sie hatte sich vor dem feierlichen Ernst, der in ihr junges Herz einztehen wollte, in die Laube geflüchtet und sah durch die blühend«^ Nantyr lange dem Abztehenöen nach. Y. Monate vergingen, fett Jzchak v?n Nathan mit der byzantinischen DUegaMst ahgerelst war, man hörte weder von Jzchak noch vom. Verlaufe seiner Mission etwas. Inzwischen halt? das Leben in Eordowa seinen neuen Lauf genommen. Unter der Leitung des Rabbi MpAey be,n Canoch, dem sich Rabbt B.athan wiM' unt'erordnele, kam las Lehrhaus zu neuer Blut«.' Aus allen Teilen Andalusiens, aber auch von weither aus Spanten ynd Afrika strömten die Schüler nach Gordowa, tu die neue spastische Messiwta, der der Nassi ChaSdat eben Gchoprut besonderen Glanz verlieh. Abdul Rhaman, der milde Kalif selbst, dessen wettschauestdesAuge auf hie friedliche Berbtruung mir allen Regierungen der Welt gerichler war, nahm daS größte Interesse am Leyrhause, in dem die Gelehrten aus aller Herren Länder zusammentrasen und wo tüchtige Männer, dte später in ihrem Heimatlande in Mqt und Gemeinde führen sollten, mit kastiltschea Art und Sprache bekannt wurden. Er machte unbegrenzie staatliche Mittel flüssig für j W dtU Gchule und für den Ankauf ' der kMaren Talmudexemplare aus) Sura und I Arlserttgststa Ypn Abschriften. Mrr innerer Befriedigung sah der Kalif, dessen RegierungSztel auf volla politische Tuabhänglgkeit von Bagdad hinausging, wie auch das Judentum zu Cordowa nach, und? nach Ane geistige Unabhällglgteit erlangte Md unter Rabdt Mofcheh ben Maaoch ly eWas Ale M eigenes Äasmt ÜÜ konyte, Elüad der Danite war, nachdem er sich etliche- Wychen in GMwa aufgehMK We,'gerrm seinem Belseplane, aber reichlich unbefriedigt, weuer nach Jerus alxm gezogen. Wi' Ms st hatte, ihm aste Ehren und Gastfreundschaft er-