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Der Israelit · 1921-04-07 · Heft 14 (7.4.1921) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
62 (1921)
Issue
Heft 14 (7.4.1921)
Date
1921-04-07
Page
– (sequence 9)
Language
German
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»et J-raelit. 7. ApA im__, Wiesen imb auch die Mittel zur Weiterreise ge» währt. Aber sein Vertrauen zu Eldads Berichten war, seitdem Robbt Moscheh mit so^ nüchternen Worten zur Vorsicht gemahnt halte, stark erschüttert. Einzig Menachem ben Saruk glaubte an ihn und seine Worte mit ganzem Herzen und trug seine Wunderberichte über Land und Leute in alle Weltteile, in Wort und Schrift weiter, was ihm in noch höherem Maße die tzeindschaft seines alten Rivalen, Dunusch Sen Labrat, emtrug. (Fortsetzung folgt.) Mn Ver Berlincr G tratzeubahttt. & v t e Hg» tttigtzversüche an der Siegessäule".— Ich fuhr auf der E irahen bahn und kaufte mir unterwegs Nne Zeitung, in her diese neueste Sensation zu lesen stand: anfgernacht war die Sache in einer W.ise, datz man zwischen den Zeilen fast das Bedauern lesen konnte: wie Made, datz die »Höllenmaschine" nicht iosgegangen istdann wären doch noch viel interessantere Dinge £U berichten gewesen! Da aber die »Höllenmaschine" nicht loSgeMnc-en war, mtchre man sich also für sein Sensation« bedürfnls estrm Mderen Ausweg suchen. Was lüg näher, als MütmähMgen über den Täter anzustelltzn f Da wär -er Punkt, wo auch dem bravsten deutschen Bürger graulich zu machen war. »Vermutlich waren die Täter Ausländer". Wer das vermutet, schreibt Schmock nicht da^ei, er Mühte sonst von sich selbst reden und dazu ist. diese Kategorie der bürgerlichen Zeiiungtzschieiber zu be, scheiden. Aber der Erfolg dieser „Vermutung" ist da! Sas dem Stratzenbahnwagen haben sich noch michkdrr Hktreu diese Zeitung gekauft. Die »Ver. Muturtg^ fand ihren lebhaften Beifall. EkNer der Fahrgästrder mir schon durch die Demonstration seiner Gesinnung auf seiner Hekdenbrust ausgefallen war (er' trug eine goldene Hakenkreuzschl'pSnadel von etwa 8 Zentimeter Durchmesser), versicherte den übrigen Fahrgästen: »Ich kann Ihnen die Täter ganz genau beschrewen: Ersten« find es Sozialisten, zweitens Nihilisten '(?)> drittens sind es ostgalizische Juden"! Worauf ich ihm den Rat gab, mit diesen erschüiternd genauen Angaben die Polizei zu unterstützen, sie werde ihm sicher Dank dafür wissen. Darauf sah mich der Herr mit einem Gesicht an, von dem sich die Dummheit ablesen lieh, die zu der zitierten Aeuherung gehört und aus der auch die »Vermutung" entsprungen ist: »Ausländer, Fremde sind es meist" .... Von Heinrich Eiustadter. I. inderecke neuer VA Es! mm Der Vorstand der jüdischen Gemeinde Rebenhrim war in Verlegenheit. Pur'm nahte, und niemand war imstande, die Megillo zu lesen. Noch vor einigen Jahrzehnten hätte kein Rebrnhetmer g«-glaubt, daß jemals die Kehtllo so wett herunterkommen würde. Damals war die Gemeinde noch stattlich gewesen, und mehrere ihrer Mitglieder waren nicht nur als gewandte. Baalej tefillo, sondern auch als Lomdtm berühmt. Aber gleich anderen Landgemeinden hatte sie mit der Zeit an Seelenzahl und Bedeutung große Einbuße erlitten, und schließlich konnte sie selbst nicht mehr einen eigenen Kultur beamten erhalten. Ein benachbarter Lehrer unterrichtete zweimal in der Woche die Kinder in der Religion,. und Kusel, der Schächter, versah das-Amt des Borbeters, obzwar er dafür nur eine geringe Begabung besaß. Jetzt war er aber krank. Ein älterer Mann vertrat ihn am Schabbos, so gut er konnte. Aber an die Megillo wollte er sich doch nicht wagen. In dieser Not wandte sich der Vorstand an die Wrtsenansialt ln der nächsten Großstadt, und sein Gesuch hatte Erfolg. Man schickte ihr auf Purim einen vierzehnjährigen Knaben, der soeben aus der Schuie entlasten worden wär und der sich schon öfters in der Anstalts'ynagoge an Werktagen als Vorbeter betätigt hatte. Als er sich beim Vorsteher vorstellte, war dieser recht enttäuscht. Er hatte einen »jungen Mann" erwartet und sah nun eisten schüchternen „Jungen" vor sich. Als er aber daun zum ersten Make im GotteShüuse auftrat, da wandelte sich die Enttäuschung in allgemeine Bewunderung. Der wackere Letter des Waisen haufeS hatte die Megillo mit seinem Zögling sorgfältig rin geübt, und so trug sie dieser ohne jeden Fehler schön und sicher vor. Auch die Thoravorlesungen gingen tadellos. Otto Stieler machte sich dadurch für diesen Purimtag zum Gegenstand der Unterhaltung in Rebenhetm. Die jüngere Generation, die gewohnt war, an das hebräische Wissen eines schulentlassenen Knaben sehr geringe Anforderungen zu stellen, war qanz verblüfft durch die gezeigte Fertigkeit, und die Alten erinnerten sich durch d es Ereignis mit Wehmut an vergangene bessere Zeiten. Allgemein aber wurde dadurch ein ernstes Streben nach Aenderung der bestehenden Verhältnisse an. geregt, wenn man sich auch noch über den Weg der zum ersehnten Ziele führen sollte, unklar war. Zunächst zeigte die Gemeinde ihrem jungen Vorbei er echt jüdische Gastfreundschaft. Er mußte über Schabbos bleiben, wurde für jede Mahlzeit doppelt und dreifach eingeladen und am Sonntag mit einem ansehnlichen Geschenke entlassen, nachdem er versprochen hotte, auch über Pt stach zu kommen, wenn rS die Verwaltung der Waisenanstalt gestatten würde. II. Die erbetene Erlaubnis wurde erteilt, und in der Pessachwoche hatten die Rrbenbeimer Gelegenheit, von ihrem jungen Kantor Näheres zu hören. Sie erfuhren, daß er in ein G schäst eintreten sollte, daß es aber bisher noch nicht gelungen war, ein geeignetes, das am Schabbos geschloffen war, ausfindig zu machen. * Dem Gemeindevorsteher gefiel der stille, bescheidene Junge sehr gut. Er besaß ein größeres Geschäft, und er überlegte mit seiner Frau, ob er nicht Stieler in die Lehre nehmen könnte. Daraufhin sprach er auch mit dem Jungen darüber Der Hatte in den wenigen Tagen das schöne Familienleben 'so schätzen gelernt, daß er mit Freuden einwilligte. Als der Plan bekannt wurde, fand es sich, daß noch ein weiteres Gemeindemitglied, ein Ziegeleibesitzer, den Vorsatz gefaßt hatte, sich in dieser Angelegenheit an die Anstaltsleitung zu wenden. Da erzählte der Junge leuchtenden Auges, daß in der Anstalt ein sechzehnjähriger Zögling fei, der sich auf der Jeschtwa ein schönes jüdisches Wissen erworben habe und ebenfalls eine Stelle suche. Wenn sie das Glück haben würden, in Rebenhetm ihr Brot zu finden, dann wollten sie gewiß sich gegenseitig darin unterstützen, der Gemeinde ihre Dankbarkeit , zu zeigen. Die Verwaltung des Waisenhauses erteilte gern ihre Zustimmung. Die beiden jungen Leute kamen mit den besten Vorsätzen nach Rebenheim und fanden dort die liebevollste Aufnahme. Sie, die nie die Vorzüge des Elternhauses gekannt hatten, wurden von den braven warmherzigen Menschen wie wirkliche Familienglkcder umsorgt und gehegt. Sie gaben sich die größte Mühe, durch ihre berufliche Tätigkeit die ih en erzeigte Liede zu vergelten. Darüber hinaus aber suchten sie, der ganzen Gemeinde zu nützen. Stieler, der in der Stadt vorbildliche Vorbeter gehört hatte, vervoükommnete sich bald so, daß er den Gemkindegottesdienst wesentlich zu heben vermochte, und sein Freund nahm sich in seiner freien Zeit der Kinder und der jungen Leute eifrig an. Besonders an den Winterabenden und am Schabbos bildeten sich um ihn Kreise lernbegieriger Menschen, und der E'folg ihres Eifers blieb nicht aus. Ein Jahrzehnt später besaß die Gemeinde infolge der Aufnahme der beiden Waisen an ihnen selbst zwei wertvolle Mttglie- _ Nr. ü Seite t der und außerdem einen Nachwuchs, der nicht nur in ben elementaren Rkltgionsfächern wohl unterrichtet war und der ein neues Aufblühen jüdischen Lebens in Rebenheim erwarten ließ. München, 22. März. Der Student Karl Bratzier der in der narionattstischen Studentenschaft und in der deut^chnatiönalen Bewegung eine führende Rolle spielte, wurde von, Münchener Schöffengericht wegen eines völlig grundlosen antisemitischen Angriffs auf den Za narzt Pick zu einem Monat Gefängnis, der Mitangeklagte verantwortliche Redakteur dev »Völkischen Beobachter" zu f>00 Mark Geldstrafe verurteilt. Wie die Gerichtsverhandlung ergab, hat sich Bratzler den verleumderischen Artikel von der Urheberin, einer eifersüchtigen Frau, mit 1700 Mark zahlen lassen und dann daS Material für 1300 Mark angeboren. Auch der mitbeteiligte Vertrauensmann des deuischoölkischen TrutzbimdeS, Ho st er, liest sich von der Frau unter dem Titel Vorschutz 1500 Mark audzahlen. Der Artikel wurde dann am schwarzen Brett an mehreren deutschen Universitäten angeschlagen und zur aniisemiltschen Wahlagitation auegenutzt. DaS GerichtSu» teil stellte ausdrücklich fest, datz Bratzier den antisemitischen Kampf aus Eigennutz in der verwerflichsten Weise geführt habe. Bratzler, der noch in meh ere ähnliche Fälle verwickelt ist, bleibt übrigens bei seiner Behauptung, datz die Münchener Poltzeidireklton für seine antisemitische Agitation ihm gewiffe Polizetakien zur Verfügung gestellt habe. Kitzingen, 23. März. Die feierliche Enthüllung der Gedenkraf. l für die im Weltkriege gefallenen und vermitzien Angehörigen der ts'aejttifchen KultuSgemeinde Kttzingen, fand am Sonntag, 20. März, vormittags 11 Uhr, in der Synagoge statt. Auster den vollzählig erschienenen Mitgliedern der israelitischen Gemeinde leisteten die Vertreter der Behörden der Einladung Folge. Die Feier wurde durch einen äutzerst weihevoll vorgelragenen Gesang des Synagogenchores un>er Leitung deS Chordirigemen, Herrn Lebrer Einst ä d t e r e öffnet. Dann bestieg Herr Distrikterabbiner Dr. Wohlgemutst die Kanzel, um die Wethe predigt zu halten, die tiefen Eindruck hinterltetz. ES folgte nunmehr ein Sologesang deS Herrn KämorS Bamberge r. Sodann nahm der erste Vorstand der tSraeltlffchen Gemeinde, Herr Jstdor Ullmanu, nach kurzer, treffender, markiger Ansprache die Enthüllung der Gedenktafel vor. Er sprach den teuren Toten den Dank der Gemeinde auS, verband damit daS Gelöbnis, ihr Andenken stets in hohen Ehren hallen zu wollen und verlas den Text der Tafel nebst den Namen der Gefallenen und Vermitzien. Bet geöffneter heiliger Lade rezitierte sodann der Herr Kantor das Seelengebet für die Gefallenen. Darauf ergriff der erste Bürgermeister, Herr Dr. Schuster, das Wort, um in eindrucksvoller Rede namens der Stadt Kitzingen den Gefühlen des Schmerze«, aber auch deS Stolzes Ausdruck zu geben. Die schlichte, aber in ihrer edlen, stilgerechten Einfachheit umso eindrucksvollere Gedenktafel ist ein wohlgelungenes Werk deS einheimischen Bildhauers Herrn Roth er. Die Namen der Gefallenen sind: Sally Gelst, Richard Hichberger, Joseph Rofenthal, Dr: MoseS Schur, Stefan Sonder, Adolf Stern, Justin Strin, Willy Stein, Simon Weinberg. DieNamen der Bermttzten sind: Josua Schur, Isidor Schur. Würzburg, 3. April. Heute wurde im »Hotel Goldschmtdl" dahier, ein StedelungSverein für Bayern gegründet. Angebote und Nachfrage sind an den Vorsitzenden des provisorischen Komitees, Hauptlehrer Freudenberger in Thüngen, zu richten. Schiüchteru, 4. April. Herr Lehrer Hes, welcher an die Alle Synagoge der Breslauer Gemeinde gewählt worden ist, bat sich auf Bemühen der Gemeinde- Mitglieder entschlossen, in hiesiger Gemeinde weiterhin zu wirken. Familiennachnchten. Geburten. Einen Sohn: Bernhard Finkelstetn und Frau, gev. Rosenthal, Sprendlingen. Verlobte. Frl. Rosel Pollack, Marktbreil a. M., mit Herrn Julius Braun, Frankfurt a. M, Joch Jameöson, PariS/Wten, mit Willy Steiner, Pretzburg. Unentbehrlich am Sabbat und Feiertag ist im jüdisch relst iäsen HauS die bei S. Thalmanu tt, Schwab m. b. H. hergestellte „Flü stge Tuiicttt'Nseife". Es ist ein vortreffliches Produkt, das auch dem verfeinerten Geschmacke entspricht und tue Benutzung von Seife an Tagen, da die'es mit vre» verbunden wäre, vollkommen überflüssig macht. Im Hot l Löwenhü', Hanauerlandstratze, spielt das Jüdische Theater" allabendlich bei vollem Hause. Freunde guter jüdischer Kunst kommen bei einem Besuche dieses einzigen jüdischen Theaters am Platze, ganz auf ihre Rechnung.

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