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Der Israelit · 1921-04-07 · Heft 14 (7.4.1921) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
62 (1921)
Issue
Heft 14 (7.4.1921)
Date
1921-04-07
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
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SE 6 Nr. 14 Ker. MsstzM 7. April 19fil RalitMnlr» Die Örganifierung der Semsinöen in Palästina. Jerusalem, 10. März. Das Nationale Komitee geht nun mit Eifer an die Organisierung der Kehillos. Die Statuten- Kommission hat ihre Arbeiten beendet und dem Komitee zur Genehmigung vorgelegr. Nach diesen Statuten bilden die jüdischen Bewohner eines Ortes in der Mindrstzahl von dreißig erwachsenen Personen beiderlei Geschlechts, eine Gemeinde, der die Rechte und Pflichten einer juristischen Person zukowmen. Die Aufgaben der Kehilla sind religiöser, erzieherischer, kultureller, humauitärer, sanitärer und sozialer Natur. Friedensgerichte, Matrikelführung, Finanzverwaltung usw. fallen ebenfalls in den Bereich der Kehilla. Die Einnahmen der Kehilla bestehen aus gesetzlichen Steuern, Spenden und Vermächtnissen, Zuschüssen von der Regierung und des Nationalen Komitees und den Einnahmen aus Grundeigentum. AlS Organe der Kehilla gelten die General- Versammlung und die Gemeindeverwaltung. Die Beschlüsse und Unternehmungen der Gemeindeverwaltung stehen unter Aufsicht des Nationalen Komitees. Dieses erläßt auch ein Normal-Statut für die Wahlordnung, Steuerveranlagung und Verwaltung der Gemetndegelder. Ueber Vas Frauenwahlrecht spricht such der Entwurf nicht aus. Es ist nur von einem Antrag des Rabbiners Zitron, Mitglied der Statutenkommtssion, die Rede, der die Frage des Frauenwahlrechtes der Delegiertenversammlurrg zur Entscheidung überlassen möchte. Ein zweiter Antrag wünscht für die Kolonien in Bezug auf ihre Rechte und Ausgaben den Städte Charakter. Im ferneren unterscheidet der Entwurf zwischen Gemeinden, die durchwegs als jüdische rntt rein jüdischer Verwaltung und jüdischem Eigentum gelten und gemischten Gemeinden, bestehend aus Juden und Nichtjuden. Der Aufgabenkreis der elfteren Kategorie ist natürlich wett größer als der der zweiten. Bis zur Ausfertigung des Steuerregulativs muß die Besteuerung auf Grund der Einschätzung vor sich gehen. Steuerreklamationen erledigt das Nationale Komitee. Alle Einnahmen aus Schechita, Friedhof usw. fließen in die Kaffe der Gemeindeverwaltung. Als Mitglied der Gemeinde gilt jeder erwachsene Jude, der seinen Wohnsitz innerhalb der Gemeinde hat, solange er nicht seinen Austritt aus der Gemeinde schriftlich erklärt hat. Die Gemeindeverwaltungen vertreten die Ge- »meinden und sind dem Nationalen Komitee, wie den Regterungsorgaaen gegenüber verantwortlich. Der Statulenentwurf wurde sämtlichen Mitgliedern des Nationalen Komitees zur Prüfung und Meinungsäußerung zugestellt. vis Bestattung örünbaums- IerufalE, *3. Mörz. Die jetzt anlangerrden palästinensischen Zeitungen aller Richtungen enthalten lange ehrende Nachrufe aus Grünbaum in denen sie dem Leben und der segensvollen Wirksamkeit dieser großen jüdischen Persönlichkeit gerecht zu werden suchen und den plötzlichen tragischen Tod beklagen. Ueber die Bestattung finden wir im „Doar Hajom" vom 21. März einen kurzen Bericht, nachdem sich eine große Versammlung aus allen Gemeinden der heiligen Stadt, an der ''■& beteiligte. Schüler aus den Erziehungsanstalten der Deutsch-Holländischen Palästina-Verwaltung zogen, Psalmen rezitierend, in zwei langen Reihen der Bahre voran. An verschiedenen Stellen wurden v'nvvn gehalten. -Zunächst sprach Rabbi Chaim Sonenfeld, darauf entbot Herr Wolfs Pappenheim im Namen der Agudas Israel-Weltorganisation dem Freund und Mitreisenden den letzten Gruß, Rabbi I. Bergmann, Nürnberg entwarf ein Bild vom Leben und Wirken der Verstorbenen, Herr MoseS Blau sprach im Namen der Aguda in Palästina, Herr 8. Kahana im Namen der Jugend' grvppen-Zentrale in Wien. Es sprachen noch zuletzt die Rabbiner Dan UN, Jodler, Jok" zinski, Werthetmer und Porath. Die Vertreter aller Institutionen, mit Rabbi Chaim Sonnrnseld an der Spitze, begleiteten den Zug bis auf den Oelberg, wo die sterblichen Ueberres'te Grünbaums v'p'NLN nrop zur letzten Ruhe gebettet wurden. Verfolgungen im Jemen. Aerusatem, 15. März. Die Vertreter der Jeminiten im Jüdischen Volksrat von Palästina (Waad Leumi) berichten, daß die Lage der Juden im Jemen neuerdings sehr traurig sei. Während diese im Kriege äußerst bedrückt wurden, sei jetzt eine alte Verfügung ausgegraben worden, wonach alle jüdischen Waisenkinder zum Islam bekehrt werden, müßten. Als es den Waisen von Damar gelang zu entfliehen, sperrte man die Gemeindevorsteher ins Gefängnis, wo sie bereits seit fünf Monaten in Hast sitzen. Aehnliche Vorfälle haben sich auch an anderen Orten abgespielt. Diese Zwangsbekehrung beschränkt sich jedoch nicht ausschließlich auf Waisen. Auch die anderen Juden versucht man mit Gewalt zum Islam zu bekehren. Es werden daher alle jüdischen Organisationen um Hilfe angegangen und namentlich wird die Zionistische Organisation ersucht, den in Aden konzentrierten jüdischen Flüchtlingen aus dem Jemen die Einwanderung nach Palästina, zu ermöglichen. Jerusalem, 20. März. In Sachen der jeminitischen Juden, die in letzterer Zeit wiederum viele Verfolgungen über sich ergehen lassen müssen, waren Mitglieder des Nationalen Komitees.beim Oberkommiffar vorstellig. In einem Memorandum bot die Delegation eine übersichtliche Zusammenstellung der Leiden, der Tragödien der Zwangsübertritte usw. in Jemen. Es ist dann darin weiter dem Sehnen der jrminitffchen Juden, sich nach Palästina zu flüchten, Ausdruck gegeben und es wird betont, wie sehr sich die arbeitsluftigen jemenitischen Juden zur Ansiedlung in Palästina eignen. Der Oberkommiffar versprach, der Jemenitenfrage sein größtes Interesse zu widmen und sie bet seiner bevorstehenden Zusammenkunft mit Lord Churchill in Aegyten mit zum Gegenstand der Aussprache zu machen. Personalien. Bergingenieur Rosenthal. Basel, Li. Mörz. In Basel, wo er seit Jahren sei, en Wohnsitz hatte, starb am Sonntag im Alter von 70 Jahren, Bergingenieur Louis Rosenthal, dessen Namen unseren Lesern wohl bekannt war. Der Verstorbene hat ein arbeitsreiches und bewegtes Leben hinter sich. Er stammte aus Obermeiser bei Hofgeismar und wohnte nach Vollendung seiner bergbaulichen Studien in Cassel. Hier widmete er sich vor allem der Erforschung der Bergwölder nach Braunkohlen und Wasser. Die heimische Braunkohlenindustrie verdankt seiner Arbeit wesentliche Förderung und Anregung. Nvsenthal hat sich auch in der Fremde immer als treuer Freund seiner Heimat erwiesen. Schriftstellerisch war Ingenieur Nosenthal äußerst fruchtbar. Er hielt sich längere Zeit zwecks Erschließung von Silberminen in Südamerika aus und faßte feine dortigen Erlebnisse in den Büchern: „Diesseits und jenseits der Kordilleren", sowie in den Bergwerksp.eschichten „AuS ewiger Nacht" zusammen. Auf belletristischem Gebiet verdanken wir dem Verstorbenen mehrere Humoreskensammluugen sowie eine Reihe gemütvoller Erzählungen, die zum Teil auch in unserem Blatte erschienen find. Nun hat der Tod den Plänen dieses rastlos tätigen ManneS ein Ziel gesetzt. nÄam Nürnberg, 2ö.März. Man schreibt UNS: Einen unersetzlichen Verlust erlitt die jüdische Gemeinde Nürnbergs mit denr Heimgange Abraham G r ü n b a u m S WaS er für'S orthodoxe Judentum km allgemeinen und ganz besonders für die jüdische Orthodoxie Nürnbergs bedeutete, ist bereits vielfach hervorgehoben worden. Aber auch die Ostjuden haben durch seinen Tod einen unersetzlichen Verlust erlitten. Der hiesige ostjüdische Verein „Achi-Eser" veranstaltete am Montag, L8. März, abends S Uhr, im BereinSsaal eine Trauerfeier zum Andenksn an Gr»n»a«ln der Mitglied SeS Vereins war und zu dessen Gründung wesentlich beigetragen hat. Die Versammlung war von sämtlichen Mitgliedern deS Vereins besucht. Herr Dr. Bamberger wies auf daS vielseitige Wirken und Schaffen dieser Persönlichkeit hin und hob insbesondere ihre Bedeutung für das Ostjudentüm hervor. Darauf drückte Herr ManeS Fried mann, zweiter Vorstand deS Vereine», im Namen der Ostjuden in schlichten rfihrenben Worten den liefen Schmerz über den jähen Tod des Dahingefchiedenen auS. Die erschütternde Wirkung der unerwarteten TodeSkunde auf die Ostjuden Fürths, brachte Herr Holzmaun zum Ausdruck. Das von Herrn Sberkantor S tei n f e l d angestim.mte Gebet schloß die ernste Feier. Fulda, L5. März. Ein unübersehbare» Trauergefolge bewegte sich invrr nwn nach dem hiesigen n*a. Galt es doch, einem allgemein geachteten und beliebten Bürger unserer Stadt da» Geleite zu seiner letzten Ruhestätte zu geben. Die Nachricht von dem H-imgange de» MetzgermeisterS Maier Kamm, löste in allen Kreisen der hiesigen Bevölkerung ein Gefühl tiefer Wehmut au». Die Lauterkeit deS Charakters, stete Hilfsbereitschaft, aufrichtige Frömmigkeit waren ihm im seltenen Grade eigen. Die jüdische Gemeinde war ihm zu besonderem Danke verpflichtet. Als die nichtjüdischen Metzger sich den rabbinatSamtltchen Anordnungen nicht fügten und streikten, war r» der Verblichene, der mit Aufwendung seiner ganzen Kraft und ' unter materiellen Opfern die ganze Gemeinde mit Fleisch versorgte. Seiner Einsicht und Selbstlosigkeit hatte er eZ zu danken, daß ihn die Metzgerinnung in den Vorstand wählte. Um den Heimgegangenen klagen eine Witwe und sechs Kinder. Ein Sohn fiel dem verhängnisvollen Kriege zum Opfer. Der Allgütkge tröste die Trauernden. if'awrr Tersfeld, 26. März. Nach mehr als 60 jähriger Amtstätigkeit, von denen 43 auf die hiesige Kultu»- gemeinde entfallen, tritt der Lehrer der hiesigen israelitischen Gemeinde, Aron Rotzmann, trotz körperlicher und geistiger Rüstigkeit am 1. April auf Grund deS neuen Pensionsgesetzes in den Ruhestand. Durch stets gewiffenhafte Ausübung all seiner dienstlichen Obliegenheiten in Schule und Gotteshaus hat er sich die Wertschätzung sämtlicher Ortsbewohner und seiner Vorgesetzten zu erwerben und zu erhalten verstanden. MoSbach (Baden), ö. April. Am 1. d. MtS. vrrschied in hohem Alter von 80 Jahren, Herr Nathan Rothschild. BiS in fein hohes Atter geistig und körperlich frisch, hat der Verstorbene regen Anteil an allen Angelegenheiten der Gemeinde wie auch der Stadt MoSbach genommen und gehörte er auch dem Vorstände vieles Vereine an. Mit warm schlagendem Herz und offener Hand war er ein immer bereiter Helfer der Bedürftigen. Durch seinen garaden Charakter und leutseliges Wesen war er wett und. breit beliebt. Seiner Bahre folgte am Sonntag eine ungewöhnlich große Zahl Freunde von Nah und Fern, sowie die Vertreter vieler Vereine, denen der Verstorbene angehört hatte. Am Grabe sprach Herr Rabbiner Dr. Löwen stein für die Gemeinde MoSbach, sowie der Vorstand des KriegervereineS namens verschiedener Vereine. Ganz besonders hat der Verstorbene infolge seines energischen AusiretenS die Einführung eines ReformgebetbuchcS in Baden verhindert. n'^m Walldorf in Baden, 30. März. Am SamStag, 26. März, konnte Herr Kantor und Lehrer S. Hahn aus seine 25 jährige Amtstätigkeit in unserer Gemeinde zurückblicken. Beim sabbatlichen MorgengotteSdienst dankte unser Gemeindevorsteher, Herr Wilhem Levt, den» Jubilar und seiner Gattin für ihre unermüdliche und segensreiche Tätigkeit, durch die sie die Liebe und Verehrung der Gemeinde und die Hochschätzung auch außerhalb der Gemeinde gewonnen haben. Der Gemeindevorstand hat als äußeres Zeichen der Dankbarkeit dem Jubilar eine Ehrengabe zugedacht. Herr Hahn dankte tiefbewegt für die Ehrung, die ihm zuteil geworden und versprach, auch fernerhin mit seiner ganzen Kraft für das religiöse Wohl der Gemeinde zu sorgen. Im Anschluß an den Wochenabschniit sprach dann Herr Rabbiner. Dr. Lev i, Mainz, den Dank der vielen Schüler aus, die durch Herrn Hahn religiöse Unterweisung genoffen haben. Die ganze Gemeinde nahm an dem Ehrentag des Herrn Lehrer Hahn herzlichen Anteil. HMak-Anfang und Ausgang. yntn mar- Oft Tu Anfang Dat«m Ausgang USr Imta. IVSll 5981 mx Min. i ' 8. gL.AdarN. Frankfurt «; M. 8 ' SS April 7 61 Berlin . . « öS 7 3» Mönche« - . 6 39 7 S4 Gtrakburs > — - i - — Stuttgart. — s - - Pose« . — — NS.ruSssL. 6 SO 7 30 H««b«rK M 7 67

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