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Der Israelit · 1921-04-07 · Heft 14 (7.4.1921) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
62 (1921)
Issue
Heft 14 (7.4.1921)
Date
1921-04-07
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Vrr JSraettt. K Äprtt 1SS1 beabsichtige, ohne mit den rabbinsschen und altgeheiligten Gemeindetraditionen zu rechnen. Jjn Kamech hes Warschauer RahbinateS baten die Delegiertenc um Aufhebung des Beschlusses. ES entwickelte sich daraus eine längere F ebalte, die mit einer Vertagung der Angelegenhelt endete. Z)ie, Delegation trug eine fchriftl che Erklärung sämtlicher Warschauer Rabbiner mit sich, wonach sie alle ihre Demission ein reichten für den Fall, daß die Gemeindeverwaltung auf ihrem Beschlüsse verharren sollte. Auch die orthodcxen G emein de r äte wollen in diesem Fall ihr Amt nieder legen . Infolge der Vertagung der Angelegenheit haben sich die Rabbiner entschlossen, noch im Amte zu verbleiben und die weiteren Beschlüsse der Gemeinde abzuwarten. Oie lüdifdien Slüdifiinge In Polen. Warschau, 28. März. Pie Unterhandlungen der jüdischen Abgeordneten mit der polnischen Regierung in der FlüchdlingSfrage haben zu folgenden Resultaten geführt: Die ukraintschen Flüchtlinge, welche nach dem Präliminarfrieden mit Rußland, daS heißt seit 12. Oktober, in Polen weilen, werden registriert und bekommen spezielle Ltgtttmationen. Wer sich nicht registrieren lasten will, soll auSgewiesen werden. Ab 15. April werden an die Ukrainischen Flüchtlinge ausländische Pässe nach Amerika oder Palästina auSgefolgt. Innerhalb eines begrenzten Termines müssen die Betreffenden auswandern. Die lokalen Hilfskomitees werden von der Regierung anerkannt und sollen einen halbofsiziellen Charakter tragen. Die lokalen Behörden werden beauftragt, den Wünschen der Hilfskomitees entgenzukommen. Für die Tätigkeit dieser Komitees trägt der jüdische Sejmklub die Verantwortung. Die Regierung hgt diese Erleichterung - in der Erwartung gegeben, daß die jüdische Gesellschaft die Auswanderung erleichtern wolle. Aus diesem Grunde wendet sich der jüdische Sejmklub an. aste ausländischen jüdischen Emigrationsorgantsationen mit dem Ersuchen, ihm bei dem Bestreben, die Auswanderung der ukrainisch»jüdischen Flüchtlinge in die Wege^ zu leiten, auf alle Weise behilflich gu sein. Rabbi Jofua iliaimon Warschau, 27. März. Am Purimtage verstarb der bekannte Dajan von Prag«, Robbt Josua Maimon. Maimon war rin angesehenes Mitglied des Warschauer Rabbinates und stand als hervorragender Thcragesihrler in höchster Achtung. Ueber 32 Jahre übte er daS Rabbineramt in der Vorstadt Prag« auSj in welcher Zeit er viele Schüler heranbildete und zahlreiche halachijche Schriften verfaßte. Er erreichte ein Alter ’ von nur 62 Jahren. Als Nachfolger Waimons gilt dessen Schwiegersohn Rabbi Joeob Silberstein, was auch dem letztwilligen Wunsche des Verstorbenen entspricht. Marschau, 1. April. Bei der Durchfahrt des Gerer Revbe auf feinem Wege zur Wiener Aguda- Srtzung und nach Palästina fanden sich etwa zehntausend Menschen auf dem Bahnhöfe ein, NU, dem gefeierten Rabbi Lebewohl zuzurufen. Die Bahnbeamten verhielten sich zu der Wenge korrekt und freuMich. Urrkland. ZLvWer Seibsslckutz In Ru&anB- London, 29. März. Hie eben auS Rußland zurückgekehrten Delegierten deS HtlsskomiteeS für die ukraintschen Judenberichten von jüdischen S elb st sch utz- Dorbänden, die in allen Städten und Slästchen in Rußland und der Ukraine mit Genehmigung und Hilfe der Sowjet-Behörden gebildet wurden. Der jüdische Selbstschutz hat keinerlei politischen Eharakter, sondern dient lediglich zur Abwehr voy Pogromen. Die Dienstpflicht im Selbstschutz tzWztz jedem männlichen JudM bis zum «U«t von 60 Jahren. D-e Delegierten sind der Meinung, diese kräftige Abwehr habe bereits eine merkliche Abnahme der Ausschreitungen zur Folge gehabt. Ukraine. Die Nmerlka-Mke für RußlanÖ unö Oie Maine. New-York, 25. März. Heute ging vom hiesigen Hafen wiederum ein Schiff direkt nach Reval ab, welches Kleider, Schuhe, Medikamente, Lebensmittel, (auch Mehl zur Bereitung von Mazzos) im Ganzen in Werte von einem viertel Million Dollar für die jüdischen Notleidenden in der Ukraine und Wcißrußland mit sich führt. In einem Zeiträume von fünf Monaten ist eS bereits duS fünfte Hilfsschtff, das auf Veranlassung des amerikanischen Vertreters deS Jüdischen Kommissariat in Sowjet- Rußland nach Rußland abgeht. Die Verteilung ltegt in Händen des Jüdischen Kommissariates. Ungarn. Die Rnhlage gegen Oberrabbiner Immanuel Löm. Budapest, 1. April. Die Staatsanwaltschaft hu nun endlich die Anklageschrift gegen den Szegedtner Oberrabbiner Dr. Immanuel L ö w zustande gebracht. ES ist ein ganzes Bukett yon Anklagen, die die Staatsanwaltschaft gegen Löw, der sich seit dem 23. April 1920 in Untersuchungshaft befindet, erhebt. Sie lauten auf das Verbrechen der Aufreizung zum Klaffen-, Naiionalitäten- und konfessionellen Haß, ferner auf daS Vergehen der Majestätsbeleidigung und der Beleidigung der Person deS Reichsverwesers. Die Mitteilung einiger Budapester Blätter, daß der Szegedtner Gerichtshof die Hauptverhandlung in^dftsenr Prozesse für den 5. April ausgeschrieben habe, entspricht nicht den Tatsachen. Die Staatanwaltschaft hat erst jetzt ihre Anklageschrift unterbreitet, gegen welche die Verteidiger ihre Einwendungen an den Anklagesenat überreichten. Die nunmehr seit nahezu einem Jahre währende Untersuchungshaft wurce inzwischen achtmal von neuem weitererstreckl, Dr. Löw wird jedoch seit einiger Zeit mit Rücksicht auf sein Alter und seine Gesundst nur in seiner Wohnung unter Bewachung gehalten. England. wlnkon Churitilll In Paläfflna. Stuben/ 1. April. Der englische Kolonialmtnister Churchill ist von Cairo nach Palästina abgereist. Eine Delegation anttzionrstlschrr Araber auS Palästina, die ihn vor seiner Abreise sprechen wollte, hat er nicht empfangen, sondern erklärt, daß er in Palästina mit einzelnen der Delegierten sprechen werde. In Jerusalem traf Rachum Sokolow, der Vizepräsident der Zionistischen Organisation, und in Jaffa Baron James Rothschild, Mitglied deS Economic Couneil der Zionistischen Organisation, ein. London, 2. April. Rach einer Reuter- Meldung erklärte Churchill in Jerusalem gegenüber einer Abordnung des arabischen Kougrrsses nachdrücklich, die englische Regierung sei entschlossen, sich an die Erklärung BalsourS in ihren beiden Teilen zu halten, nämlich wegen Errichtung eines jüdischen nationalen HeimatstaattS und wegen des Schutzrs der nlchtjüdischen Bevölkerung. Churchill empfing darauf eine jüdische Abordnung, der er erklärte, die Juden müßten daS Mißtrauen, das ihnen von der mohammedanischen Bevölkerung entgegengebracht werde, zerstreuen. Er sagte alsdann, die britischen Stcuerzahler könnten die Ausgaben für die Errichtung einer jüdischen Nationalheimat nicht tragen, dir Juden müßten daher größere Anstrengungen machen, um die notwendigen Mittet auszubringen. Ein Vertreter der jüdische« Abordnung erklärte, die Zt o- ___No U Bette 6 nisten feien bereit, d.e nötigen Mntel zu beschaffen. ... Die „Wiener Morgenzeitung" weiß ferner aus dem Memorandum, das die aus dem Waad Leumi, der ZtontstlZchrn Kommission und dem Oberrabbtnat bestehende Abordnung dem Kolonialminister Churchill überreichte folgendes mttzutetlen. Dasselbe anerkennt die großen Verdienste Sir Samuels in seinen Bemühungen um die Herstellung freundschaftlicher Beziehungen zu den Arabern und stcllt wiederholt fest, daß die Zionisten keinerlei Absicht haben, die R-chte der arabischen Bevölkerung anzutasten. Es wird in dem Memorandum die Anerkennung deüber die ganze Welt verstreuten jüdischen Volkes als eine Einheit gefordert, die zur Mitwirkung an allen, die Entwicklung Palästinas betreffenden Be'chlüssen berechtigt fein soll. Schließlich fordert daS Memorandum die Förderung der jüdischen Auswanderer aus den wirtschaftlich ruinierten Ländern, insbesondere auS den Pogromländern nach Palästina, sowie die Urbergäbe der natürlichen R.tchtümer des Landes und der Staatsländereien zum Zwecke von deren Erschließung und Urbarmachung an daS jüdische Volk. IrrgofiavLen. Die JüOIfdien Gemeinden in Jugoslawien- Belgrad, 27. März. Die Belgrader Regierung präzisierte kürzlich ihre Stellung zu den Gemeinden der einzelnen Rcligtorrsgesellschaften und hat folgendes Prinzip ausgestellt: „Die auf. dem Gebiete des Königreiches S. H. S. bestehenden Konfessionen sind gleichberechtigt und dem Range nach gleichgestellt und verwalten ihre inneren Angrlegenheiten in autonomen Wirkungskreise selbst." Entsprechend diesem "Grundsatz, ließ die Regierung alle im Königreiche vorhandenen religiösen Einrichtungen bestehen und rüttelte in keiner Weife an den autogenen Einrichtungen der Konfessionen. Im alten serbischen Königreich genosftn die jüdischen Gemeinden volle Gleichberechtigung und Autonomie. In strittigen Fragen war der Oberrabbtner der Belgrader Judengemeindk, der gleichzeitig Großrabbiner des ganzen Königreiches war, der entscheidende Faktor. Demgegenüber waren die autonomenAngelegenheiten derJudengemetnden tu den neuen Teilen des Königsreiches recht verworren. Die Orthodoxen hatten eigentlich kein Zentralorgan. Die jugoslawische Regierung gcht nun daran, die Angelegenheiten der Juden tes Landes einheitlich und unter Auf-s rechterhaltung der Autonomie zu regeln. Zn diesem Zwecke schuf sie den „Verband der jüdischen Gemeinden im Königreiche S. H. S." Dieser Verband wird seine Zentrale in Belgrad haben und daS höchste Forum in allen, die jüdischen Gemeinden des Landes betreffenden Angelegenheiten sein." —Es blelbtabzuwanen, wte sich die Vechältnisse in Jugoslawien weiter entw ckeln. Der Schein, als wäre daS Ganze nur zum Schutze dec Orthodoxie gedacht, könnte auch trügen. Griechenland. eins Veraewslklamia 9es (Udifdien Neckte». Smyrna, 10. März. Ju Smyrna wurde noch zur Zeit der Türkenherrschaft der jüdische Friedhof konftsziert. Seit der Brsetzung der Stadt durch die Griechen gicbt sich die jüdische Gemeinde alle Mühe, zu ihrem Rechte wieder zu gelangen. Doch vergebens. Der griechische Minist erprafidcnt erklärte, den Friedhof mit der Stadt von der türkischen Gewalt übernommen zu haben, also sei er griechisches Eigentum. Eine Annulterung der Beschlagnahme könne nur durch etn legales Gericht beschlossen werden, an welchem cs aber in Smyrna fehle. Nunmehr hat die „Alliance Jsraeltte Universelle« die Sache in die Hand genommen.

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